Donnerstag, 31. August 2017

Frederic Chopin Prelude in E minor Op 28 No 4

Germaine Necker


Die Genfer Millionenerbin Germaine Necker wurde - aus calvinistischen Religionsgründen - Madame de Staël (1766-1817), ihr Vater wurde französischer Finanzminister. Beides ging nicht gut, aber Germaine schrieb allerhand Interessantes, u.a. “Über Deutschland”. Der Diktator Napoleon verbot das Buch und ließ die ganze Auflage vernichten. Der Chauvinist duldete kein Lob Deutschlands. Und in der Tat tanzte die Staël aus der Reihe, indem sie Deutschland nicht - wie in Frankreich üblich - als Land der Deppen und Dämlichkeiten darstellt, sondern als Land vieler deutscher Länder mit großen regionalen Unterschieden. Sie war also um Differenzierung bemüht, soweit ihre Landeskenntnisse reichten.

Zu den Frauen notierte sie:  „Von jeher zollten die Germanen den Frauen Achtung und Ehre“ 626;  „sie sind bescheiden wie die Engländerinnen, nur nicht so blöde;“ 589 sie sieht geringere „Geistesschnelligkeit“ 610 als bei den Pariserinnen; und: „Die Liebe ist eine weit ernstere Leidenschaft in Deutschland als in Frankreich. Die Poesie, die schönen Künste, die Philosophie selbst und die Religion, haben aus dieser Empfindung eine Art von irdischem Gottesdienst gemacht, der einen edeln Reiz über das Leben verbreitet.” 690

Nun ja. Jedenfalls heiratete sie nach der Scheidung von dem langweiligen schwedischen Botschafter Staël nicht noch einmal, bekam aber 4 Kinder von verschiedenen Männern.



















Omega Ensemble perform Mozart's Clarinet Quintet in A major, K581 - 4th ...

Mittwoch, 30. August 2017

24 Minuten gegen ARD Fake News – Ein Film von Imad Karim

Identitätsdiffusion droht












Derek Torrington und Laura Hall stellen in ihrem Buch “Human Resource Management” von 1995 fest, daß sich in verschiedenen Nationen unterschiedliche Organisationstypen finden und folgern daraus: “nationality is a root source of our identity with all it affiliations and allegiances” (Nationalität ist eine bedeutsame Quelle unserer Identität mit allen ihren Verbindungen, Zugehörigkeiten und Bindungen). 
Dem kann man nur zustimmen. 
Der Oxforder Entwicklungsökonom Paul Collier von ganz anderer Seite zu diesem Aspekt:

„Ein Lebensstil wie der meiner Familie (englisch, niederländisch-italienisch, amerikanisch, WD) ist auf potentiell parasitäre Weise von denjenigen abhängig, deren Indentität fest verwurzelt ist und die dadurch lebensfähige Gesellschaften bilden ... In den Ländern, mit denen ich mich beruflich beschäftige – den multikulturellen Gesellschaften Afrikas – hat eine schwache nationale Identität offensichtlich die entgegengesetzten Folgen.“ 
(Collier, Exodus, Warum wir Einwanderung neu regeln müssen, S. 11)













Dienstag, 29. August 2017

Béla Bartók - String Quartet No. 4 [5/5]

Göhte hat's erkannt





Katze beißt Maulwurf tot, Maden, Wespen und Käfer verwandeln ihn in Humus und über ihre Atmung in CO2.

"Gestaltung, Umgestaltung, des ewigen Sinnes ewige Unterhaltung" G., Faust II, V. 6287f.


“Schätzungsweise werden jährlich 15-200 Mrd. Tonnen Kohlenstoff aus dem CO2 der Luft und des Wassers durch die Photosynthese in Kohlehydrate umgewandelt. Der aus Brennstoffen gewonnene Jahresbedarf an technischer Energie und Wärme entspricht nur 4 Mrd. Tonnen Kohlenstoff. Der Kohlendioxidvorrat der Luft wäre in wenigen Jahrzehnten erschöpft, wenn er nicht ständig ergänzt würde. Es geschieht dies zum kleineren Teil durch die Atmung der Lebewesen und die Verbrennung von Holz und Kohle sowie durch die Aushauchungen von Vulkanen und Kohlensäurequellen. Der größte Teil des Kohlendioxids entsteht im Erdboden, wo ein Heer von Kleinlebewesen ständig die organischen Kohlenstoffverbindungen der abgestorbenen Tiere und Pflanzen abbaut und dabei Kohlendioxid erzeugt (pro Hektar Ackerboden jährlich bis zu 8000 kg!).
Linder, Biologie, 1967, S. 80
























Montag, 28. August 2017

1485 !











1485 verbot der Osmanenhäuptling Sultan Bayezid II. (1447-1512) den Buchdruck für das Osmanische Reich. Das hat Nachwirkungen bis heute: der durchschnittliche IQ in der Türkei beträgt 90 (Lynn/Vanhanen) - auch bei Türken in Neukölln, Frau Özoguz.
Das wirkte sich im 16. Jahrhundert noch nicht gravierend aus, die Türken eroberten den Balkan, auch Bosnien. Und die Besteuerung derjenigen Christen, die nicht zum Islam konvertierten, begann. Das Schlimmste war der “Telos”, der “Knabenzins”, auch “Knabenlese” genannt.

“Abgesehen von den sonstigen Steuerlasten, denen die Christen unter türkischer Herrschaft unterworfen waren, wurden ihnen von Zeit zu Zeit ihre schönsten Kinder entrissen. Die Türken trennten diese Kinder von ihren Eltern und unterwiesen sie in der Kriegskunst. Diese gewaltsam entführten Kinder kehrten nie wieder zu ihren Eltern zurück.”
(B. Georgievitz, Reisender und einige Jahre türkischer Gefangener, zit. bei Ivo Andric, Die Entwicklung des geistigen Lebens in Bosnien unter der Einwirkung der türkischen Herrschaft, 1924/2011, S. 33)



“Schon drei Jahre nach Untergang des bosnischen Königreiches im Jahr 1467 kommt der erste ‘Telosnik’ nach Bosnien, um die ‘christlichen Burschen’ zu sammeln; von da ab bis ins 17. Jahrhundert suchen die Kommissäre der Pforte immer wieder zu diesem Zwecke Bosnien heim.” (Andric, S. 35)









Samstag, 26. August 2017

Audrey Vardanega: Fantasie in F minor for four hands, D. 940 by Franz Sc...

Was für eine Frau


Natürlich hat es Bergstürze immer gegeben:

Historische Bergstürze


  • 12. Jahrhundert: Ein gigantischer Bergsturz in den Berchtesgadener Alpen trennt den Königssee in zwei Teile und erzeugt den Obersee.[7]
  • 24. November 1248: Mont Granier im Chartreuse-Massiv bei Chambéry im Savoyen: Bergsturz in der Nacht auf den 25. November von ca. 150 Millionen m³ Felsmasse mit einer Gerölllänge von sieben Kilometern, Ort Saint-André mit etwa 3000 Menschen total verschüttet, ferner 16 Dörfer begraben, insgesamt geschätzt bis zu 5000 Tote[8]
  • 1348: Dobratsch (2.100 m) bei Villach in Kärnten: Ausgelöst durch das Erdbeben von Friaul stürzten im selben Gebiet, in dem auch ein prähistorischer Bergsturz stattfand, geschätzte 150 Millionen m³ Gesteinsmassen in das Gailtal.
  • Das Abbruchgebiet an der südöstlichen Felswand ist als sogenannte Rote Wand noch gut sichtbar. Sein Ablagerungsgebiet reicht 3 km bis zur Gail, trägt den Namen Die Schütt und steht unter Naturschutz. Zwischen dem Schütter Wald und dem Fluss wurde die neue Ortschaft Oberschütt gegründet. Im Januar 2015 stürzten nochmals fast 2.000 m³ Gestein aus der Roten Wand auf den darunterliegenden Wald. Die Abbruchstelle und der neue Schuttkegel sind von der Aussichtsplattform beim Alpengarten gut zu beobachten.
  • 30. September 1512: Bergsturz Buzza di Biasca im Valle di Blenio nördlich Biasca. Die Gesteinsmassen stauten einen See auf; der Damm brach 1515 und verwüstete das Tal des Tessin bis zum Lago Maggiore.
  • 3. April 1595: Bergsturz in Reurieth vom so genannten „Reuriether Felsen“. Davor soll bereits 1137 ein Bergsturz das Dorf verschüttet haben.
  • 24. August 1598: Bergsturz von Wartha oberhalb der Glatzer Neiße in Bardo Śląskie, Polen.
  • 4. September 1618 Bergsturz von Plurs (damals Drei Bünde, heute Italien): Hier wurde eine ganze Stadt und das Dorf Chilano (Schilan) verschüttet, ca. 2430 Menschen starben. Plurs (it. Piuro) liegt bei Chiavenna an der Straße zum Malojapass
  • 1714 und 1749: Zwei Bergstürze, einer von ihnen bildete den Stausee Lac de Derborence.
  • 2. September 1806 Bergsturz von Goldau/Schweiz: Hier wurde ein ganzes Dorf von 40 Millionen m³ Fels verschüttet, 457 Menschen starben.
  • 10. März 1876 Bergsturz von Kaub am Rhein: acht Häuser wurden verschüttet, 25 Menschen starben.
  • 11. September 1881 Elm/Schweiz: zehn Millionen Kubikmeter: Der Bergsturz von Elm wurde durch den jahrelangen, rücksichtslosen Abbau von Schiefer verursacht. 115 Menschen starben, vorab durch Druckeinwirkungen.
  • 29. April 1903 Bergsturz in Frank (Frank Slide), Alberta (Kanada): 30 Millionen m³, einer der bekanntesten Bergstürze: eine Klippe brach über eine sehr steile Flanke von rund 1000 Metern Höhendifferenz ab.
  • 18. Februar 1911 Saressee/Pamir, Tadschikistan: ein Erdbeben verursachte einen Bergsturz von 2,2 km³, der den höchsten Damm der Welt und den 55,8 km langen Saressee bildete.
(Wikip.)

Heute können die Geologen aber Hinweise geben und ein Warnsystem installieren wie in Bodino (Graubünden) an der Grenze zu Italien. Der kleine Weiler stand deswegen leer.
Desungeachtet wird landauf, landab wieder vom “Klimawandel” als möglicher Ursache geschwafelt. Die bekannte Ideologin, Juristin und Bundesrätin Doris Leuthard tut sich da besonders hervor. Sie ist Politikerin der schweizerischen Christdemokratischen Volkspartei CVP. Es fällt immer wieder auf, daß christliche Ideologen von der EKD bis zum Römling Bergoglio, von Merkel bis Göring-Eckhardt, besonders herzhaft in die Alarmtrompete stoßen. Sie sind offenbar beeinflußt durch die biblischen Legenden von der “Sintflut” bis zur “Apokalypse des Johannes”. Die frühe Beeinflussung durch Legendenerzählungen behindert ein Hineinfinden in evolutives Denken.



















Freitag, 25. August 2017

Fauré Quartett plays Mozart piano quartet E-flat 493 3/3

Phantasieren und kognitiv arbeiten


“Keine Erfindung ist wohl dem Menschen leichter gefallen als die eines Himmels.” Georg Christoph Lichtenberg (1.7.1742-1799), Sudelbücher, Heft L 298

Das liegt daran, daß das Phantasieren einfacher ist als die kognitive Arbeit, die etwa zur Erfindung des Räderpfluges in Europa führte. 
Aber war nicht die Erfindung des allmächtigen Häuptlings noch einfacher und früher? Aus dem Clan-Häuptling wurde im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte ein immer größerer Häuptling, bis er schließlich vergöttert wurde. Da er jedoch nicht zu sehen war, erfand man ihm den Himmel dazu als seine fabelhafte Dimension. Und wer schön brav war und den Anweisungen der Oberpriester folgte, dem versprachen sie - nach dem Tod, wenn niemand mehr etwas sagen konnte, sonst wäre der Schwindel aufgeflogen - dem versprachen sie den Himmel mit himmlischen Freuden und ewigem Leben.
So sind sie eben, die Menschen, die Gläubigen und die Betrüger.
Wobei wir bei Sure 2, 2-5 wären:

"Dies ist die Schrift, an der nicht zu zweifeln ist, geoffenbart als Rechtleitung für die Gottesfürchtigen, die an das Übersinnliche glauben, das Gebet verrichten und von dem, was wir ihnen an Gut beschert haben, Spenden geben, und die an das glauben, was auf dich und vor dir herabgesandt wurde, und die mit dem Jenseits fest rechnen. Sie sind von ihrem Herrn rechtgeleitet, und ihnen wird es wohl ergehen."


Einfacher wird es, wenn man zupackend kopiert und eine für ein einfaches Publikum auf das Wichtigste reduzierte Fassung vorlegt. Dann kann man auf schnelle Verbreitung hoffen.



















Donnerstag, 24. August 2017

John Abercrombie verstarb dieser Tage. /// John Abercrombie Plays "Beautiful Love"

So was bringt mich auf die Palme!













Das hätte Friedrich II. wohl nicht verstanden, unter anderem, weil seine Deutschkenntnisse armselig waren. Seine französische Gouvernante sprach nur französisch, dafür war sie da, und der preußische König schrieb auch sein Testament noch auf Französisch. Deutsch spreche er nur mit den Pferden, pflegte er zu sagen.
So war das praktisch an allen deutschen Höfen der vielen deutschen Länder zwischen Flensburg und Wien. Der Adel sprach Französisch, und die Gelehrten schrieben schlechtes Latein. Nur die Bürger und Bauern sprachen den deutschen Dialekt ihrer Region. Den Friesen verstand an der Donau niemand.

Das änderte sich langsam mit Luthers Bibelübersetzung. Das war ein Bestseller und erreichte fast alle, die lesen konnten, was allerdings nur ein Teil der männlichen Stadtbürger konnte und ein Teil des Adels. Der Sachse Caspar von Teutleben (1576-1629) konnte es auch, er studierte u.a. in Padua, Siena und Florenz, wo er die Accademia della Crusca kennenlernte, die wohl älteste Sprachgesellschaft. Das brauchen wir auch!, dachte Caspar, und da er Prinzenerzieher und Hofmarschall in Weimar geworden war, gründete er mit seinen Schülern Johann Ernst und Friedrich von Sachsen-Weimar - am 24.8.1617 - die FRUCHTBRINGENDE GESELLSCHAFT, auch Palmorden genannt. Es war ein protestantisches Projekt in protestantischen Landen, weil nur Lutheraner zunächst Mitglied waren. Dem religiösen Agitator Luther kam es auf die Sprache an, weil er nur anerkennen wollte, was in der Bibel stand. Er nahm damit aber auch ein Stück Zeitgeist auf, denn es regte sich ein Verlangen nach der deutschen Verkehrssprache. Man muß sich vorstellen, daß die gesellschaftliche Kommunikation durch die sprachliche Dreiteilung in Latein als Wissenschafts- und Kirchensprache, Französisch als politische und Hofsprache sowie Deutsch als Bauernsprache erheblich behindert war.
Heute hat sich längst das Deutsche durchgesetzt, selbst nichtnutzige Kardinäle sprechen es heute, sogar in ihrer Betbude. Aber das sollte nicht vergessen machen, daß Szenelekte und Denglisch die allgemeine Kommunikation nicht befördern, und der sprachliche Pflegegedanke recht unterentwickelt ist.

Das sollte einen nicht auf die Palme bringen - der Sprachgarten verträgt auch Unkraut - aber im Deutschunterricht und im Germanistikstudium darf er bestimmt vorkommen.












Montag, 21. August 2017

Grauenhaftes Nordkorea. /// Die lange Flucht aus Hungerland ‐ Nordkoreas Opfer klagen an

James Surowiecki erzählt von fabelhaften Dingen

https://www.nzz.ch/articleDEQ6P-1.2587

James Surowiecki bezieht sich in seinem Buch "Weisheit der Vielen" speziell auf die Arbeiten von Thomas Schelling, der in Yale mit Studenten arbeitete. Hochschüler sind aber überdurchschnittlich intelligent, machen also nur einen kleinen Teil der Population aus; zudem fanden die Tests ca. 1958 statt, diese Studenten waren mithin deutlich intelligenter als die von 2010. James Surowiecki nun mit der „Weisheit der Vielen“ erinnert mich an den Witz, daß ein Kamel ein Pferd sei, das von einer Kommission entworfen wurde. „Weisheit“ würde ich auch strikt von Intelligenz trennen, bei Surowiecki geht es aber nur um diese. Eine Gruppe kann ein Problem dann am besten lösen, wenn alle eine für die Aufgabe spezifische Vorbildung besitzen und die Aufgabe ad hoc lösbar ist, also keine längeren Vorarbeiten erfordern, und keine Hierarchien bestehen. Bei Kahneman, Denken, finden sich viele Beispiele dazu.
In der oberflächlichen Spiegel-Rezension wird in hanebüchener Weise verallgemeinert: „Pöbel schlägt Einstein“. Das ist reiner Blödsinn. 1 Million Nichtphysiker werden in der Regel eine physikalische Aufgabe schlechter lösen als ein Physiker, und 2 Millionen Nichtjuristen können sich nicht mit auch nur einem einzigen Juristen bei einem juristischen Fall messen.
Bei dem Zara-Beispiel geht es auch nur um eine einfache Informationsweitergabe, die auch bei geringem IQ möglich ist. Wie würden Zara-Verkäuferinnen mit einem angenommenen IQ von etwa 90 vermutlich wählen? Bestimmt anders als Schellings Probanden in Yale und Harvard, die etwa mit einem IQ von 120 zu verorten wären.
Aber grundsätzlich ist eine Wahlentscheidung außerordentlich komplex: die Vorgänge über 4 Jahre hinweg sind zu bewerten, was bereits eine kaum zu bewältigende Leistung darstellt. Im Gedächtnis verfügbar sind nur die außerordentlichen Ereignisse und die letzten Monate. Wieviele das Gedächtnis zur Verfügung stellt, hängt vom IQ ab, und von den eingefütterten Daten. Tim Cook von Apple mit einem geschätzten IQ von 140-150 wird zwar ein gutes Gedächtnis haben, aber da er politische Ereignisse nur oberflächlich verfolgt, hat er wenig Daten verfügbar. Ein politisch interessierter selbständiger Friseur besitzt vielleicht nur einen IQ von 100, hat aber viele Informationen von sich selbst und von seinen Kunden zur Verfügung. Schwer zu beurteilen, wer von den beiden eine qualifiziertere Wahl trifft. Zumal bei beiden eine Grundbewertung alle Daten einfärbt: Informatiker fühlen sich als kleine Könige und verachten alles Herkömmliche, während es bei Friseuren wohl eher umgekehrt ist. Bei beiden spielen aber auch Parteipräferenzen eine Rolle und Wahltraditionen.
Wahlen sind also nichts qualitativ Wertvolles, sie sind wertvoll als unblutige Entscheidung zum Herrschaftswechsel. Dafür ist aber ein freiheitliches, zivilisiertes Umfeld nötig, wie jetzt gerade Kenia zeigt, wo nach der Wahl blutig gekämpft wird.
Der Erfolg aller sehr unterschiedlichen westlichen  Demokratien liegt in ihren stabilen Institutionen und vor allem in der selbständigen Marktwirtschaft, in der viele Unternehmer im Wettbewerb stehen und so Wohlstand schaffen. Wohlstand befriedet, und soweit sich die meist unqualifizierten oder randseitig qualifizierten Politiker weitgehend aus der Wirtschaft heraushalten, kann der Wohlstand erhalten werden.
Da aber in der Demokratie stets nur Populisten eine Chance besitzen - unqualifizierte Vereinfacher wie Martin Schulz oder randseitig qualifizierte Opportunisten wie Merkel - bleibt die langfristige Stabilität der liberalen Demokratie eine historisch offene Frage. Insbesondere, wenn sie, wie die sozialliberalen Demokratien, ihre Verteidigung vergessen.
Aber: Illiberale Demokratien wie Indien schaffen es erst nach Jahrzehnten, auch nur eine Bagatelle wie die Zolleinheit im Binnenland herzustellen.

Diktaturen wie China, die Industriepolitik betreiben, sind stark abhängig von den Aufträgen der Demokratien und insgesamt labil. Das Gleiche gilt für Rohstoffautokratien wie Rußland und Venezuela.



















Sonntag, 20. August 2017

Bartok String Quartet No. 1, 1st movement (Euclid Quartet)

Schwarz, quadratisch, gut


Der junge Mensch huldigt einer intelligenten Form der Verblödung, wie sie  Malewitsch hier vorführt:

In der Tat finden sich bei Malewitsch einige rabiate Vorschläge zur Neugestaltung der Kultur. So forderte er 1919 apodiktisch, alle überlieferten Kunstwerke zu verbrennen und in den Museen nur noch ihre Asche auszustellen. Wenn der Betrachter vor den Überbleibseln von Rubens' Gemälden stehe, werde er «eine Menge Vorstellungen entwickeln, vielleicht lebendigere als das wirkliche Bild (und man braucht weniger Platz)». (NZZ 11.3.06)

Und auch die tiefe Einsicht, daß der Verstand erst mit den Jahren kommt - wenn überhaupt - demonstriert Malewitsch:
“Am deutlichsten lässt sich dies in Malewitschs überraschender Rückkehr zur figurativen Darstellung im Spätwerk und besonders in seinem Selbstporträt als Renaissancemaler beobachten.” (NZZ 11.3.06)

Der originell malende Spinner Malewitsch lebte von 1878 bis 1935. Eine sinnhaltige Äußerung von ihm ist nicht überliefert.



https://www.nzz.ch/articleDHINW-1.17481














Jason Brennan: "Gegen Demokratie"



Das Buch hat es in sich. Es will das Gegenteil von dem, was die verflossene Gesundheitsministerin der SPD und Vize-Präsidentin des Bundestages, Ulla Schmidt, will: das Wahlrecht auch für Demente. Brennan dagegen plädiert für einen Wissensnachweis für Wähler. Schmidt, die sich mit dem Ministerdienstwagen nach Spanien chauffieren ließ, mag vielleicht daran denken, daß sie immer noch Ministerin wäre, wenn alle Wähler dement wären, ernstzunehmen ist ihre Initiative aber nicht. Wer wegen Demenz entmündigt wurde, wurde auch für Wahlen entmündigt.


Die Forderung nach einem Wissensnachweis dagegen besitzt eine gewisse Plausibilität und kann sich auf die antike Demokratie berufen. In Athen besaßen nur freie Männer - eine elitäre Minderheit der Einwohner - politische Rechte. Mit ihrer Kompetenz wählten sie mit dem Ausnahmetalent Alkibiades die Sizilische Expedition und - die Katastrophe. Und im Peloponnesischen Krieg unterlag die Athener Demokratie dem Militärkommunismus Spartas. Geistige athenische Kompetenz - nennen wir sie einmal so - war also nicht zielführend.


Und auch späterhin nicht, als Florenz den Klerikalfaschisten Savonarola zum Herrscher erhob. Und Napoleon III.? Hitler? Leninisten, Stalinisten und Maoisten - die kandidieren wieder zur Bundestagswahl - ließen gar nicht erst wählen.

Es gibt leider kein Patentrezept für nichts - nicht mal für die Demokratie und ihren Wahlmodus. Ob ein zentralistisches Präsidialsystem wie in Frankreich, in dem die meisten Stimmen entwertet werden, oder eines wie in den USA, in dem der Präsident wenig Macht besitzt im Vergleich zu Frankreich, ob ein rigoroses Mehrheitswahlrecht wie Großbritannien, oder eine repräsentative Parteiokratur wie in Deutschland - überall gibt es Mängel, die nicht direkt mit politischer Kompetenz oder Inkompetenz der Wähler zusammenhängen.


Am ehesten überzeugt vielleicht die Schweiz, die mit den Bürgerabstimmungen ein Korrektiv besitzt, das für eine politische Diskussion während der gesamten Wahlperiode sorgt.
























Bach Cello Suite No.1 - Prelude (Yo-Yo Ma)

Freitag, 18. August 2017

Mozart war Mitglied der Freimaurer, die seinerzeit eine gehobene, abstrahierend-religiöse Geselligkeit boten. Dirigent ist der Schweizer Marc Andreae. /// Mozart - Maurerische Trauermusik K477

Der Unterschied


Moses Mendelssohn(1729-1786) hat sich als religiöser Jude mit der Aufklärung eingelassen und einen respektablen Beitrag zum Thema geleistet. Noch heute bringt der Islam Khomeinis verschiedenster Art hervor.

Ueber die Frage: was heißt aufklären?
Die Worte Aufklärung, Kultur, Bildung sind in unsrer Sprache noch neue Ankömmlinge. Sie gehören vor der Hand bloß zur Büchersprache. Der gemeine Haufe verstehet sie kaum. Sollte dieses ein Beweis sein, daß auch die Sache bei uns noch neu sei? Ich glaube nicht. Man sagt von einem gewissen Volke, daß es kein bestimmtes Wort für Tugend, keines für Aberglauben habe; ob man ihm gleich ein nicht geringes Maaß von beiden mit Recht zuschreiben darf.
Indessen hat der Sprachgebrauch, der zwischen diesen gleichbedeutenden Wörtern einen Unterschied angeben zu wollen scheint, noch nicht Zeit gehabt, die Grenzen derselben festzusetzen. Bildung, Kultur [194] und Aufklärung sind Modifikationen des geselligen Lebens; Wirkungen des Fleißes und der Bemühungen der Menschen ihren geselligen Zustand zu verbessern.
Je mehr der gesellige Zustand eines Volks durch Kunst und Fleiß mit der Bestimmung des Menschen in Harmonie gebracht worden; desto mehr Bildung hat dieses Volk.
Bildung zerfällt in Kultur und Aufklärung. Jene scheint mehr auf Praktisch zu gehen: auf Güte Feinheit und Schönheit in Handwerken Künsten und Geselligkeitssitten (objektive); auf Fertigkeit, Fleiß und Geschiklichkeit in jenen, Neigungen Triebe und Gewohnheit in diesen (subjektive). Je mehr diese bei einem Volke der Bestimmung des Menschen entsprechen, desto mehr Kultur wird demselben beigelegt; so wie einem Grundstükke desto mehr Kultur und Anbau zugeschrieben wird, je mehr es durch den Fleiß der Menschen in den Stand gesetzt worden, dem Menschen nützliche Dinge hervorzubringen. – Aufklärung hingegen scheinet sich mehr auf das Theoretische zu beziehen. Auf vernünftige Erkenntniß (objekt.) und Fertigkeit (subj.) zum vernünftigen Nachdenken, über Dinge des menschlichen Lebens, nach Maaßgebung ihrer Wichtigkeit und ihres Einflusses in die Bestimmung des Menschen.
Ich setze allezeit die Bestimmung des Menschen als Maaß und Ziel aller unserer Bestrebungen und [195] Bemühungen, als einen Punkt, worauf wir unsere Augen richten müssen, wenn wir uns nicht verlieren wollen.
Eine Sprache erlanget Aufklärung durch die Wissenschaften, und erlanget Kultur durch gesellschaftlichen Umgang, Poesie und Beredsamkeit. Durch jene wird sie geschikter zu theoretischem, durch diese zu praktischem Gebrauche. Beides zusammen giebt einer Sprache die Bildung.
Kultur im äußerlichen heißt Politur. Heil der Nation, deren Politur Wirkung der Kultur und Aufklärung ist; deren äußerliche Glanz und Geschliffenheit innerliche, gediegene Aechtheit zum Grunde hat!
Aufklärung verhält sich zur Kultur, wie überhaupt Theorie zur Praxis; wie Erkenntniß zur Sittlichkeit; wie Kritik zur Virtuosität. An und für sich betrachtet, (objektive) stehen sie in dem genauesten Zusammenhange; ob sie gleich subjektive sehr oft getrennt sein können.
Man kann sagen: die Nürnberger haben mehr Kultur, die Berliner mehr Aufklärung; die Franzosen mehr Kultur, die Engländer mehr Aufklärung; die Sineser viel Kultur und wenig Aufklärung. Die Griechen hatten beides, Kultur und Aufklärung. Sie waren eine gebildete Nation, so wie ihre Sprache eine gebildete Sprache ist. – Ueberhaupt ist die Sprache eines Volks die beste Anzeige seiner [196] Bildung, der Kultur sowohl als der Aufklärung, der Ausdehnung sowohl als der Stärke nach.
Ferner läßt sich die Bestimmung des Menschen eintheilen, in 1) Bestimmung des Menschen als Mensch, und 2) Bestimmung des Menschen als Bürger betrachtet.
In Ansehung der Kultur fallen diese Betrachtungen zusammen; indem alle praktische Vollkommenheiten bloß in Beziehung auf das gesellschaftliche Leben einen Werth haben, also einzig und allein der Bestimmung des Menschen, als Mitglieder der Gesellschaft, entsprechen müssen. Der Mensch als Mensch bedarf keiner Kultur: aber er bedarf Aufklärung.
Stand und Beruf im bürgerlichen Leben bestimmen eines jeden Mitgliedes Pflichten und Rechte, erfordern nach Maaßgebung derselben andere Geschiklichkeit und Fertigkeit, andere Neigungen, Triebe, Geselligkeitssitten und Gewohnheiten, eine andere Kultur und Politur. Je mehr diese durch alle Stände mit ihrem Berufe, d. i. mit ihren respektiven Bestimmungen als Glieder der Gesellschaft übereinstimmen; desto mehr Kultur hat die Nation.
Sie erfordern aber auch für jedes Individuum, nach Maaßgebung seines Standes und Berufs andere theoretische Einsichten, und andere Fertigkeit dieselben zu erlangen, einen andern Grad der Aufklärung. Die Aufklärung, die den Menschen als Mensch interessirt, ist allgemein ohne Unterschied [197] der Stände; die Aufklärung des Menschen als Bürger betrachtet, modificirt sich nach Stand und Beruf. Die Bestimmung des Menschen setzet hier abermals seiner Bestrebung Maaß und Ziel.
Diesem nach würde die Aufklärung einer Nation sich verhalten, 1) wie die Masse der Erkenntniß, 2) deren Wichtigkeit, d. i. Verhältniß zur Bestimmung a) des Menschen und b) des Bürgers, 3) deren Verbreitung durch alle Stände, 4) nach Maaßgabe ihres Berufs; und also wäre der Grad der Volksaufklärung nach einem wenigstens vierfach zusammengesetzten Verhältnisse zu bestimmen, dessen Glieder zum Theile selbst wiederum aus einfachern Verhältnißgliedern zusammengesetzt sind.
Menschenaufklärung kann mit Bürgeraufklärung in Streit kommen. Gewisse Wahrheiten, die dem Menschen, als Mensch, nützlich sind, können ihm als Bürger zuweilen schaden. Hier ist folgendes in Erwegung zu ziehen. Die Kollision kann entstehen zwischen 1) wesentlichen, oder 2) zufälligen Bestimmungen des Menschen, mit 3) wesentlichen, oder 4) mit außerwesentlichen zufälligen Bestimmungen des Bürgers.
Ohne die wesentlichen Bestimmungen des Menschen sinkt der Mensch zum Vieh herab; ohne die außerwesentlichen ist er kein so gutes herrliches Geschöpf. Ohne die wesentlichen Bestimmungen des Menschen als Bürgers, hört die Staatsverfassung aus zu sein; ohne die außerwesentlichen bleibt [198] sie in einigen Nebenverhältnissen nicht mehr dieselbe.
Unglükselig ist der Staat, der sich gestehen muß, daß in ihm die wesentliche Bestimmung des Menschen mit der wesentlichen des Bürgers nicht harmoniren, daß die Aufklärung, die der Menschheit unentbehrlich ist, sich nicht über alle Stände des Reichs ausbreiten könne; ohne daß die Verfassung in Gefahr sei, zu Grunde zu gehen. Hier lege die Philosophie die Hand auf den Mund! Die Nothwendigkeit mag hier Gesetze vorschreiben, oder vielmehr die Fesseln schmieden, die der Menschheit anzulegen sind, um sie nieder zu beugen, und beständig unterm Drukke zu halten!
Aber wenn die außerwesentlichen Bestimmungen des Menschen mit den wesentlichen oder außerwesentlichen des Bürgers in Streit kommen; so müssen Regeln festgesetzt werden, nach welchen die Ausnahmen geschehen, und die Kollisionsfälle entschieden werden sollen.
Wenn die wesentlichen Bestimmungen des Menschen unglüklicherweise mit seinen außerwesentlichen Bestimmungen selbst in Gegenstreit gebracht worden sind; wenn man gewisse nützliche und den Menschen zierende Wahrheit nicht verbreiten darf, ohne die ihm nun einmal beiwohnenden Grundsätze der Religion und Sittlichkeit niederzureißen; so wird der tugendliebende Aufklärer mit Vorsicht und Behutsamkeit verfahren, und lieber das Vorurtheil dulden, [199] als die mit ihm so fest verschlungene Wahrheit zugleich mit vertreiben. Freilich ist diese Maxime von je her Schutzwehr der Heuchelei geworden, und wir haben ihr so manche Jahrhunderte von Barbarei und Aberglauben zu verdanken. So oft man das Verbrechen greifen wollte, rettete es sich ins Heiligthum. Allein dem ungeachtet wird der Menschenfreund, in den aufgeklärtesten Zeiten selbst noch immer auf diese Betrachtung Rüksicht nehmen müssen. Schwer, aber nicht unmöglich ist es, die Grenzlinie zu finden, die auch hier Gebrauch von Misbrauch scheidet. –
Je edler ein Ding in seiner Vollkommenheit, sagt ein hebräischer Schriftsteller, desto gräßlicher in seiner Verwesung. Ein verfaultes Holz ist so scheußlich nicht, als eine verwesete Blume; diese nicht so ekelhaft, als sein verfaultes Thier; und dieses so gräßlich nicht, als der Mensch in seiner Verwesung. So auch mit Kultur und Aufklärung. Je edler in ihrer Blüte: desto abscheulicher in ihrer Verwesung und Verderbtheit.
Mißbrauch der Aufklärung schwächt das moralische Gefühl, führt zu Hartsinn, Egoismus, Irreligion, und Anarchie. Misbrauch der Kultur erzeuget Ueppigkeit, Gleißnerei, Weichlichkeit, Aberglauben, und Sklaverei.
Wo Aufklärung und Kultur mit gleichen Schritten fortgehen; da sind sie sich einander die besten Verwahrungsmittel wider die Korruption. Ihre [200] Art zu verderben ist sich einander schnurstraks entgegengesetzt.
Die Bildung einer Nation, welche nach obiger Worterklärung aus Kultur und Aufklärung zusammengesetzt ist, wird also weit weniger der Korruption unterworfen sein.
Eine gebildete Nation kennet in sich keine andere Gefahr, als das Uebermaaß ihrer Nationalglükseligkeit; welches, wie die vollkommenste Gesundheit des menschlichen Körpers, schon an und für sich eine Krankheit, oder der Uebergang zur Krankheit genennt werden kann. Eine Nation, die durch die Bildung auf den höchsten Gipfel der Nationalglükseligkeit gekommen, ist eben dadurch in Gefahr zu stürzen, weil sie nicht höher steigen kann. – Jedoch dieses führt zu weit ab von der vorliegenden Frage!
Moses Mendelssohn.


https://de.wikisource.org/wiki/Ueber_die_Frage:_was_heißt_aufklären%3F