Dienstag, 2. März 2021

Wer paßt sich an?



Links und rechts kann man hier nicht verwechseln. Links die Ziegelhäuser der Römer, rechts die Lehmhütten/-häuser der Germanen. Die Strohdächer besaßen keine Holzunterfütterung, bei schwerem Regen durchdrang das Wasser durch das Stroh. Durch das Rauchabzugsloch regnete es ohnehin herein. Der römische Standard wurde bewundert, konnte aber erst später, nach Aneignung der handwerklichen Fähigkeiten, übernommen werden. Noch im 18. Jahrhundert war ein Steinhaus etwas Besonderes. Die Vermittlung der überlegenen römischen Kultur erfolgte über den germanischen Hochadel, zum Beispiel die Königspfalzen. Da gab es dann auch Fenster und nicht nur das “Windauge” (window). Nachdem die Römer keine Lust mehr hatten, Offizier in der Armee zu werden, drangen die  jungen Germanen in diese Laufbahn, wie der bekannte Arminius (Hermann der Cherusker) bzw. verdingten sich als römische Hilfstruppen. Das Ende des weströmischen Reiches war da nicht mehr weit, der letzte römische Kaiser Romulus Augustulus wurde 475 von dem Halbthüringer und weströmischen Offizier Odoaker abgesetzt, der sich selbst zum “Patrizius” von Rom ernannte. Das Reich zerfiel und der Franke Chlodwig - die Franken kamen vom Niederrhein - nutzte diese Schwäche zur Eroberung Galliens. Die Kulturübernahme geriet dadurch ins Stocken, aber Rom blieb das große Vorbild. Aus den Franken wurden Romanen.

 

Schluß mit dem Brei!

“Die Wassermühle als zentrale Einrichtung lokaler ländlicher Regionen verweist auf eine soziale Rahmenbedingung der frühmittelalterlichen Agrarrevolution, nämlich die Villikation, die in Herrenland und Bauernland zweigeteilte Grundherrschaft. Die Verbreitung der Wassermühle im Frankenreich erfolgte primär durch weltliche und geistliche Grundherren - vor allem den König und seine Amtsträger auf den einzelnen Königshöfen sowie den Klöstern in den Mittelpunkten ihrer Grundherrschaften.” (Mitterauer, Warum Europa? S. 23)

Das helle Weizenbrot aus dem Mittelmeerraum genoß bei den gehobenen Herrschaften großes Ansehen, das dunkle Roggenbrot war den Unedlen vorgehalten. Beide Nacktgetreide verlangten aber das Mahlen, dann das Backen. Mühle und Backofen waren teure Investitionen und insofern vorwiegend nur vom Adel finanzierbar. Um die Standorte herum siedelten alle, die ihren Getreidebrei satt hatten, der natürlich sehr einfach zu bereiten war. Im Wort ‘Villikation’ steckt das französische Wort ‘village’, das ins Englische übernommen wurde.


Sonntag, 28. Februar 2021

Adorno und sein mieser Charakter

“Wenig später traf Mann Otto Vossler, der ihm mitteilte, Adorno erzähle, um Manns Berufung zu verhindern, "dirty stories" über ihn, "probably in connection with Dr. Hacker. Which I shall keep in mind" (im Tagebuch). Beim Psychiater Friedrich Hacker war Golo Mann 1952/53 in Behandlung gewesen, nachdem sein damaliger Lebenspartner ihn verlassen hatte, um zu heiraten. Mann geriet daraufhin in eine tiefe depressive Krise. Adorno, ein Freund Hackers, arbeitete just in der Zeit, als Mann auf der Couch des Psychiaters Platz nahm, als Forschungsdirektor der Hacker-Foundation. Jahre später notierte Golo Mann im Tagebuch, Adorno habe sich in Frankfurt, um eine Berufung zu verhindern, über Manns "Sitten", seinen "Lebenswandel" verbreitet …” (War so ein Kollege wünschbar? Tilman Lahme, FAZ 28. März 2009)(https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/zum-100-geburtstag-von-golo-mann-war-so-ein-mensch-als-kollege-wuenschbar-1926434.html)

Wenn sich so einer wie Adorno dem “Autoritären Charakter” zuwendet, dann darf man das nicht allzu ernst nehmen. Nicht so ernst, wie das Fleischhauer in seinem Kanal tut. (Die FOCUS-Kolumne von Jan Fleischhauer

Die neue Lust an der Macht: Wie viele Politiker insgeheim über die Lockdown-Regeln denken) Adorno führt immer in die Irre, denn wer empirische Forschung geringschätzt und Persönlichkeitspsychologie (Differentielle Psychologie) nicht kennt, der kann nur herumschwurbeln, weil die Bezugsgrößen die als invalide überführte Psychoanalyse (vgl. D.E. Zimmer u.a.) und neomarxistische Vorstellungen gar nichts anderes erlauben. 

Freitag, 26. Februar 2021

Der Roggen ist’s!

David Landes wählte in seiner Monographie “Armut und Wohlstand der Nationen” ebenfalls einen vergleichenden Ansatz, allerdings streift er nur allgemein die Landwirtschaft des frühen Mittelalters. Michael Mitterauer setzt just da an. “Roggen und Hafer, die Agrarrevolution des Frühmittelalters” ist sein erstes Kapitel überschrieben. Natürlich ist die Ernährungsfrage das Fundament für alles andere, wie leicht einzusehen ist. Aber ernährt haben sich alle Populationen rund um die Welt. Sollte der Roggen als Hauptgetreide - statt Weizen wie im Mittelmeerraum und Reis in China - eine so bedeutende Rolle gespielt haben? Roggen sei haltbarer, meint Mitterauer, erlaube die Dreifelderwirtschaft, die Heuwirtschaft auf dem Brachland und verlange nach den Wassermühlen mit vertikalem Rad, was wiederum zur Nockenwelle führe. 

Abb.: Roggenähre (Wiki.)


Mittwoch, 24. Februar 2021

Hallo Peter!

 Unter den Intellektuellen des Mittelalters fallen zwei Gestalten auf, die zueinander in einem Lehrer- Schülerverhältnis standen: Peter der Pilger und Roger Bacon (1220-92).

Der Schüler würdigt seinen Lehrer mit einer Lobrede:

“Er ist mit der Naturwissenschaft durch Experimente und mit den Medikamenten und der Alchemie und mit allen Dingen im Himmel und unter dem Himmel vertraut, und er würde sich schämen, wenn irgend ein Laie, eine alte Frau oder ein Bauer oder ein Soldat irgend etwas über den Boden wissen würden, von dem er keine Kenntnis hat. Er weiß Bescheid über das Gießen der Metalle und die Bearbeitung von Gold, Silber und anderen Metallen und alle Mineralien; er weiß alles über den soldatischen Beruf, über Waffen und Jagd; er hat den Ackerbau, die Landvermessung und die Landbearbeitung untersucht; er hat sich außerdem mit den Zaubereien weiser Frauen, mit ihrem Wahrsagen und ihren Zaubersprüchen sowie mit denen der Zauberer, mit den Kniffen und Blendwerken der Gaukler beschäftigt. Ehren und Belohnungen aber verachtet er, da sie ihn von seinen großartigen experimentellen Arbeiten abhalten würden.” (J.D. Bernal, Die Wissenschaft in der Geschichte, S. 235)


Das klingt nach einem, der nicht die Engel auf der Nadelspitze zählen, sondern nach einem, der das Ganze erfassen will, dem es um universales Wissen geht. Diesen Typus gab es in der Antike nicht, den Griechen ging es mehr um die Theorie, Technik und Handwerk waren minder bewertet. Die sklavenhaltenden Römer übernahmen die griechische Kultur, entwickelten aber Handwerk und Technik, vor allem Kriegstechnik. Die wurde für ihre endlosen Eroberungen und Kriege in erster Linie gebraucht. Wissenserwerb als solcher wird zwar schon in der aristotelischen Schule, dem Lykeion, gepflegt, auch im Museion von Alexandria, aber erst die Aufklärung institutionalisiert ihn. Peter der Pilger und Roger Bacon können als zukunftsweisende Figuren angesehen werden, die in ihrer Orientierung die innovative Entwicklung in der Praxis ihrer Zeit reflektieren: experimentieren statt sinnieren. Was leistet der schwere Wendepflug, wer zieht ihn, was brauchen die Zugtiere, funktioniert die Dreifelderwirtschaft, das sind einige Fragen der Zeit.