Montag, 30. März 2015

Griechenland




Eine Reihe von europäischen Staaten hat Mindestlöhne eingeführt:
Estland: 488 Euro monatl.
Lettland: 507
Litauen 464
Polen 738
Tschechei: 502
Slowakei: 536
Ungarn: 593
Slowenien: 949
Kroatien: 584
Rumänien: 384
Bulgarien: 380
Griechenland: 764
Quelle: FAZ 28.2.15 (Kaufkraftbereinigt)

Mindestlöhne dämpfen die Beschäftigung vor allem bei unqualifizierten Jugendlichen. Bei den Menschen also, für die eine Anstellung besonders wichtig ist. Ein hoher Mindestlohn hat viel mit Wählerkauf zu tun, daher überrascht zwar der hohe griechische Mindestlohn von 764 Euro in einem rückständigen Balkanland, aber man versteht die Logik.  Die Logik der Korruption.
Da gibt es eigentlich nicht viel Spielraum für  Verständnis. Zudem hat sich Athen den Beitritt zum Euro durch gefälschte Statistiken betrügerisch erschlichen, weswegen die Bundesbank Schröder warnte.
Das alles ist bekannt, und das ist für die Athener Regierung aus Links- und Rechtsradikalen nicht hilfreich. Deswegen schieben sie und ihre Unterstützer in Europa die Gesundheitsversorgung nach vorn: die Leute sterben in Griechenland wegen der deutschen Katastrophenpolitik, ja, die griechischen Säuglinge schon. So auch Volker Reiche in der FAZ.
Da stockt den Schlechtinformierten der Atem. Tote griechische Säuglinge wegen der „Sparpolitik“. Schrecklich, Herr Reiche.
Allerdings muß man wissen, daß auch das griechische Gesundheitssystem seine Besonderheiten aufweist. Die griechischen Krankenhäuser dienen nämlich nicht in erster Linie der Krankenversorgung, sondern der Klientelpolitik. Stellenversorgung für Wahlfreunde ist der Hauptzweck. Die Gesundheitsversorgung ist angeschlossen. Nachgeordnet. Zuerst kommen die Gärtner, Hausmeister und Verwaltungsangestellten, sie stellen 2/3 der Krankenhausbediensteten. Ein Drittel der Stellen entfällt auf das medizinische Personal, auf Ärzte und Krankenschwestern. Das griechische Korruptionsverhältnis.

Noch Fragen, Herr Volker Reiche? 


Nicht nur beim Mindestlohn zum Wählerkauf ist Athen führend. Auch beim Pro-Kopf-Einkommen: Rang 2 mit 28.000 Euro jährlich (2008). Fallend 2013 auf 17.000. Danach kommen mit rund 20.000 Slowenien, Tschechei mit gut 15.000, dann Slowakei. Steigend Estland, Slowakei, Litauen, Lettland, Polen, Rumänien, Bulgarien (ca. 2300 auf 5500).

Unangefochten auf dem 1. Schulden-Platz rangiert Griechenland mit 175% des Bruttoinlandsprodukts (28.700 € pro Kopf).
Über dem Maastricht-Grenzwert von 60% liegen noch Ungarn, Kroatien und Slowenien, alle bei 75%.
Darunter liegen Polen, Slowakei, Lettland, Rumänien, Litauen, Tschechei, Bulgarien und, mit nur 10% Verschuldung (!), Estland. (FAZ 28.2.15)

Noch Fragen, Herr Volker Reiche? 














Sonntag, 29. März 2015

Gräßliche Geschichte(n)






Lenins Spießgesellen Nikolai Bucharin und Alexei Iwanowitsch Rykow 1938 vor dem Schaugericht des großen Schlächters Stalin (Foto: Wikip.)  

Der Kampf um die Macht ist kein einfacher, wenn mehrere ähnlich starke Bewerber nach vorne drängen. Im Bürgerkrieg nach Caesars Tod fanden sich die Konkurrenten in der Dreimännerherrschaft zusammen (Triumvirat). So etwas hält nicht lange. Eine bürokratisierte Form der Mehrmännerherrschaft findet sich im Politbüro der Kommunistischen Parteien. Auch sie wird schnell zur Farce. Nachdem sich Stalin mit Tricks gegen Trotzki als Generalsekretär durchgesetzt hatte, ermordete er bis 1938 alle alten Rivalen des Leninschen Politbüros, zum Teil in groß inszenierten, grotesken Schauprozessen.
Stalins Beispiel erinnert an Cesare Borgia, dessen Beispiel Machiavelli empfiehlt:
“Nachdem der Herzog (Cesare Borgia, WD) die Romagna unter sich gebracht hatte, so fand er, daß dies Land ohnmächtigen Herren angehört hatte, die ihre Unterthanen mehr ausgeplündert als regiert, und mehr Unordnung veranlaßt, als öffentliche Ordnung gehandhabt hatten, so daß diese Provinzen voll von Straßenraub, Parteigängerei und aller Art von Gewaltthätigkeit waren. Er fand also nöthig, sie zu beruhigen und der Obrigkeit unterthan zu machen. Zu diesem Ende gab er ihr den Remiro d'Orco zum Vorgesetzten, einen entschlossenen und grausamen Mann. Ihm ertheilte er volle Gewalt. Derselbe erwarb sich großen Ruhm, indem er das Land in kurzer Zeit zur Ruhe und Sicherheit brachte. Hierauf aber schien es dem Herzoge, daß eine so ausnehmende Gewalt nicht mehr gut angebracht sei, weil sie verhaßt werden möchte. Er ordnete also unter dem Vorsitze eines ganz vorzüglichen Mannes mitten im Lande einen Gerichtshof an, bei welchem jede Stadt ihren Vertreter hatte. Weil die vorige Strenge aber einigen Haß erzeugt hatte, so suchte er diesen auszulöschen und das Volk vollends dadurch zu gewinnen, daß er ihm bewiese, alle begangenen Grausamkeiten rührten nicht von ihm her, sondern von der rauhen Gemüthsart seines Stellvertreters. Er ergriff die erste Veranlassung, ihn eines Tages zu Cesena auf dem öffentlichen Markte in zwei Stücke zerrissen auszustellen, mit einem Stücke Holz und einem blutigen Messer zur Seite. Durch diesen gräßlichen Anblick erhielt das Volk einige Befriedigung und ward eine Zeit lang in dumpfer Ruhe gehalten.” Machiavelli, Fürst, 7. Kap., Reclam S. 61
Da stockt dem modernen Leser der Atem. Er kann aber nicht umhin, angesichts der Ausgangslage völliger Unordnung und allgemeiner Räuberei das Ergebnis, nämlich die Befriedung der Romagna, als positiv anzuerkennen. Wäre das gelungen, wenn direkt ein Gerichtshof eingesetzt worden wäre? Das ist leider zu bezweifeln, weil Gewalttäter auch vor Richtern nicht haltmachen. Nach der gewalttätigen Ausschaltung der führenden Verbrecher war aber ein Gerichtshof sehr wohl möglich. Welches Maß an Grausamkeit aufgewendet werden muß, um zur Befriedung zu gelangen, bleibt allerdings zu diskutieren. Man mag dies tun, muß dabei aber auch an den „Islamischen Staat“ und an „Boko Haram“ etc. denken. Naiven Frauen, und nicht nur diesen, kann man von der Lektüre Machiavellis nicht abraten:
  • 20 Jahre Haft für Mörder der AP-Journalistin Anja Niedringhaus

  • Der Mörder der deutschen Foto-Journalistin Anja Niedringhaus ist in Afghanistan zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Der Oberste Gerichtshof in Kabul reduzierte die Strafe für den ehemaligen Polizisten, der ursprünglich zum Tode verurteilt worden war. Der Täter hatte die Journalistin vor rund einem Jahr in der Stadt Chost im Südwesten des Landes erschossen. Zudem verletzte er die AP-Reporterin Kathy Gannon schwer, die mit Niedringhaus über die Wahlen in Afghanistan berichtet hatte. Die Hintergründe der tödlichen Schüsse sind bis heute unklar.” (DLF 29.3.15)  

Die Hintergründe sind allerdings klar. Der Mann hat “Allahu akbar” gerufen, als die beiden Frauen aus dem Westen nicht das Verhalten zeigten, das das mohammedanische Buch für Frauen vorschreibt. Der Mörder wird demnächst, damit ist ziemlich sicher zu rechnen, von außen befreit werden.












Samstag, 28. März 2015

Was wollen die Delphine?










Alles so schön friedlich hier - Verbildung durch Bilder; hier ein Stich von Matthaeus Merian aus der Luther-Bibel.


Frage eines Tiergläubigen: 
Sollte man also Haie und Wölfe ausrotten damit es nie niemals zu Unfällen kommt?
Was ist mit Wildschweinen, die können einen auch töten?
Auch ausrotten?
Menschen kommen immer wieder durch Wildunfälle auf der Autobahn um's Leben.
Vielleicht sollte man am besten alle Wildtiere, die größer als ein Igel sind, ausrotten, um das menschliche Unfallrisiko zu minimieren, egal wie gering die Wahrscheinlichkeit ist?


Antwort eines Tierreligionslosen: 
Haie betreffend würden die kleinen Hai-Arten, die Robben und die Delphine antworten: alle großen Haie ausrotten.
Elche, Rene, Hirsche, Rehe, Kühe und Schafe würden für den völligen Abschuß aller Wölfe plädieren.
Der kluge Mensch würde einen Mittelweg beschreiten. So, wie er auch Tierwechsel-Warnschilder an betroffenen Straßen aufstellt.
Wildschweine leben in Deutschland überwiegend in eingezäunten Wildparks und werden dort und außerhalb bejagt.
Sie sind nicht aggressiv, wie der Wanderer im Wildpark weiß, können aber Felder stark zerwühlen, wenn man sie läßt.








Freitag, 27. März 2015

Hegemonie und Rivalität




“Die Erfahrung … ergibt … eine allgemeine Regel, die nie oder selten trügt:

Der, welcher einem anderen zur Macht verhilft, geht selbst zugrunde; denn er macht ihn stark mit Geschick oder durch Gewalt, und beides ist dem, der zur Macht gelangt ist, verdächtig.” Machiavelli, Fürst,                                   Insel S. 30

“Geschick” und “Gewalt” machen stark.  Und der Starke ist eine Bedrohung des Starken. Denn er könnte dessen Platz einnehmen. Mit etwas Glück. Denn das spielt immer mit. Meist etwas mehr. Das Glück aber ist unbeständig, es kann auch dem Rivalen zugute kommen. Daher sind annähernde Gleichgewichtszustände polemogen - Octavian benutzte im Triumvirat Marc Anton und Lepidus für seine Machterringung, dann auch den Vertrag mit Pompeius, um letztendlich seine Mitherrscher zu vernichten. Erst als unumschränkter Herrscher wurde Octavian zum Augustus. 

Und so drängte auch das europäische Gleichgewichtsdenken immer erneut zum Krieg, bis der neue Hegemon Amerika neue Bedingungen setzte und die europäischen Staaten sich dank ihrer Begriffsstutzigkeit und des französischen Chauvinismus selbst degradierten. Die haushohe wirtschaftliche Überlegenheit der USA und die hohe militärische Überlegenheit sicherten für Jahrzehnte den Frieden in Europa. Stalin, Chruschtschow und Breschnew unternahmen keine weiteren Vorstöße über ihre bereits gemachten Eroberungen hinaus.

















Donnerstag, 26. März 2015

Arabien, Afrika


Neben den geopolitischen spielen soziale Faktoren eine Rolle. So scheitern die autoritären Regierungen in der arabischen Welt bis heute daran, ihrer Jugend Perspektiven, Rechte und Freiheiten zu bieten.”
So Daniel Steinvorth in der NZZ (Die brüchige Macht des Kalifats, 31.1.15)
Ja, natürlich. Aber Steinvorth redet um die Hauptsache herum. Er war vorher beim SPIEGEL. Die Hauptsache ist, daß die mohammedanische Reproduktionsrate es jeder - absolut jeder! - mohammedanischen Regierung völlig unmöglich macht - völlig! - diese Massen an Jugendlichen mit Arbeitsplätzen zu versorgen. 
Als nur die mohammedanische Medizin angewendet wurde, war das anders. 
Aber wenn die Mehrheit der Kinder überlebt und erwachsen wird, hätte auch eine westliche Regierung die größten Probleme. Das demonstriert Frankreich sehr eindrücklich. Denken Sie mal darüber nach, Herr Steinvorth! 
Und an die NZZ sei die Frage gestellt, warum sie Journalisten vom SPIEGEL bezieht, die unter 50 sind.