Sonntag, 25. Juni 2017

Unten ist auch noch was












Wer erinnert sich noch an Prof. Meadows, der für den Club of Rome die unvergeßliche Studie „Die Grenzen des Wachstums“ schrieb? Das war 1972 und beruhte auf einer schönen Computersimulation bis 2100. Darin errechnete er ganz klar und eindeutig, daß im Jahre 2000 Schluß sei mit dem Erdöl, futsch, verbraucht, finito.

Ach, es war so schön gerechnet, aber die Wirklichkeit der Welt blamierte sich bis auf die Knochen. Es gibt immer noch Öl, und es fließt weiterhin viel Öl durch alle Rohre. 2017 ist kein Ende der Ölförderung abzusehen. Und immer neue Felder werden entdeckt. 
Es wird auch kein Ende des Öls geben. Meint Thomas Gold (1920-2004), Sohn eines Bergbaudirektors aus Wien. Sein Hauptfach war die Astronomie, die er in Harvard und Cornell vertrat. Aber die Tiefe bis etwa 150 km hinunter in den Erdmantel fand er trotzdem spannend. Daß Kohle und Erdöl aus riesigen Sumpfwäldern entstanden sein sollten, überzeugte ihn nicht. Solche Sumpfwälder gebe es in der Gegenwart nicht, und falls es solche 300 Meter tiefen Sümpfe in der Erdvergangenheit gegeben haben sollte, hätten darin keine Bäume wachsen können. Und er zählt noch eine ganze Reihe weiterer Gründe auf, warum vermutlich Kohle und Erdöl abiotisch durch aufsteigendes Erdgas entstanden und weiterhin entstehen. Wenn auch langsam. 


Diese Theorie mutet jedenfalls nicht so unsinnig an wie der Computermüll des Herrn Meadows und seiner Clubspinner.  













Samstag, 24. Juni 2017

MASTER CLASS avec Vincent LÊ QUANG, CONSERVATOIRE DE DUNKERQUE 24/03/2012.

Geisterhaft




Bild: Goya/Wikip., “Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer”





Das kommt aber sehr windig daher beim Deutschlandfunk! Und der Titel ("Geisterwelten ragen in unsere Welt hinein")
taugt höchstens für die Geisterbahn. Und natürlich wird die Neurologie bemüht, und das geht schon gleich etwas schief. “Das Verrückte ist ja, dass die Neurobiologen mittlerweile fähig sind, Apparitionen, also Erscheinungen anderer Menschen, experimentell hervorzurufen. Interessanterweise passiert das durch Reizungen in genau dem mittleren hinteren Areal, wo alle Lappen und Teile des Gehirns zusammenlaufen und wo auch Informationen aus dem Gleichgewichtsorgan vor allem verrechnet werden mit anderen inneren Informationen und Informationen aus der Haut. Das heißt, da, wo der Mensch sich selbst überhaupt als aufrecht stehender, sitzender, liegender Mensch gerade definiert und empfindet und auch die Intention zum Handeln gewinnt, genau da kann man diese Illusion hervorrufen, und dadurch wirkt sie ungeheuer realistisch; und sie ist ja auch realistisch, weil es eben die Wahrnehmung unser eigenen Komplexität ist.”

Das Gehirn ist ein sehr dezentrales Organ. Doch eine gewisse Örtlichkeit bestimmt seine Architektur. Im Groben lassen sich Hirnstamm, Zwischenhirn und Großhirnrinde unterscheiden. Alles ist mit allem verbunden, aber einzelne Module arbeiten selbständig neben-, mit- und gegeneinander. 
“Und schon seit Jahrzehnten wissen die Neurologen, daß die Realisierung des Willens - das Schmieden und Ausführen von Plänen - die Aufgabe der Stirnlappen ist.” (Pinker, Denken, S. 182) 
Da läuft also eine Menge zusammen - und gleich wieder auseinander, wenn das Gefühlshirn im Zwischenhirn (Limbisches System) etwas Anderes will als der vordere Stirnlappen. Und wenn der schläft - etwa, wie bei Goyas “Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer” - dann können sich auch Monster wie die Religion einstellen.














Freitag, 23. Juni 2017

Ashkenazy plays Ravel: Gaspard de la Nuit - Ondine

Lukrez warnt


Luthers These 5: "Der Papst will und kann nicht irgendwelche Strafen erlassen, außer denen, die er nach dem eigenen oder nach dem Urteil von Kirchenrechtssätzen auferlegt hat."
DLF, VTzT, 23.6.17
Als Führerorganisation setzte die katholische Kirche über ihren absoluten Monarchen, den Papst, Recht. Und befand/befindet über Strafen. Nach der Beichte. Dem widerspricht Luther, soweit es sich um Strafen im Namen des großen Wichtelmanns handelt. Die Machtbasis des Klerus wird damit infrage gestellt. Vor dem wird gewarnt. Indirekt. Aber in übler Absicht. Keine Strafe soll mehr erlassen werden können, die Strafgewalt wird über ein dauerhaft schlechtes Gewissen verinnerlicht.
Ganz anders weht der Geist der Freiheit bei Lukrez:
Warnung vor den Priestern
Jeweils denkst du vielleicht von den dräuenden Worten der Priester
Heftig bedrängt und bekehrt aus unserem Lager zu fliehen!
Denn was könnten sie dir nicht alles für Märchen ersinnen,
Die dein Lebensziel von Grund aus könnten verkehren
Und mit lähmender Angst dein Glück vollständig verwirren!
Und in der Tat, wenn die Menschen ein sicheres Ende vermöchten
Ihrer Leiden zu sehn, dann könnten mit einigem Grunde
Sie auch der Religion und den Priesterdrohungen trotzen.
Doch so fehlt für den Widerstand wie die Kraft so die Einsicht,
Da uns die Angst umfängt vor den ewigen Strafen der Hölle.


Lukrez, Über die Natur der Dinge, S. 31f.















Das angesagte Gewitter blieb aus. Gut so. /// Beethoven: Symphony No 6, 4th movement (Bernard Haitink, London Symphon...

Donnerstag, 22. Juni 2017

Philip Plickert (Hrsg.): Merkel: Eine kritische Bilanz


So klein, daß man die Notiz leicht übersah:

Philip Plickert (Hrsg.): Merkel: Eine kritische
Bilanz
FAZ 19.06.2017
„Sie kennen mich“ – mit diesem Spruch warb Angela Merkel vor vier Jahren für ihre Wiederwahl. Doch wer ist Merkel wirklich? Was sind ihre Verdienste, was ihre größten Fehler? In diesem Buch ziehen 22 Professoren und Publizisten eine Bilanz. Philip Plickert, Wirtschaftsredakteur dieser Zeitung, hat renommierte Autoren versammelt, die das politische Wirken und die Person Merkels analysieren. Mit Beiträgen von Norbert Bolz, Necla Kelek, Cora Stephan, Michael Wolffsohn, Thilo Sarrazin, Roland Tichy, Justus Haucap und anderen. Das Fazit der Autoren: Merkel ist ein Scheinriese. ..."

Als Kindle-Version nur 16,-!










Ach, nein


Luthers These 4: "Es bleibt die Pein, solange die Selbstverachtung, die wahre innere Buße, bleibt. Nämlich bis zum Eintritt ins Himmelreich."

Wenn er die angenagelt hätte - die Kirchentür in Wittenberg wäre aus den Angeln gesprungen vor Pein. Wahrscheinlich handelt es sich aber ohnehin um eine Nagellegende aus späterer Zeit. Die nachfolgenden Gottesanbeter dichten und fälschen stets hinzu.
Dieser Geist, der überall Schuld sieht, und dann auch die imaginierte Schuld bei anderen tödlich verfolgt - Stichwort Hexenverfolgung und Luthers Gewaltaufruf gegenüber den Bauern - dieser Schuldgeist ist barbarisch. Zumal es solche Phantasieorte wie “Himmelreich” höchstens hinter dem Sirius gibt. Die Erde ist dergestalt ein Jammertal, und das gilt insbesondere für die Taten der Gottesanbeter von Anfang an. Weswegen sie die nüchternen antiken Autoren wie Epikur und Lukrez angriffen:

Abwehr der Volksreligion
Freilich beschleicht mich die Furcht hierbei, als ob du vermeinest,
Gottlosen Pfad zu betreten bei diesem System und des Frevels
Weg zu beschreiten. Doch grade die übliche Religion ist's,
Die oft gottlose Taten erzeugt und Werke des Frevels.
Haben doch solchergestalt die erlesenen Danaerfürsten
An Dianens Altar, der jungfräulichen Göttin, in Aulis
Iphianassas Blut in grausamem Wahne geopfert.
Als ihr die heilige Binde die Jungfraulocken umsäumend
In gleichmäßigem Falle die Wangen beide bedeckte,
Als sie zugleich am Altar den trauernden Vater erblickte
Und ihm nahe die Diener den Mordstahl unter dem Mantel
Bargen und jammerndem Volke der Anblick Tränen entlockte,
Da sank stumm sie vor Angst auf die Knie hinab zu der Erde.
Nichts vermochte der Armen in dieser Stunde zu helfen,
Daß sie den König zuerst mit dem Namen des Vaters begrüßte.
Denn von den Fäusten der Männer ergriffen, so wurde sie zitternd
Hin zum Altare geschleppt, nicht um nach dem festlichen Opfer
Dort in dem Hochzeitszug mit Jubel geleitet zu werden,
Nein, in der Brautzeit selbst ward sie, die Unschuldige, schuldvoll
Hingeschlachtet als Opferlamm von dem eigenen Vater,
Auf daß endlich die Flotte gewinne den glücklichen Auslauf.
Soviel Unheil vermochte die Religion zu erzeugen.
Quelle:
Lukrez (99-55 v.S.): Über die Natur der Dinge. Berlin 1957, S. 31.
























Mittwoch, 21. Juni 2017

Frühe Klarsicht


Luthers These 3: "Das Wort Buße zielt nicht nur auf eine innere Buße; ja, eine innere Buße ist keine, wenn sie nicht äußerlich vielfältige Marter des Fleisches schafft."
Thomas Kaufmann, Kirchenhistoriker: "Buße meint neutestamentlich Umkehr, radikale Umkehr, Umdenken. Es geht darum, dass sich der ganze Mensch auf Gott hin ausrichtet. Das schließt eben auch asketische Akte ein. Der hier spricht, Luther, ist zum damaligen Zeitpunkt noch ein Bettelmönch und für ihn sind äußerliche Einschränkungen der Lebensfreude ein selbstverständlicher Bestandteil einer christlichen Lebensführung." (DLF, Tag für Tag, 21.6.17)
Der Mensch ist auf der elementaren Ebene ein physiologischer Apparat, der für sein Funktionieren Energie umsetzen muß. Vulgo Essen und Trinken. Mutwillig dieses Funktionieren zu torpedieren wegen eines eingebildeten großen Wichtelmannes in den Wolken, das zeigt Wahn und bodenlose Fehlorientierung des Christentums.
Immerhin zeigt sich bei dem theologischen Zeitgenossen Kaufmann eine kluge Anpassung an die Gegenwart, die dem Islam völlig abgeht.
Aber wir wollen uns doch Lukrezens Lob des Epikurs anschließen, der so früh Klarsicht entwickelte:
Preis Epikurs
Als vor den Blicken der Menschen das Leben schmachvoll auf Erden
Niedergebeugt von der Last schwerwuchtender Religion war,
Die ihr Haupt aus des Himmels erhabenen Höhen hervorstreckt
Und mit greulicher Fratze die Menschheit furchtbar bedräuet,
Da erkühnte zuerst sich ein Grieche, das sterbliche Auge
Gegen das Scheusal zu heben und kühn sich entgegenzustemmen.[30]
Nicht das Göttergefabel, nicht Blitz und Donner des Himmels
Schreckt' ihn mit ihrem Drohn. Nein, um so stärker nur hob sich
Höher und höher sein Mut. So wagt' er zuerst die verschlossnen
Pforten der Mutter Natur im gewaltigen Sturm zu erbrechen.
Also geschah's. Sein mutiger Geist blieb Sieger, und kühnlich
Setzt' er den Fuß weit über des Weltalls flammende Mauern
Und er durchdrang das unendliche All mit forschendem Geiste.
Dorther bracht' er zurück als Siegesbeute die Wahrheit:
Was kann werden, was nicht? Und wie ist jedem umzirket
Seine wirkende Kraft und der grundtief ruhende Markstein?
So liegt wie zur Vergeltung die Religion uns zu Füßen
Völlig besiegt, doch uns, uns hebt der Triumph in den Himmel.

Lukrez: Über die Natur der Dinge.

























Horowitz - Scarlatti Sonata L33

Dienstag, 20. Juni 2017

Weg mit dem Schleier


Luthers These 2: "Das Wort Buße darf nicht auf die sakramentale Buße gedeutet werden, das heißt, auf jene Buße mit Beichte und Genugtuung, die unter Amt und Dienst der Priester vollzogen wird." DLF Tag für Tag
Diese Anweisung vertieft das Schuldgefühl des Abergläubigen potentiell, denn der echte Lutheraner sieht sich ständig vom Teufel umstellt und er wird mit Höllenqualen nach dem Tod bedroht. Die Menschen des 16. Jahrhunderts nahmen das tatsächlich für bare Münze. Nur ein gnädiger Wichtelmann konnte sie erlösen, so Luthers aberwitzige Auffassung.
Anders die katholische Lehre. Dort befreit die Beichte zu neuen (Schand-)Taten, mit den abgeleisteten Bußgebeten ist die Sache erledigt. Fatal ist natürlich die Abhörmacht der Priester. 

Wie geistreich und zutreffend dagegen Lukrez (99-55 vor Seneca):
Vorwort
 Leihe mir jetzt ein offenes Ohr, mein Gajus, und widme
Aller Sorgen entledigt den Geist der Erkenntnis der Wahrheit.
Leicht sonst könnt' es geschehen, daß, ehe du richtig verstanden,
Du mein emsig geschaffenes Werk nicht achtend verwürfest.
Denn es beginnt von dem Himmelssystem und dem Wesen der Götter
Völlig den Schleier zu ziehn und der Welt Elemente zu lehren.
Denn aus ihnen erschafft die Natur und ernähret und mehret
Alles; auf diese zuletzt führt alles sie wieder zurücke,
Wenn es vergeht. Wir nennen sie Stoffe und Keime der Körper
Oder die Samen der Dinge nach unserer Lehre Bezeichnung,
Oder wir sprechen wohl auch von ihnen als Urelementen,
Weil aus ihnen zuerst ein jegliches wurde gebildet.
Lukrez. „Über die Natur der Dinge.“ Vorwort.















Montag, 19. Juni 2017

OTOMO YOSHIHIDE & HIROSHI YAMAZAKI - Music Unlimited 30, Schlachthof, We...

Faunwetter


Sommers

Reglose Luft unter dichtem Blau
Grelles Weiß vor dunklem Laub
Senkrechte Schattenwand.

Lautloser Flug des Milans
Über der heißen Stille
Eine weiße Wolke
Verheißt etwas im Azur.

Wolf Doleys

















Das ist vielleicht ein Unterschied!


Luthers These 1: "Als unser Herr und Meister Jesus Christus sagte: 'Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen', wollte er, dass das ganze Leben der Glaubenden Buße sei."  (DLF, Tag für Tag)

Was für ein elender und saurer Unsinn! Wie verlogen das Christentum daherkommt, erkennt man sofort, wenn man es mit Lukrezens Naturgedicht vergleicht. Hier der Anfang:

Preis der Venus

Mutter der Äneaden, du Wonne der Menschen und Götter,
Lebensspendende Venus: du waltest im Sternengeflimmer
Über das fruchtbare Land und die schiffedurchwimmelte Meerflut,
Du befruchtest die Keime zu jedem beseelten Geschöpfe,
Daß es zum Lichte sich ringt und geboren der Sonne sich freuet.
Wenn du nahest, o Göttin, dann fliehen die Winde, vom Himmel
Flieht das Gewölk, dir breitet die liebliche Bildnerin Erde
Duftende Blumen zum Teppich, dir lächelt entgegen die Meerluft,
Und ein friedlicher Schimmer verbreitet sich über den Himmel.
Denn sobald sich erschlossen des Frühlings strahlende Pforte
Und aus dem Kerker befreit der fruchtbare West sich erhoben,
Künden zuerst, o Göttin, dich an die Bewohner der Lüfte,
Und dein Nahen entzündet ihr Herz mit Zaubergewalten.
Jetzt durchstürmet das Vieh wildrasend die sprossenden Wiesen
Und durchschwimmt den geschwollenen Strom. Ja, jegliches folgt dir
Gierig, wohin du es lenkest; dein Liebreiz bändigt sie alle;
So erweckst du im Meer und Gebirg und im reißenden Flusse
Wie in der Vögel belaubtem Revier und auf grünenden Feldern
Zärtlichen Liebestrieb in dem Herzblut aller Geschöpfe,
Daß sie begierig Geschlecht um Geschlecht sich mehren und mehren.
Also lenkst du, o Göttin, allein das Steuer des Weltalls.
Ohne dich dringt kein sterblich Geschöpf zu des Lichtes Gefilden,
Ohne dich kann nichts Frohes der Welt, nichts Liebes entstehen:
Drum sollst du mir auch Helferin sein beim Dichten der Verse,
Die ich zum Preis der Natur mich erkühne zu schreiben.
Ich widme Unserem Memmius sie, der dir es vor allem verdanket,
Allzeit allen voran sich in jeglichem Amt zu bewähren.
Drum so verleih, o Göttin, dem Lied unsterbliche Schönheit,
Heiß indessen das wilde Gebrüll laut tosenden Krieges
Aller Orten nun schweigen und ruhn zu Land und zu Wasser,
Da nur du es verstehst, die Welt mit dem Segen des Friedens
Zu beglücken. Es lenkt ja des Kriegs wildtobendes Wüten
Waffengewaltig dein Gatte. Von ewiger Liebe bezwungen
Lehnt sich der Kriegsgott oft in den Schoß der Gemahlin zurücke;
Während sein rundlicher Nacken hier ruht, schaut gierig sein Auge,
Göttin, zu dir empor und weidet die trunkenen Blicke,
Während des Ruhenden Odem berührt dein göttliches Antlitz.
Wenn er so ruht, o Göttin, in deinem geheiligten Schoße,
Beuge dich liebend zu ihm und erbitte mit süßesten Worten,
Hochbenedeite von ihm für die Römer den lieblichen Frieden.
Denn ich vermag mein Werk in den jetzigen Nöten des Staates
Sonst nicht mit Ruhe zu fördern, und du, des Memmierstammes
Rühmlicher Sproß, du könntest jetzt nicht entziehen dem Gemeinwohl.


Lukrez. „Über die Natur der Dinge.“, Anfang














Sonntag, 18. Juni 2017

Herb Weidner Country for Summer

Impressionen von der 10. Internationalen Klima- und Energiekonferenz (10...

Bestimmt besser als "Kritik der praktischen Vernunft"


„Wir brauchen mehr Intoleranz“, war Broders Vortrag bei der Hayek-Gesellschaft überschrieben. Was mag er gesagt haben?
Spontan würde mir da einiges einfallen. Vom betäubungslosen Schlachten bis zur gemeingefährlichen Vorhautentfernung. Man denke nur an die grauenhafte Geschichte von Bruce Reimer, der durch religiotische Beschneidung den Penis verlor und dann von einem Feministen kastriert wurde, was von der Feministin des Grauens, Schwarzer, verlogen und beifällig dargestellt wurde. Ja, und die Kuscheljustiz, die Gewohnheitsstraftäter nach Einlieferung durch die Polizei gleich wieder entläßt, oder die Duldung eindringender Hilfsarbeiter mit 5 Identitäten, etc.
Mal sehen, was in Broders Buch "Kritik der reinen Toleranz" steht. 












Samstag, 17. Juni 2017

Wie man sieht, haben Schimpanse und homo sapiens einen gemeinsamen Vorfahren. /// Intelligent monkey pushes a fellow in the water

"Ihn trieb die Gärung in die Ferne"






Bild: Heinrich Vogelei, Erster Sommer. 1902. Porträt Martha Vogeler und Tochter Marieluise (Mieke). Kunsthalle Bremen/Wikip.





Der Mensch, das nicht festgestellte Tier.

Heinrich Vogeler krepierte am 14.6.1942 elendiglich in Stalins Kasachstan.
Er war der Inbegriff von Jugendstiligkeit mit einer märchenhaften Seite. Aus wohlhabendem Haus wandte er sich nach einer Lebens- und Sinnkrise dem Stalinismus zu. Zunächst der KPD, die ihn aber ausschloß. Da hätte er eigentlich gewarnt sein müssen, daß dort, wo er das Heil erwartete, primitivste Funktionäre die Macht in Händen hielten und sie mißbrauchten. Aber sein Drang, an der Errichtung einer Heilsgesellschaft mitzuarbeiten, machte ihn blind für die Gefahren, die ihn in Moskau erwarteten. Andere trieb es aus den gleichen Gründen zum Faschismus, auch sie wurden grausam enttäuscht. Es war das Jahrhundert zwischen Skylla und Charybdis. Glücklich, wer beiden desaströsen Ideologien entkam. Aber der utopische Geist stirbt nie, er wird nur zuzeiten schwächer. Das ist der Preis für die Phantasie, die sich immer mehr vorstellen kann, als die Realität des Menschen zuläßt.
















Freitag, 16. Juni 2017

Michelangeli plays Mompou Cancion 6 - live 1957

Ein eminenter Kopf


Linde. Ein großer deutscher Experimental-Physiker mit abgebrochenem Studium. Das führte ihn gleich dorthin, wo sein Interesse lag und er erfolgreich sein konnte, in die Praxis. Aus Franken übrigens, aus einem protestantischen Pfarrhaus. Im katholischen Oberammergau wäre Linde ausgefallen. Mit seinen Kältemaschinen brachte er die Welt und ihre Lebensmittelversorgung ein großes Stück weiter. Man könnte sich fragen, warum der Kühlschrank nicht in den heißen Ländern erfunden wurde, wo der Bedarf am dringendsten war. Aber die dumpfen Religionen des Orients mit ihren niedrigen IQ-Werten (s. Lynch/Vanhanen) ermöglichten innovative Technik offenbar nicht.
Linde ging auch früh in die USA, wurde aber nach WK1 enteignet bzw. zu PRAXAIR. Zwischen Alt-Linde PRAXAIR und Stamm-Linde entspann sich eine Kommunikation, die jetzt - vorbehaltlich der politischen Genehmigungen - zu einer Fusion führen soll. Die Arbeitsplätze sollen für einige Jahre gesichert sein, die Führung des wiedervereinigten Konzerns geht aber nach Danbury in Amerika. Das ist schade, hat aber seine Logik. Die Geschäftsaussichten sind in den USA besser, dem großen französische Konkurrenten Air Liqide in der EU kann besser begegnet werden.  



















Donnerstag, 15. Juni 2017

Chinese Erhu music:月舞 Dance to the moon 二胡:于紅梅、琵琶:趙聰

Die Heilsgeneration




Wolf Doleys
Deficit spending
Wie die 68er aus ihrer Schwäche wunderbar
medienwirksam den Mythos ihrer Stärke inszenierten

Die Defizit-Generation. Was fehlte ihr nicht alles.Vor allem Zeit und
Zuwendung der Eltern, die mit dem Wiederaufbau und dem Vergessen der
Katastrophe beschäftigt waren, und die selbstverständliche
Eingliederung in eine gewachsene und selbstbewußte Gemeinschaft und
Gesellschaft. Sie traf auf eine tief verunsicherte Elterngeneration,
auf eine von einem Greis aus dem letzten Jahrhundert hausgroßväterisch
geführte Gesellschaft, die durch angestrengten Ökonomismus versuchte,
den Verlust der Selbstachtung auszugleichen, und sie traf auf die
individualistischste Frucht der Philosphiegeschichte, den Sartreschen
Existenzialismus mit seiner Hintertür zum Marxismus.
Sie rächte sich bitter. Aus dem ödipalen Aufbruch wurde ein
IHR-HABT-DIE-JUDEN-UMGEBRACHT-MENTALMASSAKER. Phantasielos wie sie
war, fiel ihr außer Medienspektakel nichts Neues ein. Dafür wurden die
historischen Mottenkisten geplündert: die nationalsozialistische
Vergangenheit eignete sich als permanentes Sperrfeuer, Wilhelm Reich,
der Sex-Guru, als Exotenkeule, Marx als metaphysischer
Geschichts-Prophet und Lenin und Trotzki als Muntermacher für die
eigene Handlungsstörung; aus der Gegenwart entnommen waren nur die
marxistischen Epigonen Mao, Ho Chi Minh und Che Guevara, die vor allem
als Karl-May-Ersatz dienten und auch sonst für karnevalistische
Verkleidungen und Vergnügungen gut waren. Kaum ein Apo-Flur ohne.

Der Judenmord der Alten konnte aber nicht nur für ödipale Zwecke
hervorragend eingesetzt werden; da man schwach und ideenlos war, ließ
sich damit clever das eigene Selbst stützen und stärken: sieh her,
Geschichte, uns fällt zwar selbst nichts ein, und marschieren können
wir auch höchstens bis Ende Kudamm, aber wir sind so grenzenlos gut;
unsere Väter haben die Welt noch mit Mord und Brand überzogen, wir
sind die wahren Engel der Gerechtigkeit; so güter sind wir, daß wir
uns für unsere Eltern doppelt schuldig fühlen, ewig wollen wir büßen
für ihr Unrecht, das macht uns ordentlich an und aggressiv, und wenn
unsere  Altvorderen dem einen Guru nachgelaufen sind, dann machen wir
das genau umgekehrt, weil, selbst fällt uns ja nichts ein, dann opfern
wir dem Gegen-Guru, aber, bitte, nicht zuviel, Bafög und Wohngeld muß
schon sein, da verklagen wir den Alten, wenn nötig, neben dem Studium
müssen wir schließlich demonstrieren, die Talare und Röcke hochheben,
Arbeiter und Gesellschaft aufklären und der schlechten Welt endlich
das Heil bringen, ein full-time-job ist das, aber wir schonen uns
nicht, die Geschichte schaut auf uns, wer solls denn sonst machen, ist
doch alles braunes Istäblischment, noch der Dackel hat mitgemacht, die
Welt muß endlich revolutionär erlöst werden, FlowerPowerParzival ist
jetzt angesagt mit rotem Stern statt blauer Blume.
       Es kam dann etwas anders. Warum sollte auch der zehnte Aufguß einer
Heilsgeschichte erfolgreicher sein als die Vorgänger. Alle bedeutenden
historischen Geschehnisse ereignen sich zweimal, hatte Marx sinniert,
einmal als Tragögie und einmal als Farce; wir müssen heute hinzufügen:
alle weiteren Male als pubertärer Medien-Karneval. Das macht dann
allerdings keine Geschichte mehr, nur Geschichtchen, wenigstens
hinterher vielfach mit Pensionsberechtigung. Jene Amtsrichter,
Rundfunk-Abteilungsleiter und Oberstudienräte etc., sie alle haben nur
noch die Fotos mit der roten Fahne, und Frank Zappa hängt auch nicht
mehr auf dem Klo; dort blitzt es noch manchmal nostalgisch auf: aber
schön war es doch.
Überdauert hat das alte Ressentiment aus der alten Schwäche.
Es fällt uns immer noch nichts Neues ein. Manchmal, hinterrücks,
fällen wir noch klassenkämpferische Mieturteile, lassen zum
Jubiläum die alten Kameraden interviewen und in gepflegtem Ambiente
ins Bild setzen. Und freuen uns, wenn die nachwachsende Generation uns
wenigstens noch die Aufmerksamkeit zollt, uns einen Tritt zu geben.

Mit Armani-Schuh. Fashionable gelitten haben wir immer gern.