Mittwoch, 20. Februar 2013

Und dann macht ein Deppi die Million





L.L. Thurstones Primärfähigkeiten und die Korrelationen untereinander und mit der generellen Intelligenz g

Tabelle aus: Hans Jürgen Eysenck, Die Ungleichheit der Menschen, Ist Intelligenz erlernbar?, dt. 1989, 
S. 75





Ich bin nicht so sicher, ob die Ökonomen rechnen können, sagte der Flugzeugbauer nach einem ökonomischen Vortrag. Ich weiß nicht, ob die Ingenieure noch etwas anderes können, außer Rechnen, hätte der Ökonom vielleicht erwidert. Und käme noch ein Künstler dazu, so wären Ingenieur, Ökonom und Jurist sich wahrscheinlich einig, daß sich die Kunst auf einem ganz anderen Kontinent befände.  

Alle drei und andere Fach-Vertreter mehr könnten sich aber im IQ-Test in der Nachfolge C. Spearmans in der gleichen Punktklasse wiederfinden, ihr genereller Intelligenzfaktor "g" wäre möglicherweise ähnlich. Das hat seine Richtigkeit, doch ist der Aussagewert von "g" nicht sehr groß. Der Flugzeugbauer wird den Ökonomen weiterhin für etwas "doof" halten, der Ökonom den Ingenieur für "engstirnig". Bei Kindern allerdings dürfte  "g" als Hilfsmittel am interessantesten sein, um eine Beurteilung abzurunden. 
Vielleicht war es das Zusammentreffen mit anderen Fachvertretern, die L.L. Thurstone zur Ausfaltung des Generalfaktors in "Primärfähigkeiten" anregte. Er unterschied Rechengewandtheit, Wortflüssigkeit, Sprachbeherrschung, Raumvorstellung, Mechanisches Gedächtnis und Schlußfolgerndes Denken und untersuchte den Zusammenhang mit "g". Der war am höchsten beim Schlußfolgernden Denken (0,84 von max. 1), am geringsten beim räumlichen Vorstellungsvermögen (0,34) und dem Mechanischen Gedächtnis (0,47). Insgesamt gab es einen positiven Zusammenhang mit dem Generalfaktor. 

 Eine weitere Differenzierung kam mit der Annahme einer multimodularen Intelligenz ins Spiel. In dem Buch ABSCHIED VOM IQ (1985/91) postulierte der Harvard-Psychologe Howard Gardner, daß jeder Mensch mehrere ‚Intelligenzen’ entwickeln könne, die von Tests gar nicht erfaßt werden könnten. So unterscheidet er:

Sprachliche Intelligenz, logisch-mathematische, musikalische, körperlich-kinästhetische, räumliche, interpersonale und intrapersonale, naturkundliche Intelligenz und Lebensintelligenz.

Der deutsche Intelligenzforscher Detlev Rost findet das feulletonistisch. Daran ist soviel richtig, daß sich diese Dimensionen schwer in einem handlichen Testapparat messen lassen. Aber lehrt nicht die Lebenserfahrung, daß es hier erst richtig interessant wird? Das entwertet allerdings die "Generalintelligenz" nicht. Die behält ihre Bedeutung. Aber sinnvoll ist es, früh die Vielfalt der Intelligenzen und die große Ungleichheit der Menschen kennenzulernen. Daß jemand körperlich-kinästhetisch begabt ist, fällt leicht festzustellen. Wo die speziellen Begabungen aber liegen, bedürfte schon einer eingehenderen Untersuchung. Die kann man sich in diesem Bereich sparen, weil das Ergebnis nur dem Stumpfsinn des Leistungssports dient. Aber in den anderen Bereichen läge schon daran, um Begabungsdefiziten entgegenzuarbeiten und die passende Berufsrolle zu finden und konstruktiv zu begleiten. Es bedarf der Arbeit, aus einem intelligenten Verkäufer einen guten Verkäufer, aus einem intelligenten Abteilungsleiter einen guten Abteilungsleiter zu machen. Dazu gehört immer die intrapersonale Intelligenz. Das ist ein alter Hut, aber der Grad der Selbsterkenntnis ist nicht einfach zu messen. Ob meßbar oder nicht, die Arbeit daran ist unabweisbar. Schon, um eine hohe Lebenszufriedenheit zu erreichen und Schaden zu vermeiden. Das gilt für alle Dimensionen Gardners, wobei ich innerhalb der Lebensintelligenz noch die Abteilung "Prioritätenintelligenz" einrichten würde. Denn nicht nur gibt es Zeitfenster für verschiedene Lernziele, die Zeit insgesamt läuft ab. Wer Jahre mit Leistungssport vertut, kann sie nicht für seine mentale Gesamtentwicklung nutzbar machen. Auch im situativen Handeln ist es wichtig, das Wichtige schnell zu erkennen und sich entsprechend zu verhalten. 
Ein Abschied vom Spearman-IQ ist dafür aber weder nötig noch wünschbar. 

Dienstag, 19. Februar 2013

My home is my castle




Steuer auf das Häuschen?

Monti, der Ex-EU-Kommissar, hat's als italienischer Ministerpräsident gemacht. 
Das ist nicht nur unverschämt, sondern auch freiheitsfeindlich.


Montag, 18. Februar 2013

Her mit dem Geld




Goldesel - die Perspektive der Merkel


(Bild: Meffo/Wiki.)



Die Banken sollen sich nachträglich beteiligen an ihrer Rettung durch den Staat, sagt Merkel. Durch die von 11 EU-Ländern beschlossene Finanzsteuer auf Aktien- und Anleihenkäufe und -verkäufe. 
Warum sollte die Deutsche Bank, die ordentlich gewirtschaftet hat und keinerlei Staatshilfe brauchte, für die Politikerbanken Nord-LB, WestLB, BayernLB etc. etwas zahlen? Das leuchtet nicht ein. Ohnehin sind die Banken mit den erhöhten Eigenkapitalanforderungen in einer angespannten Lage. Wer nicht solide wirtschaftet, soll haften und ausscheiden bzw. für Überbrückungshilfen zahlen. Das tut beispielsweise die Commerzbank. Für die Staatshilfe zahlt sie Zinsen. Das soll so sein. 
Und wer zahlt die Finanzsteuer? Wer hat denn die 3% Mehrwertsteuererhöhung gezahlt, als Merkel mit Steinbrück als Finanzminister an die Macht kam? Die auf 19% erhöhte Mehrwertsteuer zahlen natürlich die Kunden. Das weiß Merkel. So wird es selbstverständlich auch bei der Finanzsteuer sein. Steuern zahlen die Kunden, die kaufen und verkaufen. Das weiß Merkel. Sie sagt etwas anderes. Das ist dreist. Die Frau ist unwählbar. 

Sonntag, 17. Februar 2013

Amerikanistisch







Hat nicht mal Buchhandel gelernt - Jeff Bezos, Gründer von amazon


(Bild: J.D. Davidson, Wiki.)



Ach, amazon, wie lieb’ ich dich! Bücher, CDs, Digitalradios lieferst du mir und viele Besprechungen dazu. Auch antiquarisch. Zuverlässig. Eine große Chance für Kleinanbieter in deinem Hinterzimmer. Ebenso für unbekannte Autoren mit kleinen Auflagen. Wer in jungen Jahren in einer Buchhandlung arbeitete, kann dich besonders schätzen. Alles bigotte Gequatsche entfällt. Keine linke Propaganda. Sachdienliche Hinweise dagegen. Und ohne großen Aufwand erreichbar.
Wenn auch keine teutonische Erfindung. Mit immer neuen Schulden finanziert. Sehr unsolide. Und gar nicht gemütlich. Auf englische Titel konnte man sich früher vierzehn Tage freuen. Vorbei. Seelenlos schnelle Lieferung. Elektronisch vermittelt, ohne warmes Herzblut. Bei der “Absolutheit des Absoluten”, der “absolvent sich absolvierenden Absolution” (1), da hast du nichts zu bieten. Da west nichts. Heidegger würde abraten.


(1) M. Heidegger, Hegels Begriff der Erfahrung, 1937, in: Heidegger, HOLZWEGE, 1980, S. 134

Samstag, 16. Februar 2013

Besser ist das



Dževad Karahasan würdigte in der FAZ v. 14.2.13 Josef Ratzinger: "Menschen vom Schlag Benedikts braucht die Welt". Der bosnische Autor und Mohammedaner schätzt Ratzinger als einen Mann des Dialogischen und der Gelehrsamkeit. Letzteres gefällt mir ebenfalls, obwohl ich die Dinge aus ganz anderer Perspektive sehe. Man kann der Welt nicht mit Gelehrsamkeit kommen. Aber man kann aus dem Zirkus aussteigen, was Ratzinger zum Monatsende tun wird. Mit 85 Jahren darf man zurückschalten und die verbleibenden Jahre so gestalten, wie es einem erstrebenswert erscheint. Ratzinger will sich nicht mehr an die Öffentlichkeit wenden und in ein Kloster gehen.  

Es ist so, wie schon Epikur, der Platon-Verächter, es sah: das politische Handeln macht nicht glücklich. Für die katholische Kirche, für die Kirchenpolitik gilt das gleiche wie für jede andere bürokratische Organisation. Sie sind alle Intrigantenstadel, wobei intrigierende Kirchenfunktionäre ihre Leute sogar nahe am Papst selbst plaziert hatten. Wenn man den Kammerdiener vom Schreibtisch des Chefs stehlen läßt, dann zeigt das die Dreistigkeit der frommen Drahtzieher. Wer will sich den Lebensabend mit solchem Pack verdüstern? Ratzinger will es nicht, und er hatte auch keine Lust, sich die Finger schmutzig zu machen durch Disziplinarmaßnahmen. Ratzinger ist kein Machtmensch, wie es Platon (Politeia, Dionysios II.) sein wollte. Ratzinger ödeten offenbar die Machtspielereien an. Ich finde das sympathisch.  
  
Benn 
ANEMONE 

Erschütterer  -:  Anemone, 
die  Erde  ist  kalt,  ist  Nichts, 
da  murmelt  deine  Krone 
ein  Wort  des  Glaubens,  des  Lichts. 
Die  Erde  ohne  Güte, 
der  nur  die  Macht  gerät, 
ward  deine  leise  Blüte 
so  schweigend  hingesät. 
Erschütterer  -:  Anemone, 
du  trägst  den  Glauben,  das  Licht, 
den  einst  der  Sommer  als  Krone 
aus  grossen  Blüten  flicht. 

Gilt auch für Schneeglöckchen 
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