Mittwoch, 16. August 2017

Ravel Introduction and Allegro for flute, clarinet, string quartet and h...

Gut Ding will Weile haben


Geist und Seele eine Einheit, 3. Buch
Geist und Seele (behaupt' ich nun weiter) sind innig verbunden
Untereinander und bilden aus sich nur ein einziges Wesen.
Doch ist von beiden der Herrscher und gleichsam das Haupt in dem ganzen
Körper die denkende Kraft, die Geist und Verstand wir benennen,
Und die nur in der Mitte der Brust den beständigen Sitz hat.
Hier rast Schrecken und Angst, hier quillt auch beruhigend nieder
Fröhlicher Heiterkeit Born. So sitzt auch Geist und Verstand hier.
Über den ganzen Körper jedoch ist die übrige Seele Ausgebreitet.
Sie regt sich gehorsam dem Winke des Geistes.
Dieser allein denkt frei, nur er fühlt eigene Freuden,
Während zur selbigen Zeit in Körper und Seele sich nichts regt.
Wie wir, sobald wir am Haupte verletzt sind oder am Auge,
Doch nicht im Ganzen des Körpers die Qual mitleidend empfinden,
Also erfährt auch bisweilen der Geist selbst schmerzliches Leiden
Oder erhebende Freude, dagegen empfindet der Seele
Übriger Teil nichts weiter in Gliedern oder Gelenken.
Wird hingegen der Geist von stärkerem Schrecken ergriffen,
Leidet das Ganze der Seele (man sieht's an den Gliedern) zugleich mit:
So bricht Angstschweiß aus, es erblaßt uns die Haut auf dem Körper,
Unsere Sprache wird lallend, die Stimme versagt und das Ohr saust,
Dunkel umflort sich das Auge, es knicken die Knie zusammen;
Ja wir bemerken wohl oft, wie ein plötzlich Erschrecken des Geistes
Menschen zu Boden stürzt. Leicht kann da ein jeder erkennen,
Seele sei innig verbunden mit Geist. Wenn dieser die Seele
Anstößt, lenkt sie den Stoß auf den Körper und streckt ihn zu Boden.
Quelle:
Lukrez: Über die Natur der Dinge. Berlin 1957, S. 99-100.
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Bei der Übersetzung Klaus Binders, der die Hexameter des Lukrez glättet und in äußerer Prosagestalt darbietet, heißt es:
“Jetzt versichere ich dir, daß Geist und Seele eng miteinander verbunden ein einziges Wesen bilden. Das Haupt aber, wenn man so will und Herr des ganzen Leibes ist der Verstand - das, was wir animus nennen und auch Geist.” (S. 109, 3. Buch)

Letzteres haben Hirn- und Verhaltensforschung so nicht bestätigt, vielmehr handelt es sich um eine Information verarbeitende Einheit, bei der verschiedene Bereiche unterschiedlich dominieren, aber in enger Verflechtung.

Merkwürdig ist, daß die Antike nicht das Gehirn als den zentralen Ort der Informationsverarbeitung erkennt oder vermutet, das kommt tatsächlich erst im 19. Jahrhundert. Das beginnt mit Sömmering, der aber auch noch keine Vorstellung von der Beschaffenheit des Gehirngewebes besaß.














Dienstag, 15. August 2017

ADOLF BUSCH: Quintet for alto saxophone and string Quartet op.34, Mov. I...

Die Freude ist klein


BVG/EZB
2 Jahre hat das BVG sich Zeit gelassen! Das nennt man Feigheit durch Totstellen. Juristen sind eben Politikfolger mit eingeschränktem eigenen Rechtsverständnis. Sie sind ja auch von der Politik berufen und eingesetzt. Selbst, wenn sie keine juristische Karriere vorzuweisen haben, sondern Politiker waren, wie der ehemalige saarländische Ministerpräsident Müller. Und jetzt schieben sie die Sache weiter zum Europäischen Gerichtshof. Da kann man wetten, wie es ausgehen wird: Anleihenkauf ok, alles prima. Aber mit einem sehr allgemein gehaltenem Warnhinweis, die Abermilliardenankäufe spätestens im Jahr 2100 zu beenden.
Bernd Lucke hat es positiv gewertet:

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitkläger gegen die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank,

fast genau zwei Jahre nach Einreichen unserer Verfassungsbeschwerde hat das Bundesverfassungsgericht (BVG) endlich eine erste Entscheidung getroffen. Diese ist als höchst erfreulich zu werten: Ohne vorherige mündliche Verhandlung hat das BVG das Verfahren ausgesetzt und in der anliegenden Pressemitteilung 70-17 mitgeteilt, dass "nach Auffassung des Senats ... gewichtige Gründe dafür (sprechen), dass die dem Anleihenkaufprogramm zugrunde liegenden Beschlüsse gegen das Verbot monetärer Haushaltsfinanzierung verstoßen sowie über das Mandat der Europäischen Zentralbank für die Währungspolitik hinausgehen und damit in die Zuständigkeit der Mitgliedstaaten übergreifen."

Das BVG hat dem Europäischen Gerichtshof einen Fragenkatalog vorgelegt (Anlage PM 70-17_2_BvR_0859_15.pdf), der alle wesentlichen Argumente unserer Klage gegen den massiven Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB aufnimmt. Zugleich weist das BVG deutlich darauf hin, dass das EZB-Ankaufsprogramm PSPP (Public Sector Purchase Programme) die vom Europäischen Gerichtshof in seiner OMT-Entscheidung getroffenen Grenzen überschreiten könnte. Der EuGH wird sich also an seiner eigenen Rechtssprechung messen lassen müssen.
Besonders erfreulich ist, dass das BVG beim EuGH auch die Anwendung des beschleunigten Verfahren beantragt hat. Das mutet zwar ein bisschen wie ein Treppenwitz an, nachdem das BVG selbst sich zwei Jahre Zeit gelassen hat, ist aber zweifellos insofern ein gutes Zeichen, als das BVG die Behandlung unserer Klage jetzt für dringlich hält.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Bernd Lucke















Emerson Quartet plays "Cypresses" B. 152 - #3