Mittwoch, 10. Juni 2009

Wer mit zwanzig kein Sozialist ist, hat kein Herz, wer es mit vierzig immer noch ist, hat keinen Verstand.

- "Wellershoff war Mitglied der NSDAP . Ein Aktenfund bestätigt seine Mitgliedschaft in der NSDAP: Dieter Wellershoff
09. Juni 2009 Der Schriftsteller Dieter Wellershoff war Mitglied der NSDAP. Nach einem Bericht des „Zeitmagazins“ wurde im Berliner Bundesarchiv eine auf seinen Namen ausgestellte Mitgliedskarte entdeckt. Demnach wurde die Aufnahme des 1925 geborenen Autors am 20 April 1944 beantragt; sie erfolgte rückwirkend zum 20. April 1943. Ein eigenhändig unterschriebener Aufnahmeantrag liegt nicht vor, Wellershoff kann sich an eine Mitgliedschaft nicht erinnern. „Ich war total vor den Kopf geschlagen, als ich von der Karte erfuhr.“
Von Wellershoff war bekannt, dass er in der Hitlerjugend war und sich 1943 freiwillig zur Panzerdivision Hermann Göring meldete, in der er bis zu seiner Gefangennahme kurz vor Kriegsende diente. In seinem Werk hat er sich immer wieder mit der Verstrickung seiner Generation in den Nationalsozialimus auseinandergesetzt. Nach dem Stand der historischen Forschung gibt es bislang keinen Beweis für Kollektivaufnahmen ohne die Zustimmung der Beteiligten. Im Zusammenhang mit der Debatte über die NSDAP-Mitgliedschaft von Angehörigen der „Flakhelfer“-Generation wie dem Kabarettisten Dieter Hildebrandt, den Schriftstellern Martin Walser und Siegfried Lenz oder den Philologen Walter Jens und Walter Höllerer hatte Wellershoff 2007 von einem „journalistischen Sommertheater“ gesprochen. " 9.6. FAZ
- - Wer wird solche Jugendfehler nicht als solche ablegen? Wer mit zwanzig kein Sozialist ist, hat kein Herz, wer es mit vierzig immer noch ist, hat keinen Verstand. Das Problem mit diesen damaligen Jungsozialisten, die sich von der Volksgemeinschaftsideologie und seinem Antikapitalismus angezogen fühlten, liegt darin, daß aus den Jungsozialisten immerwährende Altsozialisten geworden sind.

- Calvins Ideal war die Milde - doch sein Charakter und sein Temperament erlaubten ihm nicht immer, ihr zu folgen. Ja, ja.

- WTI gut 70$ .

- Karstadt: Nach langen Jahren der Schwäche Insolvenz.

Dienstag, 9. Juni 2009

Röhl: "Die über Leichen gehende Ungeduld", Wilson: On Human Nature



Wär' es heut' auch so schön!

- Auf Schritt und Tritt begleiten die hellen Stimmchen der jungen Meisen, die in der Geschwistergruppe unterwegs sind und noch mehr Krakeel machen als vor kurzem noch im Nest - leider findet man jetzt jeden Tag mindestens einen von der Katze angefressenen, meist nur totgebissenen Jungvogel.

- Warm ist es auch in O. nicht (12-16°C) : " ARCTIC SEA ICE EXTENT NOW BACK TO NORMAL. Jennifer Marohasy, 8 June 2009
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NOTHING seems to be going to plan for those who believe in anthropogenic global warming and an imminent climate crisis. According to thermometer and satellite data global surface temperatures are not increasing, the oceans aren't warming, and now it seems not even the Arctic is melting.
The latest satellite data on Arctic sea ice extent suggests that there is now a normal amount of sea ice in the Arctic - normal is defined as about average for the period 1979 - 2007.

And when all is said and done, if the climate system is not accumulating heat, the AGW hypothesis is invalid. "

- Erfreulich, es drohte die Pest der Scharia und die brutalstmögliche Diktatur der Hizbullah : "Parlamentswahl im Libanon.
Überraschend deutlich hat die Regierungsmehrheit um Saad Hariri die Parlamentswahl im Libanon gewonnen. Der Sunnit gilt als designierter Ministerpräsident, braucht aber auch Zustimmung aus der Opposition. Die Hizbullah hält trotz der Niederlage ihrer Verbündeten an ihren Waffen fest." FAZ

- "Das Warenhaus lebt": Sex, Saufen, Fressen, Urlaub, Minderleistung - das sind die Fixsterne des internationalen Proletariats. Gelegentlich steigert es sich, bei der Minderleistung, da werden die Kunden nicht nur schlecht, sondern gar nicht mehr bedient, da wird Krakeel auf der Straße veranstaltet und die gute Arbeit der Dekorateure verunstaltet durch Verkleben der Karstadt-Schaufenster. Die Zunahme des Wohlstands gebiert Ungeheuer.
- - Das Warenhaus könnte viel besser leben, wenn die Bedienung wenigstens so gut wäre wie in kleineren Geschäften.

- Amendt: Während die einen sich aus Schwäche in den vernebelnden Dunstkreis der Erlösungs- und Gutseinsideologien eintauchen, verwenden die Ideologenhäuptlinge den Denkunsinn für ihre Herrschaftsinteressen, sie instrumentalisieren die dummen Hühner als Gefolge, auf daß sie Minister oder wenigstens ewiger Interviewgast werden. Dreiste Dominanzfiguren wie Günter Amendt ("Sexfront") demonstrieren dann auch noch mit 70, daß man lebenslang fast nichts dazulernen kann.

- Diesen Vorwurf kann man Röhl nicht machen, der immer wieder an die miese linke Brandstifterhochzeit erinnert: Röhl-LB: ' Die über Leichen gehende Ungeduld
Zum Artikel "Der Schuss, der die Republik veränderte" (F.A.Z.-Feuilleton vom 23. Mai): Es ist kein Geheimnis, dass die Wortführer der Achtundsechziger, auch wenn sie den "gewaltfreien Widerstand" predigten, von Anfang an mit den militanten Guerrillabewegungen in der Dritten Welt sympathisierten, die ihren Erfolg und ihre Anhängerschaft ausschließlich brutal eingesetzter Gewalt verdankten. Ja, sie erlebten die Kriegshelden wie etwa Che Guevara und Ho Tschi Minh als romantische Identifikationsfiguren, deren Namen als Schlachtrufe bei Demonstrationen skandiert wurden. Niemand skandierte Ga-Ga-Gandhi!

Die Achtundsechziger-Bewegung war zu keinem Zeitpunkt nur Gandhi und Luther King verpflichtet, sondern theoretisierte von Anfang an über Gewalt, das Durchbrechen des seit dem Spätmittelalter geltenden Gewaltprivilegs des Staates. Das war kein Streitpunkt. Lediglich über den Zeitpunkt und den Ort des Einsatzes der Gewalt wurde heftig gestritten. Nur in der Dritten Welt? Auch in den westlichen Großstädten? Das war in das Belieben der einzelnen Gruppe gestellt. Die Diskussion wurde auch in meiner Zeitung geführt, leider. Bis es zu einem Eklat kam, als mir der Artikel "Die Ärzte von Hue" untergeschoben wurde, in dem die Ermordung deutscher Mediziner durch den Vietcong wortreich gerechtfertigt wurde:

"Die deutschen Ärzte haben versucht, subjektiv ehrlich und wohlgemeint (!) zu demonstrieren, wie Medizin in ihrem Heimatland betrieben wird und glänzend funktioniert . . . Die Revolutionäre wissen, dass ärztliche Tätigkeit ohne ein ausgeprägtes gesellschaftliches und politisches Bewusstsein mörderisch ist. Traditionelle medizinische Hilfseinrichtungen in großen Städten sind nichts als ein Alibi für die täglichen Verbrechen des Völkermords. Die geschändeten Bauern, wenn sie als Soldaten der Befreiungsarmee die großen Städte einnehmen, durchschauen nicht die feinen Rationalisierungsargumente der Ärzte hinter den feindlichen Linien. Sie kennen nur die Wut darüber, dass sich die Ärzte nicht den eigentlichen Problemen der Bevölkerung stellen . . ."
Deshalb also wurden die Ärzte "hingerichtet". Aus Wut. Diesen hanebüchenen, lebensgefährlichen und antihumanen Unsinn abgedruckt zu haben bleibt meine Schuld.
Ein zweiter Aufsatz, "Gewalt in den Metropolen", beschäftigte sich mit den ersten Opfern, die auf Demonstrationen durch Steinwürfe ums Leben gekommen waren. Er liest sich, im Juni '68, wie ein Aufruf zum bewaffneten Kampf. Sein Autor war Peter Schneider:
"In prinzipieller Hinsicht endet die Frage nach der Gewalt in der Frage, ob wir entschlossen sind, unsere Ziele zu erreichen. Wir wollen endgültig verhindern, dass die Menschen hier an Geist und Körper zu Krüppeln geschlagen werden, die nur noch arbeiten, kaufen und hassen können. Wir werden damit nicht warten, bis noch eine Generation und noch eine Generation kaputtgemacht wird, sondern wir wehren uns jetzt. Den Sozialismus werden wir nur bekommen, wenn wir unsere Feinde wissen lassen, dass wir alle Mittel anwenden werden, die nötig sind, ihn zu bekommen . . ."
Ich habe diese ersten offenen Aufrufe zur Gewalt nicht ernst genug genommen. Ich ahnte nicht, dass Worte direkt in 9-mm-Geschosse übergehen könnten, die Schönheit der Utopie in die über Leichen gehende Ungeduld. Ich habe alles veröffentlicht, bis mir selber die Scheiben eingeschlagen, die Haustür eingetreten, die Telefonleitungen durchschnitten, meine Kinder entführt und die Mutter meiner Kinder - mitgegangen - mitgefangen war."
DR. KLAUS RAINER RÖHL, VON 1955 BIS 1973 HERAUSGEBER VON "KONKRET", KÖLN; LB FAZ 8.6.09

- "On Human Nature" von Edward O. Wilson hat die linke Knalltüte Amendt natürlich nicht gelesen, auch nichts anderes, das den biologischen Funktionalverband MENSCH begreifbarer macht und darauf hinweist, daß die menschlichen ANIMAL SPIRITS stets der Disziplinierung bedürfen, daß sie stets in Spannung zum kultivierten Menschen stehen. Morgen wird E. O. Wilson achtzig Jahre alt. Ich gratuliere schon einmal! (s. F.A.Z., 08.06.2009)

- Musikfreund Hegel: " Die Musik z. B., welche es sich nur mit der ganz unbestimmten Bewegung des geistigen Innern, mit dem Tönen gleichsam der gedankenlosen Empfindung zu thun macht, hat wenigen oder keinen geistigen Stoff im Bewußtsein von Nöthen. Das musikalische Talent kündigt sich darum auch am meisten in sehr früher Jugend, bei noch leerem Kopfe und noch wenig bewegtem Gemüthe an; ... wie wir denn auch oft genug eine sehr große Virtuosität in musikalischer Composition und Vortrage neben bedeutender Dürftigkeit des Geistes und Charakters bestehen sehen.-" Hegel, Aesthetik I, S. 54 (Hotho) // Und da gab es Bono noch nicht!

Montag, 8. Juni 2009

EU-Wahl, kaltes Klima, Emerson



Minus 6% für die merkeldenaturierte, entbürgerlichte, sozialdemokratisierte CDU - allein das ist bereits ein erfreuliches Ergebnis der EU-Wahl; noch mehr natürlich, daß die Zahl der Gegner des Lissabon-Vertrages im neuen EU-Parlament zunehmen wird.

- Detlef Symietz : "@Albert Hollmann; Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen,
von Naturwissenschaften,insbesondere Physik,nicht viel zu wissen, ist nicht nur in Kreisen, die ihren A8 mit Chauffeur leer neben dem Zug fahren lassen um selbst als Bahnfahrer CO2 einzusparen, längst keine Schande mehr, ganz im Gegenteil.
Sie erwähnen den Anstieg des CO2 von 377 auf 383 ppm, richtig so. Nur, die globalen Temperaturen sind in dieser Zeit nicht gestiegen, ja, was nun?
In einer Arbeit mit Schellnhuber als Ko-Autor aus dem Jahre 2003 werden an Hand von 95 über den Globus verteilten Messstationen die Temperaturen des Zeitraumes ab 1975 ausgewertet. Zitat aus dieser Arbeit:"In the vast majority of stations we did not see indications for a global warming of the atmosphere.Exceptions are mountain stations in the Alps (Zugspitze,Säntis,Sonnenblich)" . Meinten Sie dies mit "Hitzetod"?
In einem Punkt haben Sie allerdings zumindest in Teilen recht: ein Grossteil der in der politischen Klimaforschung gehandelten "Ergebnisse" sind wirklich erlogen. Was wissenschaftlich nicht gefunden wird, wird halt zu politischen Zwecken erfunden. Nur schade, dass unser Schulsystem dazu geführt hat, dass es immer weniger merken." Diskussion zu 'Entwaffnet die Industrie' auf www.faz.net/s/RubC5406E1142284FB6BB79CE581A20766E/Doc~EDA41E475128646DCBBB7C72DF1606712~ATpl~Ekom~SKom~Ak~E255468.html
- Interessant: http://oekoreligion.wordpress.com/

- "The Great Transformation – Climate Change as Cultural Change, 08. Juni - Mittwoch, 10. Juni
Veranstalter: KWI, Stiftung Mercator, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie
Ort: Philharmonie Essen. Globale Klimaveränderungen beeinflussen nicht nur einen Ausschnitt unseres Lebens, sondern stellen mit ihren sozialen, kulturellen, ökonomischen und psychologischen Folgen einen Epochenwandel dar. ..." // "Diese Essener Konferenz ist ganz lustig. Das Problem ist, dass Schellnhuber und Co von ihrem Glauben stranguliert werden (wissenschaftliche Erkenntnis will ich das nicht nennen). Die Foerderung billiger Kohle hat in Asien so zugenommen, legal, denn die Schwellenlaender haben das Kyoto-Abkommen nicht unterzeichnet, dass alle CO2-Projektionen Makulatur sind. Billige Kohle, mit geeigneter Wirtschaftsverfassung, foerdert den allgemeinen Wohlstand eines Landes. China ist kapitalistisch geworden, und statt 1 Milliarde Tonnen Kohle wie 1998 werden jetzt 3 Milliarden produziert. Indien zieht nach, die Weltproduktion an CO2 ist entsprechend gestiegen. Was wir sinnvoll noch sparen koennen, spielt keine Rolle mehr, auch wenn wir vegetarisch werden. Wir muessen aber Musterknaben spielen, sonst reduzieren die Asiaten ueberhaupt nicht, bzw. stoppen bei ca. 10 Tonnen CO2 pro Kopf. Soweit ist China schon, Indien noch nicht, und die anderen 'kleineren' Staaten noch lange nicht. Etwa 3 Milliarden Menschen leben in Asien. ..."

- Asoziales Spanien / sozialistischer Versager Zapatero: während die allg. Arbeitslosenquote bei 17,4% liegt, beträgt sie bei jungen Arbeitnehmern bis 25 J. bei 30%.

- Berlin über Arendt: "So im Falle Hannah Arendts, die er in seinem Brief an mich "persönlich schrecklich unsympathisch" nannte. Bei allem Interessanten, was sie hier oder da gesagt haben mochte, warf er ihr nicht nur philosophische Ignoranz, Nachlässigkeit und metaphysische Verstiegenheit vor - "überhaupt keine rationale Struktur und eine Fülle aufgeblasener Platituden" -, sondern es gab einen viel tieferen Vorbehalt, zu dem ihr Buch über Eichmann Anlass gegeben hatte: ihre Belehrungen darüber, was die Juden, die "von Deportation, Tod etc." bedroht waren, hätten tun sollen." FAZ, Ritter, Zum hundertsten Geburtstag des Philosophen Isaiah Berlin.

- "Society never advances. It recedes as fast on one side as it gains on the other. ... For every thing that is given something is taken." Emerson, "Self Reliance", p. 169 (www.memecentral.com/emsr21.htm ) // Das scheint mir doch für zumindest eine Reihe von Bereichen zu gelten.

- Immer wieder stoße ich auf den Zusammenhang von persönlicher Unsicherheit und Bereitschaft, sich allgemeinen, als moralisch "gut" geltenden Ideologien anzuschließen.

Sonntag, 7. Juni 2009

Europawahl und Europäische Renaissance




Reiche, FAZ

- Europawahl und Europäische Renaissance
Wer in die europäische Geschichte mit ihren nationalistischen Exzessen und ihren blutigen Kriegen blickt, kann nur mit dem heutigen Zustand Europas sehr zufrieden sein. Der Einheitsprozeß hat aber mit der Einführung des Euro ein Stadium erreicht, daß der Konsolidierung bedarf. Der gemeinsame Währungsraum gewährt große Vorteile, birgt aber auch Gefahren, da eine Reihe von Staaten seit Jahrzehnten unverantwortlich wirtschaftet - man denke nur an Deutschland und die Staatsschulden, die seit Helmut Schmidt steigen und steigen. Jedes zweite Jahr schlägt Frankreich vor, die Schuldenbremse im Vertrag von Maastricht aufzuweichen. Länder wie Ungarn lassen unverfroren die anderen für die eigene Konkursverschleppung haften. Es sieht so aus, als peile eine Mehrheit der jetzigen Regierungen eine große ESU an, eine Europäische Schulden-Union. Schon aus diesem Grunde empfiehlt es sich, den Vertrag von Lissabon abzulehnen.
Es gibt aber noch weitere Gründe. Die im Vertrag von Lissabon angestrebte forschere Zentralisierung erscheint grundsätzlich zweifelhaft, weil es keine europäische Öffentlichkeit gibt, die dieses Projekt begleiten und kontrollieren könnte. Die kulturellen Unterschiede sind noch zu groß, die Sprachen zu verschieden und die nationalen Egoismen noch zu stark. Die europäische Kulturgemeinschaft braucht nach der Epoche des Nationalismus Zeit zur Reife, um den Stand zur Zeit der Renaissance erneut zu erreichen. Zumal große Persönlichkeiten in Europa gegenwärtig völlig fehlen.
Man kann aber zuversichtlich sein, daß die Verfassung des Euros und die damit verbundenen zusammenführenden Verflechtungen eine neue Renaissance ermöglichen, wenn es den Agenten des Vertrages von Lissabon, den Brüsselkraten, nicht gelingt, ihre bürokratische Herrschaft weiter auszudehnen und voranzutreiben. Die Renaissance, die Hochblüte der europäischen Kultur, hatte viele Zentren, die im Wettbewerb miteinander standen - das war ihre Verfassung, ihr Lebensquell. Das sollte vor Augen stehen.

- Prof. Dr. Reinhard Selten, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften und Spitzenkandidat von EDE in Deutschland // Wer so alles kandidiert.

- Korruption: "Wadan-Werften. Staatshilfe verpufft wirkungslos.
Die Wadan-Werften in Wismar und Rostock sind insolvent. Das Kanzleramt hatte Unterstützung veranlasst. Geholfen hat es nicht. Der Regierung waren die Hilfen dennoch besonders wichtig. Denn sie liegen in einem Landstrich, „in dem es sonst nichts gibt“ und im Wahlkreis von Kanzlerin Merkel. ..." FAZ

- "Es ist Steuererklärungszeit
Steuerformulare richtig auszufüllen ist keine Bierdeckelaffäre, sondern eine echte Sisyphusarbeit. / / Von Hans Flick / / FRANKFURT, 28. Mai. Es ist ..." 29.5. FAZ

- A LITTLE madness in the Spring
Is wholesome even for the King,
But God be with the Clown,
Who ponders this tremendous scene—
This whole experiment of green,
As if it were his own!


Emily Dickinson (1830–86). Complete Poems. 1924. Part Five: The Single Hound. XXXVIII

Wenn's nur ein bißchen wärmer wär
So zwanzig Grad oder noch mehr
6° bis 14 - zu wenig für den Clown
Den Pflanzen ist's egal
Mir ist das auch zu schmal
Wer will der Sonne noch traun?

Samstag, 6. Juni 2009

Rote Armee, Margret Boveri, Norman M. Naimark, Catherine Merridale, Ehrenburg

- Die Rote Armee war viel schlimmer, als die Nazis behauptet hatten: ' Geschichte: „Flachshaarige Hexen“.
Die Massenvergewaltigungen durch Rotarmisten 1945, heißt es, waren Vergeltung für deutsche Kriegsverbrechen. Stimmt das?
Von FOCUS-Redakteur Michael Klonovsky
Der Film „Anonyma“, der dieser Tage in den Kinos angelaufen ist, schildert die Vergewaltigungen deutscher Frauen und Mädchen durch Soldaten der Roten Armee am Ende des Zweiten Weltkriegs – ein ideologisch vermintes Thema. Die Kritik fand den Streifen nahezu geschlossen melodramatisch bis kitschig; er hinterlasse den Eindruck, spöttelte der Publizist Alan Posener, als „habe die Gesellschaft für deutsch-sowjetische Freundschaft Regie geführt“.

Der Film schildert, wie sich eine junge Berlinerin, gespielt von Nina Hoss, um weiteren Schändungen zu entgehen, einen russischen Offizier als Beschützer sucht, dem sie natürlich gewisse Gegenleistungen bieten muss. Diese gezielte Unterwerfung führt dazu, dass sie das Verhalten der Sieger schließlich versteht und sich in den Offizier beinahe verliebt – was in Wirklichkeit, wenn überhaupt je, nicht oft vorgekommen ist.

Was der Film nicht schildert, sind Ereignisse wie jenes: Am 3. Mai 1945 besucht die Journalistin Margret Boveri eine Freundin. Was sie vorfindet, ist eine um Jahre gealterte Frau „mit blutunterlaufenen Augen und schwarzen Flecken im Gesicht und einem Loch im Schädel in der Stirn ... Die Vorderzähne sind ihr eingeschlagen.“ Ihre Freundin war mehrfach missbraucht und zusammengeschlagen worden. Die Nachbarin hing mitsamt ihren vier Töchtern, acht bis 14 Jahre alt, sowie einer weiteren Frau mit Kind im Keller des Hauses. „Die Frauen waren aber nicht durch das Erhängen getötet worden, sondern vorher vergewaltigt und übel zugerichtet worden.“

Der Film zeigt auch nicht die in der gleichnamigen Buchvorlage geschilderte Erschießung eines Rechts-anwalts, der während der Nazi-Zeit seiner jüdischen Frau beigestanden hatte und nun sterbend zusehen musste, wie Rotarmisten sie schändeten. Der Film zeigt keine jener vielfach bezeugten extremen Grausamkeiten, etwa: „Da ist ein Vater, der sein Kind, ein junges Mädchen, schützen will. Mongolen stoßen ihm das dreikantige Bajonett in den Leib. Die Russen stehen dutzendweise Schlange vor den einzelnen Frauen. In ihrer Gier merken sie nicht, daß manche schon im Sterben liegen, weil sie Gift genommen haben oder an zerrissenen Organen verbluten.“ Man habe sich bemüht, so Produzent Günter Rohrbach, „den russischen Soldaten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen“.

Als im Oktober 1944 die ersten Verbände der Roten Armee deutsches Reichsgebiet betraten, „hub ein Rauben, Morden, Schänden und Metzeln an, das auch neutralen Betrachtern die Vorstellung der altmongolischen Horde einflößte“, schreibt der Berliner Historiker Jörg Friedrich. Gemeinhin wertet man die Verbrechen der Roten Armee als Vergeltung für die deutschen Gräuel in der Sowjetunion – und wer wird diese Ursache leugnen wollen? Allerdings gibt es gute Gründe, sie nicht isoliert dastehen zu lassen.

„Vergewaltigungen traten überall auf, wo die Rote Armee über Feinde herfiel“, erklärt lakonisch die englische Historikerin Catherine Merridale in ihrem Buch „Iwans Krieg“. Die Sowjettruppen führten sich in den Ländern, die sie von den Nazis „befreiten“, ebenfalls wie Barbaren auf, sie mordeten, plünderten und schändeten im Baltikum genauso wie auf dem Balkan, und als sich der jugoslawische Kommunist Milovan Djilas bei Stalin beschwerte, fragte der, was denn schon dabei sei, wenn sich ein Soldat „mit einer Frau amüsiert, nach all den Schrecknissen“.

Nach der Einnahme Budapests im Februar 1945 wurden ungarische Mädchen massenhaft in sowjetische Quartiere verschleppt, mehrfach vergewaltigt und manchmal auch getötet. Marodierende Rotarmisten überfielen sogar das Gebäude der schwedischen Gesandtschaft und vergingen sich an den Frauen darin, ungeachtet ihrer Nationalität. Die 2. Ukrainische Front, in der zahlreiche frei gelassene Kriminelle dienten, zog „von Budapest bis Pilsen eine breite Spur von Vergewaltigung und Mord“, schreibt der Historiker und Stanford-Professor Norman M. Naimark. Auch die Frauen der polnischen Verbündeten blieben nicht verschont.

„Viel schockierender für Russen aber ist, dass Offiziere und Soldaten der Roten Armee sich auch an ukrainischen, russischen und weißrussischen Frauen und Mädchen vergriffen, die aus deutscher Zwangsarbeit befreit wurden“, notiert der englische Historiker Antony Beevor in seinem Buch „Berlin1945: Das Ende“. Diese „verbreiteten Vorkommnisse“, so Beevor, „führen alle Versuche ad absurdum, das Verhalten der Roten Armee mit Vergeltungfür das brutale Vorgehen der Deutschen in der Sowjetunion zu rechtfertigen.“ Zumindest schränken sie dieses Motiv ein.

Gegen das fixe Bild der Rache für erlittenes Leid spricht auch, dass Augenzeugenberichten zufolge asiatische Truppenteile – die aus Gebieten kamen, wohin kein Deutscher den Stiefel gesetzt hatte – oft ebenfalls grausam wüteten, und dass die Vergewaltigungen nach dem Kriegsende in manchen Regionen noch lange weitergingen. Bis ins Jahr 1947 musste man damit rechnen, dass „jedes neu einrückende Truppenkontingent seinen Einstand mit Gewaltorgien feierte“ (Naimark). So meldete der Polizeibericht aus Merseburg über die Feiern zum 1. Mai 1946: „Die weiblichen Bewohner werden ohne Rücksicht auf ihr Alter nach schwersten Mißhandlungen im Anschluß an die Ausplünderung ihrer Wohnungen vergewaltigt.“

Und wie verhielt sich Stalin dazu? Individuelle Rachebedürfnisse seiner Soldaten haben ihn nie interessiert – den Völkermörder im Kreml leiteten allein geostrategische Motive. Als sich das Kriegsziel der Roten Armee von „Befreiung der Heimat“ in „Zerschlagung Hitler-Deutschlands“ wandelte, musste der allgemeinen Kampfesmüdigkeit mit Verheißungen entgegengewirkt werden. So erfuhren Wehrmachtsvernehmer von gefangenen Rotarmisten, dass ihnen Politoffiziere die deutschen Frauen als Beute versprochen hatten.

Indem sie Angst und Schrecken verbreitete, forcierte die Rote Armee außerdem die Flucht der Deutschen aus den Gebieten, die den Absprachen der alliierten Führer gemäß nach Kriegsende Polen und Tschechen zufallen sollten. Nicht zuletzt verstärkten die Massenvergewaltigungen – denen die Männer zuschauen mussten, ohne ihre Frauen und Töchter schützen zu können – die Demoralisierung Deutschlands, was einen Sinn ergibt vor dem Hintergrund, dass Stalin lange davon ausging, der einstige Aggressor werde als ungeteilter, neutraler Staat fortexistieren.

„Ohne Zweifel hat Moskau die Taten der Männer gefördert, wenn nicht gar gesteuert“, befindet Historikerin Merridale. Dazu, sich besonders im deutschen Osten wie eine Tatarenhorde aufzuführen, waren die Sowjettruppen massiv aufgehetzt worden. „Diese Kreaturen sind keine menschlichen Wesen. Sie sind schreckliche Parasiten. Sie sind schädliches Ungeziefer“, schrieb Stalins Chefpropagandist Ilja Ehrenburg bereits im Sommer 1941 über die Angreifer. „Die Deutschen sind keine Menschen“, erklärte er im Oktober 1942. „Diesen Stamm vernichten wir.“ Oder: „Es ist nicht damit getan, Deutschland zu besiegen. Es muß ausgelöscht werden.“ Über die deutsche Frau schrieb er: „Das Weib dieser Gattung wartet in seiner Höhle auf Beute“, und: „Diese spezielle flachshaarige Hexe wird uns nicht so leicht entgehen.“

Vielfach bezeugt ist, dass Ehrenburgs Texte als so „heilig“ galten, dass die Soldaten sie nicht einmal zum Zigarettendrehen verwendeten. Seine Hassgesänge wurden millionenfach gelesen, rezitiert – und verstanden. „Man braucht sie nicht zu überreden, einfach den Nagan (Revolver – d. Red.) angesetzt und das Kommando Hinlegen, erledigst das Geschäft und gehst weiter“, schrieb ein russischer Soldat aus Ostpreußen. Es habe „unseren Jungs eine gewisse Befriedigung bereitet, diesen Herrenvolk-Weibern einmal gründlich einzuheizen“, erklärte Generalleutnant Wassili Sokolowski am 5. Juni 1945 in einem Interview. Offiziere, die sich für die Schonung deutscher Zivilisten einsetzten, wanderten dagegen ins Gefängnis; die beiden prominentesten Beispiele waren Alexander Solschenizyn und Lew Kopelew.
„Die historische Mission der Sowjetarmee besteht bescheiden und ehrenwert darin, die Bevölkerung von Deutschland zu vermindern“ Ilja Ehrenburg, Stalins Chefpropagandist, am 3. März 1945
Nicht individuelle Rächer kamen in erster Linie 1945 nach Ost- und Mitteldeutschland, sondern der Stalinismus als System. Viele Rotarmisten, bilanziert Russland-Kennerin Merridale, machten im Feindesland auch jenem Schmerz Luft, „der nicht erst im Krieg selbst, sondern schon in den Jahrzehnten der Demütigung, Entmündigung und Furcht“ zuvor entstanden war. ' Focus 3.11.08