Samstag, 16. Dezember 2017

Scarbo gaspard de la Nuit Alicia de larrocha

Strahlend - nicht nur zur Weihnachtszeit








Alles strahlt - sehen können Menschen aber nur den allerkleinsten Teil.

Das strahlende Spektrum - elektromagnetische Strahlung nach langer und kurzer Wellenlänge geordnet (Wikipedia, Horst Frank / Phrood / Anony).

Je kürzer die Wellenlänge, desto energiereicher die Abgabe.
Im menschlichen Körper strahlt das Kalium 40 (Beta- und Gammastrahlung).





Freitag, 15. Dezember 2017

Alles nicht so einfach


“Aristoteles, Hippokrates, Ptolemäus - diese Denker und Gelehrten der Antike haben uns einen reichen Schatz an Erkenntnissen hinterlassen und die Grundlagen für verschiedene Wissenschaften gelegt.” (DLF, Wissenstransfer im Thinktank, 15.12.17) 

Mit Verlaub - das ist weitgehend Unsinn. Alle drei sind wissenschaftshistorisch interessant, haben aber durch ihren gesammelten Blödsinn beträchtlichen Schaden angerichtet. Noch Mozart wurde durch die abstruse Säftelehre des Hippokrates umgebracht, indem man ihn zur Ader ließ und stark schwächte. Myriaden wurden so getötet. Aristoteles hat naturwissenschaftlichen Schrott produziert, den erst Galilei überwand, und bei Ptolemäus braucht man nur die bekannte Erdenscheibe erwähnen. Alles Unsinn und Schlimmeres, vergrößert durch die Dumpfbacken, die den Käse zweitausend Jahre lang tausendmal abschrieben.

Man mußte erst den Aristoteles und die Hokus-Pokus-Sumser überwinden
Aristoteles, Physik, Buch 1, 1. Kap.

„[1] Da das Wissen und das Erkennen hinsichtlich aller der Gegenstände, die Ihre Anfänge, Ursachen und Gründe haben, auf der Erforschung dieser beruht, (denn dann glauben wir etwas zu kennen, wenn wir seine ersten Ursachen erforscht haben und seine ersten Anfänge, und bis zu den Grundwesen), so ist klar, daß auch bei der Naturwissenschaft zuerst versucht werden muß, Bestimmungen zu geben über die Anfänge. Es geht aber unser Weg von dem, was uns verständlicher ist und deutlicher, nach dem von Natur Deutlicheren und Verständlicheren. Denn nicht dasselbe ist für uns verständlich und an sich. Darum ist es nothwendig, auf diese Art fortzuführen von dem, was von Natur undeutlicher, uns aber deutlicher ist, zu dem von Natur Deutlichern und Verständlichern. Nun ist uns zuerst klar und deutlich das mehr Zusammengesetzte; nachher werden aus diesem verständlich die Anfänge und die Grundwesen, durch Zerlegung von jenem. Deshalb muß man von dem Allgemeinen zu dem Besondern fortgehen. Denn das Ganze ist für den Sinn verständlicher; das Allgemeine aber ist eine Art von Ganzem, denn es enthält dieses Allgemeine ein Vieles, als Theile. In demselben Falle befinden sich gewissermaßen auch die Worte, im Verhältnis zum Begriffe.[1] Sie bezeichnen nämlich ein Ganzes auf unbestimmte Weise; z.B. der Kreis. Die nähere Bestimmung erst zerlegt sie in ihr Besonderes. Auch die Kinder nennen ja zuerst alle Männer Vater, und Mutter die Frauen; später aber fangen sie an, bei beiden zu unterscheiden.”

Der Junge hatte wohl keine Kinder. Hatte immer sein philosophisches Gesumse im Kopf. Statt sich konkret den Gegenständen zu nähern und - nach Art der Kinder - sie auf den Boden zu werfen, daran zu lutschen, hineinzubeißen, darauf zu treten und sie auseinanderzunehmen - kurz, statt sich explorativ zu verhalten, beginnt er herumzusumsen. 
Kindisch, sowas. Daß das den Hokus-Pokus-Sumsern gefallen hat, der Scholastik, dem Albertus und seinem Hokus-Pokus-Schüler Thomas von Aquin, ja, das leuchtet ein. Die Aufklärung mußte dieses Denk-Gesumse abräumen und das Mikroskop erfinden, die Fallgesetze finden, den Blutkreislauf entdecken und das Einwecken (Sterilisieren) entwickeln. Und noch so einiges mehr wie die Narkose.


























Donnerstag, 14. Dezember 2017

Friedrich Gulda plays Mozart Variations K 455

Subjektivierung der Religion


"Aufklärung als Ersetzung der Religion durch Moral: Michel de Certeaus Deutung  Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.04.2008, LORENZ JÄGER
Wie die Frömmigkeit privat wurde
…  Nun hat die Zeitschrift des Frankfurter Zentrums zur Erforschung der Frühen Neuzeit ihm ein ganzes Doppelheft gewidmet (Zeitsprünge. Forschungen zur Frühen Neuzeit, Jg. 12, Heft 1/2. Lire Michel de Certeau/Michel de Certau lesen. Verlag Vittorio Klostermann, Frankfurt 2008).

Man findet darin einen gewichtigen und ungemein reichhaltigen Beitrag des Denkers, der in Frankreich schon vor mehr als dreißig Jahren erschien und nun erstmals auf Deutsch vorliegt (Die Förmlichkeit der Praktiken. Vom religiösen System zur Aufklärungsethik: 17. bis 18. Jahrhundert). … die Aushöhlung der Offenbarung durch Moral.

Den Endpunkt des Prozesses lokalisiert de Certeau in der bündigen Formulierung aus einem Brief Rousseaus an Voltaire: "Das Dogma ist nichts, die Moral ist alles." … Die Rede von den "Werten", die wie kaum etwas anderes für die Gegenwartsgesellschaften bezeichnend ist, hat hier ihren Ursprung.
… Die Fassaden der Religion blieben erhalten, aber ihre Institutionen wurden von der Staatsräson "unterwandert", wie de Certeau schreibt. In der Erziehung traten bürgerliche Tugenden in den Vordergrund, die Religion wurde zur "Frömmigkeit" privatisiert und verinnerlicht. "Heiliges Leben" modellierte fortan ",subjektive' und ,psychologische' Laufbahnen, die sich nicht mehr auf dem Spielbrett einer zivilen oder politischen Ordnung abspielen".

…“

Interessanter Gesichtspunkt, der das auffällige Interesse einiger Aufklärer an Moral erklären kann. Kant hat diesem Aspekt eine ganze Kritik gewidmet, die „Kritik der praktischen Vernunft“, eine saure Pflichtethik.
Die Subjektivierung der Moral und Wendung nach innen entkleidet die Religion ihrer aggressivsten Züge. Die mohammedanische Ideologie kennt eine solche Entwicklung nicht und gehört schon deswegen nicht nach Europa.