Freitag, 1. Oktober 2021

Debatte muß nicht sein

 Debatte muß nicht sein

“Unsere Kultur verabschiedet sich grußlos von der Mehrheitsentscheidung. Staatliche wie suprastaatliche Organe haben sich aufs Aushandeln verlegt, vermeiden zunehmend das Abstimmen. … Wo die Mehrheitsregel waltet, muß keine Demokratie sein; aber wo Demokratie ist, kann nur die Mehrheitsregel gelten.”*

2020 zeigte in dieser Entwicklung den bisherigen Höhepunkt. Ein ausgewählter Virologe, der sich anbiederte, wurde von Merkel und ihren Kumpanen ausgewählt, den Bundestag zu ersetzen. Die anderen Parteien - Grüne, Linke und FDP spiel(t)en mit.  

*Egon Flaig, Die Mehrheitsentscheidung, Entstehung und kulturelle Dynamik, 2013, S. 19  


Tacitus weiß von Disputation nichts zu berichten:

“Volksversammlung. Ueber minder bedeutende Angelegenheiten berathen die Häuptlinge, über die wichtigeren die Gesamtheit. Indessen auch wo dem Volke die Entscheidung zusteht, wird die Sache von den Häuptlingen durchgesprochen. Für diese Berathungen haben sie, wenn kein unerwarteter Zufall eintritt, ihre festen Tage, und zwar gelten Neumond oder Vollmond als günstigste Zeit für die Staatsgeschäfte. Der Germane rechnet Gewicht seiner Meinung als auf die Gewalt seines Machtspruchs gestützt. Findet eine Ansicht keinen Beifall, so geht ein verneinendes Murren, gefällt sie, so tönt das Klirren der Speere durch die Versammlung. Waffenklang ist das ehrenvollste Zeichen des Beifalls.


Tacitus, C. Cornelius. Die Germania, Volksversammlung. (German Edition). Kindle-Version. 


Mittwoch, 29. September 2021

Die Mehrheitsentscheidung

“Wo mehrheitlich entschieden wird, herrschen Kontroversen und Debatten. Das vielerörterte Problem, wieso nur bei den Griechen es zur systematischen Anwendung logischer Operationen kam, läßt sich lösen. Die praxeologische Schnittstelle zwischen Logik und Lebenswelt ist die Kontroverse. Sie erzieht die Akteure zu einem anderen intellektuellen Verhalten als konsentische Verfahren. Die Techniken der Kontroverse hängen sachlich und historisch zusammen mit den formalisierten logischen Regeln. Daher sei es gewagt, die Geburt des wissenschaftlichen Denkens aus dem Geiste der Mehrheitsentscheidung zu behaupten.”

Egon Flaig, Die Mehrheitsentscheidung, Entstehung und kulturelle Dynamik, 2013, S. 25


Die Parteien bzw. Parteiführer unternehmen fast alles, um offene Debatten zu unterlaufen und zu unterbinden. Insbesondere AM hat es durch Auslagerung von Entscheidungen und Schleimergremien zu semidiktatorischer Perfektion gebracht.

 

Chopin: Nocturne No. 2 in E-Flat Major, Op. 9 No. 2

Sonntag, 26. September 2021

Vor 700 Jahren

 DANTE ALIGHIERI  (1265 Florenz - 14.9.1321 Ravenna)


Göttliche Komödie


"Erster Gesang 


Als ich auf halbem Weg stand unsers Lebens,

Fand ich mich einst in einem dunklen Walde,

Weil ich vom rechten Weg verirrt mich hatte;

Gar hart zu sagen ist's, wie er gewesen,

Der wilde Wald, so rauh und dicht verwachsen … "


Dante Alighieri. Göttliche Komödie * (German Edition) (S.3). Passerino Editore. Kindle-Version. 

Schwer verständlich und kaum ohne Kommetar zu lesen, sei Dante, so Andreas Kablitz in einem Interview im DLF vorige Woche; diese Unzugänglichkeit des Textes kontrastiere zu seiner einzigartigen weltweiten Bekanntheit - sehr seltsam sei das. Das ist es in der Tat. 

Es dürfte mit den Orten zusammenhängen, speziell mit der Hölle, dem Inferno, an das manche heute noch glauben. Im Mittelalter war das von brennendem Interesse. Auch das Fegefeuer und endlich das Paradies besichtigt Dante, merkwürdigerweise mit dem vorchristlichen Vergil. Wahrlich eine große Tour, die ein großes Echo bei Malern und Bildhauern fand. Das befeuerte den Ruhm Dantes anhaltend. Botticelli, Gustave Doré, Orcagna, Signorelli, Raffael, Michelangelo, Delacroix, Dali und Rauschenberg ließen sich inspirieren und mehrten die Popularität Dantes. Wer wird nicht einen Dante loben, kann man Goethe abwandelnd sagen, aber wird ihn jeder lesen? Nein, natürlich nicht, er ist einfach ohne Hilfe unverständlich, während das für die zahlreichen Illustrationen Gustave Dorés

nicht zutrifft: sie faszinieren auf Anhieb.


* Übersetzt von Philalethes (König Johann von Sachsen, vollständiger Name Johann Nepomuk Maria Joseph Anton Xaver Vincenz Aloys Luis de Gonzaga Franz de Paula Stanislaus Bernhard Paul Felix Damasus, 1801-1873 Pillnitz)