Sonntag, 15. September 2013

160.000 Meilen hoch





Nicht so einfach, die Welt des Buddhismus! Wenigstens kann man die Eisenmauer, die alles umschließt, gut erkennen. In der Mitte der 4 Kontinente befindet sich der quadratische  Berg MERU, die Achse der Welt. Erstaunlich seine Höhe von 160.000 Meilen! Noch erstaunlicher, daß die Mönche das so gut ausrechnen konnten. Ohne Höhenmesser und Taschenrechner. Da hat wohl ein Gott aus der höchsten, der 4. Kategorie der formlosen Götter, wohlwollend mitgerechnet. Der Berg MERU wird umgeben von sieben quadratischen Gebirgen. Neben dem Kreis ist also auch der Rechte Winkel sehr beliebt in der buddhistischen Weltauffassung. Zwischen den Gebirgen befinden sich sieben Meere. Daher stammt vermutlich die Redewendung “Über sieben Brücken mußt du gehn”, denn der Gang auf dem Wasser selbst, wie ihn der Jude Jesus beherrschte, scheint in Bengalen und Tibet unbekannt gewesen zu sein. Zwischen Eisenmauer und dem äußersten Gebirge befindet sich das Salzmeer mit den 4 Kontinenten, die je zwei Nebenkontinente besitzen, in der Summe also 12 Kontinente.

Von den Kontinenten besaßen die Buddha-Meister Formwissen. Der Ostkontinent ist halbmondförmig, der Nordkontinent quadratisch, der im Westen rund und der im Süden trapezförmig. Welche Götter aus den 27 Klassen mögen diese geographischen Kenntnisse besessen haben? Vom bengalischen Tiefland aus war das nicht zu sehen, auch nicht vom hohen Tibet aus.
Wie dem auch sei, die Lehre und Dogmatik des Buddhismus hat die Zeiten unverändert überstanden, obwohl inzwischen auch in Tibet die tatsächliche Geographie bekannt ist, sonst käme der Dalai Lama nie nach Frankfurt oder Paris.
Religiöse Kunstlehren, so der Begriff Max Webers, gibt es viele, und religiöse Virtuosen (M. Weber) und säkulare Scharlatane ebenfalls. Wie wählen? Am besten findet jeder seine, von Epikuros und Epiktet beratene Weltanschauung selber. Wenn er aber ein der Religion bedürftiges Gemüt geerbt hat, dann sehe er sich auf den 5 oder 12 Kontinenten um, welche Religion zu welcher Lebensführung verhalf.

Einen Hinweis gibt der verdiente Mikrobiologe Werner Arber, der auf die Kompatibilität des 1. Buches Mose mit der modernen Wissenschaft hinweist. Nun ist Arber Chef der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften und daher nicht ohne Vorliebe für die einschlägige christliche Kunstlehre. Aber über den Daumen gepeilt, muß man ihm zustimmen. Die Grundfiguren der Genesis lassen sich, nicht alle, mit wissenschaftlicher Perspektive verbinden. Daher also die Erfolge des Christentums in der Geschichte bis heute. Und in der Person Arbers läßt sich dann auch noch verstehen, welche Sorte Christentum besonders wissenschaftlich und ökonomisch erfolgreich war: Arber ist reformierter, calvinistischer Christ.

Die obige buddhistische Welt-Darstellung des Missionars A. A. Georgius aus seinem Werk “Alphabetum Tibetanum Missionum Apostolicarum commodo editum”, Rom 1767, sei auch heute noch gültig, so Klaus Sagaster, altgedienter Mongolist und Präsident der Internationalen Mongolistenvereinigung; er fügte sie der Tischvorlage bei zu seinem Vortrag “Das Weltbild des Buddhismus nach der tibetischen Lehrschrift ‘Die Erklärung dessen, was man wissen soll’ (Shes-bya rab-gsal, 1278) des Phags-pa Blo-gros rgyal-mtshan”, gehalten in Düsseldorf am 11.9.13.

Samstag, 14. September 2013

Hermann Hesse war angetan



Das Lebensrad, das Rad der Existenzen, die Wiederkehr des Immergleichen - umklammert von dem Dämon der Zeit

Es fällt auf, daß die abstrakte Denkfigur der Wiederholung stark mit dem konkreten Dämon kontrastiert.  
(Quelle: Wiki.)



“Immer noch, auch in der fernsten Versenkung, war er seines Vaters Sohn gewesen, war Brahmane gewesen, hohen Standes, ein Geistiger. Jetzt war er nur noch Siddartha, der Erwachte, sonst nichts mehr.” 
(Hesse, Siddartha, st S. 37)

Die Wendung gegen die Standesherkunft und gegen die Bedeutung der Herkunft gestaltet Hesse hier sehr deutlich.

So anschaulich ging es bei dem Lama Pagba nicht zu. Die religiöse Kunstlehre des Buddha war im 13. Jahrhundert bereits verwurstet worden zu kanonischen Büchern wie der “Nutzung des Guten Gesetzes” und der “Schatzkammer des Abhidharma”. (Buddh. Dogmatik, Klaus Sagaster, Weltbild des Buddhismus, Vortrag 11.9.13 Ak. d. Wiss. NRW). Und daraus schöpfte Pagba zur kronprinzlichen Information für Cinggim.
Die Schrift ordnet und erklärt die Welt aus der Sicht des tibetischen Obermönchs und seiner Schule.
Da gibt es die Dinge und die Lebewesen, letztere umfassen 6 Arten:
1. Höllenwesen  2. Hungergeister  3. Tiere  4. Menschen  5. Halbgötter  6. Götter (27 Klassen)
Sie bewohnen 4 Kontinente mit ihren tausend hoch drei Weltbereichen.

4 Wahrheiten gibt es: 1. Die Wahrheit vom Leiden  2. Die Wahrheit von der Ursache des Leidens  3. Die Wahrheit von der Aufhebung des Leidens  4. Die Wahrheit vom Weg, der zur Aufhebung des Leidens führt. (Sagaster)  

Wenn auch eine Kastenordnung nicht vorkommt, so erscheint doch alles sehr geordnet und  bis zur Absurdität zahlreich gestuft vom Unteren zum Höheren. 
Höchsten Rang besitzt die “Formlosigkeit” und Körperlosigkeit. Jeder Mensch kann zum Buddha werden, zum Erwachten, indem er die Welt der Dinge und der Menschen hinter sich läßt und sich entäußert ins Allgemeine. Auf diesem Wege vermag er der Welt des Leidens und der Wiedergeburt zu entkommen und in der Formlosigkeit und dem Frieden des Nirwanas auzufgehen.
Entsprechend gestaltet Hesse das Ende der Person des Siddarthas als depersonaliertes, entleertes, erlöstes Eingehen in den Frieden:

“Er sah seines Freundes Siddarthas Gesicht nicht mehr, er sah stattdessen andre Gesichter, viele, eine lange Reihe, einen strömenden Fluß von Gesichtern, von Hunderten, von Tausenden, welche alle kamen und vergingen, und doch alle zugleich dazusein schienen, welche alle sich beständig veränderten und erneuerten, und welche doch alle Siddartha waren.” (Hesse, ebd., S. 119)  

Das wäre dem Lama Pagba sicher zu salopp dargestellt, Kronprinz Cinggim hätte es aber vielleicht faßlicher gefunden als die buchhalterische Darstellung des Mönchs. Jedenfalls wurde ein Teil der Mongolen buddhistisch, und sie sind es bis heute geblieben. Buddhistischer auch als die Inder, aus deren Brahmanen-Kaste der Buddhismus, die religiöse Kunstlehre des Erwachens, hervorging. 
In Indien veredelte der Buddhismus den Hinduismus, was vielleicht dem hinduistischen Kastensystem größere Reformen ersparte, weil das Ideal der Weltflucht und Askese des arrivierten Buddhisten in der Welt selbst alles so erbärmlich, elend und stinkend beläßt, wie man es in Kalkutta und anderswo antrifft.  

Freitag, 13. September 2013

Schon merkwürdig



Hesse hatte seinen SIDDARTHA noch nicht geschrieben, da mußte der Mönch Phagba ran.






Die Geschichte steckt voll merkwürdiger Geschichten. Cinggis (Dschingis) Khan wurde 1206 oberster Häuptling der Mongolen und stand dann für den schrecklichen Mongolensturm, also weitgehende und teilweise besonders grausame Eroberungen (“Schädeltürme”), zunächst in Zentralasien und Nordchina. Später unter seinen Nachfolgern gelangten die Mongolen bis nach Sachsen (Zittau). Das hätte eine böse Wendung für die europäische Geschichte werden können. Der Enkel Qubilai Khan wurde 1280 schon  erster Kaiser der Yuan-Dynastie (1280-1367). Der Urenkel und Kronprinz Cinggim bestellte sich dann, das erinnert an den Buddenbrook-Enkel Hanno bei Thomas Mann, eine Einführung in den Buddhismus, die der tibetische Obermönch Phagba aus zwei Sanskrit-Werken zusammenstellte und immerhin noch siebzig Seiten umfaßte: “Die Erläuterung des zu Wissenden”. Cinggim  war aber kein schwächlicher und das Theater liebender Hanno. Möglicherweise folgte seine Neugier dem Gedanken, daß die eroberten Gebiete zur Herrschaftssicherung eine unifizierende Gehirnwäsche brauchten.

Donnerstag, 12. September 2013

Siddartha und Kali









Die hinduistische KALI hat was - ihre Kette besteht nicht aus Emoticons, sondern - ja richtig!

(Bild: Nataraja at fr.wikipedia)



Indien enttäuscht mit seinem Entwicklungstempo im Vergleich zu China. In beiden Ländern gibt es in der Geschichte buddhistische Einflüsse, in beiden Ländern allerdings zurückgehend. In China wirkte geschichtlich der Konfuzianismus stark, verbunden mit dem Taoismus, und zuletzt auch der Marxismus in maoistischer Version, der mindestens in seiner säkularen Wirkung noch von Bedeutung ist. Die Parteidiktatur beeinträchtigt die Entwicklung offenbar nicht oder nur wenig hemmend.
Indien wird gern die größte Demokratie der Welt genannt, aber trotz der durch die Kolonialmacht England geschenkten Einheitssprache, der von den Engländern hinterlassenen Infrastruktur, dem Rechts- und Bildungssystem bleiben die Probleme des Landes riesig, die Armut, die Rechtswillkür und die Korruption hoch. In der Kastenordnung und der Frauengleichstellung bestehen vielleicht die größten Unterschiede zwischen Indien und China. Zweifellos zählen sie zu den Faktoren, die eine große soziale Rolle spielen, vielleicht die entscheidende. Die Kastenordnung unterbindet zwar nicht jede Mobilität, auch nicht die im Hinduismus wurzelnde Minderbewertung der Frauen, schränkt sie aber stark ein. Dabei kann man den Buddhismus, der etwa in 5. Jahrhundert vuZ entstand, als Reformbewegung gegen die brahmanisch-hinduistischen Kastenordnung interpretieren, jedenfalls wirkt er tendenziell sozial befreiend. So hat er auch auf seinem Missionsweg nach Osten in China gewirkt, verstärkt dann durch den Marxismus, wenn man es von der Gegenwart aus betrachtet. Ähnlich verhält es sich in Japan, das den Buddhismus aus China übernahm und das, ohne die wirtschaftlichen Verheerungen des Marxismus, längst zu Wohlstand gebracht, was sich auch auf die gesellschaftliche Stellung der Frau positiv auswirkt und schon ausgewirkt hat. Es scheint also vor allem der alte Hinduismus zu sein, der  Indien noch immer  im lähmenden Griff hat, wenn auch in den Städten langsam, sehr langsam nachlassend.  

Mittwoch, 11. September 2013

Dale Gavlak und Yahia Ababneh?


Auch wenn man annimmt, daß die Kaste der leitenden Journalisten ihre eigenen Interessen besitzt und danach auch ihre Schreib-Pudel anweist, entsprechend zu schreiben und zu berichten, so ist es doch immer wieder überraschend, wie eng der Schulterschluß zwischen den einzelnen Medien geht. Über Syrien wird durchaus unterschiedlich berichtet, man braucht nur den Focus und die SZ zu vergleichen, aber nirgendwo erschien ein Hinweis auf den Artikel von Dale Gavlak und Yahia Ababneh in der MINTPRESS NEWS: 

http://www.mintpressnews.com/witnesses-of-gas-attack-say-saudis-supplied-rebels-with-chemical-weapons/168135/

Dabei gilt immer und stets, mehrere Seiten zu hören, besonders in Konfliktfällen und besonders in Kriegen und Bürgerkriegen.
Die MINTPRESS und die beiden Reporter sind nicht automatisch glaubwürdiger als Obama und Kerry. Aber sie könnten es durchaus sein, insbesondere, wenn man Jim Naureckas dazu gelesen hat:
http://www.fair.org/blog/2013/09/01/which-syrian-chemical-attack-account-is-more-credible/