Donnerstag, 9. August 2007
Dauerregen
Mittwoch, 8. August 2007
Gentechnik Demokr. Korruption Sündendialektik
"150 Meter Abstand sind ein politischer Wert"
FRAGE: Im Koalitionsvertrag der Regierung steht, dass man Forschung und Anwendung "grüner" Gentechnik "befördern" wolle. Fördert oder hemmt die Gesetzesnovelle einen Saatgut-Züchter?
ANTWORT: Aus unserer Sicht fördert es die Züchtung überhaupt nicht.
F.A.Z., 08.08.2007, Nr. 182 / Seite 11
FRAGE: Kann denn eine demokratisch gewählte Regierung überhaupt gentech-freundlich sein, wenn die Mehrheit der Wähler diese Technik nicht haben will? Müssen die Politiker die Menschen quasi nötigen, weil die Technik so bedeutsam ist? ...“
Das ist auch die Frage an das ideologisierte, desolate deutsche Bildungssystem.
Fällt das unter Korruption?: LESERBRIEFE
Es ist ja bereits viel schlimmer, als Herr Professor Schmitt Glaeser beschreibt: Durch die Regularien unserer Demokratie und das Verhalten der Parteien, die sich seit Jahrzehnten ihre Wählerstimmen auch durch soziale Wohltaten erkaufen, ...
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 05.08.2007
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„Der erste deutsche Imam: Schon als Kind habe er den Wunsch nach spiritueller Erkenntnis verspürt. Die katholische Oma nahm ihn mit in die Kirche, doch mit der christlichen Glaubenslehre verband er vor allem Schuldgefühle. ...“ faz.net / VGL. DAZU:
Buchrezension 23.6.07 NZZ
Blockade der Moderne
ujw. Der Frankfurter Soziologe Ulrich Oevermann hat in einem bedenkenswerten Aufsatz «Modernisierungspotenziale» und «Modernisierungsblockaden» der monotheistischen Religionen untersucht (in: Manuel Franzmann et al.: «Religiosität in der säkularisierten Welt», VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006). Der Begründer der sogenannten objektiven Hermeneutik interessiert sich insbesondere für die Frage, wieso sich im islamischen Kulturkreis jene Dynamik nicht zu entfalten vermocht habe, die im jüdischen und im christlichen Monotheismus im Laufe der Zeit dazu führte, menschliche Lebenspraxis als selbstbestimmt zu verstehen und Religion von der Politik zu trennen.
Als zentral erachtet Oevermann, dass der Koran bei seiner Aneignung jüdisch-christlicher Motive die eigentümliche «Dialektik des Sündenfalls» getilgt habe. Aus dieser Dialektik gehe ein für die menschliche Lebensführung schlechthin grundlegender, unausweichlicher «Zwang zur Bewährung» hervor – ein Zwang, der Freiheitsspielräume eröffne. Im Koran hingegen werde der Sündenfall lediglich als Akt des Ungehorsams begriffen, der durch erneuten und unbedingten Gehorsam wettgemacht werden müsse. Solch bedingungsloser Gehorsam lasse nichts anderes zu als «die ungeschiedene Einheit von politischer und religiöser Praxis» sowie die Ablehnung jeglicher Pluralisierung. Staatliche Organisation sei dem einen Zweck, der religiösen Vergemeinschaftung, untergeordnet. Dem wiederum entspreche, dass der Islam eine Religion der «imperialen Herrschaft» sei – und keine der Diaspora.“
Vgl. auch: http://www.focus.de/wissen/bildung/Islamlexikon_K-Z/schiiten_aid_12321.html
Dienstag, 7. August 2007
Dummkopf Dürrenmatt / Fremdbetreuung
Fall Madeleine
Polizei weiß seit Wochen, dass „Maddy” tot ist (faz.net 7.8.)
Der Artikel (und viele ähnliche Pädophiliefälle) läßt an Dürrenmatts Mörderfigur Albertchen Schrott denken und wie naiv Dürrenmatt Mädchenmorde in seinem Text
"Das Versprechen" ganz im Zeichen der Milieutheorie phantasiert hat.
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Schöne neue Krippenwelt
"Schreckgespenst"-Argument, Leser-Brief Zietek FAZ 6.8.07
In der Kleinkinderfremdbetreuungsdiskussion läuft das Hauptargument der Leserin Zietek darauf hinaus, daß "Frankreich, Skandinavien oder Polen" es machen und "eher selten" höre man von "psychisch gestörten Kindern aus diesen Ländern". Alle machen es also, wird suggeriert, und was alle machen, könne nicht falsch sein. Damit dürfte sie von Schwarzer bis von der Leyen alle auf ihrer Seite wissen. Dieses Lemminge-Argument braucht keine besondere Betrachtung. Wir wissen ja genug von den Massenbewegungen.
Ich möchte den Blick einmal ins Subjektive lenken, weil das bisher in der Debatte fehlt. Von keiner Seite las man bisher über die schönen Erlebnisse der Fremdbetreuung aus eigener Erfahrung. Fehlt den bisherigen Autoren diese Fremdbetreuungserfahrung, weil sie alle mittelstandssozialisiert sind und sie in keine Fremdbetreuung kamen, vom Kindergarten einmal abgesehen? Wuchsen sie ohne den Zeitdruck der berufstätigen Mutter auf, die sie nicht in die Kinderkrippe gab? Hatten sie vielleicht in späteren Jahren nach der Schule mütterliche Ansprache und Hilfe, die eben nicht die von fremden Personen ohne besonderes Eigeninteresse war? Man könnte es fast vermuten, wenn man selbst diese Fürsorge entbehren mußte und schon früh in die Hände von besoldeten Betreuungsmenschen geriet. Aus eigener Erfahrung kann ich versichern: es macht keinen Spaß. Es macht gar keinen Spaß. Man überlebt zwar die abertausend Lieblosigkeiten, Einsamkeiten und Betrübnisse, aber es baut nicht auf, sondern belastet. Und schon gar nicht verhilft es zu dem angenehmen Gefühl, eine schöne Kindheit verbracht zu haben. Möglicherweise macht man auch späterhin immer wieder die Erfahrung, sein individuelles Potential nicht recht ausschöpfen zu können.
Aber den Freunden der Fremdbetreuung scheint es zu reichen, wenn die Kinder im Ergebnis nicht die Schule anzünden oder sonst kriminell werden. Das ist ihnen genug: keine Verhaltensauffälligkeiten zu berichten.
Auch für die Freuden der Teilnahme an einem neuen Leben fehlt ihnen der Blick. Die Berufstätigkeit zählt ihnen um so mehr. Welches Glückspotential liegt darin? Das muß jeder für sich selbst herausfinden. Die Antike verachtete die Berufstätigkeit. "Lohn ist ein Zeichen von Sklaverei", notierte Cicero in "Von den Pflichten". Das kann man ja heute anders sehen. Dubios ist es aber, die Zumutungen und Beschränkungen der Berufstätigkeit zu verschweigen und zu erklären: Lohnarbeit macht frei und glücklich. Es fehlen im Deutschland der Frau von der Leyen und anderer wichtigtuerischer Funktionärinnen nur noch die großen Flächenplakate im DDR-Format, die das verkünden. Die Zeitungsanzeigen des Ministeriums sind ja schon da.
Sonntag, 5. August 2007
Heidegger Steuer
Das zieht dem Sommer die Schuhe aus:
' "Vielleicht ist die Verblendung gegen die äußerste Not des Seins in der Gestalt der herrschenden Notlosigkeit inmitten aller Bedrängnis des Seienden, auf die Dauer der Seinsgeschichte hinausgesehen, gefährlicher noch als das grobschlächtige Abenteuer des nur brutalen Gewaltwillens." Dieser Satz Martin Heideggersaus dem Aufsatz "Das Wesen des Nihilismus", der zwischen 1946 und 1948 niedergeschrieben wurde, belegt die Macht des Gedankens der Not in der deutschen politischen Sprache des zwanzigsten Jahrhunderts.
(In der Rechtsnot schluckt der Teufel Kröten
Spurensuche eines Enkels: Zu einem Debattenbegriff der Weimarer Republik / Von Ulrich Krüger') FAZ 4.8.
Von der Ungerechtigkeit des Leistungsfähigkeitsprinzips NZZ 23.6.07
Rechtsanwalt Meier ist dreissig Jahre alt, arbeitet viel und kommt, so nehmen wir einmal an, auf ein Bruttoeinkommen von 200 000 Fr. im Jahr. Darauf zahlt er als Verheirateter mit Wohnsitz in der Stadt Zürich nach allen Abzügen nicht ganz 40 000 Fr. Steuern. Sein Berufskollege Müller ist gleich alt und hat das Studium ebenso brillant abgeschlossen wie Meier. Er könnte es ihm in jeder Hinsicht gleichtun, hat aber andere Präferenzen. Als begeisterter Segler will er genug Zeit für sein Hobby zur Verfügung haben. Er beschliesst, nur 50% zu arbeiten, und verdient daher 100 000 Fr. Der Staat belohnt dies, indem er ihm nicht, wie Meier, fast 20% des Einkommens an Steuern abverlangt, sondern 10%. Er schenkt Herrn Müller mit andern Worten jährlich 10 000 Fr. dafür, dass er nicht so viel arbeitet, seine Talente nicht nachfragegerecht einsetzt, sein Studium nicht in dem Ausmass «amortisiert», wie es möglich wäre. Sein Einkommen nach Steuern liegt bei 90 000 Fr., das des ambitionierteren Meier bei 160 000 Fr. Müller verdient unter dem Strich mehr als die Hälfte von Meier, obwohl er nur halb so viel arbeitet. Der Grundsatz «Gleicher Lohn für gleiche Arbeit» gilt also nach Steuern nicht."
Dazu ist noch anzumerken:
Die Prozentregelung als solche ist bereits realiter progressiv, wer den Zehnten (war das damals nicht traumhaft!!? 10 % !! Paradiesisch!) von 100.000 zahlt, zahlt natürlich viel mehr (das Doppelte!) als derjenige, der 10 % von 50.000 zahlt (für die Absolventen des neuen Gymnasiums: 10.000 zu 5.000).
Ein gleicher Prozentsatz für alle ist also das mindeste Postulat, wenn nicht von Abzocke alias Ausbeutung die Rede sein soll.
Samstag, 4. August 2007
Genosse Mugabe, Ringelnatter aus dem Busch
"Angolanischer Freiheitskämpfer tot" (FAZ 4.8.) - Freiheitskämpfer ohne Anführungszeichen; ich erinnere mich, daß der monströse Mugabe 1970 von westlichen Journalisten ebenso betitelt wurde. Südafrikas Mbeki nennt ihn heute noch "Comrade Bob"(Genosse Robert Mugabe). Ian Smith, der Rhodesien als wohlhabendes Land übergab, galt als Hardliner. Siehe auch: "Schicksalsfluss Limpopo /
Täglich fliehen Tausende Zimbabwer nach Südafrika / Die Sperranlagen am Fluss erinnern an die deutsche Zonengrenze" (FAZ 4.8.).