Sonntag, 23. August 2009

Wohlstand des Kapitalismus


15-23°C, sonnig; es regnet Birkensamen

- Wohlstand des Kapitalismus : Die Holländer sind mit einer Durchschnittsgröße von 1,84 die größten Europäer, die aber alle größer geworden sind; die Ostdeutschen waren vor 1989 2,4cm kleiner als die Westdeutschen, das hat sich inzwischen angeglichen. Die Geschlechtsreife der Mädchen ist von 17 Jahren 1957 auf 12,8 Jahre gesunken. Interessant: die Größe der US-Amerikaner sinkt wieder. (FAZ 10.6.09)
- Wohlstand läßt die Leute länger und gesünder leben bei früherem Renteneintrittsalter (61 J.).
- - Wohlstand läßt auch Kritik und Destruktion wachsen. Als es den Studenten so gut wie noch nie in der deutschen Geschichte ging, 1963 wurde zB die staatliche Studentenförderung nach dem Honeffer Modell eingeführt (heute Bafög), da begann die Aggression roter Studenten. Ähnliches gilt für die USA, Frankreich, Italien und England. Seit die Masse der Ostdeutschen Freiheit und Wohlstand serviert bekam, kritisieren sie vermehrt.
- - Wohlstand läßt auch den Analphabetismus wachsen bei seit vielen Jahren massiv gestiegenen Bildungsausgaben.
- - Wohlstand ließ insgesamt die Schülerleistungen bei allen Schulformen sinken.
- - - Fazit: Wohlstand macht faul und dumm, schuld am Wohlstand ist ...

- Oh je: " Sichtbare Zellschäden nach Alkoholgenuss .
Drei Gläser Bier oder zwei Gläser Wein, was etwa 0,5 Promille im Blut entspricht, verursachen zellschädigende Effekte im Gehirn, die aber reversibel sind ... " 10.6.09 FAZ

Samstag, 22. August 2009

Philosophie



Die Kreuzpinnen sitzen im Trockenen, der Laubfrosch weilt gerne im nassen Pflanzloch - 15-20°C, schönes Frühherbstwetter.

- Philosophie, Theorie, Szientismus: " Nicht hinter jedem Satz steckt eine Theorie .
Es gibt erhellende Aussagen diesseits wissenschaftlicher Beweisverfahren: Der Philosoph Michael Hampe attackiert den in seinem Fach verbreiteten Szientismus ... " FAZ 19.8.09
/// Oft steckt nicht einmal ein klarer Gedanke dahinter.
Mit zunehmender Lehrstuhlzahl sind die Ergebnisse der Philosophie immer dünner geworden. Aber auch die großen Denkgebäude, etwa Kants, etwa Hegels, verhelfen dem Einzelmenschen nicht zu einem gelingenden Leben, eher im Gegenteil. Nur die praktische Philosophie kann ein bedeutsamer Ausgangspunkt sein, und das wäre die Ökonomie des Lebens mit der zentralen Frage: Wie bewirtschafte ich meine Lebenszeit? Welche Prioritäten muß ich setzen? Welche Lebensalter kann ich unterscheiden? Welche Einzelwissenschaften helfen mir weiter bei der Selbsterkenntnis? Beim Beruf? Bei Sozialkontakten von der Familie bis zu Lebenspartnerschaften? Bei der Alltagsbewältigung? Bei der Bewahrung der Körperlichkeit?
Da ist die Lektüre Epikurs, Epiktets, Senecas, Marc Aurels weit ertragreicher als Kant und Hegel. Bei neueren Autoren wären die sog. französischen Moralisten zu nennen, Schopenhauer mit seinen "Aphorismen zur Lebenweiheit", in der Gegenwart fallen mir eigentlich nur Lübbe und Luhmann ein.

- Ob Hegel das verstanden hat?: "Die Zeit, als die negative Einheit des Außersichseins, ist gleichfalls ein schlechthin Abstraktes, Ideelles.- Sie ist das Sein, das, indem es ist, nicht ist, und indem es nicht ist, ist; ..." Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse (1830) Von Georg Wilhelm Friedrich Hegel, § 258
- „Der Streit der Staaten kann deswegen ... nur durch Krieg entschieden werden.“ Hegel, § 334, Grundlinien der Philosophie des Rechts
- - Dazu gehört auch noch wirkungsgeschichtlich:
„Das, was schon in Hegel Gefährliches war, übernahm Spengler; die Verherrlichung des Krieges, die Vergottung von Macht und Erfolg.“ Golo Mann, Deutsche Geschichte, S. 731 + 103 ff.

- Heidegger:
"Nur in der Freiheit und in ihrem schonenden Freien waltet die Notwendigkeit. Wenn wir das Wesen von Freiheit und Notwendigkeit also denken, dann ist die Notwendigkeit keineswegs, wie alle Metaphysik meint, das Gegenteil der Freiheit, sondern einzig die Freiheit ist in sich die Not-wendigkeit. Die Metaphysik geht sogar so weit, dass sie durch Kant lehrt, die Notwendigkeit, nämlich der Zwang des Sollens und das leere Zwingen der Pflicht um der Pflicht willen, sei die wahre Freiheit. Das metaphysische Wesen der Freiheit vollendet sich darin, dass die Freiheit zum "Ausdruck" der Notwendigkeit wird, aus der sich der Wille zur Macht als DIE Wirklichkeit und als das Leben selbst will." Im Vortrag: "Die Armut", gehalten im Forsthaus von Burg Wildenstein am 27. Juni 1945, publiziert in: Heidegger Studien, Nr. 10 (1994), thematisiert Heidegger Armut, die er als die Freiheit bezeichnet, die den Reichtum verwahrt. Sehr erhellend.

- Arthrose : ' Uli Eicke im Gespräch: „Verkürzte Muskeln machen dumm
Uli Eicke war 1984 Olympiasieger im Einer-Canadier. Heute arbeitet der ehemalige Spitzensportler als Heilpraktiker. Im Interview mit der F.A.Z. spricht er über Schmerzen und Druckpunkte bei Hobbysportlern und Profis. Er ist der Ansicht, dass man sich Schmerzen antrainieren kann ... Bei schmerzendem Rücken und Bandscheibenvorfall muss ich oft nur auf den richtigen Muskel drücken, dann sind die Schmerzen weg. Wenn man die problematischen Muskeln mit den richtigen Übungen länger macht und stärkt, kommt der Schmerz auch nicht wieder. ... Arthrosen sind genauso häufig, Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen bis zum Tinnitus.
Das alles hat muskuläre Ursachen?
Es gibt natürlich auch neurogene Schmerzen oder Infektionskrankheiten. Aber das sind Ausnahmen. Auch Ischiasbeschwerden stammen meist nicht vom Ischiasnerv, der da klemmt, sondern das sind Verkürzungen des Hüftbeugers.
Sie therapieren Tinnitus- und Arthrosepatienten, indem Sie verkürzte Muskeln entspannen?
Mit großem Erfolg. Das ist meine tägliche Praxis. Beispiel Arthrose: Oft steckt der Schmerz nicht in den Gelenken, sondern die Ursache sind die Muskeln, die diese Gelenke bewegen sollen. So ein Gelenk braucht Spiel. Und ein verkürzter Muskel blockiert das Gelenk. Das schmerzt.
Und Tinnitus?
Damit habe ich persönlich Erfahrung. Ich hatte einen so starken Tinnitus, dass ich vor vier Jahren den Schuldienst aufgeben musste. Die Beschwerden habe ich mit anderthalb Jahren Halsmuskeltraining therapiert. ... Wenn Leute sich im Alter kaum noch bewegen können, weil ihre Halsmuskulatur verkürzt ist, sind auch die Konzentrationsfähigkeit und sogar die Denkfähigkeit eingeschränkt. Muskelverkürzung macht dumm. Manche verstehen in so einem Zustand die Übungen gar nicht mehr. Das ist doch eine verbreitete Erfahrung: Alten Menschen, die nicht mehr über die Schulter gucken können, traut man nichts zu. Auf der anderen Seite: Achten Sie mal drauf, wie geniale Alte, die jeden Jungen in die Tasche stecken, Hals und Kopf bewegen! ... Welche Sportart empfehlen Sie?
Joggen. Rennen und Sprinten.' 14.8.

- Hz.öl 61,25 (60,50)

Freitag, 21. August 2009

Die aktuelle globale Wärmeperiode endet




Fleckenlose Sonne weiterhin

Das Diagramm zeigt, dass die Höhenstrahlung z. Zt. vollständig ungestört ist und bei Gültigkeit des Svensmark – Effektes die Wolkenbildung durch Höhenstrahlung ungestört erfolgt. Somit ist gegenüber der um 1985 einsetzenden globalen Wärmeperiode nunmehr durch verstärkte Wolkenbildung eine Netto-Abkühlung der Erde zu erwarten. Die Wärmeperiode endet, eigentlich schade.

- Heute jedenfalls sind es heute nur 14-20°C, eine ganz angenehme Abkühlung gegenüber den letzten warmen Tagen.
Das Gerede von der sog. Klimaerwärmung hat sich verselbständigt und ist in alle Ecken gedrungen, die Erfahrungen der letzten Winter und Sommer gibt nur wenigen zu denken.

- Die aktuelle globale Wärmeperiode endet: Die 24. Sonnenfleckenperiode lässt auf sich warten. Wie lange, ist unbekannt. Die Aktivität auf der Sonnenoberfläche, gekennzeichnet durch die Zahl und Art der Sonnenflecken, ist schon zwei Jahre lang nahe Null. Die Sonnenwinde, das sind überwiegend Protonenströme mit ihren Magnetfeldern, treten seit 13. Dezember 2006 nicht mehr in ausreichender Stärke in den intersolaren Raum. Dadurch erfolgt keine magnetische Abschwächung der Kosmischen Strahlung und ihrer Sekundärstrahlung, der Höhenstrahlung. Ihr Neutronenfluss zeigt höchste Stärke (Abb. 1). Die „Forbush – Reduktion“ der Höhenstrahlung findet zur Zeit also nicht mehr statt. Dadurch kann die Wolkenbildung durch die Mikroaerosole der Höhenstrahlung (Protonen, Pionen, µ-onen, Elektronen u.m.) ungestört erfolgen. Dieser Effekt wurde von Svensmark (um 1997) entdeckt und experimentell nachgewiesen (2006). Mittels Korrelationen zwischen Daten der Bedeckung in Deutschland, gemessen vom Deutschen Wetterdienst, und der Neutronen der Höhenstrahlung, gemessen an den Universitäten in Kiel und in Moskau konnte der Svenmark-Effekt für Mitteleuropa bestätigt werden (Borchert H., 2004). Am Kernforschungszentrum CERN wird dieser Effekt in Kürze in seinen einzelnen Reaktionsstufen durch Simulation der Höhenstrahlung untersucht. Abschätzungen aus den erwähnten Korrelationsrechnungen ergeben, dass durch ungestörte Höhenstrahlung bis zu 30 % aller globalen Niederschläge produziert werden können." Horst Borchert, Mainz (der ganze Vortrag kann kosten angefordert werden beim Autor: bcht01@aol.com , auch über diesen Blog)

- "Erstmals gemessen: Vulkanische Gase auch in der Stratosphäre.
Mit viel Glück ist es Atmosphärenforschern gelungen, Partikel einer Eruptionswolke, die beim Ausbruch des Vulkans Kasatochi auf den Aleuten bis in die untere Stratosphäre geschleudert wurden, auch noch Wochen später in Europa nachzuweisen. ... Sollten nämlich alle Vulkane derart viel Kohlenstoff in die Stratossphär schleuern, müßte die Hypothese der kühlenden Wirkung der Feuerberge auf das Klima der Erde neu überdacht werden." H. Rademacher 15.7.09 FAZ

- Mindestlohn verstärkt die Automatisierung (zB Fahrkartenautomaten statt Schalterverkauf) und schafft mehr sog. Schwarzarbeit. Vgl.: "Mindestlohn oder: Teuer und schwarz am Bau .
Zu "Höchster Mindestlohn für deutsche Bauarbeiter" (F.A.Z. vom 5. August): Die aktuelle Statistik zu Mindestlöhnen in Europa belegt anschaulich: ..." FAZ 17.8.

- Schweiz: Arbeitslosigkeit steigt im Juli von 3,6% auf 3,7%; damit läßt es sich leben, das gilt als Vollbeschäftigung (weil der Arbeitsplatzwechsel immer eine sog. Fluktuationsarbeitslosigkeit beinhaltet). Die Arbeitslosigkeit in Deutschland beträgt im Juli 09 8,2% (3,462 Mio.) - 3,7% zu 8,2% - das ist der Unterschied zwischen "arbeitnehmerfreundlich" und "gewerkschaftsfreundlich" .

Donnerstag, 20. August 2009

Geschichte und der Geist der Zeiten




Küßt nicht jeden: KLIO, die Geschichtsmuse (rechts bei Vermeer, Allegorie der Malerei)

- Röhls Wilhelm II. : " Als John C. G. Röhl 1993 den ersten Teil seiner Biografie über Wilhelm II. veröffentlicht, passte das so gar nicht zu dem Kaiserbild, das man sich hierzulande bei den Historikern gemacht hatte.
Anstelle des schwachen, womöglich erblich kranken und in politischen Fragen überforderten Monarchen setzt Röhl das beklemmende Bild eines Autokraten, der sich von keiner Instanz kontrollieren und rigoros starke Persönlichkeiten aus seiner Umgebung entfernen ließ. Mit einem überwältigenden Quellenstudium hat sich Röhl, Sohn eines deutschen Vaters und einer englischen Mutter, ganz der bizarren und widersprüchlichen Figur des letzten deutschen Kaisers gewidmet. ..." hr2-Doppelkopf 13.8.09. Und im Gespräch zog Röhl auf Nachfrage die Linie bis Hitler. Mit Wilhelm II. habe der Weg in den Abgrund begonnen.

- Clarks Wilhelm II. : " Hätte Deutschland einen anderen Weg eingeschlagen, wenn ein anderer Herrscher als Wilhelm II. das Land ins 20. Jahrhundert geführt hätte? Inwieweit prägte seine Persönlichkeit die deutschen Geschicke?
Mit dem Ersten Weltkrieg endete auch die Herrschaft Wilhelms II. Der Kaiser muss abdanken und den Rest seines Lebens im Exil verbringen. Nach dem verlorenen Krieg wurde er zu einem beliebten Hass-Objekt. Und noch heute ist das Image von Wilhelm II. weitgehend negativ. Der in Sydney geborene und in Cambridge lehrende Historiker Christopher Clark ist durch zahlreiche Veröffentlichungen als „Preußen-Archäologe“ bekannt geworden. Jetzt hat er ein Buch über den letzten deutschen Kaiser geschrieben.
Im Doppel-Kopf-Gespräch mit Norbert Schreiber fragt Clark, ob die Geschichtsschreibung nicht auch zu einer Dämonisierung des letzten deutschen Kaisers beigetragen hat. Die Geschichte Preußens muss heute neu erzählt werden, denn der Name „Preußen“ ist untrennbar verbunden mit Aufklärung und Toleranz, verkörpert etwa in Friedrich dem Großen, verbunden aber auch mit Militarismus, Maßlosigkeit und Selbstüberschätzung Wilhelms II. " hr2-Doppelkopf 17.8. /// Clark sieht zB das Interesse Wilhelms für die Wissenschaften, das in der Gründung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft gipfelt (heute Max-Planck-G.), aber auch seinen Einsatz für die Technik und die Realschulen.

- 1987 prophezeite der britische Historiker Paul Kennedy in „The Rise and Fall of the Great Powers“ den Niedergang der USA. Ganz vergessen hatte der Junge dabei, die Sowjetunion vor ihrem Zusammenbruch zu warnen, und irgendwie ging dem Al-Gore-Berater auch der Kollaps des Eisernen Vorhangs durch die Lappen, und den reihenweisen Fall der sozialistischen Diktaturen - auch den sah der Großhistoriker nicht. Unerschüttert plappert er aber weiter.

- "Was ihr den Geist der Zeiten heißt, // Das ist im Grund der Herren eigner Geist, // In dem die Zeiten sich bespiegeln." - Faust I, Vers 577 ff. / Faust

- Zakaria: Der Aufstieg der Anderen. Das postamerikanische Zeitalter : " ... Dialektische Wende
Elegant und kenntnisreich, zahlen- und faktengesättigt, prononciert und doch differenziert, bisweilen auch sprunghaft und repetitiv erzählt Zakaria die Geschichte des chinesischen und des indischen Aufstiegs, ohne dabei die Schattenseiten und Abgründe auszublenden. Weil aber die mit einem Rückfall oder Absturz verbundenen Unwägbarkeiten so gar nicht in seine grosse These passen, triumphiert am Ende der beiden Kapitel das ökonomische Argument über das politische, und Extrapolationen versperren der Erkenntnis, wonach geschichtliche Prozesse grundsätzlich offen sind, den Weg.
...
Damit aber nimmt die Analyse unvermittelt eine anscheinend ganz und gar unfreiwillig-dialektische Wende, die die These des Buches auf den Kopf stellt. Gewiss, man mag den Aufstieg der Anderen in Wirklichkeit als Triumph der von den USA geprägten liberalen Ordnung interpretieren, in der Marktwirtschaft, Demokratie und offene Gesellschaften unentwegt auf dem Vormarsch sind. Im Kontext der These wären die USA dann Opfer ihres eigenen Erfolges geworden. Dieser Gedanke wird in einem ebenso unfreiwilligen zweiten dialektischen Schritt aber sogleich verworfen. Zakaria präsentiert das so bezeichnete postamerikanische Zeitalter als eine Ära, in der die globale Führungsrolle der USA nicht nur weitgehend unangetastet bleibt, sondern von den meisten Ländern auch der Hegemonie einer regionalen Macht vorgezogen wird.

Um diese Führungsrolle zu bewahren, so mahnt Zakaria an, müssten die Vereinigten Staaten eine politische Kurskorrektur einleiten und verstärkt auf Konsultation, Kooperation, Kompromiss, Einbindung und Engagement setzen. Der Autor präsentiert – angesichts des fundamental anderen weltpolitischen Kontextes etwas verblüffend – Otto von Bismarck, den «ehrlichen Makler», als Vorbild. Um die wirtschaftliche Kraft macht er sich hingegen keine Sorgen, betont vielmehr auf der Basis eindrücklicher Zahlen den Erfindergeist, den unentwegten Innovationsschub und die demografische und kulturelle Vitalität der USA." V. Mauer NZZ 15.8.09
Fareed Zakaria: Der Aufstieg der Anderen. Das postamerikanische Zeitalter. Siedler-Verlag, München 2009.

/// Abgesehen davon, daß die Geschichte offen ist, eben kein gerichteter Prozeß, wie Hegel sich das vorgestellt hat und wie das sein Schüler Marx auf die Zukunft projiziert hat, sind Zakarias Überlegungen nicht ohne Boden. Der Aufstieg der Anderen verdankt sich ja der Kooperation vor allem mit den USA. Die chinesische und die amerikanische Wirtschaft sind in einer großen Arbeitsteilung verbunden, die IBM-Lenovo-Geschichte kann das gut symbolisieren: die Massencomputertechnik hat IBM nach China verkauft, die neueren Entwicklungen, insbesondere Dienstleistungen, bleiben amerikanisch. Solange es den US-Unternehmern gelingt, immer neue Produkte nicht nur zu erfinden, sondern auch erfolgreich zu vermarkten, solange wird die US-Wirtschaft die weltweit dominierende bleiben. Allerdings muß es gelingen, die Beschäftigung in den schrumpfenden alten Industrieen aufzufangen. Das ist schwierig, wie das Beispiel der Autoindustrie zeigt. Zwar sind die Amerikaner da flexibler als die Europäer, aber die Chinesen ohne blockierende Gewerkschaften sind da weitaus schneller, wie das Beispiel Hongkong gezeigt hat. Wenn IBM ganz nach China geht und Cisco und Microsoft und Amgen folgen, dann allerdings wird das Zeitalter wirklich ganz postamerikanisch sein.-

Ist das zu ökonomisch gedacht? Ich glaube nicht, denn der Wohlstand ermöglicht doch viele Dinge für viele, die andernfalls schwieriger würden: private Kindergärten, private Schulen, private Hochschulen, Einrichtungen, die für den sog. Hl. Antonius, für Benjamin Franklin, für Justus Liebig und Steve Jobs nicht so wichtig wären, aber für die Müllers und Millers schon. Die Griechen und Römer schufen sich ihren Wohlstand für kluge Köpfe durch Sklavenarbeit, heute geht das durch unternehmerische Produktivität (ein Fortschritt! scheint mir). Und private Einrichtungen, die die Begabten nicht diskriminieren, schikanieren und blockieren, tragen erheblich zum Wohlstand eines Landes, einer Nation bei. Apropos Nation. Ein problematisches Thema. Goethe fühlte sich schon vor geraumer Zeit als Weltbürger. Aber Müllers, Millers und vor allem die Duponts brauchen offenbar die Nation. (Die Iwanows und Kowalskis brauchen sie wegen mangelnder Produktivität doppelt.) Und auch da haben die Amerikaner kein nationales Defizit wie die Deutschen. Die Abstrahlung des US-Wohlstands und der globalen ökonomischen und ökologischen US-Wohltaten wie des Internets, der größten technisch-kulturellen Schöpfung ad saeculum saeculorum, bewirken einen beträchtlichen allgemeinen Einfluß (Firefox 3.5 ist jetzt auch da, kostenlos!).

- Ganz schön warm heute: 19-32°C !

Mittwoch, 19. August 2009

Afrikanistik, Afrika, Kongo-Kinshasa



Das Wappen Kongo - Kinshasas zeigt das Motto Recht-Frieden-Arbeit, in der Mitte aber prangt der angreifende Leopardenkopf

- Im zeigegeilen Herdentrieb fällt die junge Japanerin in der hochgeschlossenen Bluse mit Latzhose auf.

- Afrikanistik: "Haberland und die "Frankfurter Schule" der Afrikanistik
Aus Frankfurt kamen in den dreißiger, dann wieder in den fünfziger Jahren Ethnologen in den Süden Äthiopiens, deren Forschungen das Bild des ..." FAZ Asfa-Wossen Asserate 15.7.09
/// Als Neger, pardon, als maximal pigmentierter Mitteleuropäer mit Migrationshintergrund kann man es sich leisten, Lobendes über die deutsche Afrikanistik zu schreiben. Das ginge natürlich nicht, wäre er bei der roten Bruderschaft, pardon, bei der Schwestern- und Bruderschaft des WDR angestellt.

- Afrika: "Afrikas demokratische Mühen und westliches Versagen. Auf dem Schwarzen Kontinent mehren sich wieder autoritäre Tendenzen. ... Afrikas Staaten sind seit 40 bis 50 Jahren unabhängig und wollen vom Westen als gleichberechtigte Partner wahrgenommen werden. Zu Partnerschaften gehört auch das Recht auf Kritik. Diese ist natürlich nicht immer ganz unproblematisch, vor allem wenn sie von ehemaligen Kolonialmächten kommt. Wer aber als Weisser bei der Beurteilung afrikanischer Demokratien und Menschenrechtsverletzungen mit anderen Ellen als bei sich zu Hause misst, macht sich des umgekehrten Rassismus schuldig. Wenn Homosexualität – wie in den meisten afrikanischen Ländern – strafbar ist, Albinos reihenweise Mordanschlägen zum Opfer fallen (wie in Tansania) oder «Hexen» auf dem Scheiterhaufen landen (wie in Kenya), darf man Regierungen, die solches zulassen, getrost an den Pranger stellen. ... Heikle Rolle der Hilfswerke.

Die netten Gesten kommen aber nicht ohne Bedingungen. Von den Journalisten wird erwartet, dass sie über Hilfsprojekte berichten und Verantwortliche der Organisationen in ihren Beiträgen zu Wort kommen lassen. Wer sich nicht an diese ungeschriebenen Abmachungen hält oder es gar wagt, Negatives zu erwähnen, bekommt das schnell zu spüren. Kritik können sich deshalb oft nur noch die finanziell abgesicherten und damit unabhängigen Korrespondenten der Leitmedien leisten. Doch auch dies kann seinen Preis haben: Der Ehefrau des NZZ-Korrespondenten in Nairobi wurde von ihrem ehemaligen Arbeitgeber – einem Schweizer Hilfswerk – einmal mit Konsequenzen gedroht, falls der Journalist ein bestimmtes Projekt der Organisation in ein schlechtes Licht stellen sollte.

Seriöse Journalisten bemühen sich um Fakten. Sie haben weder Optimisten noch Pessimisten zu sein, sondern Realisten. Bei den Helfern und Katastrophen-Profis aus dem Norden verhält es sich anders: Sie haben ein Interesse, die Verhältnisse in Afrika in den dunkelsten Farben zu schildern. Nur so können sie im harten Kampf um die Gunst der Spender mithalten. Nicht selten überbieten sich die Wohltäter deshalb mit der Verbreitung von Schreckensmeldungen. Die krasse Übertreibung der Aids-Katastrophe, die sich in viel zu hohen und inzwischen nach unten korrigierten Infektionsquoten äusserte, ist nur eine dieser zynischen Fehlentwicklungen im Geschäft mit dem Elend. Hauptverantwortlich für das Zerrbild, das sich die Öffentlichkeit im Norden von Afrika macht, sind deshalb die Gutmenschen der Hilfswerke und nicht die Journalisten.

Wie überall gibt es auch aus Afrika Positives zu berichten. Es fragt sich nur, wie relevant die guten Nachrichten sind im Vergleich mit der grassierenden Korruption und Armut, dem Völkermord in Darfur, dem ungebremsten Bevölkerungswachstum oder dem fortschreitenden Raubbau an den natürlichen Ressourcen – um nur einige der schlechten «Neuigkeiten» aufzuzählen. ..." NZZ 15.8. ///

Ob man von "westliches Versagen" sprechen kann, scheint mir doch fraglich zu sein. Die Zustände in Zimbabwe, im Kongo und Sudan etc. sind zunächst einmal genuin afrikanisch erzeugt. Bei Asserate fällt auf, daß er gegenüber clandominierten Süden das nordäthiopische Königtum hervorhebt. Es scheint mir, als wolle er damit auch auf die Zivilisationsmöglichkeiten einer solchen Zentralmacht anspielen, auf die Fähigkeit zur Staatsbildung. Nur ein zentrales staatliches Machtmonopol kann flächendeckend Befriedung herstellen und garantieren. Daß dazu aber auch zusätzlich eine gewisse Zivilisationsstufe der handelnden Politiker gehört, zeigt das Beispiel Kabilas. Von der Befriedung bis hin zum wirtschaftlichen Wohlstand ist es dann aber noch ein weiter Schritt, der ganz besonders auf zivilisatorische Reife der Politik angewiesen ist. Die Plünderung der Staatskasse scheint überwiegend das Hauptmotiv afrikanischer Politiker zu sein, gesellt sich dazu auch noch Rassismus, dann ist ein blühendes Land wie Rhodesien nach dreißig Jahren völlig ruiniert, wie das Beispiel Mugabes drastisch vor Augen.

- Afrika: "Soldatinnen nach Kongo-Kinshasa.

«Die im Osten Kongo-Kinshasas stationierten Uno-Soldaten haben sich als wenig effizient bei der Erfüllung ihrer Mission erwiesen, dem Leiden der Zivilbevölkerung ein Ende zu setzen», schreibt Anton Christen über «Kongo-Kinshasas explosives Konfliktgemisch», den erschütternden Bericht von Cristina Karrer über vergewaltigte Frauen in diesem Land ergänzend (Beilage «Zeitbilder», NZZ 11./12. 6. 05). ..." 30. Juni 2005, Neue Zürcher Zeitung