Samstag, 4. Februar 2012

Fasziniert von Rausch und Zerfall











Der Eisenhändlersohn, der am 3. Februar 1887 in Salzburg geboren wurde, war etwas Besonderes. Der Wiederholung der 4. Gymnasialklasse wegen ungenügender Leistungen in Latein und Mathematik folgte der Schulabbruch in der 7. Klasse aus den gleichen Gründen, Alt-Griechisch war noch dazugekommen.
Chloroform-Berauschungen hatten da schon begonnen, und vielleicht führte die lockende Nähe zu Rauschmitteln zur Aufnahme einer Apothekerlehre, die er mit guten Erfolg abschloß, nun auch vertraut mit Morphium und Veronal.
Ob der Umgang damit zu seiner geistigen Zerrüttung führte, oder ob nicht eine angeborene Neigung zu Rausch und Wahn drängte, läßt sich nicht beantworten. Auch andere experimentierten mit Drogen – Ernst Jünger, Gottfried Benn – ohne ihnen zu verfallen. Seine bildhafte Phantasie verhalf ihm jedenfalls zu eindringlicher Lyrik, oft schaurig-schön:

In den einsamen Stunden des Geistes
Ist es schön, in der Sonne zu gehn
An den gelben Mauern des Sommers hin.
Leise klingen die Schritte im Gras; doch immer schläft
Der Sohn des Pan im grauen Marmor.

(aus „Helian“, Trakl)

Er starb, gerade 27 Jahre alt, an einer Überdosis Kokain.