Freitag, 5. November 2021

Isokrates

Sprache als Formkraft des Denkens

“... so haben wir nicht nur aufgehört, nach Art der Tiere zu leben, sondern wir haben auch durch Zusammentreten Städte gegründet, und uns Gesetze gegeben und Künste erfunden, und beinahe alles, was durch uns mit Vernunft und Kunst erfunden wurde, hat uns auch die Sprache zur Vollendung gebracht. Denn sie hat über das, was gerecht und ungerecht, was edel und schimpflich ist, Gesetze gegeben, Bestimmungen, ohne welche wir nicht imstande wären, beisammen zu wohnen”.*

In der Tat, die Sprache ist das Menschliche schlechthin, sie befähigt zu einer kulturellen Evolution ohnegleichen. Sie wird eingesetzt zur Dokumentation, zur Argumentation, zu Hetze und Gehirnwäsche. Multifunktional. Man kann sich nur wundern, daß die Entwicklung im Westen per Saldo ziemlich erfolgreich war. 


Isokrates, Vom Vermögenstausch 15, zit. bei Walter Ruegg, Antike Geisteswelt, Bd. II, S. 74