Mittwoch, 3. August 2016

This son of Joh. Seb. Bach lived 1710 (Weimar)-1784 (Berlin); he often is named the Halle'sche Bach, in Halle he played the organ at the Marienkirche from 1746-1764. /// Wilhelm Friedemann Bach Suite in sol min

Die Bachs, Bernoullis und Eysencks










Mit dem Müller Veit Bach fing es im 16. Jahrhundert an. Er lebte von etwa 1550 bis 1619. Und wurde Ahne jener Bachs, die man heute noch kennt und spielt: Johann Sebastian (1685-1750) und seine Söhne Joh. Chr. Friedrich, Joh. Christian, Wilhelm Friedemann und Carl Phil. Emanuel, die zu ihrer Zeit europaweit bekannter waren als der heute als bedeutender eingeschätzte Vater. Unter den fast 50 musikalisch begabten Bach-Vertretern sind es nur diese 5, die nicht nur Begabung erbten, sondern auch musikalisches Genie, ausgewiesen durch ihre Kompositionen.
Ein Instrument zu erlernen, das könnten die meisten; die wenigsten schaffen es. Noch viel weniger haben das Talent zum Soloinstrument, und kaum einer schafft es zu einer Spitzenkarriere der Klasse Paganini und Liszt. Diese beiden komponierten zudem wie die Bachs, das ist die Geniespitze. Was befähigt dazu? Zweifellos das ererbte Talent, wie es in der ganzen Bachfamilie vorhanden war. Diese Vererbung ist auch allgemein bekannt, ob bei Vollblutpferden, den Bernoullis oder Mozarts. Was aber macht den Unterschied zwischen einer Spitzenbegabung wie Salieri und einer Hyperbegabung wie Mozart? Sicher nicht das Üben und die goldenen Worte der Gönner und Kritiker. Die sind nur hilfreich, aber von untergeordneter Bedeutung. Talente wie Charles Ives komponieren auch für die Schublade. Und wer hat nicht darüber gelacht, daß der Dozent dem jungen Jagger gesagt haben soll, er möge ruhig seine Musik machen, aber sich doch nicht einbilden, damit Geld verdienen zu können?
Zurück zu Johann Sebastian, Ludwig van und Wolfgang Amadé. Hier dürfte der Begriff der “Emergenz” hilfreich sein. Je mehr positive Gene im Hinblick auf die spezielle Begabung zusammentreffen - das könnten sehr viele sein - desto stärker fällt die Begabungsaufladung aus. Ein guter Läufer braucht nicht nur die entsprechende Lauf-Muskulatur, sondern auch einen günstigen Körperbau, Lungenvolumen und viele rote Blutkörperchen für den chemischen Sauerstofftransport - und diese Teilleistungen ließen sich weiter zerlegen wie bei allen anderen Begabungsfeldern auch. “Emergent” daran ist, daß sich eine hohe Zahl von Teilleistungen gegenseitig steigern. Das ist aber der unwahrscheinliche Fall und wird in dieser Leistungsdichte nicht vererbt. Der Psychologe nennt es die “Regression zur Mitte”. Launig setzte Hans Jürgen Eysenck unter die Buch-Widmung an seine Kinder Gary, Connie, Kevin und Darrin den Wunsch: “in der Hoffnung, daß die genetische Regression zum Mittelmäßigen ihnen nicht allzusehr mitgespielt hat!” (Eysenck, Die Ungleichheit der Menschen, London 1973)
Ausgewirkt hat sie sich aber, wie bei den Bachs auch, den Bernoullis und Weizsäckers. Ein ferner Nachfahre von Johann Sebastian, der Texaner Dwight Back, hat nur noch die CDs des Altvorderen im Regal. Seine Schwester ist immerhin noch sonntags Organistin.  
Doch die “Regression zur Mitte” wirkt nicht nur in eine Richtung. Die “Progression zur Mitte” ist die andere Seite. Sehr intelligente Eltern haben tendenziell weniger intelligente Kinder. Und ganz unintelligente Eltern haben tendenziell intelligentere Kinder. Da kann man nicht meckern.











Dienstag, 2. August 2016

Brendel plays Schubert Sonata No. 15 in C major, D. 840, II/II

Deirdre McCloskey: Bourgeois Equality


Es sind zu einem Gutteil Haltungen, die Handlungen einbetten. Handlungen erfolgen in einer spezifischen kulturellen Umwelt. Bedürfnisaufschub, Eigenverantwortung, Innovationsbereitschaft, Arbeitsethos, Kapitalbildung und individuelle (Eigentums-)Rechte wachsen nicht auf Bäumen. Sie sind die kulturelle Voraussetzung für Wachstum, Wohlstand und Wissenschaft.  Jetzt ist auch Band 3 "Bürgerliche Gleichheit" erschienen. 

Deirdre McCloskey: Bourgeois Equality. Chicago University Press, 2016, 787 Seiten, 45 Dollar

Wissenschaft ist Wissenschaft, Dichtung ist Dichtung







Man sieht, Heinrich Heine hat auch Unsinniges geschrieben. (Kitschagitprop, aus dem Gedicht "Enfant perdu") .



Besser ist das:

Epilog
Unser Grab erwärmt der Ruhm.
Torenworte! Narrentum!
Eine beßre Wärme gibt
Eine Kuhmagd, die verliebt
Uns mit dicken Lippen küßt
Und beträchtlich riecht nach Mist.
Gleichfalls eine beßre Wärme
Wärmt dem Menschen die Gedärme,
Wenn er Glühwein trinkt und Punsch
Oder Grog nach Herzenswunsch
In den niedrigsten Spelunken,
Unter Dieben und Halunken,
Die dem Galgen sind entlaufen,
Aber leben, atmen, schnaufen,
Und beneidenswerter sind,
Als der Thetis großes Kind -
Der Pelide sprach mit Recht:
Leben wie der ärmste Knecht
In der Oberwelt ist besser,
Als am stygischen Gewässer
Schattenführer sein, ein Heros,
Den besungen selbst Homeros.


(Heine vergißt hier zu erwähnen, daß der Pelide, also Achill, ein ziemlich übler Schlächter war.)


Aber für eine Uni noch passender ist doch dies:


> Zu fragmentarisch ist Welt und Leben!
Ich will mich zum deutschen Professor begeben.
Der weiß das Leben zusammenzusetzen,
Und er macht ein verständlich System daraus;
mit seinen Nachtmützen und Schlafrockfetzen
Stopft er die Lücken des Weltenbaus. <


(Auch wenn Heine hier nur der Philosophische Fakultät auf den Hut haut.)


Diese häßliche Platte oben verdankt sich der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Gesellschaft. Die war früher weitgehend personell identisch mit der Heinrich-Heine-Initiative von Otto Schönfeldt, einem DKP-U-Boot. Die Initiative verlangte die Benennung der Uni D'dorf nach Heinrich Heine. Weil Heine auch ein Linksradikaler war, und sich damit linke Politik verbinden ließ.


Heute heißt die Uni D'dorf tatsächlich nach Heinrich Heine, ich kann es nur bedauern, weil Dichtung und Wissenschaft nichts miteinander zu tun haben, und auch, weil Heine in wissenschaftlicher Hinsicht ein dämlicher Maulheld war, der von wissenschaftlichem Arbeiten keinerlei Vorstellung
besaß. Seine oft brillanten Gedichte kamen gut ohne aus. Zum Beispiel:


Mythologie.


Ja, Europa ist erlegen –
Wer kann Ochsen widerstehen?
Wir verzeihen auch Danäen –
Sie erlag dem goldnen Regen!


Semele ließ sich verführen –
Denn sie dachte: eine Wolke,
Ideale Himmelswolke,
Kann uns nicht kompromittiren.


Aber tief muß uns empören
Was wir von der Leda lesen –
Welche Gans bist du gewesen,
Daß ein Schwan dich konnt’ bethören!


Für eine wissenschaftliche Hochschule wäre die Bennennung nach einem Wissenschaftler sinnvoll und vorbildlich. Oder einer Wissenschaftlerin: die Botanikerin und Genetikerin Emmy Stein wäre eine gute Wahl gewesen für die junge Universität Düsseldorf, die 1907 als Medizinische Akademie begann. Emmy Stein wurde 1879 in Düsseldorf geboren.
Na ja, immerhin ist Heinrich Heine ein insgesamt attraktiver Name.