Samstag, 31. Oktober 2009

Rußland aus Jerofejews Sicht, Seelen im Sonderangebot



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- Rußland aus Jerofejews Sicht: "
Seelen im Sonderangebot

Wohlstand ja, Kapitalismus nein: Das russische Volk sehnt sich nach dem Lebensstandard des Westens, will sich aber weiter im Gefühl moralischer Überlegenheit sonnen. Der Kapitalismus und die russische Seele kommen nicht zusammen. Russland steckt in der Klemme. ... Einen besonderen Schlag gegen den Kapitalismus führte Nikolai Gogol schon um 1840 mit seinem Roman „Die toten Seelen“. Am Beispiel eines findigen Unternehmers, der Gutsbesitzern Listen verstorbener leibeigener Bauern abkauft, brandmarkte der Schriftsteller auf Jahrzehnte hinaus die Idee des Unternehmertums. Auf ihn folgten Dostojewskij, Tolstoi, Tschechow und später Gorki, der in der Verbannung auf Capri den revolutionären, antikapitalistischen Roman „Die Mutter“ schrieb, sodann Worte in Taten umsetzte und mit seinen Honoraren Lenins Kommunistische Partei unterstützte. ... Warum mögen die Russen den Kapitalismus nicht? Historisch erklärt sich das aus einer religiös begründeten Volksmoral, die den Einzelnen dem gemeinschaftlichen Ganzen unterordnet, das Leben auf der Erde als sündhaft und von teuflischen Mächten gelenkt begreift. Demut sowie Verweigerung jeglicher Erfolgsorientiertheit und Privatinitiative stellen das Herzstück der traditionellen russischen Weltanschauung dar. Darauf beruhte in vielerlei Hinsicht jene Form des östlichen Despotismus, die jahrhundertelang als Muster für die unumschränkte Herrschaft der Zaren diente, im Stalinismus vertieft wurde und neuerdings als nützliches Ideal hier und da wiederauftaucht. ..." FAZ 30.10.
/// In dieser lesenswerten Betrachtung Jerofejews erinnert doch manches an die deutsche Bevölkerung, insbesondere die ostdeutsche, die seit 1933 die Unterordnung unter eine Diktatur übte und in größeren Teilen eine Knechtsgesinnung entwickelte, verstärkt durch die Flucht und Verfolgung und Ermordung von abertausenden, nicht unterwerfungswilligen, bürgerlichen Menschen. Für Rußland, in dem sich bürgerliches Leben und individualistische Freiheiten kaum entwickeln konnten und die durch den kommunistischen Putsch Lenins völlig liquidiert wurden, gefolgt von einer beispiellosen, jahrzehntelangen Terrorherrschaft Stalins gegen Freund und Feind, die Kriegszerstörungen des Bürgerkrieges und des Hitler-Angriffs kommen noch dazu, stellt sich das Problem einer fehlenden bürgerlichen, unternehmerischen Tradition natürlich in aller Schärfe. In allergrößter Schärfe und Gefährdung, könnte man im Blick auf Rotchina vermuten. Es scheint, daß der maoistische Terror seit 1949 weniger nachhaltigen Schaden bewirkt hat, vielleicht einfach wegen der kürzeren Dauer. In den Grenzgebieten zwischen Rußland und China sind es die Chinesen, die weit nach Rußland hinein Handel treiben, Kleinhandel, während dies umgekehrt nicht der Fall ist.
Es gibt also Unterschiede bei ähnlichen Rahmenbedingungen, aber es gibt auch die Universalie der Gemeinschaftsorientierung, die fortwährend im Konflikt steht mit individueller, vielleicht sogar sehr egozentrischer Orientierung, wie sie besonders begabten Menschen nicht selten eigen ist. Seien das Wissenschaftler oder Unternehmer, Leute wie Goodyear und Gates schaffen Werte und Arbeitsplätze.


- Seelen im Sonderangebot: Bietet die Religion. Der Verstand der meisten Menschen ist außerordentlich beschränkt und bleibt es lebenslang. Aber sie haben ein Bedürfnis nach Erhöhung und Anleitung. Beides bietet die Religion. (Zum neuen Funkkolleg auf hr2)

- Sehr seelenlos und ohne feierliches Ritual:
Rumms! Da war der Kosmos da!
Mit Getöse schauderbar.
Moleküle und Atome, Sterne dann in großen Schwärmen,
Wirklich nichts zum daran Wärmen.

- Wenn postfreudianische Pornopropaganda, freudomarxistische Permissivität (Lehrerseite) und Jungmännerpöbel in der Gesamtschule zusammentreffen: "Vergewaltigungsopfer bleibt ohne jede Hilfe
rüb. WASHINGTON, 29. Oktober. Im Falle der Vergewaltigung eines 15 Jahre alten Mädchens in Richmond nahe San Francisco hat die Staatsanwaltschaft ... Schülerin der 'Richmond-Highschool' schwer verletzt nach einer Tanzveranstaltung auf dem Schulgelände zweieinhalb Stunden von bis zu zehn Jugendlichen und Dutzenden Zuschauern ..." FAZ .
/// Nicht umsonst nannte Popper Freud den größten Kulturvernichter aller Zeiten.