Sonntag, 22. Oktober 2017

Autumn Leaves - Yenne Lee plays 2004 Pepe Romero Jr.

Katalonien und die Chauvinisten










“Die liberale Doktrin der Selbstbestimmung der Völker wurde 1916 von Woodrow Wilson in einer Rede festgeschrieben … Robert Lansing, Wilsons eigener Außenminister … in sein Tagebuch:

‘In der Formulierung steckt viel Dynamik. Sie weckt Hoffnungen, die sich nie erfüllen können. Ich fürchte, sie wird Tausende von Menschenleben kosten. …’”
So geschah es. Wenn jede Chauvinistenbande - in Katalonien gibt es offenbar mehrere davon - ihr Chauvinistensüppchen auf Kosten einer geglückten Nationenbildung aufheizen kann, dann droht Unheil für die ganze Nation, die eben aus dem Zusammenwachsen verschiedener Stämme und Regionen entstanden ist. Madrid hat vermutlich dem Treiben der regionalen Giftmischer zu lange zugesehen. Regression ist leider immer einfacher als nationale Reifung. Mises hat diese Dynamik nicht durchschaut, Lansing dagegen hat offenbar einfach auf die mitteleuropäischen Siedlungsgebiete geblickt mit ihren vielen Vermischungen, Enklaven und Exklaven. Nach 1918 begannen dort die blutigen Kämpfe zur Vorbereitung der Völkerbundsabstimmungen, die durch Massaker und Vertreibung gefälscht wurden und schließlich zum nächsten Krieg führten. Lansing: “Man denke nur an die Gefühle des Autors (Wilson, WD), wenn er die Toten zählt, die gestorben sind, weil er eine Formulierung geäußert hat!”

Pinker, Gewalt, S. 364f. / Selbstbestimmung als Sprengstoff: zit. in D.P. Moynihan, Pandaemonium: Ethnicity in international politics, 1993, S. 83















Samstag, 21. Oktober 2017

Wenn einmal ein Standpunkt eingenommen, rafft der Verstand alles zusammen, was der Bestätigung dienen kann.









Das ist so eine Sache mit den Wahrheiten.
“Glücklich, wer noch hoffen kann, aus diesem Meer des Irrtums aufzutauchen”, heißt es im Faust.
Das Problem ist also alt, und noch viel älter als der Faust. Schon Schimpansen täuschen ihre Genossen, um die Banane allein zu verzehren. Spätestens aber mit der Erfindung von Göttern beginnt die Geschichte der Fake News, und aus dem Rinnsal wurde ein breiter Strom. Es folgte nämlich die Behauptung, es gebe nur einen wahren Gott, nicht viele Götter, und für den einen wahren Gott wurde gehauen, gestochen und gemordet. Bis heute. Zwischendurch gab es noch allerhand Lug und Betrug, besonders namhaft war die “Konstantinische Schenkung”, eine Fälschung in Großformat, denn halb Italien wurde - angeblich - von Konstantin dem Papst vermacht.
Wer die Fälschungsliste aufstellen wollte, käme an kein Ende. Nicht alles war so schlimm wie die religiösen Fake News, auch Unterhaltsames war darunter, gut erfunden vom SPIEGEL, dem Leitmedium in dieser Sache, aber es war nicht spaßig gemeint: “Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger!”, sollte der späte Bundespräsident Lübke gesagt haben, und “equal goes it loose”.
Der SPIEGEL darf so etwas natürlich, aber keinesfalls Herr Müller auf Facebook. Da beginnt die rote Socke Maas gleich mit der Netzwerkdurchsetzungszensur.

Der Mensch hat nur begrenzte Erkenntnisfähigkeiten, und die meisten Menschen haben nicht nur sehr geringe, sie sind damit auch recht zufrieden und vermissen nichts. Dagegen suchen sie Bestätigung in ihrer Gruppe, bei ihren Kollegen und in ihren Vereinigungen.
Dieser Problematik widmete sich der Vortrag von Markus Dertwinkel-Kalt. Er wärmte mit neuen Befunden auf, was schon Francis Bacon (1561-1626) wußte:

“The human understanding when it has once adopted an opinion (either as being the received opinion or as being agreeable to itself) draws all things else to support and agree with it.”