Mittwoch, 14. März 2012

Mein Freund, der Baum





Fliegen da nicht die Seelchen von Oma und Opa?




Nur im Okzident sei systematische Wissenschaft entstanden, so Max Weber eingangs seiner Religionssoziologie. Die Moderne sei ein Prozeß der “Entzauberung der Welt”. Die Rationalität ersetze die magische Vorstellung. Freud sieht Religion in seiner Schrift “Die Zukunft einer Illusion” gar als neuroseähnliches Phänomen, das es zu überwinden gelte. Nun ist Freuds Psychoanalyse selbst ein merkwürdiges Gemisch aus Rationalität und Phantasie, und man kann diesen Punkt zur Formulierung der Hypothese benutzen, daß die Rationalität in ihrer Reichweite so begrenzt ist, daß genügend Lücken für Ungewußtes bleiben, in denen sich Phantasien einnisten können, auch magische und animistische. So bleibt ja auch bei aller Rationalisierung der christlichen Theologie seit Paulus der magische Kern. Und innerhalb dieser Entwicklung warf der Protestantismus dem Katholizismus und dem orthodoxen Christentum eine magisch inspirierte Behandlung der Bibel vor. (Robertson Smith u.a.)

Wenn jetzt in Berlin eine apologetische Animismus-Ausstellung stattfindet, dann kann man das im Zusammenhang mit neuen Erscheinungen von Naturkult sehen, die in einer magischen Vorstellung von Natur keinen Kitsch mehr vermeidet.

Dienstag, 13. März 2012

REWE fördert Stromabzockerei





“ ‘ Mein Job soll auch nachhaltig Früchte tragen. ‘
Bei REWE handeln wir bewußt. Mit unseren eigenen REWE Bio Produkten, mit Fischen aus 100% nachhaltiger Fischerei, aber auch mit der Umstellung auf Grünstrom in allen REWE Filialen setzen wir ein Zeichen für verantwortungsvolles Handeln. Und damit zieht mein ganzes Team mit. Nachhaltig handeln ist demnach auch gut für das Klima unter den Kollegen. “
REWE-Anz. in der FAZ v. 12.3.12



Werte REWE-Sortimenter!

Sie sollten gute Produkte preiswert anbieten. Strom aus Abzockermodellen, die zwangsweise von anderen Stromkunden bezahlt werden müssen (Einspeisesubvention nach EEG), gehören nicht dazu.
Schauen Sie sich doch einmal dazu die Netzseite http://www.naeb.info/ an.

Ihre Werbung erscheint insgesamt grünideologisch überfrachtet, wo ehrliche und transparente Güterversorgung gefragt ist.
Sollte man da nicht öfters mal bei der nichtideologischen Konkurrenz kaufen?
Zum Einstieg in den Stoffkreis KLIMASYNDROM sei Ihnen empfohlen:

Fritz Vahrenholt, Sebastian Lüning, Die kalte Sonne: Warum die Klimakatastrophe nicht stattfindet, Hoffmann und Campe 2012, www.kaltesonne.de
sowie vertiefend von dem Meteorologen
Wolfgang Thüne, Propheten im Kampf um den Klimathron, 2012

Montag, 12. März 2012

Früher wurden die gefährdeten Uferregionen nicht besiedelt




Diese kleine Bebenwelle (Malediven) dürfte 48m niedriger sein als die von Fukushima 2011

(Bild: Wiki. / Fatullah)



Erdbeben gehören seit jeher zu Japan. Durch Leichtbauweise zuerst, dann durch elaborierten Hochbau konnten die Japaner die Erdbebenschäden eingrenzen. Anders verhält es sich bei den Tsunamis, gegen die kein bauliches Kraut gewachsen ist. Die Riesenwelle des letzten Jahres tötete über 20.000 Menschen, eine schrecklich hohe Zahl. Was läßt die Japaner an diesen gefährdeten Siedlungsgebieten festhalten? Offenbar ist es die Tradition, die sie nicht gehen läßt, verbunden mit der Selbstbeschwichtigung, daß große Bebenwellen zwar immer wieder auftreten, aber doch nicht jedes Jahr und zudem nicht von solcher Höhe und Gewalt wie 2011. Rational wäre es aber dennoch, diese tiefliegenden, in der Breite schlecht zu schützenden Siedlungen aufzugeben und umzuwidmen.

Sonntag, 11. März 2012

Otto Hahn wurde 89




Besuch vom Kaiser 1912: Dafür zeigt Otto Hahn Willi II. 300 Milligramm reines Radium. Auf dem Tablett. Ohne Schutz und Schleier gegen die starke Strahlung!
“Wenn ich das heute täte, käme ich ins Gefängnis. Nun, der Kaiser hat die Szene überlebt, und ich lebe auch noch, obwohl ich ständig mit solchen Präparaten gearbeitet habe.”
Otto Hahn, Mein Leben, S. 108 (Hahn wurde 89 Jahre alt.)





- Ja, natürlich, hätte man alle japanischen Küsten mit 50m hohen Tsunami-Mauern umgeben, 5m dick, so wären viel weniger Menschen ums Leben gekommen. Das kann man natürlich Schlamperei nennen. Auch die Wellenbewehrung der Fukushima-Reaktoren war für diese besonders hohe Riesenwelle nicht stark genug. Daher wurden die Notstromgeneratoren beschädigt. Die Reaktoren selbst schalteten bei diesem sehr starken Beben (9) ordnungsgemäß ab und hielten auch der Flut stand. Daher entstand zwar hoher Sachschaden, der Personenschaden blieb aber, verglichen mit den 20.000 Erdbeben- und Fluttoten, geradezu geringfügig. Dieses Schadensverhältnis in der Darstellung indirekt umzuwerten, wie schon Titel und Vorspann es unternehmen, verdient vielleicht eher den Namen “Schlamperei”.
Die in deutschen Kernkraftwerken eingebauten autokatalytischen Rekombinatoren fehlten in Fukushima, die vorhandenen Zünder konnten - wie eigentlich für einen "Gau" vorgesehen - durch Serien kleiner Verpuffungen eine Detonation von Knallgas nicht verhindern, weil der Notstrom fehlte.
Die Japaner werden die Reaktoren in diesem Sinne nachrüsten, auch die deutsche Dreifachauslegung wahrscheinlich übernehmen und die Notstromdiesel mit Akkus ausrüsten, die wiederum noch einmal mit Solarzellen nachgeladen werden können.
Die Kerntechnik hat in Japan eine besonders schlimme Bewährungsprobe den Verhältnissen entsprechend recht gut bestanden. Die deutsche Kerntechnik hat sich allerdings als noch sicherer dargestellt.

Zu: "Ein Jahr nach dem Tsunami
Umstrittene Reaktoren
11.03.2012 · Die Katastrophe in Fukushima hat vor allem in Japan und Deutschland zu einem Umdenken in der Energiepolitik geführt. In vielen anderen Ländern steht die Atomkraft nicht in Frage." FAZ 10.3.12

- Die drei baltischen Staaten haben ihr Kernkraftprojekt VISAGINAS bekräftigt und wollen bis Jahresmitte die Verhandlungen mit dem Konsortium Hitachi-GE Nuclear abschließen.

Samstag, 10. März 2012

Das sagen wir jetzt einfach mal so





- “Wenn die Euro-Zone scheitert, scheitert Europa.”
Darauf baut die Politik der EU-Kommission und der Bundesregierung, in ihrem Verständnis sind sie die “wahren” Europäer.
Mit solchen ‘Globalwahrheiten’ wird dann konkrete Politik gemacht, zB die Politik des lockeren Geldes durch Herrn Draghi, dem Ex-EZB-Chef Issing widerspricht.
Auch zwischen EZB und Bundesbank gibt es Auseinandersetzungen, die Draghi aber leugnet.
Leugnet er, sagt also etwas Falsches, von dem er weiß, daß es falsch ist? Wahrscheinlich würde er antworten, daß die Bundesbank das falsch sehe, die Bundesbankperspektive nehme er sehr ernst und lege er allen Entscheidungen zugrunde, nur sei die Wahrnehmung Jens Weidmanns unscharf.
So könnte er es sich in seinem Kopf zurechtgelegt haben, seine Hinsicht ist eben eine andere, italienisch gefärbte.
Die Macht entscheidet dann, wessen Perspektive als “wahr” zu gelten hat. Die Stimmenmehrheit also. Sehr unbefriedigend. Aber so ist das in den Bereichen der Gesellschaft: “Wahrheit” ist eine Perspektive, die durch Macht durchgesetzt wird.


- "Wahrheit ist, so habe ich einmal gesagt, die Erfindung eines Lügners. Damit ist gemeint, dass sich Wahrheit und Lüge gegenseitig bedingen: Wer von Wahrheit spricht, macht den anderen direkt oder indirekt zum Lügner. Diese beiden Begriffe gehören zu einer Kategorie des Denkens, aus der ich gerne heraustreten würde, um eine ganz neue Sicht und Einsicht zu ermöglichen" (S. 29)… "Für mich ist diese Sicherheit des Absoluten, die einem Halt geben soll, etwas Gefährliches, das einem Menschen die Verantwortung für seine Sicht der Dinge nimmt. Mein Ziel ist es, eher die Eigenverantwortung und die Individualität des einzelnen zu betonen. Ich möchte dass er lernt, auf eigenen Füssen zu stehen und seinen persönlichen Anschauungen zu vertrauen…" (S. 34) …"Der Weg ist nichts Ewiges und von vorneherein Festgelegtes, er entsteht im Moment des Gehens, im Augenblick der Bewegung." (S. 42)

Heinz von Foerster & Berhard Pörksen: Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners. Gespräche für Skeptiker, Carl-Auer Verlag Heidelberg, 6. Aufl. 2004