Mittwoch, 10. August 2016

Besessenheit und Heiterkeit










Die Renaissance schielte mit einem Auge auf den christlichen Aberglauben, mit dem anderen auf die Antike, daher ja auch die Benennung “Renaissance”, Wiedergeburt, stammt. So hielt es auch die Malerei. Es gab aber Maler zur Zeit der Renaissance, die standen mit beiden Beinen im religiösen Sumpf und starrten beidäugig auf Hölle, Tod und Teufel. So der Hieronymus Bosch. Er zeigt mit seinen Bildern die ganz üble Seite der religiösen Besessenheit. Beim Zeitgenosse Botticelli sehen wir, daß es auch ganz anders ging. Heidnisch-heiteres Licht umspielt seine Figuren und erbaut uns bis heute.  

Montag, 8. August 2016

Santana - Samba Pa Ti (Live at Montreux 2011)

Natürlich






Was Max Stirner und Ayn Rand philosophisch ertasten, wird bei dem Biologen Maturana in den biologischen Blick genommen. Zahlreiche Psychologen haben die individuellen genetischen Vorgaben weiter untersucht und erforscht, besonders bekannt wurden Seligman und Pinker. Der Name gibt schon den Hinweis, daß sich Seligman von der therapeutischen Seite dem Thema nähert:

„Dealing with your symptoms is beginning to look more important again in light of the most important research finding in the field of personality of the last quarter of the 20th century: that most personality traits are highly heritable. Symtoms often, but not always, stem from personality traits. As such, I believe that they modifiable, but only within limits. … the negative emotions and the negative personality traits have very strong biological limits, and perhaps the best science and practice will ever do with the approaches I review in this book is to encourage people to live in the best part of their set range of psychological symptoms. Think about Lincoln and Churchill., both likely unipolar depressives. They were both enormously productive human beings who dealt with their ‚black dogs‘ and functioned beautifully even when very depressed.“

(Martin Seligman, What you can change, and what you can’t, Vorwort, 2006)

Bei der Erblichkeit von Persönlichkeitseigenschaften verweist Seligman auf den Kollegen Steven Pinker am MIT:
“Autismus, Dyslexie, Sprachverzögerung, Sprachstörung, Lernbehinderung, Linkshändigkeit, schwere Depression, manisch-depressive Erkrankung, Zwangsneurose, sexuelle Orientierung und viele andere Merkmale weisen eine familiäre Häufung auf, treten bei eineiigen Zwillingen öfters als bei zweieiigen Zwillingen gemeinsam auf, werden zuverlässiger durch die biologische Verwandtschaft als durch die Stief- und Adoptivverwandtschaft vorhergesagt und lassen sich kaum durch meßbare Eigenschaften der Umwelt prognostizieren.”

(Pinker, Das unbeschriebene Blatt, Die moderne Leugnung der menschlichen Natur, 2003, S. 73f.)













Sonntag, 7. August 2016

Wilhelm Friedemann BACH. Duet for flute number 2 col Major F59. Olga IVU...

Teleonomie? Nein, danke.











“Was, bin ich dazu in der Welt, um Ideen zu realisieren? … Was ficht mich ein solcher Beruf an? … kein Begriff drückt mich aus, nichts, was man als mein Wesen angibt … Ich hab mein Sach auf Nichts gestellt.” (Stirner, Der Einzige, Schluß)
Mit diesem Vers aus dem Goethe-Gedicht “Vanitas” sagt Stirner nicht nur jedem religiösen Bezug ab, sondern auch jeder Einvernahme in soziale Bindungen und geschichtsautomatische Entwicklungen aller Art. Daher ist der gedankliche Weg bis zu dem Biologen Humberto Maturana nicht sehr weit:
“Lebende Systeme sind als physikalische autopoietische Maschinen zweckfreie Systeme.” (Maturana, Erkennen, Die Organisation und Verkörperung von Wirklichkeit, 1982, S. 191)

Lebewesen sind in dieser Perspektive selbstorganisierende Systeme außerhalb jeder gerichteten Ordnung, sie sind zweckfrei. Die Maus fragt nicht nach ihrer Bestimmung in der Welt. Solche Fragen entspringen erst als Nebenprodukt einem großen, elaborierten Gehirn. Das sich dann Ordnungen mit Zweckrichtung ersinnt (Religionen und Ideologien), denen es sich dann oftmals bis zur Selbstaufgabe unterwirft.