Samstag, 3. September 2011

Fing groß an und wurde kleiner und kleiner






Denkmal für den bekannten Staubsauger, das unentbehrliche Helferlein in allen Wohnlagen



- Wiegt doch die ganze Scholastik auf: 1901 bekam der englische Ingenieur Cecil Booth (1871-1955) das erste Patent für den Staubsauger in Großbrittannien. Der ähnelte einem großen Kanonenofen, der Saugschlauch wurde von außen in die Fenster der Wohnhäuser geführt.

Freitag, 2. September 2011

Trivial im Trivium

DIE UNIVERSITÄT DES MITTELALTERS - 
Eingangsfakultät für alle / ARTISTENFAKULTÄT der artes liberales: Trivium: Grammatik, Rhetorik, Dialektik Quadrivium: Arithmetik (Rechnen), Geometrie (Euklid nur erste drei Bücher), Astronomie (Berechnung des Osterdatums), Musik (am Rande) Aufbauende Spezialisierung nur für einen kleineren Kreis: - JURISTISCHE FAKULTÄT: Zivilrecht, Kirchenrecht - MEDIZINISCHE FAKULTÄT: Philosophische Medizin nach Galen ("3-Geister-Medizin", Herz als Hitzequelle, Lungen als kühlende Fächer) - Oberste THEOLOGISCHE FAKULTÄT (Vgl. J. Le Goff, Die Geburt Europas im Mittelalter, Mchn. 2004 / J.D. Bernal, Die Wissenschaft in der Geschichte, 1961 / J. Brunschwig, G. Lloyd, Hg., Das Wissen der Griechen, 2000) Im Vergleich mit dem Museion im antik-griechischen Alexandria war dieses Programm der mittelalterlichen Universitäten, die aus den Domschulen hervorgingen, Paris war die erste und wurde 1174 als Universität anerkannt, enger; für einen Archimedes wäre kein Platz gewesen. Von den mittelalterlichen Universitäten schaffte es zunächst nur Padua, sich von dem scholastischen Bildungsschutt zu befreien. Immerhin waren die Universitäten Zentren der philosophisch, philologisch und theologisch beschränkten Gelehrsamkeit.

Donnerstag, 1. September 2011

Wer denn gebunden sein will





Steht im Glauben fest mitten in Dabringhausen - seit 1748



- Gefällt mir: “Vargas Llosa und die Religion

Ungläubig glauben

Ein Ungläubiger heißt den Papst nachträglich willkommen. Doch Mario Vargas Llosas Notizen nach dem Weltjugendtag in Madrid dürften weder den Frommen noch den Unfrommen so richtig gefallen.
FAZ.NET Feuilleton29. August 2011

// Jeder Jeck ist anders, da muß es auch die Katholische Kirche geben. Llosa hat recht, ich hätte etwas Ähnliches in EL PAIS geschrieben angesichts der Ekelhaftigkeit der spanischen Linken, die beim Papstbesuch randaliert haben. Sie erinnern an die linken Greuel im spanischen Bürgerkrieg.
Bringt zuviel Katholizismus so etwas hervor? Organisationen maßen sich gerne zuviel an, religiöse Organisationen im Schulterschluß mit den Staatsbürokraten nutzen das weidlich aus. Da gleichen sie jeder kommunistischen Partei.
Eine konsequente Trennung von Staat und Religion bewahrt die Religonsfunktionäre davor, ihrer Machtgier zu folgen.


- “Wer dieses Brot ißt, wird leben in Ewigkeit.”
Leitspruch auf meiner Erstkommunionsurkunde . Mag daran doch glauben, wer will. Die Dinge “an sich” sind schon ziemlich unerkennbar, wie Kant meinte, die “letzten Dinge” können wir getrost offen lassen.
Auf die Dinge hier und jetzt kommt es aber ein bißchen mehr an, und da erscheint die Gemeindearbeit bei den Reformierten in Dabringhausen (zum Beispiel) recht sinnvoll. Für viele. Viel sinnvoller als bei der roten EKD.

- ligare binden, fesseln religatio das Anbinden religio Gottesdienst

Mittwoch, 31. August 2011

Hier haste mal den Euro





Jens Peter Paul
Zwangsumtausch
Wie Kohl und Lafontaine die D-Mark abschafften




- Robert A. Mundell strickt weiter an seinen optimalen Währungsräumen: Er hätte gerne einen Dollar-Euro-Raum mit einer Schwankungsbreite von 1,20-1,40 je Euro, sagte er in Lindau (Neues Weltwährungssystem, NZZ 27.8.11)
Das wäre sicher schön, Anleger und Unternehmen hätten mehr Kalkulationssicherheit, aber schon Keynes hat die Politik falsch eingeschätzt. Natürlich kann man sich verschulden, auch hoch verschulden, wenn man die Schulden wieder abbaut. Genau das leistet die Politik eben nicht, weil sie das Geld in der Demokratie für Stimmenkaufprogramme nutzt. Helmut Schmidts (SPD) begann in großem Stil damit.
Kohl hat bei der Euro-Einführung die Bedenken der Bundesbank gegenüber Belgien, Griechenland und Italien vom Tisch gewischt und jahrelang die betrügerische griechische Politik gedeckt. Wenn nicht Finanzmarktteilnehmer den Schwindel immer erneut zum Thema gemacht hätten, würde auch jetzt noch in Brüssel, Paris und Berlin weitergelogen. Sie tun es ja immer noch, indem sie von einem “Euro-Schutzschirm” und von einer “Eurokrise” reden. Der Euro steht aber ziemlich stabil bei 1,44 . Es gibt eine Staats-Schuldenkrise. Eine Politik-Vertrauenskrise. Nach langen Jahren wurde jetzt auf Vorschlag von speziell Lars Feld (Sachverständigenrat) eine Schuldenbremse für die Zukunft installiert bzw. soll in allen Euro-Staaten installiert werden. Das ist sehr sinnvoll, aber da die Politik vertuscht und verschiebt und das auch zukünftig tun wird, ist es nötig, einen Ausschluß Griechenlands zu veranlassen und einen strikten Automatismus für weitere Betrüger zu beschließen.

Mundells Vorstellungen kann man nur ernstnehmen, wenn eine reine Marktwirtschaft denkbar wäre. Das ist aber völlig ausgeschlossen. Daher sind eigenständige Währungen, man mag es bedauern, die bessere, keineswegs die perfekte Lösung.

Dienstag, 30. August 2011

Mein Gott, Schiller






Lebte noch ohne Aderlässe: Ludwig XIV.




Goethes Porträt der alten Hochschule / Universität:


Gebraucht der Zeit, sie geht so schnell von hinnen,
Doch Ordnung lehrt Euch Zeit gewinnen.
Mein teurer Freund, ich rat Euch drum
Zuerst Collegium Logicum.
Da wird der Geist Euch wohl dressiert,
In spanische Stiefeln eingeschnürt,
Daß er bedächtiger so fortan
Hinschleiche die Gedankenbahn,
Und nicht etwa, die Kreuz und Quer,
Irrlichteliere hin und her.
Dann lehret man Euch manchen Tag,
Daß, was Ihr sonst auf einen Schlag
Getrieben, wie Essen und Trinken frei,
Eins! Zwei! Drei! dazu nötig sei.
Zwar ist's mit der Gedankenfabrik
Wie mit einem Weber-Meisterstück,
Wo ein Tritt tausend Fäden regt,
Die Schifflein herüber hinüber schießen,
Die Fäden ungesehen fließen,
Ein Schlag tausend Verbindungen schlägt.
Der Philosoph, der tritt herein
Und beweist Euch, es müßt so sein:
Das Erst wär so, das Zweite so,
Und drum das Dritt und Vierte so;
Und wenn das Erst und Zweit nicht wär,
Das Dritt und Viert wär nimmermehr.
Das preisen die Schüler allerorten,
Sind aber keine Weber geworden.
Wer will was Lebendigs erkennen und beschreiben,
Sucht erst den Geist heraus zu treiben,
Dann hat er die Teile in seiner Hand,
Fehlt, leider! nur das geistige Band.
Encheiresin naturae nennt's die Chemie,
Spottet ihrer selbst und weiß nicht wie.
(Faust I, Studierzimmer, Schülerszene I)
Die medizinische “Ausbildung” war ein besonders tödliches Kapitel:
Hier war die Arzenei, die Patienten starben,
Und niemand fragte: wer genas?
So haben wir mit höllischen Latwergen
In diesen Tälern, diesen Bergen
Weit schlimmer als die Pest getobt.
Ich habe selbst den Gift an Tausende gegeben:
Sie welkten hin, ich muß erleben,
Daß man die frechen Mörder lobt.
(Faust I, Vor dem Tor)

Noch zu Lebzeiten Goethes bot die Weimarer Apotheke haarsträubende Produkte an, die mit heutigen Arzneimitteln fast nicht zu vergleichen sind.
Daher hielt man sich am besten an alte Hausmittel, die zwar auch nicht verläßlich waren, aber stärker auf Erfahrungswissen beruhten. Um Quacksalber wie den jungen Schiller machte man am besten einen großen Bogen, wenn einem sein Leben lieb war. “Offenbar war es nur der guten Natur der Augeschen Grenadiere zuzuschreiben, wenn sie Schillers höllische Mixturen überstanden.” (Burschell, Schiller, S. 25) Schillers Berufswechsel war also ein großer Gewinn für alle, vielen Menschen dürfte dieser Wechsel sogar das Leben gerettet haben.

Bis in das 19. Jahrhundert wurde der unkontrollierte Aderlaß praktiziert, der viele Patienten umbrachte. Er war ein Hauptmittel er antiken und mittelalterlichen Medizin und beruhte auf der antiken Vorstellung (Hippokrates, Galen), Krankheit beruhe auf einem gestörten Verhältnis der Körpersäfte. Besonders die Reichen waren betroffen, die Ärzte in Anspruch nahmen. “War ein Kind kränklich, ließen sie es zur Ader, gaben ihm ein Abführmittel, dann ein Brechmittel, und dieses führte dann meist zum Tode. … Zehn der siebzehn Kinder, die der König von seiner Gemahlin und seinen Hauptfavoritinnen hatte, starben als Säuglinge - ein ganz normaler Prozentsatz für einen Reichen.” (Nancy Mitford, Der Sonnenkönig, S. 151) Der arztgläubige Ludwig XIV. selbst hätte wahrscheinlich ohne seine Ärzte und die jahrelangen inneren Reinigungen, Aderlässe und Einläufe sehr viel länger gelebt.
Erst Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Medizin sehr langsam zu einer naturwissenschaftlichen Disziplin wurde, besserte sich die Lage, aber der Fall des Ignaz Semmelweis (1818-1865, Kindbettfieber) zeigt, wie schwierig das war.
Die ärztliche Ausbildung heute hat mit der der alten Universität nichts mehr gemein.