Freitag, 28. Dezember 2012

Jugendbeule






Da ist richtig was los auf Jacek Malczewskis Gemälde, das Heinsohns Buch kommentierend schmückt. Es heißt "Melancholia". 






Stets waren junge Männer kampfbereit und eine Gefahr für ihre Gemeinschaften und Gesellschaften. Alexander, selbst noch ein Jungspund, eroberte mit ihrer Kampfeskraft die gesamte, ihm bekannte Welt. Ein Beispiel unter Abertausenden. Was aber, wenn sich gerade kein Alexander, Tarik oder Napoleon anbot? Dann verunsicherten die jungen Wilden die Gemeinschaften, in denen sie lebten, durch Prügeleien und Kriminalität. Dann mußte man sie loswerden, durch Expeditionen und Kolonien. So kolonisierten die alten Griechen alles zwischen Makedonien und Alexandria, Syrakus und Kilikien. Sie schickten die Raufbolde raus aus der Polis. Sollten sie die anderen totschlagen. 
So verfuhren auch Chomeini und Saddam Hussein und wurden die potentiellen Protestierer los. 
Den Zusammenhang zwischen "Söhnen und Weltmacht" untersuchte Gunnar Heinsohn 2003 in seinem gleichnamigen Buch.
In seiner Kinderzahlaufstellung nach Ländern mit über 30% "Jugendbeule" (Kinder unter 15 Jahren) steht Indien an erster Stelle mit 345 Mio., was 33% der Gesamtbevölkerung entspricht. 
In Pakistan sind es gar 40%, in Ägypten 35%. 
Was tun mit den Testosteronjünglingen? Eine Reihe spielt schon im syrischen Bürgerkrieg mit. Auch bei Koptenmassakern engagieren sie sich. Aber bei 24,5 Mio. (2003) Ägyptern unter 15 Jahren sind das kleine Zahlen. Mit den Klerikalfaschisten sind die ökonomisch unfähigsten politischen Kräfte an die Macht gekommen. Die werden sie nur behalten können, wenn sie einen Teil der jungen Männer beseitigen.  
Krieg ist da ein traditionelles Mittel der Machthaber. Auch die Kreuzzüge dienten teilweise oder sogar überwiegend diesem Zweck. 
Denn männliche Primaten lassen sich nicht einfach ruhigstellen, schon gar nicht im besten Testosteronalter. 
Das gilt auch für die Primatenart homo s.s. Mit 16 träumen sie mehrheitlich von Achill und Warcraft, nicht vom Singen frommer Lieder. Es spielt dabei keine größere Rolle, ob neben dem stammesgeschichtlichen Basisprogramm auch noch religiöse Apps laufen, kleine, phantastische Beiprogramme. Ob Achill, das Vieh, an Zeus, Jahwe oder den Weihnachtsmann glaubt, spielt keine Rolle. Ob er in Sparta, Kilikien oder in Amazonien aufwächst, spielt nur eine Nebenrolle. 

Größere Bedeutung hat nur ein langandauernder Konditionierungsprozeß, der die jungen Männer domestiziert. Empört hat Hermann Hesse darüber seinen Roman "Unterm Rad" geschrieben. Das ist der schwierige Weg der Zivilisation. 

Aber immer wieder greift ein Jungspund zur Waffe und erschlägt den Vater wie weiland Ödipus.
Nicht jeder wird durch die Schule ein Ödipussi wie Loriot.