Samstag, 4. Juni 2011

“Who needs yesterday’s papers, who needs yesterday’s girls”







- “Westerwelle rügt Merkel. ‘Harte Regeln für einen harten Euro’. Auch EZB beharrt auf automatischen Sanktionen. Kanzlerin: Der Kompromiß ist gut”.
“Who needs yesterday’s papers, who needs yesterday’s girls”, sang Herr Jagger vor vierzig Jahren. Der obige FAZ-Aufmacher stammt vom 22.10.10. Da wissen wir doch, was von den Politiker-Erklärungen und den Forderungen der EZB zu halten ist.
Der EZB-Präsident verlangt keine automatischen Sanktionen mehr. Er ist lernfähig und originell:
Trichet schlägt europäisches Finanzministerium vor.
Dafür bekam der französische Stratege gestern den deutschen Karls-Preis.

- “Standpunkt: Martin Wiesmann (J.P. Morgan Deutschland)
Höchste Zeit für Realismus in der Griechenland-Debatte
Ein Jahr nach der Verabschiedung des ersten Griechenland-Pakets ist die Auseinandersetzung um eine Lösung der Krise in eine neue Phase getreten: …” 3.6.11
Es fließen nämlich neue Milliarden. Wiesmann meint, der Maastricht-Vertrag sei unrealistisch gewesen. Das stimmt wohl. Man hätte bei der DM bleiben sollen. Wiesmann meint das aber nicht. Ein echter Angestellter.

Freitag, 3. Juni 2011

Kräftig einatmen





Henri Bq (Becquerel)
(Bild Wiki.)


- Dem Aachener Geophysiker Christoph Clauser geht es um die Vergrößerung der Erdwärmenutzung in Deutschland. Nach den Kleinbeben im Raum Basel traten stärkere Vorbehalte gegenüber den Tiefbohrungen (4-5 km) der Geologen auf.
Clauser verweist darauf, daß bei diesen Mikrobeben keine Menschen zu Schaden gekommen seien, nur Sachschäden seien aufgetreten. Demgegenüber fordere der Bergbau allein in Deutschland jählich etwa 5 Tote, das werde aber gar nicht zur Kenntnis genommen.
Da hat er sicher recht. Allerdings bleibt die Energiedichte des heißen Wassers aus der Tiefe weit hinter dem Öl zurück, noch weiter hinter Kernenergie.
Die Erdwärme wird übrigens durch den radioaktiven Zerfall im Erdinnern erzeugt.
Scherhaft: Man könnte ohne Tiefenbohrungen die Wasserrohre über den Abklingbecken der Kernkraftwerke verlegen und so die Nachwärme nutzen.

- Strahlend: “ Zum Vergleich für die im Umgang mit Radioaktivätsmesswerten etwas Unerfahrenen:
Durch natürliche radioaktive Isotope im Körper eines jeden gesunden Menschen (etwa 6 bis 7 l Blut) wird eine Strahlung von ca. 8000 bis 9000 Becquerel erzeugt. In den modernen Forschungslaboratorien der Isopenmarkierung in der Biochemie wird mit Substanzen umgegangen, die in Megabecquerel gemessen werden. “
Dr. Wolf-Dieter Schwidop
1 Megabecquerel = 1.000.000 Becquerel

- 1 Becquerel (Bq) bedeutet, daß sich pro Sekunde 1 Atomkern eines radioaktiven Stoffes umwandelt.
Im Radon-Heilstollen von Bad Gastein zum Beispiel ist was los: 44.000 Becqerel pro Kubikmeter Luft. Dafür zahlen die Besucher.
1 Becquerel (Bq) heißt hier, daß sich pro Sekunde 1 Radonatom in ein ebenfalls radioaktives Poloniumatom umwandelt und dabei ein Alphateilchen aussendet. (Vgl. Dipl.-Phys. Dr. Hermann Hinsch, Radioaktivität. Aberglaube und Wissenschaft, 2010, S. 14)

Donnerstag, 2. Juni 2011

Knirschender Kalk





Tolles Herzchen
(Bild Wiki.)



- Ablagerungen innen an den Adern, den Blutgefäßen, können zu Verengungen führen und zu Schwierigkeiten der Blutversorgung, was am Herzen besonders unangenehm ist. Die Herzmedizin sprengt dann gegebenenfalls die Ablagerungen ab und setzt eine weitende Metallpassage, eine Gefäßstütze. Das sind medizinische Meisterleistungen, auch wenn das Verfahren nicht ungefährlich ist und sich erneut lebensbedrohende Ablagerungen bilden können. (S. Gerd Heusch, Uni Essen)

Ein interessanter Hinweis von anderer Herzmedizinerseite: Beim Aufschneiden großer Gefäße nach Ableben kann es laut knirschen wegen starker Innenverkalkung, aber der Patient sei nicht an einem Herzinfarkt verstorben und habe nicht an Gefäßverengungen gelitten.
Eine ungeklärte Frage sei, warum bei solchen Patienten trotz starker Verkalkung keine Infarkte wie bei anderen aufträten.
Die gleiche Frage stellt sich auf vielen Gebieten, etwa beim Rauchen, das teilweise erstaunlich gut vertragen wird (Ehepaar Schmidt), während es andere Menschen erheblich schädigen kann.
Bei allem angehäuften Wissen bleibt eben viel unbekannt. Bei der Medizin muß man jedoch die großartige Entwicklung als Naturwissenschaft beachten. Noch bis in das 19. Jahrhundert verhalfen sog. Ärzte durch unsinnigen Aderlaß zum Tode. Man sollte daher erst nach dem Einzug der Naturwissenschaften in die Medizin vom Beruf des “Arztes” sprechen, davor von “Quacksalbern” und “Heilern”, meist waren sie beides ununterscheidbar und oft waren sie tödlich. Goethe läßt deswegen seinen Faust sagen:

Hier war die Arzenei, die Patienten starben,
Und niemand fragte: wer genas?
So haben wir mit höllischen Latwergen
In diesen Tälern, diesen Bergen
Weit schlimmer als die Pest getobt.
Ich habe selbst den Gift an Tausende gegeben:
Sie welkten hin, ich muß erleben,
Daß man die frechen Mörder lobt.
Faust I, Osterspaziergang

Noch zu Lebzeiten Goethes bot die Weimarer Apotheke haarsträubende Produkte an, die mit heutigen Arzneimitteln fast nicht zu vergleichen sind.
Daher hielt man sich am besten an alte Hausmittel, die zwar auch nicht verläßlich waren, aber stärker auf Erfahrungswissen beruhten. Um Quacksalber wie den jungen Schiller machte man am besten einen großen Bogen, wenn einem sein Leben lieb war. Schillers Berufswechsel war ein großer Gewinn für alle, vielen Menschen rettete dieser Wechsel das Leben.

Mitte Mai gab es ein ZEITZEICHEN (WDR5) zu einer alten Apotheke des 11. Jahrhunderts. Dabei wurde, vermutlich aus Unkenntnis, der Eindruck erweckt, als habe die alte Quacksalbermedizin etwas mit der modernen, naturwissenschaftlichen Medizin zu tun. Die mittelalterliche Apotheke wurde sogar als Errungenschaft für einfache Leute dargestellt, die sich keinen Quacksalber leisten konnten. Sehr abwegig. Wer den Kontakt mit Quacksalber (alias "Arzt") und Quacksalber-Apotheke vermied, lebte länger. Siehe Faust. Siehe noch Ignaz Semmelweis.

Mittwoch, 1. Juni 2011

Verbundfahrradkette





Wie recht Sie haben,
sehr geehrter Herr XfüreinU!

Im internationalen Wettbewerb sind Neuerungen gefragt. Olle Dinge wie Aluminium, Zement und Kupfer lassen wir den anderen. Auch Windmühlen und Solarbretter bieten die Chinesen, weil alter Kram, in Deutschland billiger an, von der tschechischen Verkabelung dafür nicht zu reden.

Aber das können die Inder und Chinesen nicht:
Einen schönen Leichtwasserreaktor bauen und nach 13 Monaten prächtiger Laufzeit vom Netz nehmen wie Mülheim-Kärlich, das macht uns keiner nach. Das kann sonst niemand. Oder, wovon die Chinesen noch meilenweit entfernt sind, einen phantastischen Schnellen Brüter bauen wie den in Kalkar, der sich selbst mit Brennstoff versorgt, das ist einsame Spitzentechnik, das können die Chinesen noch nicht richtig buchstabieren, und diese höchstinnovative und in dieser Sicherheitsausstattung weltweit einzigartige Technik dann erst gar nicht ans Netz zu lassen - das ist absolut innovativ, das gabs nocht nicht, darauf kommt kein Chinese.
Das ist wahre Innovationskraft. Zudem mit einem künstlerischen Einschlag: zeigt doch solch eine Opferung von Milliarden die Vergeblichkeit allen menschlichen Tuns.
Sich in den Solarpark Finsterwalde einzukaufen, um an die deutschen Solarsubventionen zu kommen, das ist chinesische Einfallslosigkeit.

Ich hätte hier auch noch einen Vorschlag und hoffe auf Ihre Unterstützung:

Da die Sonne meist nicht so recht scheint in unseren Breiten, nachts soll sie ja gar nicht scheinen, und auch auf den Wind wenig Verlaß ist, von den Kosten für diese Segelboottechnik zu schweigen, könnte man höchst innovativ eine Verbundfahrradkette von der Kieler Förde bis zu Habermas’ Haus in Starnberg installieren, auf der man die vielen Soziologen, Politologen, Theaterwissenschaftler, Germanisten, Philosophen, Pädagogen, Kulturwissenschaftler, Anglisten, Juristen und weitere Arbeitslose gesund und stromerzeugend einsetzen könnte. Das wäre etwas völlig Neues für die Welt, das würde Touristen anlocken aus China und Japan, Indien und den Amerikas. Von deren Geld könnte dann fehlender Strom aus den Kernkraftwerken Frankreichs und Tschechiens bezahlt werden.

Darf ich darauf zählen, daß Sie mich bei geeigneter Stelle als Innovationsminister ins Gespräch bringen?

Besten Gruß!

Dienstag, 31. Mai 2011

5% für Oma ihr klein Häuschen






Kiefer-Rose




- Was sie können: Die Grunderwerbssteuer soll von 3,5% auf 5% steigen, steht im rotgrünen Stuttgarter Koalitionsvertrag.

- Hier schreibt ein Examenskandidat aus der Philosophischen Fakultät:
“Der Schwerpunkt liegt auf die individuelle Entwicklung bzw. die Lebenskurve der Interviewpersonen.”
(Aus einem kurzen Text eines Pädagogen.)

- Energie: < Im Gespräch: Svein Richard Brandtzæg, der Vorstandsvorsitzende des norwegischen Aluminiumkonzerns Norsk Hydro
"Auf Dauer sind die Standorte in Europa nicht wettbewerbsfähig"
Hydro hat seine Aluminiumproduktion in der Krise um 26 Prozent gesenkt. Sinke der Strompreis nicht, drohe der Hütte in Neuss (Rheinwerk) die Schließung, ... In die Primärerzeugung von Aluminium hingegen können wir zur Zeit in Deutschland nicht investieren, weil die Energiepreise hier im Schnitt mehr als doppelt so hoch sind als im Rest der Welt. Statt für 25% steht Strom hier für 50% unserer Produktionskosten. Damit sind wir nicht wettbewerbsfähig. > FAZ 15.9.10
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Stromintensive Unternehmen wie Norsk Hydro wird es bald nicht mehr in Deutschland geben, nach der Schließung der großen Aluminiumhütte Stade mit 6000 Arbeitsplätzen wird Neuß bald folgen und Standorte im Ausland wie Qatar werden gestärkt werden. Auch der französische.
Blog 28.3.11


Ach, an diesen Tagen,
Muß man viel ertragen
Gestern Sommer
Heute Herbst,
Gestern Gluthauch aus der Wüste
Heute kalt von Nordens Küste.
Gestern Kernkraft
Heute Mühle
Wirrnis im Politgewühle.