Dienstag, 21. Oktober 2008

Kundera, East of Paradise, Andersch, Himmler

8-10°; regnerischer, trüber Tag, aber doch auch blätterfarbig

- Fall Kundera: " Der Polizeivermerk. 'Der Gesuchte traf um 20 Uhr ein. Bezirkspolizeiwache 6 Abteilung II Prag 6. Prag, am 14. 3. 1950. Vermerk:
Am heutigen Tag um 16 Uhr kam zur hiesigen Abteilung der Studierende Milan Kundera, geboren am 1. 4. 1929 in Brünn, wohnhaft in Prag 7, Studentenkolleg, König-Georg-Straße 6, und zeigte an, dass in diesem Kolleg die Studentin Iva Militká wohnt und dass sie dem Studenten Dlask aus demselben Wohnheim erzählt habe, dass sie an diesem Tag in Prag-Klarov einen Bekannten getroffen habe, einen gewissen Miroslav Dvoracek. Dieser soll ihr einen Koffer zur Aufbewahrung gegeben haben, den er am Nachmittag des 14. 3. 1950 abholen werde. Aufgrund dieser Meldung begab sich Oberwachtmeister Rosicky gemeinsam mit Wachtmeister Hanton an den Ort, wo sie den Koffer untersuchten, in dem sich 2 Hüte, 2 Paar Handschuhe, 2 Sonnenbrillen und eine Cremedose befanden. Nach der Angabe der Militká sei Dvoracek von der Armee desertiert und habe sich vielleicht seit Frühjahr vorigen Jahres in Deutschland aufgehalten, wohin er illegal gegangen sei. Die Suche im Fahndungsbuch ergab, dass er schon vom Nationalen Sicherheitskomitee Pilsen unter der Aktenzahl 2434/49-IV zur Festnahme gesucht wird. Aufgrund dessen blieben die oben genannten Polizeibeamten im Studentenheim und bewachten das Zimmer der genannten Militká. Um 20 Uhr traf der genannte Dvoracek tatsächlich in diesem Zimmer ein und wurde festgenommen. Bei seiner persönlichen Durchsuchung wurde ein Personalausweis auf den Namen Miroslav Petr gefunden, von dem Dvoracek angab, dass er ihn in Deutschland von einer gewissen Firma erhalten habe, die ihn in die Tschechoslowakei mit dem Auftrag entsandte, Geschäftsbeziehungen zwischen dieser Firma und dem Ministerium für Technik aufzunehmen. Derselbe Mann sollte Kontakt herstellen zu einem gewissen Ing. Solman aus Vrsovic, Tolstoi-Gasse Nr. 4, der in diesem Ministerium beschäftigt ist.(gez.) Jaroslav Kosicky'" FAZ 15.10.

"Was geschah an jenem 14. März 1950? Von Karl-Peter Schwarz, Prag. 15. Oktober 2008 FAZ . Wie zuverlässig ist das Dokument, aus dem hervorgeht, dass Milan Kundera in seiner Prager Studentenzeit im Jahre 1950 einen Kurier der antikommunistischen Widerstandsbewegung bei der Polizei angezeigt hat? ... Das Archiv der Sicherheitskräfte, in dem die Dokumente des Innen-, Justiz- und Verteidigungsministeriums sowie des Staatssicherheitsdienstes StB aufbewahrt werden, schloss nach einer genauen Untersuchung aus, dass das Dokument gefälscht sein könnte. ...
Dvoráceks Frau Marketa - er selbst hat vor wenigen Monaten einen Schlaganfall erlitten und ist nicht in der Lage, Fragen zu beantworten - sagte der tschechischen Nachrichtenagentur CTK, es wäre doch merkwürdig, hätte die Polizei lediglich Kunderas Namen gefälscht, da alle anderen Angaben in dem Faszikel den Tatsachen entsprächen." - Das Opfer, der damals 22 Jahre alte Miroslav Dvorácek, wurde zu 22 Jahren schweren Kerkers verurteilt. Der Staatsanwalt hatte die Todesstrafe gefordert.- Kundera schwieg zunächst und spricht jetzt von einer Intrige.

- "East of Paradise, (Frankreich, 2003, 103mn), ARTE F
Regie: Lech Kowalski. Zu Beginn des Films erzählt die Mutter des Filmemachers Lech Kowalski von ihrer Deportation in ein sowjetisches Arbeitslager in Nordrussland zu Beginn des Zweiten Weltkrieges. Nach ihrer Entlassung musste sie sich ohne feste Bleibe durchschlagen. Sie erlebte Hunger, Kälte und Typhus, aber auch unerwartet Solidarität. ..." // Die großen Katastrophen, Herr Wehler, sind ohne die großen Verbrecher nicht recht vorstellbar. Wäre die polnische Geschichte anders verlaufen, wäre Jan Sobiesky ein großer Innenpolitiker gewesen, mit einem großen Kanzler wie Francis Bacon?

- Trau keinem Schriftsteller: "Alfred Andersch und Gebhard Himmler. Zu "Wehrunwürdig - Andersch schummelte schon früher" und "Entlassen Sie mich, und zwar sofort! Alfred Andersch und ein Ende: Ein Radiogespräch belegt biographische Retuschen" (F.A.Z. vom 2. Oktober): Mehrfach berichteten Sie über unzutreffende Darstellungen des Schriftstellers Andersch im Hinblick auf seine Wehrmachtszugehörigkeit. Während hier persönliche Interessen im Sinne einer Selbststilisierung als Motiv gelten können, entfällt ein solcher Bezug bei einer anderen Aussage, die als objektiver Beitrag zur Zeitgeschichte gelten könnte, wenn sie denn wahr wäre. In Konrad Löws Buch "Die Münchner und ihre jüdischen Mitbürger 1900 bis 1950 im Urteil der NS-Opfer und -Gegner" erfährt man, dass Andersch in seiner Arbeit "Der Vater eines Mörders - eine Schulgeschichte" ein Charakterbild des Schulleiters am Wittelsbachergymnasium, nämlich Gebhard Himmlers, des Vaters von Heinrich Himmler, gezeichnet hat, das von seinem Mitschüler Otto Gritschneder und weiteren 16 Klassenkameraden als unzutreffend bezeichnet wurde. Otto Gritschneder, Jurist und Historiker, Gegner des NS-Regimes, urteilt über die einschlägige Schrift von Andersch: "Darin versucht Andersch, den Leser glauben zu machen, dass der Pädago-Sadismus des Vaters, der Schüler und Lehrer gleichermaßen gekonnt zur Sau macht, wahrscheinlich doch mit schuld daran ist, dass der Sohn zum uniformierten Massenmörder jener tausend Jahre wurde."
Gerhard Haas, so erfährt man bei Löw, aus einer hoch angesehenen jüdischen Münchner Arztfamilie stammend, erinnert sich im amerikanischen Exil: "Unser Schulleiter war Himmler, der Vater des berüchtigten SS-Führers: aber Himmler sen. war eine freundliche, intelligente Persönlichkeit mit einer außergewöhnlichen Fähigkeit, Kinder zu erziehen. Auch war er kein Antisemit und kein Mitglied der Partei Hitlers." Zweifellos besteht beim heutigen Leserpublikum eine mentale Rezeptionsbereitschaft für das von Andersch gelieferte Charakterbild Gebhard Himmlers, aber offenbar entspricht es nicht der Wahrheit. HORST HAUN, NÜRNBERG, LB FAZ 21.10.08
// Mit der Honecker-Diktatur, der Heimat der Linksextremisten Gysi und Sodann, brach nicht nur die Staatswirtschaft zusammen, sondern auch die Milieutheorie, die behauptet, daß äußere Einflüsse den Menschen formen. Das ist völliger Unsinn. Viel eher finden sich Oppositionen: Ist die Mutter fromm, kann der Sohn ein Gewaltverbrecher werden (Stalin, Hitler). Ist der Vater frommer Protestant, konvertiert der Sohn zum Islam (Ho.), ist der Vater Nazi, wird der Sohn Linksfaschist (Vespers) etc. Eine noch viel größere Rolle spielt aber wohl der Zufall (sowohl bei der Genetik als auch bei den äußeren, kulturellen Lernprozessen). In traditionalen Gesellschaften ist die kulturelle Weitergabe stabiler.

Montag, 20. Oktober 2008

Süßer Südwind, Für den größten Teil des Rettungspakets fließt kein Euro. Issing, Wilhelm II.


Strizz, Reiche, FAZ
Früchtchen, ihr letzten, nun seid mal schön voll, süßer Südwind weht, wärmer wird's nimmer dieses Jahr!

4835 (+1%) 9265 (+4,5%) WTI 75,70 1,3410
- "500.000.000.000. Von Holger Steltzner. 500 Milliarden Euro ist einfach zu viel Geld. Umgelegt auf die Bevölkerung, wäre jeder Deutsche mit 6000 Euro dabei. Zum Glück muss das keiner bezahlen. Für den größten Teil des Rettungspakets fließt kein Euro. ..." // Dämlichen Künstlern und so geflüstert ...
Was muß, das muß, aber von Merkel und Steinbrück einen € anzunehmen ...

- "ING Diba sieht keine Risiken für Kunden. Die Kunden der deutschen Direktbank ING Diba müssen sich trotz der notwendig gewordenen milliardenschweren Kapitalspritze für die niederländische Muttergesellschaft ING nach Unternehmensangaben keine Sorgen um ihr Geld machen. Die ING sei „nur in geringem Umfang“ von der Finanzkrise betroffen. ..." FAZ

- Gute Nachricht: Otmar Issing soll die Expertenkommission der Regierung für eine Reform der Finanzmärkte leiten.

- Noch eine gute Nachricht: Die Zahl der arbeitsscheuen Herumstudierer in der Phil.Fak. ist durch die Studiengebühren zurückgegangen.

- Übrigens: Wilhelm II., so sein Biograph Eberhard Straub, setzte sich dafür ein, daß die Oberrealschulen das Abitur anbieten konnten und die technischen Fächer an den Universitäten aufgewertet wurden.- Hat lange gedauert, daß das altgriechische Ideal des theoretischen Menschen (die praktische Arbeit erledigten die Sklaven und die Unterschicht der Fremdarbeiter) endlich überwunden wurde. Bemerkenswert.

Sonntag, 19. Oktober 2008

Arktiseis, Gemeinschaftsprognose, Die Kredit-, Bilanz- und Buchwertkrise, Gesellschaftsgeschichte, Doors

Bis jetzt sind vor allem die unverantwortlichen Kreditnehmer betroffen, die Risikospieler und die Buchwerte.

4-13° sonnig 1,3410

- "Ice Reality Check: Arctic Ice Now 31.3% Over Last Year, plus Scientists Counter Latest Arctic ‘Record’ Warmth Claims as ‘Pseudoscience’ .. " http://wattsupwiththat.com/

- Gemeinschaftsprognose der Institute Bip in 2009 0,2% wg. allg. Abkühlung der Weltkonj. Arb.l. 7,5%

- Echnaton, Napoleon, Kemal Atatürk - was würde Wehlers Gesellschaftsgeschichte zu denen sagen?

- "The Doors (Usa, 1991, 135mn)Regie: Oliver Stone; Val Kilmer (Jim Morrison). arte. Mitte der 60er Jahre beginnt der Filmstudent Jim Morrison mit einigen Gleichgesinnten unter dem Namen "The Doors" Musik zu machen. Schon bald avancieren die jungen Musiker zu Stars. Ihre Songs werden Hits, ihre Auftritte zu Skandalen. Vor allem Frontman und Sänger Jim Morrison gerät in einen Sumpf aus Drogen und Alkohol. Erst 27 Jahre alt, stirbt er in Paris.
Oliver Stones Musikerbiografie "The Doors" beschreibt die Geschichte der gleichnamigen amerikanischen Rockgruppe. Dabei konzentriert sich die Darstellung stark auf die Person ihres legendären Sängers Jim Morrison. Dieser wird von Val Kilmer als Ikone der 60er-Jahre-Rock-Kultur und des drogenbeeinflussten Hippie-Lebensstils verkörpert. Hollywood-Regisseur Oliver Stone zeigt die Figur Jim Morrison aber auch in einem Geflecht von Alkohol- und Drogensucht, Esoterik und einer besessenen Auseinandersetzung mit dem Thema Tod. Obwohl "The Doors" auf echten Personen und Ereignissen basiert, ist der Film keineswegs eine exakte Darstellung der wirklichen Geschehnisse, sondern eine Dramatisierung und Komprimierung der Geschichte der berühmten Musikgruppe. So verweist Ray Manzarek, ehemals Keyboarder der "Doors", in seiner Autobiografie auf zahlreiche Entstellungen." // Ich mag die DOORS, auch wenn die Texte überwiegend recht armselig sind. Der Film ist faszinierend gefährlich, weil er als Heldenepos fabriziert ist. Stone, so Val Kilmer im Porträt danach, habe ihn während der Dreharbeiten gedrängt, mit Heroin Drogenerfahrungen zu machen.- Stone selbst stellte sich als spätpubertärer, ungebildeter Hollywoodlaffe dar.
Dazu paßt auch die Auswahl seiner Filmthemen: Alexander, Arafat, Castro. (Man kann auch Filme über Perikles, Henri IV. und Gorbaschow machen.)

Samstag, 18. Oktober 2008

72,50 H.öl, Nachhaltigkeit, Freiherr von Wenge, Weltende

Strizz, Reiche, FAZ. Etwas gewagt, wie Reiche mit dem Eichendorffschen Weihegut verfährt, aber doch sehr witzig!

Bodenfrost nachts; 4-12° sonnig
8.979,26 Dow 4.781,33 Dax (+4,3%)
Daimler-KGV ca. 5,2 ! Gemer Daimler kaufen am Montag! (Nach dem Tauben vergiften im Park)

- Er ist der Ur-Vater aller Schlotbarone – auch wenn heute kein Stahlkonzern seinen Namen trägt. Das Unternehmen Krupp gab es noch nicht, und der legendäre August Thyssen war noch lange nicht geboren, als Franz Ferdinand Freiherr von Wenge den ersten Hochofen im später sogenannten Ruhrgebiet zum Lodern brachte.
Der adlige Kirchenbeamte war ein Mann mit Visionen. Funde von Raseneisenerz in der Nähe von Sterkrade brachten ihn auf die Idee, am idyllischen Elpenbach eine Eisenhütte zu errichten. Nach jahrelanger Planung und vielen Rückschlägen wurde die St. Antony-Hütte am 18. Oktober 1758 erstmals angeblasen. Schon bald machten Konkurrenz-Werke der Antony-Hütte das Leben schwer. Ihre kurze Geschichte trägt Züge eines frühindustriellen Wirtschaftskrimis voller Neid und Missgunst, Lüge und Intrige, Macht und Gier.
1877 endete die Produktion. Zu diesem Zeitpunkt war Antony längst nur ein unbedeutendes Nebenwerk des großen Konzerns Gutehoffnungshütte. Dessen heutiger Rechtsnachfolger – der börsennotierte Mischkonzern MAN – feiert dennoch die fast schon vergessen geglaubte Antony-Hütte als Ausgangspunkt seiner 250jährigen Firmengeschichte.
Autor: Kay Bandermann

- Ja, die Nachhaltigkeit: "... Gewiss, Nachhaltigkeit kann in Konflikt mit der Demokratie geraten, wenn man glaubt, man kenne schon heute alle ökologischen und technischen Zusammenhänge von morgen. Gemäss dem Ökonomen Carl Christian von Weizsäcker (Köln) sind nämlich Demokratie und Nachhaltigkeit von
sehr unterschiedlicher Natur: Demokratische Politik beruht auf einer Abfolge von Versuch und Irrtum, ist offen für neue Erkenntnisse und kann bei neuen Mehrheiten zu
Kurswechseln führen. Nachhaltigkeit dagegen gründet auf einem langfristigen Plan, der im Stil einer Gesamtoptimierung umgesetzt und daher nicht gestört werden soll.
In der politischen Praxis gibt es allerdings zum Glück höchstens Bruchstücke von Plänen, und dank demokratischen Kontrollen ist die Gefahr eines "Öko-Totalitarismus"
gering. Niemand weiss ja, wie eine "richtige" Politik der Nachhaltigkeit aussähe. Eine Gruppe von elf Wirtschafts- und Naturwissenschaftern hat jüngst im "Journal of
Economic Perspectives" unter dem Titel "Are we consuming too much?" die Frage diskutiert, ob der Lebenswandel der Menschheit mit dem Prinzip der Nachhaltigkeit
vereinbar sei. Nach Ansicht der Autoren stehen Verbrauch und Investitionen vor allem
in ärmeren Ländern in einem schlechten Verhältnis zueinander. Genauere Aussagen
sind aber schwierig, da Bevölkerungsentwicklung und technischer Fortschritt im
Zeitablauf von zentraler Bedeutung sind.
Wenn man, wie dies liberale Ökonomen tun, künftigen Generationen einiges an Problemlösungskapazität zutraut, ist eine Politik, die das Fördern von "Nachhaltigkeits-
Champions" ins Zentrum stellt, eine Mittelverschwendung. Zudem ist Nachhaltigkeit zu einem guten Teil eine private Angelegenheit der Unternehmen. Viele zählen darauf,
dass der sorgfältige Umgang mit Umwelt und Ressourcen honoriert wird. Wer nachhaltiges Wirtschaften vorweist, kann seine Reputation bei Kunden, Arbeitnehmern
und in der Öffentlichkeit oft verbessern. Wer eine Marke zu pflegen hat, wird daher über "Umweltverbrauch" ähnlich ernsthaft nachdenken wie über Integrität oder
Produktequalität. Bemühungen um Nachhaltigkeit darf man der Öffentlichkeit auch sehr wohl mitteilen.
Es waren zuerst kleinere Unternehmen, die Umweltwirkungen, Energie- und Stoffbilanzen untersuchten. Heute sind Nachhaltigkeitsberichte fast allgegenwärtig. Es
ist hier ein ganzer Dienstleistungsbereich entstanden. Zertifikate nach ISO-Normen oder anderen Ansätzen zählen ebenso dazu wie Nachhaltigkeitsbenotungen zuhanden
der Anleger durch spezialisierte Fonds und Banken. Es gibt Wettbewerbe um die
besten Nachhaltigkeitsberichte, und eine Fülle von Daten soll zeigen, wie die einzelnen Firmen in den Disziplinen Wirtschaft, Soziales, Umwelt und Stakeholder-Pflege
abschneiden.
Genau an dieser Stelle wird es für eine liberale Ordnung jedoch gefährlich. Da wird der
Eindruck erzeugt, ein Unternehmen habe mehrere Ziele gleichzeitig zu verfolgen und
sei auch für soziales Wohlergehen ausserhalb der Firma zuständig. Wer Eigentümer
einer Firma ist, ist natürlich frei, mit den Erträgen zu tun, was er für geboten hält.
Aber mit Blick auf Aktiengesellschaften wird eine falsche Stimmung verbreitet. Das so
interpretierte Nachhaltigkeitspostulat erschwert nämlich enorm die Überwachung und
Disziplinierung der Manager durch die Aktionäre. Was Nobelpreisträger Milton Friedman 1962 gesagt hat, ist von höchster Aktualität. Auf die Frage, worin die soziale
Verantwortung von Unternehmen bestehe, gab er zur Antwort, dass sich die Manager
in einer freien Marktordnung darauf zu konzentrieren hätten, die Mittel gewinnbringend einzusetzen - immer unter Einhaltung der Wettbewerbsregeln und der Gesetze. Würde man den Unternehmen die Pflicht auferlegen, daneben andere soziale
Ziele zu verfolgen, wäre Willkür bei der Zielgewichtung die Folge, was zulasten der Eigentümer ginge und die Fundamente freier Wirtschaftsordnungen untergraben würde. ..." Nachhaltigkeit contra Milton Friedman, NZZ 24.12.04

- - Reiches Lyrik-Präsentation und -Auswahl sind zu loben, großartig! Ein Gedicht hätte aber besonders zur Woche, zum Jahr, zum Medien-Tam-Tam gepaßt:

Weltende

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
in allen Lüften hallt es wie Geschrei.
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
und an den Küsten - liest man - steigt die Flut.

Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
an Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.

Jakob van Hoddis (1887-1942)

Freitag, 17. Oktober 2008

Der Schlaf des Ungeheuers gebiert die MONDNACHT

Strizz, Reiche, FAZ

MONDNACHT

Es war, als hätt' der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt'.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Joseph Freiherr von Eichendorff
(10.3. 1788 Schloss Lubowitz (bei Racibórz) – 26.11. 1857 Neisse (Nysa)))

Sicher eines der schönsten deutschen Gedichte, wenn auch sehr platonisch-christlich fundiert. Die erotische Kosmologie, die pantheistische Naturfrömmigkeit, die imaginierte Rückkehr in eine Heimat nach dem Tode, das jambische Abheben von der Erdenschwere mit vielen Dehnungslauten, die in der letzten Strophe gegen das Schema erheben - ein schöner Schlußpunkt für Reiches lyrische Rätsel, die so schön ablenken von des Alltags Müh' und Last.
Übrigens ist der Mond noch recht voll, die Nacht schimmert silbern über den Dächern und noch mehr über den Wassern.
Kalt ist es aber mit 5°.

- Deutschland keine Demokratie: "Bundespräsidentenwahl. Linke verteidigt Sodanns Demokratiekritik. Mit dem Ausspruch, er halte „das, was wir haben, ja nicht für eine Demokratie“, hat der Kandidat der Linkspartei für das Bundespräsidentenamt Peter Sodann scharfe Kritik hervorgerufen: „Schlicht Quatsch!“ Die Linke glaubt dagegen, dass Sodann vielen aus der Seele spricht. ..." FAZ // Was will man von einem (Krimi-)Schauspieler erwarten?

- Abstieg nach Hollywood. Ein begabter Regisseur oder: als ich noch ins Kino ging: "Deutsche Erstaufführung von Roman Polanskis Film „Rosemaries Baby“ ' am 17. Oktober 1968, Zz. // Was will man von einem Regisseur erwarten? Eine ekelhafte Geschichte war das, die gekonnt mit Sexualität, Aberglauben, Tod, Lug und Trug spielte, die Crapule schätzt das, Horrorfilme kitzeln den hss. ("Messer im Wasser" und "Katelbach", soweit mir im Gedächtnis, fand ich sehr viel klüger; amüsanter, wenn auch belanglos wie Rosemaries Baby" fand ich den "Tanz der Vampire"; offenbar brachte der Durchbruch in Hollywood Polanski um den Verstand.- Man könnte meinen, daß solche Filme auf verwirrte Gemüter wirken könnte wie die Mitglieder der satanistischen Manson-Kommune, die die hochschwangere Polanski-Freundin Sharon Stone bestialisch umbrachte.

- Valotton (1865-1925) malte 40mal Sonnenuntergänge - keine intellektuelle, aber eine schöne Leistung, von der Gerhard Richter in jeder Beziehung mit seinen übermalten Fotografien meilenweit entfernt ist.