Montag, 3. Januar 2011

Will in Bädern und in Schenken, heil'ger Hafis, dein gedenken








Meine Berliner Ausgabe von 1965 ist ein bißchen angebräunt - das macht das sozialistische Papier







- Ägypten: Die Verfassung erklärt den Islam zur Staatsreligion und den Koran zur alleinigen Rechtsquelle. Seit den neunziger Jahren werden die ägyptischen Christen ("Kopten") immer wieder Ziel staatlicher und privater Verfolgung. In Alexandria, wo jetzt 21 Christen durch einen Bombenanschlag auf eine Kirche starben und 40 verletzt wurden, gingen die Angriffe gegen Christen seit längerem von einer bestimmten Moschee aus.
Sie berufen sich auf den Koran:
Sure 8, 39: “Kämpfet wider sie, bis kein gottlosem Treiben mehr ist und bis alles an Allah glaubt.”
Sure 4, 90 : " Sie wünschen, daß ihr Ungläubige werdet, so wie sie Ungläubige sind, und ebensolche Bösewichte wie sie. Schließt daher eher kein Freundschaftsbündnis mit ihnen, als bis sie Allahs Weg einschlagen. Weichen sie aber ab, so ergreift und tötet sie, wo ihr sie auch finden mögt, und nehmt keine Freundschaft und Unterstützung von ihnen an."
(Vgl. auch u.a. den „Schwertvers“ 9,5 sowie 9,25f., Schlacht von Honein)
Ägypten bekommt "Entwicklungshilfe" aus Deutschland. Millionen. Trotz dieser Verfassung, die Armut und Barbarei festschreibt.

- Goethe, der auch, hat allerhand Blödsinn zu Papier gebracht: den WERTHER-Unsinn, die FARBENLEHRE, die er sogar - Gipfel der Verblendung - für sein bedeutendstes Werk hielt, und anderes mehr, besonders, wenn er in "wiederholte Pubertät" geriet.
Der persische Dichter Hafis verhalf ihm einmal dazu, ein Freund von Wein, Weib und Gesang. Weimar war zu dieser Zeit nicht sehr aufregend, das ist es bis heute nicht, die Sardanapals wohnten anderswo. Und da gefiel ihm die sinnliche, vorislamische Beduinenlyrik (MOALLAKAT) gut; diesem Treiben habe Mohammed dann eine "düstere Religionshülle" (Abschn. "Araber", S. 167) übergestülpt, wie er in den NOTEN UND ABHANDLUNGEN zu besserem Verständnis DES WEST-ÖSTLICHEN DIVANS schreibt. Diesem Erklärungstext stellt er einen Vierzeiler voran:
Wer das Dichten will verstehen,
Muß ins Land der Dichtung gehen;
Wer den Dichter will verstehen,
Muß in Dichters Lande gehen.

Beim DIVAN handelt es sich also um Dichtung, nicht um einen Aufsatz. Entsprechend schrill kann es zugehen:

Und solang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.

DIVAN, Buch des Sängers, Selige Sehnsucht (S. 22)

Nun ja, das kann man als Pubertätslyrik in fortgeschrittenem Alter werten, voller Weisheit scheint es nicht zu sein. Der DIVAN verlangt einen entsprechenden Leser, mir gefällt eigentlich nur:

Volk und Knecht und Überwinder,
Sie gestehn zu jeder Zeit:
Höchstes Glück der Erdenkinder
Sei nur die Persönlichkeit.

Jedes Leben sei zu führen,
Wenn man sich nicht selbst vermißt;
Alles könne man verlieren,
Wenn man bliebe, was man ist.

Goethe, WEST-ÖSTLICHER DIVAN, Suleika, Buch Suleika, Gingo biloba (S. 95)

Die "Persönlichkeit" aber ist eine individualistische Kategorie, die im Islam nicht vorgesehen ist, die er indirekt sogar verbietet.
Katharina Mommsen hat sich vor Jahren mit Goethe und dem Orient beschäftigt, dieses Buch erschien 2001 neu herausgegeben und auf den Islam verkürzt von dem Islam-Propangandisten Peter Anton von Arnim. 1995 war bereits eine noch stärker frisierte arabische Übersetzung in Kuweit erschienen: "Goethe und die arabische Welt" .
Lese jeder, was er will, aber schneide er nichts ab vom Text und berücksichtige er, was der Verfasser selbst zur Erklärung seinem Text mitgegeben hat. Bei Goethes DIVAN muß zudem daran erinnert werden, daß es 1805 noch keine Orientalistik gab, auf deren Erkenntnisse Goethe hätte zurückgreifen können. Eine Instrumentalisierung dieser poetischen Textsammlung für den Islam sollte jedenfalls strikt unterbleiben. Goethe war Pantheist, wohl im Geiste Spinozas, vielfach gilt er als der "große Heide" und die katholische Kirche betrachtete ihn sehr kritisch. Nicht nur alles Vergängliche, auch Orient und Okzident mit ihren Dichtungen und Religionen galten ihm nur als Gleichnis, und von Weimar aus betrachtet wirkte der Orient anregend exotisch.
Die Europäer neigten zu solchen Phantasien und Sehnsuchtsprojektionen, und manche Oper und Mode entsprang daraus wie etwas die "Chinoiserie".

(Vgl. auch Dieter Borchmeyer, Der Dichter als Muselmann, FAZ 13.10.01; Manfred Osten, Furchtbares werde human, Goethe u. Mohammed, FAZ 28.11.07)