Samstag, 12. Juli 2008

Versorgungsdenken

DR. LUISE HACKELSBERGER, FAZ-Leserbrief
Versorgungsdenken

Zur Warnung vor "Sozialstaatlicher Freiheitsgefährdung" von Wolfgang Kersting (F.A.Z. vom 7. Juni) gehört der Mut, der Egozentrik von Vater Staat wie der des unmündig gewordenen "Bürgers" entgegenzutreten. Endlich spricht ein Autor aus, was uns allen nur noch latent bewusst ist: Längst haben wir Freiheit und Risikobereitschaft gegen staatliches Versorgungsdenken eingetauscht, und die Vorstellung vom Staat als alleinigem Zuteiler von Wohlergehen und Glück ist uns ebenso geläufig geworden wie seine Anmaßung, unser aller Leben täglich ordnen und regulieren zu wollen. Dass der Bürger selbst zu schützen, zu bürgen, zu gewähren hat, was sein Leben und das seines Nachbarn verlangt, ist unserem Denken entfallen. Wir gleichen domestizierten, ständig beobachteten, gut dressierten und bequem gewordenen Tieren im Gitter, denen nur noch eine fabelhafte Technik ihre Allmacht vorgaukelt, denen sonst aber im sozialen Käfig Brotbrocken zugeteilt werden, die sie zufriedenstellen. Dass sie die Zeche zahlen und ihren Zuteilern Selbsterworbenes in die Hand gegeben haben, dämmert nur wenigen. Und manchem der so Entmündigten, dem eigenes Lebensrisiko noch erstrebenswert erscheint, trifft die Neid-Schelte der übrigen Gitter-Insassen, wenn er selbständig ein paar Bissen mehr erhaschen kann. Er wird vor den Kadi gezerrt. Individualität verkümmert, Bürgerlichkeit gibt ihre Rechte ab. Ob eine Rückkehr zu selbständigem Denken und Handeln möglich ist?

DR. LUISE HACKELSBERGER, NEUSTADT/WEINSTRASSE

Potsdam oder: Der toleranzfördernde Eklat

Professor Dr. Heinz Kleger, Potsdam, FAZ-Leserbrief
Potsdam oder: Der toleranzfördernde Eklat

Zum Artikel "Rückschlag für das Toleranzedikt" (F.A.Z. vom 5. Juni): Die blockierten Vorträge von Frau Steinbach an der Universität Potsdam sind kein Rückschlag für das Potsdamer Toleranzedikt - im Gegenteil. Sie zeigen deutlich, was Sinn und Zweck dieses vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft geförderten und vom Verein Pro Wissen in Kooperation mit der Stadt getragenen Projektes ist. Bisher galt das Vorurteil, nur die "Ostdeutschen", die "unteren Schichten", die "Problemgebiete" und so weiter hätten Toleranzprobleme, vor allem natürlich mit den Fremden und gegenüber den jeweils Anderen. Tatsächlich ist Potsdam als ehemalige Grenz- und Frontstadt, in der vieles geheim war, ein interessantes Labor, wo verschiedenste Herkünfte, Prägungen, Mentalitäten und Perspektiven aufeinandertreffen. Das kontrastreiche Potsdam erfindet sich aber auch neu. Die breite Diskussion über ein Toleranzedikt über alle Differenzen, Stadtteile und gesellschaftlichen Bereiche hinweg könnte dafür eine zivile Basis werden. Man kommt dann zu einem der vielen Trotzdem-Sätze, welche eine zivile Praxis ausmachen: Toleranz trotz Unterschiedlichkeiten, Solidarität trotz Eigennutz, Common sense trotz Spezialisierungen, und so weiter.

Dass nun ausgerechnet die jüngsten Vorfälle an der Universität eine solche Diskussion über Toleranz bis in die Leserbriefseiten der Tageszeitungen hinein ausgelöst haben, hätte niemand erwartet. Dies ist zwar überraschend, aber kein Rückschlag, sondern insofern ein Fortschritt im Gesprächsprozess, als dieser Testfall zeigt, dass die Meinungsfreiheit in einer liberalen Demokratie allen Beteiligten viel zumutet (könnte man zum Beispiel einen iranischen Botschafter einladen?). Die Verhaltenstugend der oft unterschätzten Toleranz ist alles andere als selbstverständlich und bisweilen sehr unbequem. In John Stuart Mills Schrift "On liberty" (1859) ergibt sich die Wahrheit am ehesten aus dem ständigen Meinungsstreit, wobei jede Meinung, egal wie exzentrisch sie zunächst daherkommt, wahr sein kann. Die Annäherung an die ganze Wahrheit, die aus vielen Einzelteilen besteht, muss buchstäblich erarbeitet werden. Dafür dient der offene und möglichst inklusive Meinungsstreit; er führt zudem dazu, dass Lehrende wie Lernende auf ihren Posten nicht einschlafen.

Es ist mithin von grundlegender Bedeutung für eine offene und liberale Gesellschaft, dass Meinungen (auch die abstrusesten) überhaupt artikuliert werden können (dann weiß man wenigstens, woran man ist), dass man sie kennenlernt (auch rechte Parteiprogramme) und sich mit ihnen, möglichst vor Publikum, auseinandersetzt. Nur so kann verhindert werden, dass sie sich in den Köpfen vieler festsetzen und verbreiten. Eine aufrichtige, sachliche und entschiedene Diskussion bewirkt allemal mehr als die Blockade von Vorträgen, die gerade an einer Universität, die Ort der geistigen Auseinandersetzung sein sollte, fehl am Platze ist. Dies schließt friedliche und originelle Proteste nicht aus. Ideologischer Druck, von welcher Seite auch immer, schreckt dagegen nicht nur ab, sondern ist aufs schärfste zu verurteilen, weil er eine vernünftige Diskussion verunmöglicht.

Professor Dr. Heinz Kleger, Potsdam

Text: F.A.Z., 07.07.2008, Nr. 156 / Seite 8

Saddam Husseins Atomprogramm, Mythen-Konfiguration des Christentums, Süßwasserpolypen



14-18° Schauer. Der Reviergesang verstummt - nie im Jahr lastet die Stille so schwer.

- Saddam Husseins Atomprogramm : " Uran aus dem Irak nach Kanada. In einem streng geheimen Einsatz haben die amerikanischen Streitkräfte die letzten großen Überreste von Saddam Husseins Atomprogramm außer Landes gebracht. 550 Tonnen natürliches Uran aus dem Irak kamen am Samstag nach einer dreimonatigen Reise im Hafen von Montreal an. Der Transfer wurde aus Furcht vor Anschlägen geheim gehalten. Bei dem Uran handelt es sich um sogenannten Yellowcake, das Ausgangsmaterial zur Anreicherung für nuklearen Brennstoff oder Bombenbau. Das Uran war in der streng bewachten Atomanlage Tuwaitha gelagert. ... " Text: F.A.Z., 07.07.2008, Nr. 156 / Seite 7

- Jan Assmann: "... Ins Gespräch seines Faches hat Assmann die Spekulationen jener philosophisch interessierten alteuropäischen Ägyptenkunde wieder eingeführt, die Champollions Entzifferung der Hieroglyphen 1824 scheinbar obsolet gemacht hatte. Das erst 1887 entdeckte Amarna-Archiv, die Dokumentation der von der gesamten Überlieferung totgeschwiegenen monotheistischen Revolution des Echnaton, verbürgt ihm den Gedanken, der sein Beitrag zur Methodik der Gedächtnisgeschichte ist: dass es eine unbewusste, über Jahrhunderte in einer "Krypta" versiegelte, aber nicht vernichtete Kollektiverinnerung geben kann. Die Ausfaltung dieses Gedankens in seinem genialisch kühnen Buch "Moses der Ägypter" von 1998 löste eine Kontroverse aus, in der er sich mit dem Vorwurf konfrontiert sah, er verfolge wie die Erforscher der ägyptischen Mysterien unter den Illuminaten den Geheimzweck der Entlarvung des Christentums. Assmann wurde von dieser Kritik überrascht und stellte sich ihr mit großer Souveränität. ... " F.A.Z., 07.07.2008, Nr. 156 / Seite 33 // Konkreter: Die Mythen-Konfiguration des Christentums stammt aus dem alten Ägypten.

- Weltuntergangsmythen: "Focus, Nr. 28 vom 07. Juli 2008. Werden Sie Zukunftsoptimist!
Weltuntergangsmythen – Klimakatastrophe? Verarmung? Waldsterben? Kein Öl mehr? – Fakten, die Sie überraschen werden. " Matth. Horx, Anleitung zum Zukunfts-Optimismus, Campus

-- Lichtenberg hantierte damit in kindlichem Stil: Süßwasserpolypen (Hydra) sind eine Gattung aus dem Stamm der Nesseltiere (Cnidaria). Süßwasserpolypen werden je nach Art bis zu 3 cm groß und besiedeln Süß- und Fließgewässer, in Ausnahmefällen auch Brackwasser.
In Europa kommen mindestens 5 Arten vor, zum Beispiel Hydra vulgaris (Gemeiner Süßwasserpolyp) oder Hydra viridissima (Grüne Hydra; die grüne Färbung rührt von mit Hydra symbiontisch lebenden Chlorella-Algen her).
- Stamm: Nesseltiere (Cnidaria)
Klasse: Hydrozoen (Hydrozoa)
Ordnung: Anthomedusae
Unterordnung: Capitata
Familie: Hydridae
Gattung: Süßwasserpolypen