Samstag, 24. Juni 2017

Geisterhaft




Bild: Goya/Wikip., “Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer”





Das kommt aber sehr windig daher beim Deutschlandfunk! Und der Titel ("Geisterwelten ragen in unsere Welt hinein")
taugt höchstens für die Geisterbahn. Und natürlich wird die Neurologie bemüht, und das geht schon gleich etwas schief. “Das Verrückte ist ja, dass die Neurobiologen mittlerweile fähig sind, Apparitionen, also Erscheinungen anderer Menschen, experimentell hervorzurufen. Interessanterweise passiert das durch Reizungen in genau dem mittleren hinteren Areal, wo alle Lappen und Teile des Gehirns zusammenlaufen und wo auch Informationen aus dem Gleichgewichtsorgan vor allem verrechnet werden mit anderen inneren Informationen und Informationen aus der Haut. Das heißt, da, wo der Mensch sich selbst überhaupt als aufrecht stehender, sitzender, liegender Mensch gerade definiert und empfindet und auch die Intention zum Handeln gewinnt, genau da kann man diese Illusion hervorrufen, und dadurch wirkt sie ungeheuer realistisch; und sie ist ja auch realistisch, weil es eben die Wahrnehmung unser eigenen Komplexität ist.”

Das Gehirn ist ein sehr dezentrales Organ. Doch eine gewisse Örtlichkeit bestimmt seine Architektur. Im Groben lassen sich Hirnstamm, Zwischenhirn und Großhirnrinde unterscheiden. Alles ist mit allem verbunden, aber einzelne Module arbeiten selbständig neben-, mit- und gegeneinander. 
“Und schon seit Jahrzehnten wissen die Neurologen, daß die Realisierung des Willens - das Schmieden und Ausführen von Plänen - die Aufgabe der Stirnlappen ist.” (Pinker, Denken, S. 182) 
Da läuft also eine Menge zusammen - und gleich wieder auseinander, wenn das Gefühlshirn im Zwischenhirn (Limbisches System) etwas Anderes will als der vordere Stirnlappen. Und wenn der schläft - etwa, wie bei Goyas “Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer” - dann können sich auch Monster wie die Religion einstellen.














Freitag, 23. Juni 2017

Ashkenazy plays Ravel: Gaspard de la Nuit - Ondine

Lukrez warnt


Luthers These 5: "Der Papst will und kann nicht irgendwelche Strafen erlassen, außer denen, die er nach dem eigenen oder nach dem Urteil von Kirchenrechtssätzen auferlegt hat."
DLF, VTzT, 23.6.17
Als Führerorganisation setzte die katholische Kirche über ihren absoluten Monarchen, den Papst, Recht. Und befand/befindet über Strafen. Nach der Beichte. Dem widerspricht Luther, soweit es sich um Strafen im Namen des großen Wichtelmanns handelt. Die Machtbasis des Klerus wird damit infrage gestellt. Vor dem wird gewarnt. Indirekt. Aber in übler Absicht. Keine Strafe soll mehr erlassen werden können, die Strafgewalt wird über ein dauerhaft schlechtes Gewissen verinnerlicht.
Ganz anders weht der Geist der Freiheit bei Lukrez:
Warnung vor den Priestern
Jeweils denkst du vielleicht von den dräuenden Worten der Priester
Heftig bedrängt und bekehrt aus unserem Lager zu fliehen!
Denn was könnten sie dir nicht alles für Märchen ersinnen,
Die dein Lebensziel von Grund aus könnten verkehren
Und mit lähmender Angst dein Glück vollständig verwirren!
Und in der Tat, wenn die Menschen ein sicheres Ende vermöchten
Ihrer Leiden zu sehn, dann könnten mit einigem Grunde
Sie auch der Religion und den Priesterdrohungen trotzen.
Doch so fehlt für den Widerstand wie die Kraft so die Einsicht,
Da uns die Angst umfängt vor den ewigen Strafen der Hölle.


Lukrez, Über die Natur der Dinge, S. 31f.















Das angesagte Gewitter blieb aus. Gut so. /// Beethoven: Symphony No 6, 4th movement (Bernard Haitink, London Symphon...

Donnerstag, 22. Juni 2017

Philip Plickert (Hrsg.): Merkel: Eine kritische Bilanz


So klein, daß man die Notiz leicht übersah:

Philip Plickert (Hrsg.): Merkel: Eine kritische
Bilanz
FAZ 19.06.2017
„Sie kennen mich“ – mit diesem Spruch warb Angela Merkel vor vier Jahren für ihre Wiederwahl. Doch wer ist Merkel wirklich? Was sind ihre Verdienste, was ihre größten Fehler? In diesem Buch ziehen 22 Professoren und Publizisten eine Bilanz. Philip Plickert, Wirtschaftsredakteur dieser Zeitung, hat renommierte Autoren versammelt, die das politische Wirken und die Person Merkels analysieren. Mit Beiträgen von Norbert Bolz, Necla Kelek, Cora Stephan, Michael Wolffsohn, Thilo Sarrazin, Roland Tichy, Justus Haucap und anderen. Das Fazit der Autoren: Merkel ist ein Scheinriese. ..."

Als Kindle-Version nur 16,-!