Sonntag, 12. August 2007

Bürger und Sarg, Nachrichten für Dummies, Rotzsport

23° mittags, morgendliches Herbstlicht, Wespen schwärmen aus

WDR 5: Die Unsinnsnachrichten werden ausgebaut: Friedens-Jirga in Kabul, Taliban-Entführung, zwei Verkehrsunfälle, die ausführlich dargestellt werden, Rudermeisterschaften – keine Nachrichten für Perikles, den mündigen Bürger.
- Werbung der deutschen Sporthilfe: „Leistung, Fairplay, Miteinander – die Prinzipien des Sports stärken unser Land“. Damit sind doch nicht die rotzenden Rasen-Rüpel gemeint?
- Der Bürger als Monument: „... Wie vor 40 Jahren war Beitz Ende Juni aus Kampen angereist, um am Grab von Krupp einen Kranz niederzulegen. Nun jährt sich am 13. August der Geburtstag des letzten Namensträgers der Krupp-Dynastie zum hundertsten Mal. Für Beitz wird auch dies eine Stunde der Erinnerungen sein. Aber sein Blick ist nach vorn gerichtet: Er will den zweihundertsten Geburtstag des Familienunternehmens Krupp im Jahr 2011 mitfeiern.“ (F.A.Z., 11.08.2007, Nr. 185 / Seite 11)
Vgl.: „ Wie die jüngste Studie von TNS Infratest im Auftrag von Aeternitas belegt, will nur noch rund die Hälfte der Deutschen (51 Prozent) eine Beisetzung im traditionellen Erd- oder Urnengrab. Vor neun Jahren waren das immerhin 87 Prozent, seitdem sinkt die Quote. ... moderne Formen sind jetzt schon für rund 16 Prozent (1998 rund 12 Prozent) der Befragten erste Wahl. Dazu zählen vor allem Bestattungen unter Bäumen, die mittlerweile an rund 100 Stellen in Deutschland angeboten werden, aber auch die Urnenaufbewahrung zu Hause oder eher kuriose Formen wie das Pressen der Asche zu Diamanten, das ein Schweizer Unternehmen im Programm hat. Das Verstreuen vom Heißluftballon aus ist in Deutschland nicht zulässig, wird aber im Elsass angeboten. Es hat mit dem Klassiker der Alternativen, der Seebestattung, und der anonymen Beisetzung gemein, dass sich anschließend niemand mehr um das Grab kümmern muss – indessen fehlt den Angehörigen aber ein Ort des Andenkens.

„Der Anteil derer, die das wünschen, liegt bei etwa 15 Prozent. Er hat sich in den vergangenen Jahren nicht wesentlich verändert“ ...““ (FAZ 18.7.07)
Hat die Minderwürdigung der eigenen Überreste auch einen Perspektivwechsel im Leben im Gefolge, eine Art unsentimentale EX-UND-HOPP-GESINNUNG, eine Verkleinerung der Selbstvorstellung und eine Begrenzung der Perspektive auf die eigene Lebenszeit?
Die römischen Kaiser ließen sich verbrennen im Übergang zur Vergöttlichung; auch dann noch, als es bei den Untertanen die Sargbestattung Mode wurde.

Der Verzicht auf Monumentalität und prästierte Würde verringert zumindest eine versteinerte Kapitalbindung und stärkt vielleicht die Präsenzbindung.

Freitag, 10. August 2007

Sklaverei in Mauretanien, Folter in Gaddafi-Land

Na, das ging doch flott: Mauretanien will künftig Sklaverei unter Strafe stellen - "laut Schätzungen von örtlichen Menschenrechtsgruppen könnten bis zu 600.000 Menschen in Mauretanien in verschiedenen Formen von Sklaverei leben." FAZ 10.8.

Und noch schneller:
""Libyen
Gaddafis Sohn: Bulgarinnen wurden gefoltert


"Es gab die Drohung, ihre Familien anzugreifen"
10. August 2007 FAZ
Saif al Islam al Gaddafi, Sohn von Libyens Staatschef Muammar al Gaddafi, hat ohne Umschweife bestätigt, dass die einst in dem Land festgehaltenen bulgarischen Krankenschwestern und der palästinensische Arzt gefoltert wurden. „Sie wurden mit Strom gefoltert“, sagte Gaddafi dem arabischen Fernsehsender Al Dschazira laut Angaben auf dessen Internetseite. „Und ihnen wurde angedroht, ihre Familien anzugreifen.“

Der Arzt und die fünf Krankenschwestern waren acht Jahre lang unter dem Vorwurf festgehalten worden, hunderte libysche Kinder vorsätzlich mit dem HI-Virus infiziert zu haben. Sie wurden zum Tode verurteilt, bevor die Strafe nach der Zahlung von 460 Millionen Dollar Entschädigung an die Familien der Opfer in lebenslange Haft umgewandelt wurde. Am 24. Juli wurden sie nach Bulgarien überstellt, dort begnadigt und freigelassen.

„Es war eine Tragödie“

Sie hatten stets ihre Unschuld beteuert und berichtet, dass ihnen in libyscher Gefangenschaft unter Folter das Geständnis abgepresst wurde, die Kinder absichtlich mit dem HI-Virus infiziert zu haben. Über die Aussagen des palästinensischen Arztes, der nach Angaben seines Anwalts mit Hilfe der Vereinten Nationen gegen Libyen vorgehen will, sagte Gaddafi Al Dschazira, bei vielem handele es sich um „nichts als Lügen“.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters soll Gaddafi zudem bestätigt haben, dass die Kinder bereits vor der Ankunft der fünf Krankenschwestern und des Arztes mit dem HI-Virus infiziert wurden. „Es war eine Tragödie, aber es geschah nicht absichtlich“, sagte Saif al Islam demnach über die Erkrankungen. Auf der englischen Internetseite von Al Dschazira war diese Aussage zunächst nicht zu finden.

„Die Europäer haben uns auch erpresst“

Gaddafis Sohn, der kein offizielles Amt in der Regierung ausübt, hatte in den vergangenen Tagen öfters mit freizügigen Angaben über den Fall überrascht. Im amerikanischen Magazin „Newsweek“ gestand er ein, sein Land habe die EU tatsächlich erpresst, indem es für die Freilassung der Krankenschwestern und eines Arztes die Entschädigung in Millionenhöhe ausgehandelt habe. „Aber die Europäer haben uns auch erpresst.“

Es sei in der Tat „ein unmoralisches Spiel“ gewesen, „aber die Europäer haben die Regeln aufgestellt, und jetzt zahlen sie den Preis dafür“, sagte Gaddafi dem Magazin. Auf die Frage, was Frankreich im Gegensatz zu anderen Ländern geboten habe, damit es nun den Zuschlag für ein großes Rüstungsgeschäft erhielt, sagte er: „Wir reden von hunderten Millionen Euro für das Gesundheitswesen in Libyen.“

Die französische Regierung hatte bestätigt, eine umfangreiche Rüstungsvereinbarung mit Libyen abgeschlossen zu haben. Es wäre die erste Lieferung seit Ende des Waffenembargos gegen das nordafrikanische Land im Jahr 2004."

- Afrikanisches Verhältnis zur Medizin: Die südafrikanische Gesundheitsministerin „ist gegn eine Behandlung mit Aids-Medikamenten und sagt, das HIV-Virus könne auch mit Knoblauch und Roter Beete bekämpft werden.“ 10.8. FAZ

Europ. Friedenspolitik Kleine Hufnase ABS

mi 15° b
- ABS-Problem: Daß Menschen zur Panik neigen, ist allgemein bekannt. Das gilt für Finanzmarktakteure in gleicher Weise. Da der Herdentrieb auf global in Echtzeit vernetzten Märkten recht unkonstruktiv ausfallen kann, müssen sich verantwortliche Behördenvertreter so verhalten wie Axel Weber, Trichet und Bernanke: kontrolliert, diszipliniert und konstruktiv (schnelle Tender), damit sie nicht das auslösen, was sie besorgen. Herr Sanio hat sich als unverantwortlicher Boulevard-Redner aufgeführt.
Er hätte ruhig und besonnen seinen Amtsbesorgungen nachgehen müssen, statt die Brandglocke zu läuten. Man kann jedes Problem durch pausenloses Herumschwätzen vergrößern nach dem Motto: wäre doch gelacht, wenn wir aus der Kakerlake nicht eine Raubkatze machen könnten. (FAZ, Banker am Rande des Nervenzusammenbruchs, 9.8.)
- Spielverderber: auch durch anhaltendes Geschwätz läßt sich der Kölner Pegel partout nicht auf 8 m bringen. Gut so.
- Europ. Friedenspolitik im 21. Jahrhundert, Entwurf von Bahr, Stützle, Gießmann (FAZ 9.8.): Alter SPD-Aufguß, der gar nicht erst versucht, global zu denken; die Aufrüstung Irans etwa kommt gar nicht erst vor. Dagegen, trotz Tibet-Annektion, Darfur, Zimbabwe u.s.w. wird der alte Kinderglaube an die UN bekräftigt, in der die Diktaturen über eine qualifizierte Mehrheit verfügen. Europa als Sicherheits-Trittbrettfahrer der USA und glücklicher wirtschaftlicher Nutznießer der Weltkonjunktur soll in seiner Inkompetenz gestärkt werden. Das Gaukelbild der auszubauenden strategischen Partnerschaft mit Rußland wird Putin sicher gut gefallen.
- Da lachen die Chinesen: „Denn sie, die Kleine Hufeisennase, ist es, die in letzter Sekunde den Baubeginn der Dresdner Waldschlösschenbrücke verhindert hat: Das Dresdner Verwaltungsgericht gab gestern einem Antrag von drei Umweltverbänden statt, die vorläufigen Rechtsschutz zur Klärung von Naturschutzfragen forderten. Erst wenn zweifelsfrei geklärt sei, ob die Brücke das Leben dieser bedrohten Tierart beeinträchtigen würde und wie dies gegebenenfalls verhindert werden könne, dürften die Bauarbeiten beginnen.“ (F.A.Z., 10.08.2007)

Donnerstag, 9. August 2007

Dauerregen

mi 15°, ergiebiger Dauerregen – sollten die Sommer nicht wärmer und trockener werden? Warmes Klima wäre prima!

Mittwoch, 8. August 2007

Gentechnik Demokr. Korruption Sündendialektik

15° b mi / 11° abends : warmes Klima wäre prima!
"150 Meter Abstand sind ein politischer Wert"
FRAGE: Im Koalitionsvertrag der Regierung steht, dass man Forschung und Anwendung "grüner" Gentechnik "befördern" wolle. Fördert oder hemmt die Gesetzesnovelle einen Saatgut-Züchter?
ANTWORT: Aus unserer Sicht fördert es die Züchtung überhaupt nicht.
F.A.Z., 08.08.2007, Nr. 182 / Seite 11
FRAGE: Kann denn eine demokratisch gewählte Regierung überhaupt gentech-freundlich sein, wenn die Mehrheit der Wähler diese Technik nicht haben will? Müssen die Politiker die Menschen quasi nötigen, weil die Technik so bedeutsam ist? ...“
Das ist auch die Frage an das ideologisierte, desolate deutsche Bildungssystem.
Fällt das unter Korruption?: LESERBRIEFE

Es ist ja bereits viel schlimmer, als Herr Professor Schmitt Glaeser beschreibt: Durch die Regularien unserer Demokratie und das Verhalten der Parteien, die sich seit Jahrzehnten ihre Wählerstimmen auch durch soziale Wohltaten erkaufen, ...
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 05.08.2007
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„Der erste deutsche Imam: Schon als Kind habe er den Wunsch nach spiritueller Erkenntnis verspürt. Die katholische Oma nahm ihn mit in die Kirche, doch mit der christlichen Glaubenslehre verband er vor allem Schuldgefühle. ...“ faz.net / VGL. DAZU:
Buchrezension 23.6.07 NZZ
Blockade der Moderne
ujw. Der Frankfurter Soziologe Ulrich Oevermann hat in einem bedenkenswerten Aufsatz «Modernisierungspotenziale» und «Modernisierungsblockaden» der monotheistischen Religionen untersucht (in: Manuel Franzmann et al.: «Religiosität in der säkularisierten Welt», VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006). Der Begründer der sogenannten objektiven Hermeneutik interessiert sich insbesondere für die Frage, wieso sich im islamischen Kulturkreis jene Dynamik nicht zu entfalten vermocht habe, die im jüdischen und im christlichen Monotheismus im Laufe der Zeit dazu führte, menschliche Lebenspraxis als selbstbestimmt zu verstehen und Religion von der Politik zu trennen.

Als zentral erachtet Oevermann, dass der Koran bei seiner Aneignung jüdisch-christlicher Motive die eigentümliche «Dialektik des Sündenfalls» getilgt habe. Aus dieser Dialektik gehe ein für die menschliche Lebensführung schlechthin grundlegender, unausweichlicher «Zwang zur Bewährung» hervor – ein Zwang, der Freiheitsspielräume eröffne. Im Koran hingegen werde der Sündenfall lediglich als Akt des Ungehorsams begriffen, der durch erneuten und unbedingten Gehorsam wettgemacht werden müsse. Solch bedingungsloser Gehorsam lasse nichts anderes zu als «die ungeschiedene Einheit von politischer und religiöser Praxis» sowie die Ablehnung jeglicher Pluralisierung. Staatliche Organisation sei dem einen Zweck, der religiösen Vergemeinschaftung, untergeordnet. Dem wiederum entspreche, dass der Islam eine Religion der «imperialen Herrschaft» sei – und keine der Diaspora.“
Vgl. auch: http://www.focus.de/wissen/bildung/Islamlexikon_K-Z/schiiten_aid_12321.html