Dienstag, 29. Juli 2008

Zwangsheirat, Etzioni: Traditionsgesellschaften


Der tägliche ergiebige Schauer läßt den Boden nicht abtrocknen.

18-25° Sch

- Necla Kelek: ' Muslimische Zwangsheirat. Freiheit jenseits der Gesetze? Hand in Hand gegen Zwangsheirat? Die islamische Community gerät nicht nur in dieser Frage, sondern auch bei sogenannten Ehrenmorden, Gewalt in der Ehe und der Erziehung durch die öffentliche Meinung unter Legitimationsdruck. Niemand nimmt ihren gebetsmühlenartig wiederholten Spruch „Das hat mit dem Islam nichts zu tun“ mehr ernst. Nun versucht der Vordenker eines „europäischen Islams“, Tariq Ramadan, die Sache für die Muslime zu wenden. Gemeinsam mit Rotterdamer Islamvereinen, dem Berliner, der Muslimbruderschaft nahen Verein „Inssan“ und mit der Unterstützung des Berliner Integrationsbeauftragten Günter Piening fördert er die Initiative „Hand in Hand gegen Zwangsheirat“. ... Lob der Großfamilie:
Interessant ist, wie Ramadan und seine Anhänger Familie definieren. Gemeint ist nicht eine Kernfamilie aus Mutter, Vater und Kindern, sondern die Großfamilie, der Stamm. So wird aus der Gemeinschaft der Muslime, der Umma, eine Familienkultur. In der Handreichung liest sich das so: „In einer Familienkultur ist die Familie wichtiger als das Individuum. Die Familie verhält sich als Einheit, um als Ganzes von den anderen Familien des sozialen Umfelds als voll- und gleichwertig anerkannt zu werden (...) Jedes Individuum hat im Interesse der Familie zu handeln.“ Und wenn nicht, so wird die Ehre der Familie verletzt: „In der Gruppe ist Ehre ein gemeinschaftlicher Besitz, für den alle Familienmitglieder Verantwortung tragen, ungeachtet der Hierarchieart in der Familie.“
Ramadan und seine Schüler versuchen, die Grundrechte und Werte der europäischen Zivilgesellschaft umzudeuten. Sie sprechen dem Einzelnen das Selbstbestimmungsrecht ab, definieren den Menschen als Sozialwesen und nicht als Individuum, befürworten das System der „Schamgesellschaft“ mit einem fatalen Ehrbegriff. Nirgendwo in dem Büchlein wird dem Einzelnen das Recht eingeräumt, selbst zu entscheiden, ob er überhaupt heiraten will. „Die Familie bildet den Kern der islamischen Gesellschaft, und die Ehe ist im Islam die einzige gestattete Weise, Familien zu gründen.“ Seine eigene Sexualität zu leben ist nicht statthaft. ' FAZ 29.7. //
Kelek verdient nicht nur Respekt für Ihre mutige Arbeit, fast muß man auch besorgen, daß ein zorniger frommer junger Mann im Sinne des Ramadan-Bruders Hani aktiv wird: " ... Hani Ramadan wurde schon 1997 von den Franzosen mit einem Einreiseverbot belegt. Er ist Lehrer in Genf, wo er das Islamische Zentrum leitet. Vor zwei Jahren hat Hani Ramadan in "Le Monde" das Steinigen von Ehebrecherinnen als "Reinigung" der Sünderinnen gerechtfertigt. Zögerlich ging "Frère Tariq" auf Distanz. Die jüngsten Veröffentlichungen weisen nach, daß das "Duett der Doppelzüngigen" keine Erfindung von Rassisten ist. Auch Tariq denkt insgeheim weitgehend so, wie sich Hani in der Öffentlichkeit äußert. ..."
MUSLIMISCHE BRÜDER: TARIQ UND HANI RAMADAN IM GEGENWIND, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2004 . Die Betrauung Keleks mit der Leitung des Instituts für Türkeistudien wäre für die deutsche und die türkische Seite ein großer Gewinn.

- Etzioni : "Weniger ist mehr. Weil die Sicherheit des Westens auch am Hindukusch verteidigt wird, fehlt es gerade in Deutschland nicht an Appellen, Afghanistan mit noch mehr Geld wirtschaftlich und sozial auf die Beine zu helfen. Doch die Aussichten, dass eine Gesellschaft wie die Afghanistans innerhalb weniger Jahre aus dem Mittelalter in das 21. Jahrhundert katapultiert werden kann, sind gering. Ein Essay über Moral und Hypermoral.

... Doch trotz einer unter aufgeklärten Menschen weitverbreiteten Auffassung, dass Terrorismus mit Armut verknüpft und deshalb Entwicklung das beste Gegenmittel sei, beweist auch die jüngste Geschichte, dass beide nicht viel miteinander zu tun haben. ... Die Wortführer des Wiederaufbaus verschließen sich auch den schmerzhaften Lektionen, die die Geschichte der westlichen Entwicklungshilfe bereithält. Im Jahr 2006 zeigte ein ausführlicher Bericht über die vielen Milliarden Dollar, die von der Weltbank seit Mitte der neunziger Jahre für wirtschaftliche Entwicklung ausgegeben worden waren, dass sich das Pro-Kopf-Einkommen - einer der wichtigsten Entwicklungsindikatoren - trotz größter Bemühungen der Bank in vielen Ländern nicht erhöht hatte. In 14 von 25 Ländern, die in dem Bericht erfasst wurden, war das Pro-Kopf-Einkommen Anfang 2000 gleich oder niedriger als Mitte der neunziger Jahre. Darüber hinaus hatten sich jene Länder (besonders in Afrika), die die meiste Unterstützung erhielten, am wenigsten entwickelt, während die Länder, die nur geringe Unterstützung erhielten (besonders China, Singapur, Südkorea und Taiwan), sehr rasch vorankamen. Anderen Kritikern gilt Entwicklungshilfe als ein "vergiftetes Geschenk", da es die Abhängigkeit von ausländischen Mächten fördert, die einheimischen Bemühungen untergräbt und denjenigen am meisten nützt, die gut Anträge schreiben und Mitarbeitern von Stiftungen und Hilfsorganisationen charmieren können. ... Man kann einwenden, dass Reformen wie diese in anderen Ländern, einschließlich des Westens, Erfolg hatten. Tatsächlich könnten Sozialwissenschaftler den Entwicklungsländern einen großen Dienst erweisen, wenn sie eine gründliche Untersuchung darüber anstellten, wie Korruption und Misswirtschaft in jenen Ländern zurückgestutzt wurden, denen es gelang, diese Schwächen in den Griff zu bekommen. Eine solche Studie würde wahrscheinlich zu dem Ergebnis kommen, dass dieser Prozess Jahrzehnte, wenn nicht gar Generationen dauerte und mit einem beträchtlichen Wandel des Bildungswesens und der gesellschaftlichen Kräfte (etwa der Entstehung einer größeren Mittelschicht) einherging. Diese Veränderungen können nicht überstürzt werden und müssen weitgehend von innen heraus erfolgen.
Dasselbe gilt für die meisten anderen Erscheinungsformen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Verhaltensweisen und Werte gelten seit Jahrhunderten und sind in der Tradition tief verwurzelt. Sie zu verändern ist ein langsamer und schwieriger Prozess, der in der Regel nicht von außen aufgezwungen, geschweige denn beschleunigt werden kann. ... Kultur ist ebenfalls ein Hauptgrund, der die erstaunlichen Unterschiede in der Überwindung sogenannter Unterentwicklung erklärt, besonders zwischen den südasiatischen "Tigern", die wenig Hilfe erhielten, und den afrikanischen und arabischen Staaten, in die viele Gelder geflossen sind. Ich vertrete ausdrücklich nicht die These, dass sich Letztere aufgrund genetisch bedingter Faktoren nicht weiterentwickeln könnten. Aber es ist offensichtlich, dass ihre Kulturen auf anderen Werten beruhen und sich vor allem auf traditionell-religiöse, lokale und stammesbedingte Bindungen stützen. Diese Kulturen können sich verändern, aber nur langsam, und der Wandel kann nicht von Außenstehenden beschleunigt werden. Das alles vorausgesetzt, muss man damit rechnen, dass der Wiederaufbau in Ländern wie Afghanistan sehr langsam vorangehen und allen Beteiligten sehr viel abverlangen wird. ..." F.A.Z.27. Juli 2008 // Allerdings gilt, daß Städte eine eigene Entwicklungsdynamik haben. Kabul und Kairo waren Berlin in den zwanziger Jahren sehr viel ähnlicher, als das 2001 der Fall ist.

Windkraftparks in der Nordsee

WINDKRAFT
Windkraftparks in der Nordsee

Im Artikel "Noch sind die Windfarmen vor den deutschen Küsten eine kühne Vision" (F.A.Z.-Wirtschaftsteil vom 10. Juli) wird ein realistisches Bild gezeichnet vom risikoreichen, politisch gewollten Bau der Offshore-Windkraftwerkparks in der Nordsee. Unter den vielen Problemen, die zu bewältigen sind, spielt das Netzproblem eine entscheidende Rolle, denn ohne ein leistungsfähiges und zuverlässiges Stromübertragungsnetz lassen sich keine Offshore-Windparks betreiben, es sei denn, man produziert kostspielig Wasserstoff. Verschärft wird dieses Netzproblem durch den geplanten Bau von Kohlekraftwerken an der Nordseeküste, deren voraussichtliche Betreiber als Konkurrenten der vier großen Energieversorgungsunternehmen auftreten und die hier mit dem Einsatz von Importkohle auf den kostenträchtigen Transport über Binnenwasserstraßen verzichten können.

Das Transportproblem landet dann beim Netzbetreiber. Als Ergebnis wird sich zwangsläufig ein gewaltiger Stromüberschuss in Norddeutschland einstellen, der auf ausreichende Strom-Übertragungsleitungen nach der Mitte und dem Süden Deutschlands angewiesen ist. Und hier liegt Handlungsbedarf vor, der laut einer Untersuchung der Deutschen Energie-Agentur (dena Netzstudie) den baldigen Neubau von 850 Kilometern Höchstspannungsleitungen erfordert. Technisch ist dies realisierbar, sowohl in bewährter Form als Freileitungen als auch zu vier- bis zehnmal höheren Kosten als Erdkabel, wobei die Erdkabelvariante zusätzliche Aufwendungen für die Blindleistungskompensation verursachen würde. Neue Stromtrassen bringen allerdings auch neue Schwierigkeiten. Nach heutiger Rechtslage werden sich Genehmigungsverfahren bis hin zu erwartenden Einsprüchen und Enteignungen über viele Jahre erstrecken.

Übergangen wird von Windkraftwerksbetreibern in der Regel auch das Thema Verluste der Übertragungsleitungen, die durchaus eine Größenordnung von drei Prozent pro hundert Kilometer Leitungslänge erreichen können und insbesondere auf großen Distanzen nicht vernachlässigt werden können. Dass Energieversorgungsunternehmen bei der Integration erneuerbarer Energien nicht nur Freude empfinden, ist ob der zu erwartenden Risiken und Kosten nur zu verständlich. Politiker haben es einfacher: Sie können sich schon bei der nächsten Wahl verabschieden.

Reginald Kraus, Mülheim an der Ruhr
Text: F.A.Z., 24.07.2008, Nr. 171 / Seite 17, Leserbrief

Phelps

Edmund S. Phelps 75 Jahre

Das Interesse für Wirtschaftsfragen war Edmund Strother Phelps quasi in die Wiege gelegt. Geboren 1933 im amerikanischen Bundesstaat Illinois, am Tiefpunkt der Großen Depression, die auch seinen Vater, einen studierten Ökonomen, wie viele Millionen andere arbeits- und mittellos machte, diskutierte Phelps schon als Junge am Familientisch über die Lage der Wirtschaft. Später studierte er an der Yale-Universität und wurde dort 1960 Dozent. In seinen frühen Arbeiten beschäftigte er sich mit der angeblich zu geringen Sparquote in Amerika und entwickelte eine Theorie der optimalen Spar- und Investitionsquote, die über die Generationen den wirtschaftlichen Nutzen maximieren soll: Als "Golden Rule" firmiert sie noch heute in vielen Lehrbüchern.

In den späten sechziger Jahren gehörte Phelps zu jenen, die frontal angingen gegen die von Keynesianern vertretene These, dass mit höherer Inflation ein Abbau der Arbeitslosigkeit erkauft werden könne. Phelps widerlegte - gleichzeitig, aber unabhängig von Milton Friedman - die sogenannte Phillips-Kurve, wonach eine Wahlmöglichkeit zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit bestehe. Entscheidend seien die Erwartungen der Wirtschaftssubjekte, daher funktioniere plumpe keynesianische Konjunktursteuerung durch stärkere "effektive Nachfrage" nicht, erklärte Phelps, wenn die Unternehmen bereits voraussehen, dass die Preise und Löhne schneller steigen.

Die in den siebziger Jahren in allen westlichen Industrieländern grassierende Stagflation - eine Mischung aus hoher Inflation und hoher Arbeitslosigkeit - lieferte den empirischen Beweis für seine Thesen. 2006 wurde Phelps für seine "Analyse intertemporaler Zielkonflikte in der makroökonomischen Politik" der Nobelpreis verliehen.

Phelps, der von 1971 an in New York an der Columbia-Universität lehrte, kennt Europa von mehreren Gastprofessuren, etwa in Mannheim, Florenz und Paris. Die hier im Vergleich zu Amerika höhere und hartnäckigere Arbeitslosigkeit führte er auf eine übermäßige Regulierung des Arbeitsmarktes zurück. So bezeichnete er es vor dem Hintergrund der "sehr beängstigenden demographischen Zukunftsaussichten Europas" als "ein Wunder, dass es unter solchen Bedingungen in Deutschland und in Frankreich überhaupt noch Investitionen gibt". Die ganze Wirtschaftsordnung Europas müsse radikal reformiert werden. Angesichts des Aufschwungs der vergangenen Jahre erscheint sein Pessimismus übertrieben.

Bedenkenswert bleibt jedoch die Kritik Phelps', dass in Europa eine grundsätzlich "unternehmerfeindliche" Einstellung vorherrsche. Als Leiter des 2001 gegründeten "Center on Capitalism and Society"untersucht er den Zusammenhang von kulturellen Werten, Einstellungen und wirtschaftlichem Erfolg. Er ist nicht nur Ökonom, sondern auch Kunst- und Opernliebhaber und singt selbst gelegentlich. Obwohl er vieles in Europa kritisch sieht, weiß er doch die europäische Küche zu schätzen. Seine Sommerurlaube verbringt Phelps mit seiner Frau, einer gebürtigen Argentinierin und Simultanübersetzerin, meist in Italien. Am Samstag feiert er seinen 75. Geburtstag. ppl.

Text: F.A.Z., 26.07.2008, Nr. 173 / Seite 16

Montag, 28. Juli 2008

Der unbestechliche Zeuge

Leserbrief
Der unbestechliche Zeuge

Der glasklaren Analyse von Berthold Kohler in "Das Urteil" (F.A.Z. vom 9. Juli) und der sich hieraus ergebenden Aufforderung an den Staat, sein Gewaltmonopol im Bereich der Ausländerkriminalität auch tatsächlich und konsequent auszuüben, ist absolut nichts hinzufügen. Eines allerdings wird im konkreten Fall - ganz zu Unrecht - eher nur beiläufig erwähnt: Der Münchner Urteilsspruch mit seinem der Abscheulichkeit der Tat angemessenen Strafmaß war sicherlich nur möglich, weil einziger brauchbarer "Zeuge" eine Überwachungskamera war. Deren unbestechliche Augen ließen nämlich keinerlei Zweifel am Tathergang selbst aufkommen. In diesem Zusammenhang sei an die merkwürdigen Argumente vieler Kritiker gegen die Installierung von zusätzlichen Überwachungskameras in öffentlichen Räumen erinnert. Zwar ist es richtig, dass hierdurch wohl die meisten Gewalttaten leider nicht verhinderbar sind. Eine gewisse Prophylaxe dürfte hierdurch gleichwohl erreichbar sein. Denn potentielle Gewalttäter werden sich sehr wohl überlegen, ob sie unbedingt das Risiko der zweifelsfreien Identifizierung und damit drastischer Strafen beziehungsweise der Abschiebung eingehen wollen. Auf jeden Fall ermöglicht eine solche Aufnahme es den jeweiligen Gerichten, zu Urteilen zu gelangen, die weder durch beredte Anwälte noch durch relativierende Gutachten angreifbar sind.

Manfred Schneider, Düsseldorf

Text: F.A.Z., 24.07.2008, Nr. 171 / Seite 17

Konsumklima, Geschichte als Therapie, Russische Risiken, Pakistan, Weisheit, 1968

Der Boden ist sehr naß, Mahd muß warten

19-28°, sehr schwül! Birkensamen überall. Es gab zwar keine Maikäfer heuer, aber dafür inzwischen mehr große Käfer.

Sehr hübsch, Dvorzaks Amerikanisches Streichquartett op. 12; es hat einen innig schmelzend drängenden melodiösen Gestus (Rodrigo, Aranjuez!) . Herbst in Neu England.

- " Russische Risiken in konzentrierter Dosis ... eine grundsätzliche Neubeurteilung des Investitionsstandortes Russland widerspiegelt. Letzteres ist wahrscheinlicher, weil mehrere Ereignisse mit grossem Einfluss auf die Grundstimmung am Markt zusammenkommen: die Abreise des Chefs von TNK-BP als vorläufiger Höhepunkt der Auseinandersetzungen zwischen den russischen und britischen Aktionären, der Vorwurf eines ausländischen, aus Russland verbannten Fondsmanagers, mit raffinierter Methode bestohlen worden zu sein, und die Attacke Putins auf den Stahl- und Kohleproduzenten Mechel. Die zu erwartende Strafe für Mechels angebliche Verstösse gegen das Wettbewerbsgesetz hätte allein niemals zu einer Verminderung der Marktkapitalisierung um einen Drittel führen können. Gunst- und Abneigungsbezeugungen von Putin haben offenbar immer noch grosse Wirkung. Die Ereignisse werfen ein grelles Licht auf die russischen Risiken: ruppige Geschäftsmethoden mit Behördendeckung, willkürliche Eingriffe von Staatsorganen in die Wirtschaft. Dazu kommt ein selbstherrlicher Umgang der Repräsentanten der Staatsmacht mit den Vertretern der Wirtschaft. Das alles muss unter den Investoren Ernüchterung auslösen. " 25. Juli 2008 NZZ

- "Verprügelt, verschleppt, vergewaltigt. 25. Juli 2008 Es war nur ein Kindergeburtstag, zu dem die christliche Familie eingeladen hatte. Doch eine Gruppe wütender bärtiger Männer stürmte vor wenigen Wochen das Haus unweit der Universität von Peshawar. Sie prügelten auf die Gäste ein, zwangen 17 von ihnen in ihre Fahrzeuge und rasten in Richtung Khyber-Pass davon. Einen halben Tag später kamen sie wieder frei. Dabei hatten sie noch Glück: Als ein "Missverständnis" bedauerte die Islamistengruppe Lashkar-e-Islam die Entführung; man habe geglaubt, es habe sich um eine "vulgäre" Veranstaltung von Muslimen gehandelt. Stammesführer und die Regierung in Islamabad hatten sich für die Freilassung der Christen eingesetzt. ... "

- " ... "Der Glaube ist eine Leidenschaft; Weisheit dagegen ist kalt und leidenschaftslos. Ich begreife nicht das Christentum, sondern der Glaube ergreift mich. Glauben heißt das Leben ändern." Aber kann man so reden wie ein Blinder, der vom Sehen spricht? Bolz sieht ganz richtig, dass "man sich nicht vornehmen (kann) zu glauben". Dem religiös Unmusikalischen, der sich strikt von einer irreligiösen Haltung abgrenzt und am "Vorurteil für das Christentum" - einem "zur Kultur gewordenen Christentum" - festhalten will, bleibt am Ende nur ein Glaube, der aus religiöser Sicht auch nicht mehr als ein Surrogat ist: "Das ist der Glaube an den einzigartigen Wert der von Griechentum und Christentum geprägten europäischen Kultur" ... " Das Wissen der Religion von Bolz, Norbert, "In der Bibel gibt es keine Werte", Rez. 9.6.08 // So leidenschaftslos ist die Weisheit nicht, sie verdankt sich lebenslanger, leidenschaftlicher Aufmerksamkeit; der religiöse Mensch stellt die Wahrnehmung eng.

- Teutonische Albernheiten: "Was wird erst 2018 los sein? Neuerdings nimmt in Berlin die Rudi-Dutschke-Straße der Springer-Straße die Vorfahrt. Diese historische Pointe, die viele erfreut, gehört zu den späten Siegen von 1968. Ein anderer ist die flächendeckende Besetzung der Erinnerungskultur. ... Wir brauchen ein neues 1968. Es sei unbedingt nötig, "heute wieder aufzuwiegeln", befand Günter Grass, vormals eher der Radikalismusbremser, dem kein Ho-ho-ho-Tschi-Minh-Ruf über die Lippen kommen wollte. Erschüttert nannte er einige Deserteure der guten Sache beim Namen: Wolf Biermann und Peter Schneider seien inzwischen "Rechte und Jasager" geworden. ... Zschorsch, ebenfalls mit siebzehn verhaftet und 1974 von der Bundesrepublik als politischer Häftling freigekauft, wunderte sich, an westdeutschen Universitäten eine "DDR im Kleinen" wiederzufinden. ... " F.A.Z.09. Juni 2008

- Leerverkäufe oder nicht? Prinzipielle Lösungen sind immer problematisch.

- " Konsumklima. In Deutschland macht sich Rezessionsangst breit. Die Konsumstimmung der deutschen Verbraucher ist so schlecht wie seit fünf Jahren nicht mehr. Der GfK-Konsumklimaindex für August ist auf 2,1 Punkte gesunken und hat damit den niedrigsten Stand seit Juni 2003 erreicht. ... " FAZ // Aber die Regierung senkt die maßlos hohen Steuern nicht, und sie hat auch in der Hochkonjunktur die Massenarbeitslosigkeit nicht beseitigen können : erbärmlich.
- "Schwindende Lust am Bürokratieabbau. Von Matthias Müller. Die Regierung Merkel hat beim Bürokratieabbau viel Zeit verstreichen lassen. ..." 26.07.08
- Leserbrief MITTELSCHICHT: Chi Tamago (tamago) " In allen internationalen Firmen wächst die Zahl der Stellen in einem spezifischen Bereich in dem Land, das den besten Beitrag zum Unternehmenserfolg beisteuert. Im Klartext: ist die Abteilung Biochemie in USA produktiver als in Deutschland, werden neue Stellen in USA aufgebaut. Es ensteht ein Kompetenzzentrum innerhalb der Firma. Auch deutsche Wissenschaftler werden dann dort arbeiten. Das gilt für Grundlagenforschung, Entwicklung und Produktion, ist unabhängig von (Personal-) Kosten. Nur der Mehrwert, der zum Unternehmenserfolg beiträgt, zählt. Folglich werden qualifizierte Stellen dort aufgebaut, wo die „richtige“, erfolgreiche Organisation gepaart mit der notwendigen Qualifikation verfügbar ist. Darin war Deutschland mal ganz vorne. Heute steht dieses Land nicht mehr so gut da im internationalen Vergleich. Vorallem, da das Bildungssystem versagt, sei es auf Grund des Konzeptes, sei es auf Grund fehlenden Leistungswillen der Schüler. Beides leistet hier wohl einen Beitrag. Somit wird in Deutschland die Mittelschicht weiter schrumpfen. " faz.net 28.7.

- " Bayern kürzt Unterricht über NS-Zeit. Das bayerische Kultusministerium hat aus der Not der verkürzten Schulzeit eine vermeintliche Tugend gemacht. Der Nationalsozialismus wird in der Oberstufe künftig knapper abgehandelt. Der Lehrplan setzt ein Geschichtsverständnis voraus, das die Schüler noch nicht haben können. ... 28. Juli 2008 Die schulische Aufklärung über den Nationalsozialismus, oder was man wohlwollend so nannte, hat ihren Zenit überschritten. Erreicht war er vor zehn Jahren mit dem Sammelband „Der Holocaust. Ein Thema für Kindergarten und Grundschule?“, zu dem die nordelbische Bischöfin Maria Jepsen ein Grußwort beisteuerte. Auf solch gähnenden Höhen konnte sich die Pädagogik indes nicht lange halten. Es begann sich herumzusprechen, dass ein weiteres Anziehen der Schraube am Ende die Absicht selbst vereiteln könne.

Im Februar 2001 veröffentlichte das Magazin „Max“ ein Gespräch mit Johannes Rau und dessen damals siebzehnjähriger Tochter; ein Hauptbeweisstück im Prozess gegen die Geschichtsdidaktik. „Herr Bundespräsident, wissen Sie, was Anna gerade in Geschichte durchnimmt?“ Anna Rau griff der Antwort ihres Vaters vor: „Auf die Frage kannst du normalerweise immer mit ,Nationalsozialismus‘ antworten.“ Auf Nachfrage des Magazins, woher der mangelnde Enthusiasmus für den Gegenstand stamme, erklärte sie, der Zweite Weltkrieg „nerve“ sie: „Immer wieder dasselbe. Man fängt an mit Hitler und dem rosa Kaninchen, dann kommt Anne Frank und ,Die Welle‘, dann schaut man ,Schindlers Liste‘ am Wandertag. Im Konfirmandenunterricht nimmt man den Holocaust durch und in Geschichte sowieso. Man könnte fast sagen, man spricht in allen Fächern darüber. Da stumpft man irgendwie ab. Es ist einfach zu viel.“ Aber es war nicht „einfach zu viel“, sondern vor allem „immer wieder dasselbe“ - scheinbar kindgerechte kulturindustrielle Aufbereitungen, besonders, wenn man einmal an die „Welle“ denkt, also das Gegenteil von echter Aufklärung. ..." FAZ.NET L. Jäger, 28. Juli 2008
 
// Vgl. Burger, Rudolf, Geschichte als Therapie? Zur Konjunktur des historischen Bewußtseins, Merkur 2004, Heft 661: "Wenn diese Überlegungen nicht vollkommen abwegig sind, dann hat der von mir geschilderte Verdacht, der uns als dunkler Schatten der Geschichte seit einem halben Jahrhundert verfolgt, kein Fundamentum in re: Dann ist die sozialpsychologische Diagnose eines Morbus austriacus als Folge eines historischen Traumas sachlich falsch, eine tiefenpsychologische Aufarbeitungskur gegenstandslos und die nationaltherapeutische Geschichtserziehung mittels einer volkspädagogischen Warnungs- und Erweckungsprosa bestenfalls sinnlos, wenn nicht sogar kontraproduktiv – weil sie unablässig jene Geister beschwört, die sie zu bannen vorgibt. Die Grenze zwischen Warnung und Werbung ist hauchdünn. Wenn dies aber so ist, dann wäre es nach drei Generationen wohl an der Zeit, den Verdacht seinerseits unter Verdacht zu stellen und zu fragen, ob nicht mit der Verdächtigung Politik gemacht wird, eine ´Vergangenheitspolitik´, die jene, die sie betreiben, und sei es auch in der Form der Selbstanklage, in eine moralisch superiore Position versetzt – und das ohne eigene Verdienste und moralische Kosten, denn es genügt die Pose des Anklägers, des Anzeigers, Aufzeigers und Sykophanten (Denunzianten, WD), um dem Tribunal, das man bildet, zu entgehen; man erspart sich sogar ein eigenes Gewissen, wenn man es selber ist. Besonders erfolgversprechend ist diese Strategie dann, wenn die Rolle des Sykophanten einer Erbschuld vom angemaßten Podest eines Erbopfers aus gespielt wird: Die ideologische Selbstviktimisierung des Anklägers historischer Schuld reproduziert nämlich beständig das moralische Kapital, von dem er als Ankläger zehrt und verschafft ihm so eine beinahe unangreifbare Position."