Donnerstag, 13. November 2008

DES: Prognoseerhöhung, McGinn, Rezession



Der Benzinpreis fällt! Das freut! Eine schöne Grafik dazu auch! (Volker Reiche, FAZ)

- Deutsche EuroShop: Prognoseerhöhung nach gutem Neunmonatsergebnis 2008
- Möbelhandel erwartet für dieses Jahr ein Umsatzwachstum von 4%. Die Finanzkrise ist noch immer komfortabel, die Bankkaufleute ausgenommen (da wieder ausgenommen SANTANDER).
- Metzler: Keine Kreditklemme.

- "Deutschland ist in der Rezession Jetzt ist es offiziell: Deutschland ist in die Rezession gerutscht - zum ersten Mal seit 2003. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im dritten Quartal um 0,5 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Das ist der zweite Rückgang in Folge." OECD sieht Euroraum und Amerika in der Rezession.
- - Freitag, 19. Mai 2006: Merkelmünte beschließen die schlimmste Mehrwertsteuererhöhung der bisherigen Geschichte! 19%! Neunzehn!! Wenn diese Leute etwas für die Konjunktur tun wollen, dann brauchten sie nur zum alten hohen Satz von 16% zurückzukehren. !!

- "McGinns zentrale These lautet, dass wir bestimmte Probleme aufgrund unserer eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten nicht lösen können. Dies liegt nach McGinn an der modularen Struktur unseres Bewusstseins. Die Thesen der modularen Organisation stammen dabei insbesondere von Jerry Fodors einflussreichen Buch „The Modularity of Mind“, Thomas Nagels "The View From Nowhere" und Noam Chomskys Sprach-Analysen. McGinn, Nagel und Fodor wurden wegen ihrer skeptischen Haltung gegenüber einer rein physikalistischen Lösung des Leib-Seele-Problems vom Philosophen Owen Flanagan als "New Mysterians" getauft.
Zur Lösung bestimmter Probleme haben sich laut McGinn im Laufe der Evolution leistungsfähige Module entwickelt. Für die Lösung einiger Probleme sind unsere kognitiven Module jedoch prinzipiell ungeeignet. Diese Probleme sind insbesondere die klassischen Probleme der Philosophie. Hierzu gehören nach McGinn etwa die Fragen nach Willensfreiheit und dem Selbst. Auf diese Fragen gibt es zwar Antworten – wir können sie jedoch aus prinzipiellen Gründen nicht finden. ..." (Wiki.) // Die Liste der Probleme, die unlösbar sind, gerät recht lang, wenn man in Geschichte und Gegenwart blickt.
- " Das Parkettgespräch. Nur ein Intermezzo . Vor den Aktienmärkten liegen noch drei bis vier gute Jahre. Klaus Holschuh leitet die Wertpapieranalyse der DZ Bank. / / Klaus Holschuh gehört nicht zu denjenigen, die schnell wankelmütig werden. ... Zu Holschuhs Erfahrungen gehört, daß Konjunktur, Zinsen und Aktienkurse in Amerika und Europa in der Regel einem zehn Jahre währenden Zyklus folgen. ' Derzeit stecken wir in Amerika in einer wirtschaftlichen Schwächeperiode, und in Europa steht uns eine solche bevor. Aber es handelt sich nur um ein Intermezzo von rund eineinhalb Jahren. Wir sind nicht am Ende eines großen Zyklus ... im zweiten Halbjahr wird die Rezession in Amerika kein Thema mehr sein. Die Konjunktursignale werden immer positiver, und eine Leitzinsanhebung durch die Fed wird von den Analysten als Zeichen wiedergewonnener Stärke begrüßt werden ' ... " FAZ 20.6.08

- Öffentlich-rechtlicher Klassenkampf um 20.15h: " Ein Sadist aus reichem Hause . "Sklaven und Herren": Der Terror in und nach der Schule bleibt ganz ungestraft. ..." 12.11. ARD

- 8° b, über 700m Schnee - das muß die Klimaerwärmung sein!

Mittwoch, 12. November 2008

"Das Sub-Prime-Virus: Ursachen und Folgen der Finanzkrise"

7-12° - sonnig
4621 (-3%) 8283 1,2507 ! 55,91 WTI

- "Amerika wechselt Kurs im Bankenrettungsprogramm.
Von Claus Tigges, Washington und Norbert Kuls, New York
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Große Aufregung nach der Rede von Finanzminister Henry Paulson
12. November 2008 Die amerikanische Regierung gibt ihren Plan auf, Banken und anderen Finanzmarktakteuren durch den Kauf fauler Kredite und problematischer Wertpapiere aus der Klemme zu helfen. Stattdessen soll das Beteiligungsprogramm zur Rekapitalisierung auf weitere Kreditinstitute und womöglich auf Versicherungsunternehmen und andere Finanzdienstleister ausgedehnt werden. Das hat der amerikanische Finanzminister Henry Paulson am Mittwoch angekündigt. Am New Yorker Aktienmarkt kam es anschließend zu starken Kursrückgängen. Der Dow-Jones-Aktienindex gab um 4,7 Prozent nach. Beobachter führten dies darauf zurück, dass Anleger Paulsons Ankündigung so deuteten, dass weit mehr Finanzunternehmen von der Krise erfasst sind als bisher vermutet. ..."

Öffentliche Vortragsveranstaltung der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften
Mittwoch, 12. November 2008, 19.00 Uhr

Seit einigen Monaten hält die Finanzkrise nicht nur die Akteure in Finanzinstituten in Atem, sondern beschäftigt auch die breite Öffentlichkeit.
Im ersten Vortrag wird herausgearbeitet, wie zweifelhafte Kreditvergaben in den USA das Weltfinanzsystem infiziert und viel Vertrauen zerstört haben. In allgemein verständlicher Form werden die Produkte erläutert, mit denen die negativen Auswirkungen übertragen wurden. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei ungleich verteilten Informationen, mangelnder Transparenz und fehlerhaften Anreizsystemen entgegengebracht. Behandelt werden außerdem das Einlagensicherungssystem in Deutschland, das zum Schutz der Sparer existiert, sowie die aktuellen (wirtschafts-) politischen Rettungsmaßnahmen.
Im zweiten Vortrag wird die Frage analysiert, ob die Finanzkrise weniger die Frucht eines Versagens von Märkten als vielmehr der Wirtschaftspolitik in den Vereinigten Staaten und in Europa ist.
Im Anschluss besteht die Möglichkeit zur Diskussion.

"Das Sub-Prime-Virus: Ursachen und Folgen der Finanzkrise"
Professor Dr. Andreas Pfingsten,
Finance Center Münster

"Die Finanzkrise: Marktversagen? Staatsversagen?"
Professor Dr. Manfred J. M. Neumann,
Präsident der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften

Dienstag, 11. November 2008

Flach & gut


Reiche, FAZ; könnte Strizz eigentlich ein Sproß des Halbbruders von Ex-Taxifahrerminister Fischer sein?
Nahe dem rheinland-pfälzischen Berg haben sich Demonstranten an einen unter den Gleisen befindlichen Betonblock gekettet. "Nichts ist teuflischer als ein aufrührerischer Mensch", meinte Luther.

- Wunderbar ist das und schwächt auch nicht die Binnennachfrage:
"Flach & gut.
Eine gute Idee setzt sich durch - auch gegen viele Widerstände. Vor einem Vierteljahrhundert haben die amerikanischen Ökonomen Robert E. Hall und Alvin Rabushka eine Idee in die steuerpolitische Arena geworfen, die so revolutionär wie anziehend ist: die "Flat Tax". Gemeint ist eine Einkommensteuer mit einem einzigen flachen (nichtprogressiven) Tarif, der alle Einkommen gleichmäßig erfasst. Im Gegenzug sollten alle Ausnahmen und Absetzungsmöglichkeiten bis auf einen Familienfreibetrag entfallen. Mit einer "Flat Tax" passe die Steuererklärung auf eine Postkarte, warben Hall und Rabushka. Sie bedeute eine enorme Vereinfachung, spare Hunderte Milliarden an Verwaltungskosten, unterstütze Steuerehrlichkeit und die Bildung von Kapital und sporne Wirtschaft und Bürger zu mehr Leistung an, wenn die Steuerlast mit steigendem Einkommen nicht immer mehr zunehme.
Die Idee der "Flat Tax" hat viele Freunde gewonnen und ist in der Praxis erprobt worden: Halb Osteuropa hat mittlerweile mehr oder weniger konsequente Varianten eingeführt, freut sich Rabushka im Vorwort zur deutschen Übersetzung seines Steuerkonzepts. Estland hat 1994 eine Einheitssteuer beschlossen, deren Satz auf 18 Prozent gesenkt wurde; es folgten Lettland und Litauen, dann Russland, Serbien, die Ukraine und die Slowakei, die Einkommen, Gewinne und Konsum seit 2004 einheitlich mit 19 Prozent besteuert. Jüngst kamen "Flat Tax"-Reformen in Georgien, Rumänien, Kirgistan und Mazedonien hinzu. Von Osten schieben sich die niedrigen Einheitssteuern immer näher an die alte EU heran (eine gewisse Ironie ist, dass eine Liechtensteiner Stiftung das "Flat Tax"-Buch herausgibt, die gute Kontakte zum Fürstenhaus und zur LGT-Bank hat, die noch ganz andere Steuersparmodelle anbietet). Rabushka hebt aber hervor, dass die Einheitssteuer zu höheren Steuereinnahmen geführt habe, weil die Wirtschaft sich - auch dank der Reform - sehr dynamisch entwickelt.
Neben all den ökonomischen Vorteilen, die Hall und Rasbushka überzeugend darstellen, bemühen sie sich auch um den Nachweis, dass ihre "Flat Tax" durchaus fair sei. Sie wollen den Einwand entkräften, dass es nicht gerecht sei, "wenn der Chef und die Sekretärin dasselbe zahlen" - so hieß es in Deutschland, als Kirchhofs Variante diskutiert wurde. Zum einen ist diese Kritik sachlich falsch, weil auch mit einer proportionalen Steuer der Großverdiener sehr viel mehr zahlt; zum anderen gibt es gute ethische Argumente für eine proportionale Steuer. Vor allem entspricht die Einheitssteuer dem Prinzip der Gleichheit vor dem Recht weit mehr als "Progressionsraten, mit denen eine Minderheit diskriminatorisch besteuert wird", wie Kurt Leube in der lesenswerten Einleitung schreibt."
PHILIP PLICKERT Buchtitel: Flat Tax
Buchautor: Hall, Robert E.
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.09.2008, Nr. 216 / Seite 10

Montag, 10. November 2008

Luther, Obama


- Luther: Geburtstag 10. November 1483; Prototyp eines innengeleiteten Menschen, wie er Riesman vor Augen stand; mit seiner Bibelneuübersetzung wirkt er bis heute auf das Deutsche, das zu verhunzen sich der protestantische Bibelverschnitt "in gerechter Sprache" heutzutage bemüht.

- Obama wird Präsident: Amerika rückt nach links. Von Claus Tigges
FAZ 05. November 2008 Einen Vorwurf muss sich John McCain nicht gefallen lassen: die miserable Verfassung der Wirtschaft und ihre Bedeutung im Rennen um das Weiße Haus unterschätzt zu haben. „It’s the economy, stupid!“: Jener berühmt gewordene Slogan Bill Clintons aus dem Wahlkampf gegen George H. W. Bush, er trifft auf den Republikaner aus Arizona nicht zu. Dass es am Ende nicht gereicht hat für McCain, hat seinen Grund nicht nur in taktischen Missgeschicken und Unzulänglichkeiten seines wirtschaftspolitischen Programms; die Zuspitzung der Finanzkrise hat es Barack Obama leichter gemacht, mit seiner Botschaft vom „Wechsel“ bei den Wählern durchzudringen und den republikanischen Widersacher in Mithaftung zu nehmen für die Politik von Präsident George Bush. Den Sieg hat der Demokrat auch deshalb davongetragen, weil viele Amerikaner am Dienstag ein vernichtendes Urteil über die Wirtschaftspolitik der vergangenen acht Jahre gefällt haben.
Obama ist um den Zeitpunkt seiner Wahl nicht zu beneiden. Das Finanzsystem des Landes steht am Abgrund, der Häusermarkt liegt darnieder, und die durch die Vertrauenskrise an den Märkten verursachte Kreditklemme hat die Wirtschaft wohl endgültig in die Rezession getrieben – zum ersten Mal seit acht Jahren.
„New Deal“bildet noch heute den Sockel des amerikanischen Sozialsystems
Die Stimmung im Land ist so schlecht, dass in der öffentlichen Diskussion über die Ursachen der Krise und mögliche Auswege oft der Vergleich zur Großen Depression gezogen wird, jener schlimmen Zeit in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, in der Tausende von Banken zusammenbrachen, Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz verloren und vielerorts Not und Elend herrschten. Davon sind die Vereinigten Staaten glücklicherweise ein gutes Stück entfernt, und die Gefahr einer Wiederholung ist gering, nicht zuletzt weil die Notenbank ihre Aufgabe als „Kreditgeberin der letzten Instanz“ ernst nimmt.
Die Erwartungen an Obama sind gleichwohl äußerst hoch gesteckt. Viele Amerikaner erhoffen sich ähnlich Wegweisendes wie den „New Deal“, jenes Bündel von Reformen, die unter dem Eindruck der Depression von Präsident Franklin D. Roosevelt ins Werk gesetzt wurden und die noch heute den Sockel des amerikanischen Sozialsystems bilden: Die staatliche Rentenversicherung, der gesetzliche Mindestlohn und eine Arbeitslosenversicherung, sie alle sind Teil des „New Deal“.
Umverteilung, nicht Chancengleichheit lautet Obamas Parole.
Die große Verunsicherung vieler Amerikaner schlägt sich in dem Wunsch nach einer stärkeren Hand des Staates und mehr organisierter Solidarität nieder. Dafür steht Obama, nicht McCain. Sein Plan für eine umfassende Krankenversicherung setzt auf staatlichen Zwang, die vorgesehenen Steuererhöhungen für Spitzenverdiener auf eine Verschärfung der Progression in der Einkommensteuer. Und sein Versprechen, das Freihandelsabkommen mit Mexiko und Kanada „nachzubessern“, zielt auf höhere Handelsbarrieren – zum vermeintlichen Schutz amerikanischer Arbeiter. Umverteilung, nicht Chancengleichheit lautet Obamas Parole, die er in dem Versprechen ausgegeben hat, „den Wohlstand zu verteilen“.
Die Wohltaten, die der Demokrat dem amerikanischen Volk in Aussicht gestellt hat, kosten Geld, viel mehr, als sich durch den tieferen Griff in die Taschen der Reichen holen lässt. Hinzu kommen seine Pläne für ein milliardenschweres Konjunkturpaket, das über Investitionen in die Infrastruktur der Wirtschaft auf die Sprünge helfen soll. Auch haben die Aufräumarbeiten im Finanzsystem gerade erst begonnen. Obama muss sie fortsetzen, und es ist noch nicht klar, wie sehr sie den Staatshaushalt letztlich belasten werden. Es ist bedauerlich, dass der Demokrat bisher kein Wort über eine Verringerung des schwindelerregend hohen Haushaltsdefizits verloren hat. Eine Konsolidierung der Staatsfinanzen tut not, damit mehr Kapital für private Investitionen bleibt und nicht so viele Milliarden als Zinszahlungen an ausländische Gläubiger fließen müssen.
Obama muss erkennen: Auch der amerikanische Staat hat versagt.
Amerika rückt durch die Wahl Obamas nach links. Das gilt umso mehr, als sich der Demokrat auf eine komfortable Mehrheit der eigenen Partei im Kongress stützen kann. In dem Bemühen, nun vieles anders und vor allem besser zu machen für die breite Mittelschicht, sollte der 44. Präsident der Vereinigten Staaten nicht dem Trugschluss erliegen, die aktuelle Krise sei ausschließlich der Zügellosigkeit freier Märkte zuzuschreiben. Auch der amerikanische Staat hat versagt, indem er das Wohneigentum über die Maßen gefördert und damit entscheidend zur Preisblase auf dem Immobilienmarkt beigetragen hat. Diese Einsicht ist wichtig, damit die notwendige Adjustierung des marktwirtschaftlichen Rahmens nicht zu einer die Wachstumskräfte erstickenden Überregulierung gerät.
Man mag George Bush einiges vorhalten, auch in der Wirtschafts- und Finanzpolitik. Doch in einem hat der Texaner, dessen Amtszeit sich nun dem Ende zuneigt, ganz gewiss recht: Ein demokratischer Kapitalismus ist das beste Wirtschaftssystem, das Menschen je erdacht haben.
- Lars Vollmar, Kommentar zum Komm.: Amerika rückt nach deutschen Verhältnissen in die Mitte.
Für amerikanische Verhältnisse - v.a. im Vergleich zu den Republikanern - ist die Programmatik Obamas sicherlich links. Nach deutschen Maßstäben kann man jedoch höchstens von liberal sprechen. Die Gleichsetzung des amerikanischen mit dem deutschen Links-Rechts-Schema funktioniert nicht. Es ist erstaunlich, dass sich deutsche Politiker in Obamas Glanz sonnen wollen und dass Menschen Obamas Wahl bejubeln, die das von ihm vertretene Programm bei einer deutsche Partei als "neoliberal" kritisieren würden. Obama fordert - einen Einkommenssteuer-Spitzensatz von 36% - steuerliche Entlastungen für die Mittelschicht (was laut Programm ein Monatseinkommen bis 16.000 Euro umfasst) Die Krankenversicherung soll dadurch erschwinglich für alle Amerikaner werden, dass mehr echter Wettbewerb zwischen den Versicherungen geschaffen wird. Auch die von Obama geplante staatliche Versicherungskammer tritt in Wettbewerb mit den Privaten. Der von Claus Tiggens erwähnte "staatliche Zwang" sind in Wahrheit vom Staat vorgegebene Regeln für den Wettbewerb im Versicherungsmarkt. Es gibt aber weiterhin keine Versicherungspflicht.

Sonntag, 9. November 2008

Hoher Herbst, Shakespeare, Nietzsche, Spiegelneuronen, Berliner Mauer

Die Bucheckern fallen, das Laub haftet. 8-10° regn.

- Herr O. soll heute auf dem Michigan-See gewandelt sein, Donnerwetter, he can.

- Wir sind solcher Stoff
Als wie zu Träumen
Und dies kleine Leben
Umfaßt ein Schlaf.

Shakespeare, Sturm IV,I

- Bayer bestätigt Prognose für 08 und erhöht für 09. Wincor N. erwartet stagnierendes Geschäft. HR Jan.-Sept. mit Verlust, streicht D.

- Nietzsche Die fröhliche Wissenschaft Anhang. Lieder des Prinzen Vogelfrei
Nach neuen Meeren

Dorthin — will ich; und ich traue
Mir fortan und meinem Griff.
Offen liegt das Meer, in's Blaue
Treibt mein Genueser Schiff.

Alles glänzt mir neu und neuer,
Mittag schläft auf Raum und Zeit
Nur dein Auge — ungeheuer
Blickt mich's an, Unendlichkeit!

- Auch erfreulich: Ludwig Jäger kramt nicht mehr in der Soziolinguistik alter Kiste wie seinerzeit in Duisburg:
'07. November 2008 Den Verächtern der visuellen Kultur wird momentan das Leben schwer gemacht. Denn auch von akademischer Seite springt man ihr längst bei. Am verblüffendsten vielleicht der Aachener Philologe Ludwig Jäger im Zürcher Jahrbuch für Wissensgeschichte „Nach Feierabend“. Unter Rückgriff auf evolutionsbiologische und neurowissenschaftliche Erkenntnisse rollt er die Frage nach Herkunft und Natur der Sprache auf. Allgemein anerkannt ist längst die These, dass die Aufrichtung des Gangs ein entscheidender Moment für die Entwicklung der menschlichen Spezies war.
Überraschender ist die Einsicht, dass das Freiwerden der Hand nicht nur die technische Entfaltung des Menschen möglich machte, sondern auch die Entwicklung einer vielschichtigen Gebärdensprache. Erst nach vermutlich vielen hunderttausend Jahren „fand dann offenbar mit der Auslagerung der Sprache aus dem gestisch-visuellen in das vokal-auditive System eine zweite Befreiung der Hand statt: Sprachliche Instruktion und technisches Handeln konnten nun in ein neues komplexes Verhältnis treten, das offensichtlich zu einem revolutionären kulturellen Schub führte.“
Wort gegen Bild, ein hegelianisches Erbe
Für die Gestensprache, zu der man Ansätze schon bei Primaten findet, macht Jäger die Spiegelneuronen verantwortlich, jene Hirnzellen, die nicht nur bei Tätigkeiten ihres Besitzers aktiv werden, sondern auch, wenn er Handlungen seiner Artgenossen beobachtet. Hier liegen die Wurzeln für eine „gemeinsame Kodierung von Rezeption und Aktion“ und damit für eine symbolische Darstellung von Handlungszusammenhängen.
Genau dieses Vermögen zur Nachahmung führte zur Gebärdensprache, die als Inszenierung im Ausdrucksbereich der Hand nicht weniger begrifflich und abstrakt war, als die heutige Wortsprache seit jeher an impliziten Bildern reich ist. Jäger erinnert daran, dass das medienkritische Ressentiment gegenüber der „Aufdringlichkeit des Piktoralen“ auf Hegel und den deutschen Idealismus zurückgeht, der das Wort im Namen der befreienden Abstraktion gegen das Bild in Stellung brachte. ..." FAZ

- Da war doch noch was?: Die Berliner Mauer „fiel“ in der Nacht von Donnerstag, dem 9. November, auf Freitag, den 10. November 1989, nach über 28 Jahren ihrer Existenz. Es wird fast totgeschwiegen. Man sollte sich aus diesem psychotischen Land verabschieden.

- Wenigstens das: "Freiheitspreis
Der Bekenner: Frankfurt feiert Mario Vargas Llosa
Vom Geschmack der Freiheit: Mario Vargas Llosa während seiner Dankesrede
09. November 2008 Freiheit ist ein Erfrischungsgetränk. Wer wissen will, wie sie schmeckt, sollte ein Glas Kola Real probieren, wenn er Südamerika bereist. Denn diese Limonade, die vor zwanzig Jahren in einer der ärmsten Gegenden Perus von einem gewissen Jorge Añaño entwickelt und von seiner Familie in der Küche des Hauses in Ayacucho abgefüllt wurde, hat seither den Durst von Millionen Menschen gestillt - nicht nach Zuckerwasser, sondern nach Veränderung. Der Zauber des Tranks lag in der Erkenntnis: Das, was ist, kann anders werden. ..." FAZ