Montag, 21. August 2017

Grauenhaftes Nordkorea. /// Die lange Flucht aus Hungerland ‐ Nordkoreas Opfer klagen an

James Surowiecki erzählt von fabelhaften Dingen

https://www.nzz.ch/articleDEQ6P-1.2587

James Surowiecki bezieht sich in seinem Buch "Weisheit der Vielen" speziell auf die Arbeiten von Thomas Schelling, der in Yale mit Studenten arbeitete. Hochschüler sind aber überdurchschnittlich intelligent, machen also nur einen kleinen Teil der Population aus; zudem fanden die Tests ca. 1958 statt, diese Studenten waren mithin deutlich intelligenter als die von 2010. James Surowiecki nun mit der „Weisheit der Vielen“ erinnert mich an den Witz, daß ein Kamel ein Pferd sei, das von einer Kommission entworfen wurde. „Weisheit“ würde ich auch strikt von Intelligenz trennen, bei Surowiecki geht es aber nur um diese. Eine Gruppe kann ein Problem dann am besten lösen, wenn alle eine für die Aufgabe spezifische Vorbildung besitzen und die Aufgabe ad hoc lösbar ist, also keine längeren Vorarbeiten erfordern, und keine Hierarchien bestehen. Bei Kahneman, Denken, finden sich viele Beispiele dazu.
In der oberflächlichen Spiegel-Rezension wird in hanebüchener Weise verallgemeinert: „Pöbel schlägt Einstein“. Das ist reiner Blödsinn. 1 Million Nichtphysiker werden in der Regel eine physikalische Aufgabe schlechter lösen als ein Physiker, und 2 Millionen Nichtjuristen können sich nicht mit auch nur einem einzigen Juristen bei einem juristischen Fall messen.
Bei dem Zara-Beispiel geht es auch nur um eine einfache Informationsweitergabe, die auch bei geringem IQ möglich ist. Wie würden Zara-Verkäuferinnen mit einem angenommenen IQ von etwa 90 vermutlich wählen? Bestimmt anders als Schellings Probanden in Yale und Harvard, die etwa mit einem IQ von 120 zu verorten wären.
Aber grundsätzlich ist eine Wahlentscheidung außerordentlich komplex: die Vorgänge über 4 Jahre hinweg sind zu bewerten, was bereits eine kaum zu bewältigende Leistung darstellt. Im Gedächtnis verfügbar sind nur die außerordentlichen Ereignisse und die letzten Monate. Wieviele das Gedächtnis zur Verfügung stellt, hängt vom IQ ab, und von den eingefütterten Daten. Tim Cook von Apple mit einem geschätzten IQ von 140-150 wird zwar ein gutes Gedächtnis haben, aber da er politische Ereignisse nur oberflächlich verfolgt, hat er wenig Daten verfügbar. Ein politisch interessierter selbständiger Friseur besitzt vielleicht nur einen IQ von 100, hat aber viele Informationen von sich selbst und von seinen Kunden zur Verfügung. Schwer zu beurteilen, wer von den beiden eine qualifiziertere Wahl trifft. Zumal bei beiden eine Grundbewertung alle Daten einfärbt: Informatiker fühlen sich als kleine Könige und verachten alles Herkömmliche, während es bei Friseuren wohl eher umgekehrt ist. Bei beiden spielen aber auch Parteipräferenzen eine Rolle und Wahltraditionen.
Wahlen sind also nichts qualitativ Wertvolles, sie sind wertvoll als unblutige Entscheidung zum Herrschaftswechsel. Dafür ist aber ein freiheitliches, zivilisiertes Umfeld nötig, wie jetzt gerade Kenia zeigt, wo nach der Wahl blutig gekämpft wird.
Der Erfolg aller sehr unterschiedlichen westlichen  Demokratien liegt in ihren stabilen Institutionen und vor allem in der selbständigen Marktwirtschaft, in der viele Unternehmer im Wettbewerb stehen und so Wohlstand schaffen. Wohlstand befriedet, und soweit sich die meist unqualifizierten oder randseitig qualifizierten Politiker weitgehend aus der Wirtschaft heraushalten, kann der Wohlstand erhalten werden.
Da aber in der Demokratie stets nur Populisten eine Chance besitzen - unqualifizierte Vereinfacher wie Martin Schulz oder randseitig qualifizierte Opportunisten wie Merkel - bleibt die langfristige Stabilität der liberalen Demokratie eine historisch offene Frage. Insbesondere, wenn sie, wie die sozialliberalen Demokratien, ihre Verteidigung vergessen.
Aber: Illiberale Demokratien wie Indien schaffen es erst nach Jahrzehnten, auch nur eine Bagatelle wie die Zolleinheit im Binnenland herzustellen.

Diktaturen wie China, die Industriepolitik betreiben, sind stark abhängig von den Aufträgen der Demokratien und insgesamt labil. Das Gleiche gilt für Rohstoffautokratien wie Rußland und Venezuela.



















Sonntag, 20. August 2017

Bartok String Quartet No. 1, 1st movement (Euclid Quartet)

Schwarz, quadratisch, gut


Der junge Mensch huldigt einer intelligenten Form der Verblödung, wie sie  Malewitsch hier vorführt:

In der Tat finden sich bei Malewitsch einige rabiate Vorschläge zur Neugestaltung der Kultur. So forderte er 1919 apodiktisch, alle überlieferten Kunstwerke zu verbrennen und in den Museen nur noch ihre Asche auszustellen. Wenn der Betrachter vor den Überbleibseln von Rubens' Gemälden stehe, werde er «eine Menge Vorstellungen entwickeln, vielleicht lebendigere als das wirkliche Bild (und man braucht weniger Platz)». (NZZ 11.3.06)

Und auch die tiefe Einsicht, daß der Verstand erst mit den Jahren kommt - wenn überhaupt - demonstriert Malewitsch:
“Am deutlichsten lässt sich dies in Malewitschs überraschender Rückkehr zur figurativen Darstellung im Spätwerk und besonders in seinem Selbstporträt als Renaissancemaler beobachten.” (NZZ 11.3.06)

Der originell malende Spinner Malewitsch lebte von 1878 bis 1935. Eine sinnhaltige Äußerung von ihm ist nicht überliefert.



https://www.nzz.ch/articleDHINW-1.17481














Jason Brennan: "Gegen Demokratie"



Das Buch hat es in sich. Es will das Gegenteil von dem, was die verflossene Gesundheitsministerin der SPD und Vize-Präsidentin des Bundestages, Ulla Schmidt, will: das Wahlrecht auch für Demente. Brennan dagegen plädiert für einen Wissensnachweis für Wähler. Schmidt, die sich mit dem Ministerdienstwagen nach Spanien chauffieren ließ, mag vielleicht daran denken, daß sie immer noch Ministerin wäre, wenn alle Wähler dement wären, ernstzunehmen ist ihre Initiative aber nicht. Wer wegen Demenz entmündigt wurde, wurde auch für Wahlen entmündigt.


Die Forderung nach einem Wissensnachweis dagegen besitzt eine gewisse Plausibilität und kann sich auf die antike Demokratie berufen. In Athen besaßen nur freie Männer - eine elitäre Minderheit der Einwohner - politische Rechte. Mit ihrer Kompetenz wählten sie mit dem Ausnahmetalent Alkibiades die Sizilische Expedition und - die Katastrophe. Und im Peloponnesischen Krieg unterlag die Athener Demokratie dem Militärkommunismus Spartas. Geistige athenische Kompetenz - nennen wir sie einmal so - war also nicht zielführend.


Und auch späterhin nicht, als Florenz den Klerikalfaschisten Savonarola zum Herrscher erhob. Und Napoleon III.? Hitler? Leninisten, Stalinisten und Maoisten - die kandidieren wieder zur Bundestagswahl - ließen gar nicht erst wählen.

Es gibt leider kein Patentrezept für nichts - nicht mal für die Demokratie und ihren Wahlmodus. Ob ein zentralistisches Präsidialsystem wie in Frankreich, in dem die meisten Stimmen entwertet werden, oder eines wie in den USA, in dem der Präsident wenig Macht besitzt im Vergleich zu Frankreich, ob ein rigoroses Mehrheitswahlrecht wie Großbritannien, oder eine repräsentative Parteiokratur wie in Deutschland - überall gibt es Mängel, die nicht direkt mit politischer Kompetenz oder Inkompetenz der Wähler zusammenhängen.


Am ehesten überzeugt vielleicht die Schweiz, die mit den Bürgerabstimmungen ein Korrektiv besitzt, das für eine politische Diskussion während der gesamten Wahlperiode sorgt.
























Bach Cello Suite No.1 - Prelude (Yo-Yo Ma)

Freitag, 18. August 2017

Mozart war Mitglied der Freimaurer, die seinerzeit eine gehobene, abstrahierend-religiöse Geselligkeit boten. Dirigent ist der Schweizer Marc Andreae. /// Mozart - Maurerische Trauermusik K477

Der Unterschied


Moses Mendelssohn(1729-1786) hat sich als religiöser Jude mit der Aufklärung eingelassen und einen respektablen Beitrag zum Thema geleistet. Noch heute bringt der Islam Khomeinis verschiedenster Art hervor.

Ueber die Frage: was heißt aufklären?
Die Worte Aufklärung, Kultur, Bildung sind in unsrer Sprache noch neue Ankömmlinge. Sie gehören vor der Hand bloß zur Büchersprache. Der gemeine Haufe verstehet sie kaum. Sollte dieses ein Beweis sein, daß auch die Sache bei uns noch neu sei? Ich glaube nicht. Man sagt von einem gewissen Volke, daß es kein bestimmtes Wort für Tugend, keines für Aberglauben habe; ob man ihm gleich ein nicht geringes Maaß von beiden mit Recht zuschreiben darf.
Indessen hat der Sprachgebrauch, der zwischen diesen gleichbedeutenden Wörtern einen Unterschied angeben zu wollen scheint, noch nicht Zeit gehabt, die Grenzen derselben festzusetzen. Bildung, Kultur [194] und Aufklärung sind Modifikationen des geselligen Lebens; Wirkungen des Fleißes und der Bemühungen der Menschen ihren geselligen Zustand zu verbessern.
Je mehr der gesellige Zustand eines Volks durch Kunst und Fleiß mit der Bestimmung des Menschen in Harmonie gebracht worden; desto mehr Bildung hat dieses Volk.
Bildung zerfällt in Kultur und Aufklärung. Jene scheint mehr auf Praktisch zu gehen: auf Güte Feinheit und Schönheit in Handwerken Künsten und Geselligkeitssitten (objektive); auf Fertigkeit, Fleiß und Geschiklichkeit in jenen, Neigungen Triebe und Gewohnheit in diesen (subjektive). Je mehr diese bei einem Volke der Bestimmung des Menschen entsprechen, desto mehr Kultur wird demselben beigelegt; so wie einem Grundstükke desto mehr Kultur und Anbau zugeschrieben wird, je mehr es durch den Fleiß der Menschen in den Stand gesetzt worden, dem Menschen nützliche Dinge hervorzubringen. – Aufklärung hingegen scheinet sich mehr auf das Theoretische zu beziehen. Auf vernünftige Erkenntniß (objekt.) und Fertigkeit (subj.) zum vernünftigen Nachdenken, über Dinge des menschlichen Lebens, nach Maaßgebung ihrer Wichtigkeit und ihres Einflusses in die Bestimmung des Menschen.
Ich setze allezeit die Bestimmung des Menschen als Maaß und Ziel aller unserer Bestrebungen und [195] Bemühungen, als einen Punkt, worauf wir unsere Augen richten müssen, wenn wir uns nicht verlieren wollen.
Eine Sprache erlanget Aufklärung durch die Wissenschaften, und erlanget Kultur durch gesellschaftlichen Umgang, Poesie und Beredsamkeit. Durch jene wird sie geschikter zu theoretischem, durch diese zu praktischem Gebrauche. Beides zusammen giebt einer Sprache die Bildung.
Kultur im äußerlichen heißt Politur. Heil der Nation, deren Politur Wirkung der Kultur und Aufklärung ist; deren äußerliche Glanz und Geschliffenheit innerliche, gediegene Aechtheit zum Grunde hat!
Aufklärung verhält sich zur Kultur, wie überhaupt Theorie zur Praxis; wie Erkenntniß zur Sittlichkeit; wie Kritik zur Virtuosität. An und für sich betrachtet, (objektive) stehen sie in dem genauesten Zusammenhange; ob sie gleich subjektive sehr oft getrennt sein können.
Man kann sagen: die Nürnberger haben mehr Kultur, die Berliner mehr Aufklärung; die Franzosen mehr Kultur, die Engländer mehr Aufklärung; die Sineser viel Kultur und wenig Aufklärung. Die Griechen hatten beides, Kultur und Aufklärung. Sie waren eine gebildete Nation, so wie ihre Sprache eine gebildete Sprache ist. – Ueberhaupt ist die Sprache eines Volks die beste Anzeige seiner [196] Bildung, der Kultur sowohl als der Aufklärung, der Ausdehnung sowohl als der Stärke nach.
Ferner läßt sich die Bestimmung des Menschen eintheilen, in 1) Bestimmung des Menschen als Mensch, und 2) Bestimmung des Menschen als Bürger betrachtet.
In Ansehung der Kultur fallen diese Betrachtungen zusammen; indem alle praktische Vollkommenheiten bloß in Beziehung auf das gesellschaftliche Leben einen Werth haben, also einzig und allein der Bestimmung des Menschen, als Mitglieder der Gesellschaft, entsprechen müssen. Der Mensch als Mensch bedarf keiner Kultur: aber er bedarf Aufklärung.
Stand und Beruf im bürgerlichen Leben bestimmen eines jeden Mitgliedes Pflichten und Rechte, erfordern nach Maaßgebung derselben andere Geschiklichkeit und Fertigkeit, andere Neigungen, Triebe, Geselligkeitssitten und Gewohnheiten, eine andere Kultur und Politur. Je mehr diese durch alle Stände mit ihrem Berufe, d. i. mit ihren respektiven Bestimmungen als Glieder der Gesellschaft übereinstimmen; desto mehr Kultur hat die Nation.
Sie erfordern aber auch für jedes Individuum, nach Maaßgebung seines Standes und Berufs andere theoretische Einsichten, und andere Fertigkeit dieselben zu erlangen, einen andern Grad der Aufklärung. Die Aufklärung, die den Menschen als Mensch interessirt, ist allgemein ohne Unterschied [197] der Stände; die Aufklärung des Menschen als Bürger betrachtet, modificirt sich nach Stand und Beruf. Die Bestimmung des Menschen setzet hier abermals seiner Bestrebung Maaß und Ziel.
Diesem nach würde die Aufklärung einer Nation sich verhalten, 1) wie die Masse der Erkenntniß, 2) deren Wichtigkeit, d. i. Verhältniß zur Bestimmung a) des Menschen und b) des Bürgers, 3) deren Verbreitung durch alle Stände, 4) nach Maaßgabe ihres Berufs; und also wäre der Grad der Volksaufklärung nach einem wenigstens vierfach zusammengesetzten Verhältnisse zu bestimmen, dessen Glieder zum Theile selbst wiederum aus einfachern Verhältnißgliedern zusammengesetzt sind.
Menschenaufklärung kann mit Bürgeraufklärung in Streit kommen. Gewisse Wahrheiten, die dem Menschen, als Mensch, nützlich sind, können ihm als Bürger zuweilen schaden. Hier ist folgendes in Erwegung zu ziehen. Die Kollision kann entstehen zwischen 1) wesentlichen, oder 2) zufälligen Bestimmungen des Menschen, mit 3) wesentlichen, oder 4) mit außerwesentlichen zufälligen Bestimmungen des Bürgers.
Ohne die wesentlichen Bestimmungen des Menschen sinkt der Mensch zum Vieh herab; ohne die außerwesentlichen ist er kein so gutes herrliches Geschöpf. Ohne die wesentlichen Bestimmungen des Menschen als Bürgers, hört die Staatsverfassung aus zu sein; ohne die außerwesentlichen bleibt [198] sie in einigen Nebenverhältnissen nicht mehr dieselbe.
Unglükselig ist der Staat, der sich gestehen muß, daß in ihm die wesentliche Bestimmung des Menschen mit der wesentlichen des Bürgers nicht harmoniren, daß die Aufklärung, die der Menschheit unentbehrlich ist, sich nicht über alle Stände des Reichs ausbreiten könne; ohne daß die Verfassung in Gefahr sei, zu Grunde zu gehen. Hier lege die Philosophie die Hand auf den Mund! Die Nothwendigkeit mag hier Gesetze vorschreiben, oder vielmehr die Fesseln schmieden, die der Menschheit anzulegen sind, um sie nieder zu beugen, und beständig unterm Drukke zu halten!
Aber wenn die außerwesentlichen Bestimmungen des Menschen mit den wesentlichen oder außerwesentlichen des Bürgers in Streit kommen; so müssen Regeln festgesetzt werden, nach welchen die Ausnahmen geschehen, und die Kollisionsfälle entschieden werden sollen.
Wenn die wesentlichen Bestimmungen des Menschen unglüklicherweise mit seinen außerwesentlichen Bestimmungen selbst in Gegenstreit gebracht worden sind; wenn man gewisse nützliche und den Menschen zierende Wahrheit nicht verbreiten darf, ohne die ihm nun einmal beiwohnenden Grundsätze der Religion und Sittlichkeit niederzureißen; so wird der tugendliebende Aufklärer mit Vorsicht und Behutsamkeit verfahren, und lieber das Vorurtheil dulden, [199] als die mit ihm so fest verschlungene Wahrheit zugleich mit vertreiben. Freilich ist diese Maxime von je her Schutzwehr der Heuchelei geworden, und wir haben ihr so manche Jahrhunderte von Barbarei und Aberglauben zu verdanken. So oft man das Verbrechen greifen wollte, rettete es sich ins Heiligthum. Allein dem ungeachtet wird der Menschenfreund, in den aufgeklärtesten Zeiten selbst noch immer auf diese Betrachtung Rüksicht nehmen müssen. Schwer, aber nicht unmöglich ist es, die Grenzlinie zu finden, die auch hier Gebrauch von Misbrauch scheidet. –
Je edler ein Ding in seiner Vollkommenheit, sagt ein hebräischer Schriftsteller, desto gräßlicher in seiner Verwesung. Ein verfaultes Holz ist so scheußlich nicht, als eine verwesete Blume; diese nicht so ekelhaft, als sein verfaultes Thier; und dieses so gräßlich nicht, als der Mensch in seiner Verwesung. So auch mit Kultur und Aufklärung. Je edler in ihrer Blüte: desto abscheulicher in ihrer Verwesung und Verderbtheit.
Mißbrauch der Aufklärung schwächt das moralische Gefühl, führt zu Hartsinn, Egoismus, Irreligion, und Anarchie. Misbrauch der Kultur erzeuget Ueppigkeit, Gleißnerei, Weichlichkeit, Aberglauben, und Sklaverei.
Wo Aufklärung und Kultur mit gleichen Schritten fortgehen; da sind sie sich einander die besten Verwahrungsmittel wider die Korruption. Ihre [200] Art zu verderben ist sich einander schnurstraks entgegengesetzt.
Die Bildung einer Nation, welche nach obiger Worterklärung aus Kultur und Aufklärung zusammengesetzt ist, wird also weit weniger der Korruption unterworfen sein.
Eine gebildete Nation kennet in sich keine andere Gefahr, als das Uebermaaß ihrer Nationalglükseligkeit; welches, wie die vollkommenste Gesundheit des menschlichen Körpers, schon an und für sich eine Krankheit, oder der Uebergang zur Krankheit genennt werden kann. Eine Nation, die durch die Bildung auf den höchsten Gipfel der Nationalglükseligkeit gekommen, ist eben dadurch in Gefahr zu stürzen, weil sie nicht höher steigen kann. – Jedoch dieses führt zu weit ab von der vorliegenden Frage!
Moses Mendelssohn.


https://de.wikisource.org/wiki/Ueber_die_Frage:_was_heißt_aufklären%3F

























Mittwoch, 16. August 2017

Ravel Introduction and Allegro for flute, clarinet, string quartet and h...

Gut Ding will Weile haben


Geist und Seele eine Einheit, 3. Buch
Geist und Seele (behaupt' ich nun weiter) sind innig verbunden
Untereinander und bilden aus sich nur ein einziges Wesen.
Doch ist von beiden der Herrscher und gleichsam das Haupt in dem ganzen
Körper die denkende Kraft, die Geist und Verstand wir benennen,
Und die nur in der Mitte der Brust den beständigen Sitz hat.
Hier rast Schrecken und Angst, hier quillt auch beruhigend nieder
Fröhlicher Heiterkeit Born. So sitzt auch Geist und Verstand hier.
Über den ganzen Körper jedoch ist die übrige Seele Ausgebreitet.
Sie regt sich gehorsam dem Winke des Geistes.
Dieser allein denkt frei, nur er fühlt eigene Freuden,
Während zur selbigen Zeit in Körper und Seele sich nichts regt.
Wie wir, sobald wir am Haupte verletzt sind oder am Auge,
Doch nicht im Ganzen des Körpers die Qual mitleidend empfinden,
Also erfährt auch bisweilen der Geist selbst schmerzliches Leiden
Oder erhebende Freude, dagegen empfindet der Seele
Übriger Teil nichts weiter in Gliedern oder Gelenken.
Wird hingegen der Geist von stärkerem Schrecken ergriffen,
Leidet das Ganze der Seele (man sieht's an den Gliedern) zugleich mit:
So bricht Angstschweiß aus, es erblaßt uns die Haut auf dem Körper,
Unsere Sprache wird lallend, die Stimme versagt und das Ohr saust,
Dunkel umflort sich das Auge, es knicken die Knie zusammen;
Ja wir bemerken wohl oft, wie ein plötzlich Erschrecken des Geistes
Menschen zu Boden stürzt. Leicht kann da ein jeder erkennen,
Seele sei innig verbunden mit Geist. Wenn dieser die Seele
Anstößt, lenkt sie den Stoß auf den Körper und streckt ihn zu Boden.
Quelle:
Lukrez: Über die Natur der Dinge. Berlin 1957, S. 99-100.
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Bei der Übersetzung Klaus Binders, der die Hexameter des Lukrez glättet und in äußerer Prosagestalt darbietet, heißt es:
“Jetzt versichere ich dir, daß Geist und Seele eng miteinander verbunden ein einziges Wesen bilden. Das Haupt aber, wenn man so will und Herr des ganzen Leibes ist der Verstand - das, was wir animus nennen und auch Geist.” (S. 109, 3. Buch)

Letzteres haben Hirn- und Verhaltensforschung so nicht bestätigt, vielmehr handelt es sich um eine Information verarbeitende Einheit, bei der verschiedene Bereiche unterschiedlich dominieren, aber in enger Verflechtung.

Merkwürdig ist, daß die Antike nicht das Gehirn als den zentralen Ort der Informationsverarbeitung erkennt oder vermutet, das kommt tatsächlich erst im 19. Jahrhundert. Das beginnt mit Sömmering, der aber auch noch keine Vorstellung von der Beschaffenheit des Gehirngewebes besaß.














Dienstag, 15. August 2017

ADOLF BUSCH: Quintet for alto saxophone and string Quartet op.34, Mov. I...

Die Freude ist klein


BVG/EZB
2 Jahre hat das BVG sich Zeit gelassen! Das nennt man Feigheit durch Totstellen. Juristen sind eben Politikfolger mit eingeschränktem eigenen Rechtsverständnis. Sie sind ja auch von der Politik berufen und eingesetzt. Selbst, wenn sie keine juristische Karriere vorzuweisen haben, sondern Politiker waren, wie der ehemalige saarländische Ministerpräsident Müller. Und jetzt schieben sie die Sache weiter zum Europäischen Gerichtshof. Da kann man wetten, wie es ausgehen wird: Anleihenkauf ok, alles prima. Aber mit einem sehr allgemein gehaltenem Warnhinweis, die Abermilliardenankäufe spätestens im Jahr 2100 zu beenden.
Bernd Lucke hat es positiv gewertet:

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitkläger gegen die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank,

fast genau zwei Jahre nach Einreichen unserer Verfassungsbeschwerde hat das Bundesverfassungsgericht (BVG) endlich eine erste Entscheidung getroffen. Diese ist als höchst erfreulich zu werten: Ohne vorherige mündliche Verhandlung hat das BVG das Verfahren ausgesetzt und in der anliegenden Pressemitteilung 70-17 mitgeteilt, dass "nach Auffassung des Senats ... gewichtige Gründe dafür (sprechen), dass die dem Anleihenkaufprogramm zugrunde liegenden Beschlüsse gegen das Verbot monetärer Haushaltsfinanzierung verstoßen sowie über das Mandat der Europäischen Zentralbank für die Währungspolitik hinausgehen und damit in die Zuständigkeit der Mitgliedstaaten übergreifen."

Das BVG hat dem Europäischen Gerichtshof einen Fragenkatalog vorgelegt (Anlage PM 70-17_2_BvR_0859_15.pdf), der alle wesentlichen Argumente unserer Klage gegen den massiven Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB aufnimmt. Zugleich weist das BVG deutlich darauf hin, dass das EZB-Ankaufsprogramm PSPP (Public Sector Purchase Programme) die vom Europäischen Gerichtshof in seiner OMT-Entscheidung getroffenen Grenzen überschreiten könnte. Der EuGH wird sich also an seiner eigenen Rechtssprechung messen lassen müssen.
Besonders erfreulich ist, dass das BVG beim EuGH auch die Anwendung des beschleunigten Verfahren beantragt hat. Das mutet zwar ein bisschen wie ein Treppenwitz an, nachdem das BVG selbst sich zwei Jahre Zeit gelassen hat, ist aber zweifellos insofern ein gutes Zeichen, als das BVG die Behandlung unserer Klage jetzt für dringlich hält.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Bernd Lucke















Emerson Quartet plays "Cypresses" B. 152 - #3

Sonntag, 13. August 2017

Viktoria Mullova: Chaconne (J.S. Bach Partita No. 2 in D minor, BMV 1004)

Prof. Spencer hat 1978 die Satellitentemperaturmessungen auf den Weg gebracht. Nur diese Messungen sind tatsächlich vergleichbar, weil auf die gleiche Weise erhoben. /// Dr Roy Spencer - 97% Concensus is Bogus

Ein Dilemma





“Das Collegienhören selbst ist eigentlich nur zufällig; das wesentlich Notwendige ist, daß der junge Mann zwischen der Schule und dem Eintritt ins Leben eine Anzahl von Jahren ausschließend dem wissenschaftlichen Nachdenken an einem Orte widme, der Viele, Lehrer und Lernende in sich vereinigt.”


Wilhelm von Humboldt, der vor 250 Jahren geboren wurde, schrieb das im “Königsberger Schulplan” zur Reform des ostpreußischen Schulwesens. In diesem Sinne erfolgte auch seine Gründung der Berliner Universität 1809.
Das war die Zeit, als die Ärzte noch jeden Tag massenhaft Menschen durch den Aderlaß umbrachten, darunter auch Mozart.
Dieses einzige Beispiel mag ausreichen zu belegen, daß es sehr wohl auf den gezielten Ausbildungsgang für den geeigneten Studenten ankommt, wenn man die lernintensiven frühen Jahre nicht mit Gammelei verstreichen lassen will. Der noch wenig urteilsfähige junge Mensch - der gleichwohl bereits große Datenmengen aufnehmen kann wie später nicht mehr - braucht den Kanon der Älteren, die mit den Jahren Urteilsfähigkeit entwickelt haben.
Aber die rasante Entwicklung der Wissensgebiete hat dafür gesorgt, daß das Maximum des Wissens heute nur noch ein Minimum an allgemeiner Urteilsfähigkeit zuläßt.

Ein Dilemma.  





















Herzogenberg Trio for Oboe, Horn and Piano Opus 61

Freitag, 11. August 2017

Partnerschaftsstabilitätsrückschlüsse


“Bei einer vor der Aids-Epidemie durchgeführten Untersuchung über Homosexuelle in San Francisco gaben 28% der Schwulen an, mehr als 1000 Sexualpartner gehabt zu haben. Von den Lesbierinnen hatte keine 1000 gehabt, und nur 2% sprachen von 100.” 
(Pinker, Denken (Originaltitel ist präziser: How the mind works), S. 587)

Das Sexualverhalten von Lesben und Schwulen unterscheidet sich also außerordentlich stark. Warum sie in einem Atemzug genannt werden, erschließt sich nicht. Auch im Hinblick auf die Stabilität von Partnerschaften sind lesbische Verbindungen als stabil zu betrachten, während schwule Partnerschaften durch das destabilisierende Sexualverhalten als sehr instabil zu erachten sind.

“Symons (Evolution of Human Sexuality, 1979) bemerkt, daß homosexuelle Beziehungen einen guten Einblick in die unterschiedlichen Wünsche der beiden Geschlechter geben. Jede heterosexuelle Beziehung ist ein Kompromiß zwischen den Bedürfnissen eines Mannes und den Bedürfnissen einer Frau, so daß die geschlechtsspezifischen Unterschiede möglichst verringert werden. Homosexuelle dagegen müssen keinen Kompromiß eingehen, und ihr Sexualleben zeichnet ein unverfälschteres Bild der männlichen Sexualität …” (Pinker, Denken, S. 586f.)

















Horowitz plays Scriabine - Étude in C-sharp minor (Op. 42, No. 5) ~Carne...

Donnerstag, 10. August 2017

Was so an der Wand hängt




Eine echte Karl-Marx-Schülerin war Martina van de Gey in Köln an der Kunstschule. Der war aber nicht aus Trier. Auf diesem Bild entfaltet sie viel Dynamik, die aber die ländliche Idylle auf dem einmontierten Foto nur am Rande erfaßt. Heimat als Ruheort? Heimat bedroht? Das beantwortet jeder nach dem individuellen Maßstab Glas halbvoll/halbleer.




DNS in Hexametern


Vergänglichkeit und Vererbung spricht Lukrez hier an. Den „Urstoff“ der Vererbung kennt man heute besser als die Vererbungssäure DNS. Diese Art des Denkens forscht nach Ursache und Wirkung; auch wenn viele Ungenauigkeiten und Fehler auftreten, so liegt doch ihr Vorteil gegenüber der Erfindung von Geistern und Göttern auf der Hand.

"Dazu kommt noch das Neue, daß, ob auch die Körper des Urstoffs
Völlige Dichte besitzen, trotzdem die entstehenden Dinge
Luft, Feu'r, Erde und Wasser von lockrer Beschaffenheit werden.
All dies läßt sich verstehn durch das Leere, das allem sich beimischt.
Wären dagegen schon locker die Grundelemente der Dinge,
Woher stammten dann Eisen und härtlicher Kiesel, wie wären
Diese geworden, wo bliebe die Kraft, dies alles zu schaffen?
Niemand könnte das sagen. Es würde die ganze Natur dann
Völlig und ganz ermangeln des grundsteinlegenden Anfangs.
Also die Grundelemente sind einfach zwar und solide,
Aber durch ihren Verband, wenn sie fest aneinander sich schließen,
Können die vielen zusammen gewaltige Kräfte entfalten.
Wäre sodann kein Ende gesetzt der Vernichtung der Körper,
Müßten doch einige Körper zum mindesten übrig geblieben
Sein, die aus ewiger Zeit sich bis jetzt in den Dingen erhielten
Und entronnen zu sein aus allen Gefahren sich rühmten.
Aber da längst feststeht, sie seien zerbrechlichen Wesens,
Ist es ein Widerspruch, daß jene die ewige Zeit durch
Trotz unzähliger Stöße sich könnten am Leben erhalten.[45]
Endlich ist festgestellt, daß jedem Geschlechte das Ende
Seines Wachsens und Lebens von vornherein ist gegeben,
Und was jedes vermag den Naturgesetzen zu Folge
Oder was nicht, steht längst schon fest nach ewiger Satzung.
Daran ändert sich nichts, vielmehr bleibt alles beständig,
So, daß stets nach der Reihe die buntgefiederten Vögel
Je nach ihrem Geschlecht dieselbigen Tupfen vererben;
Also müssen sie wohl den nimmer sich ändernden Urstoff
Schon in dem Körper besitzen. Denn könnten die Urelemente
Irgendwie in den Dingen beliebig Veränderung leiden,
Dann wär' auch nicht klar, was eigentlich könnte entstehen
Oder was füglich auch nicht; und wie jedwedem umzirkt sei
Seine wirkende Kraft und der grundtief ruhende Markstein.
Nie auch könnten ererben nach Sippen getrennt die Geschöpfe
Bildung, Bewegung, Gesittung und Lebensführung der Eltern.
Quelle:
Lukrez: Über die Natur der Dinge. Berlin 1957, S. 45-46.
Permalink:
http://www.zeno.org/nid/20009208887
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Gemeinfrei
Kategorien:


Epikureismus