Samstag, 10. Dezember 2016

Rein damit!





Der Nürnberger Trichter
(Bild: Wikip.)



Die Schule! Eine Wunderanstalt. Aber nur, wenn man daran glaubt. Lesen, Schreiben, Rechnen und das Lernen als solches soll man darin lernen, Geschichte, Kultur und Friedfertigkeit. Da muß der Glaube schon riesengroß sein, oder man hat eine Vorstellung von Lernen, wie sie der Nürnberger Trichter repräsentiert: der Schullehrer schüttet die Lernziele in den Kopf, und dann sind sie drin.
Der Jurist und spätere Soziologe Niklas Luhmann arbeitete zunächst in der Schulverwaltung. Dort fiel ihm auf, daß die Schulpolitik nach Art des Nürnberger Trichters allerhand Konflikte und Disfunktionalitäten produzierte. Und er begann, den Schülerkopf und dessen Lernvorgänge zu analysieren. Als systemischen Vorgang. Der Schülerkopf muß aktiv sein, um Lerninhalte aufzunehmen. Diese werden in einem dreifach gestuften Vorgang abgespeichert, d.h., es bilden sich Makromoleküle aus zum Synapsenbau. Nach dem Lernvorgang gibt es mehr Protein im Kopf als vorher. Deswegen u.a. braucht das Gehirn soviel Energie.

Wie erfolgreich der Lernvorgang ausfällt, hängt an mehreren Bedingungen. Die Anschlußfähigkeit sowohl des Lehrstoffes als auch des Empfangssystems sind entscheidend. Je weniger Anknüpfungspunkte ein Lernziel erfordert, desto leichter fällt das Lernen. Addieren und Subtrahieren ist daher ziemlich einfach, das Lernen zivilisatorischer Einstellungen sehr komplex und deswegen schwierig. Zugespitzt formuliert: Rechnen ist einfach, wenn die genetischen Grundvoraussetzungen vorhanden sind, Kulturinhalte ziemlich unmöglich. Wenn dafür keine Anschlußfähigkeiten aus der langjährigen Lebenswirklichkeit vorliegen, d.h., aus dem Leben der Familie. Dort wird die Lebensmusik gemacht. Näheres s. Gabriel Tarde („Gesetze der Nachahmung“, 1890)  Luhmann sah aber auch, daß die pädagogische Provinz ein System SCHULE&SCHULVERWALTUNG darstellt, dessen Agenten hauptsächlich Schulbeamte sind, die Schüler laufen so mit. Weswegen immer noch Senecas Befund gilt, den die Lehrer gerne umdrehen:
„Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir.“
(SENECA, Moralische Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), Buch XVII, Brief 106, 12)












Mittwoch, 7. Dezember 2016

Dezentral



Gehirn von links gesehen. (Bild aus Vortrag Bellebaum, Biologische Psychologie, Semantik im Gehirn) 



Keine Zentrale - anders als beim Computer ist Bedeutung ein Zusammenspiel von vielen Stellen der Großhirnrinde. 

Diese Dezentralität ist nicht ökonomisch - es müssen Transferbahnen wachsen und eine Zusammenführungsinstanz muß installiert werden. Die Verarbeitungsgeschwindigkeit wird gemindert. 
Allerdings gewinnt die Flexibilität. Wenn ein Modul ausfällt, dann ist es nur ein Teilausfall, der eventuell ersetzt werden kann.