Sonntag, 1. Juli 2012

Naturellement











Dieser junge Maulwurf fiel ganz natürlich der Katze zum Opfer. Katzen beißen alles tot, was kleiner ist als sie selbst und sich bewegt, völlig unabhängig davon, ob sie hungrig sind oder nicht.








Zurück zur Natur? Nicht nötig, der Mensch ist immer selbst Teil der Natur. Ihr bester Teil, im Vergleich mit Katzen etwa. Der Natur kann er nicht entfliehen, auch wenn er es wollte. Religionsgläubige und Platoniker glauben zwar an ewige Ideen und Ideenschöpfung, aber hinten in der Sakristei drängt die Fleischeslust, die materielle Biosphäre. Auch Gesellschaftsverträge und dergleichen gibt es nicht, sondern das individuelle Leben tritt in die Welt mit einem stammesgeschichtlich kodierten Genom, weswegen es nie einen “neuen Menschen” geben kann und keine “tabula rasa”, und dieses individuelle neue Leben trifft auf Institutionen, die es sozial beeinflussen. Die elementarste und lebenswichtige erste Institution ist die hormonell gesteuerte Mutter-Kind-Beziehung, dann die weitere Familie. Einiges hängt für den Menschen als völlig unreifer Frühgeburt mit unendlich langsamer Entwicklung davon ab, daß ihn diese erste Institution nährt und schützt. Nur dann kann er seine angeborenen Talente optimal entfalten. Auch die allgemeineren Institutionen wie der Rechtsstaat sichern diese individuelle Entwicklung und Entfaltung. Oder sie tun es nicht oder nur unvollständig, dann wird die individuelle Entfaltung gebremst oder gar verstümmelt. Gruppen und Religionen wollen ihre Macht sichern und ausbauen, wofür sie Personal und Knechte brauchen. Schon Kleinkinder werden dann mit Eigentumszeichen versehen und noch der Erwachsene wird, wie im Islam, mit dem Tode bedroht, wenn er die Glaubens-Gruppe verlassen will. Alles freiheitliche Denken sollte also bei der biotischen Einheit Einzelmensch beginnen, denn sowohl für das Individuum wie auch  für die Gruppe und Gesellschaft erscheint eine freiheitliche Entwicklung des jungen Menschen von Vorteil, weil nur so Talente und vor allem große Talente reifen und zu einem angemessenen produktiven Platz in der Gesellschaft gelangen können.

Dem Individuum nach seinen Fähigkeiten Raum zu geben bringt der Gesellschaft produktive und zivile Vorteile, weswegen sich die Potenz offener, freiheitlicher Gesellschaften stark von geschlossenen, kollektivistischen Gesellschaften unterscheidet. Man erkennt es an den Früchten.

Natürlich ergeben sich in der langsamen, gestuften menschlichen Entwicklung viele Entwicklungsprobleme - die größten meist in der Pubertät - und der Streit darüber, wieviel Lenkung in der Erziehung und Sozialisation nötig sind, wird nie enden. Dennoch wird das Maß individuell zu bestimmen sein, keinesfalls ergibt es sich sich aus religiösen oder säkularen Ideologien. So einzigartig wie das individuelle Genom ist auch der Entwicklungsgang dieses Genoms innerhalb der artlichen Grenzen. Daher verlangt eine optimale Erziehung ein sorgfältiges Eingehen auf das Kind, ohne seinen Allüren und Launen Zucker zu geben.
Am schwierigsten fällt dabei der notwendige Disziplinausbau, davon kann es leicht zu viel oder leicht zu wenig geben. Da aber nur die Disziplin zur Eigenlenkung und zu langfristig geplantem Verhalten verhilft, also eine freiheitliche Lebensgestaltung ermöglicht, zieht sich dieser strategische Gesichtspunkt durch alle Stufen der Entwicklung und Erziehung.
Dieses Problem beteht ähnlich auch bei anderen Arten, doch läuft die Entwicklung schnell ab und das adulte Tier fügt sich über einfache Rangermittlung in die Gruppe ein. Die unendlich größeren Möglichkeiten des menschlichen Gehirns erlauben aber die enorm komplexe Vergesellung in sehr großen Gesellschaften mit ihren produktiven Möglichkeiten. Diese können aber nur mit flexiblen, dynamischen, möglichst flachen Strukturen erschlossen werden, bei freien Austausch- und Aufstiegsverhältnissen ohne ideologische, freiheitsfeindliche Versäulung.
Gesellschaftsverträge braucht es nicht, sie sind auch nur eine schriftstellerische Fiktion in der Ideengeschichte.

Samstag, 30. Juni 2012

Glänzende Namen





 

"Wir geben Eigenverantwortlichkeit der Schuldenstaaten auf", so Wolfgang Bosbach (wobo.de)


Ganz Gallien ist besetzt von finsteren Mächten? Die ganze Euro-Zone gar? Monti und Draghi, Junker und Merkel heißen die dark knights, die auch im Bundestag lauter Abnicker für ihren ESM-Vertragsfrevel fanden? Ja, viele dunkle Figuren wie Gabriel und Trittin können gar nicht leichtsinnig genug mit deutschen Steuermitteln bürgen.  
Aber ein paar verantwortungsvolle Abgeordnete leisteten doch Widerstand und tun es weiterhin:  
Frank Schäffler (FDP), Jens Ackermann (FDP), Lars Lindemann (FDP), Lutz Knopek (FDP), Sylvia Canel (FDP), Thomas Dörflinger (CDU), Manfred Kolbe (CDU), Veronika Bellmann (CDU), Alexander Funk (CDU) und Klaus-Peter Willsch (CDU). Diese Abgeorneten, sie seien gelobt, haben eine ALLIANZ GEGEN DEN ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus) gebildet und dazu zehn konstruktive Forderungen aufgestellt (s. u.a. klaus-peter-willsch.de). Auch Wolfgang Bosbach stimmte dagegen.  
Der ESM, der vorgestern abgenickt wurde, war schon am nächsten Tag überholt. Die dunklen Funktionäre Monti, Merkel & Kumpane beschlossen in Brüssel gestern Abend, den ESM auf Dauer zu stellen und aus ihm ein Instrument zur Gemeinschaftshaftung für Banken in der Euro-Zone zu machen. 



Wer hätte sich das vor zehn Jahren vorstellen können. Schwindel löst ein solcher Schwindel gegen den Artikel 125 Maastricht aus.  
Für den nächsten Bundestags-Wahlkampf findet sich die Hauptforderung bereits im Papier der ALLIANZ GEGEN DEN ESM:  
" 1. Der temporäre Rettungsschirm EFSF muss wie geplant 2013 auslaufen. Die dauerhafte Nachfolgeeinrichtung ESM darf es nicht geben. Jedes Mitglied der Euro-Zone muss selbst für seine finanziellen Verpflichtungen einstehen. Haftung und Eigenverantwortung gehören untrennbar zusammen. "

Jawohl.
So ist es. Miraculix, den Zaubertrank!
Die spinnen, die Brüsseler!

Freitag, 29. Juni 2012

Hoffnungszeichen






Da heißt es doch immer, die Eltern versagten bei der Erziehung, das Schulniveau sinke ständig und die Jugend habe nur noch Blödsinn im Kopf.  
Aber wird nicht gerade die Europameisterschaft der Chemie-Junioren ausgetragen? Tausende sollen die spannenden Experimente und Vorführungen der jungen Chemiker verfolgen. Und auch Flagge wird gezeigt, wie hier an dem alten Audi. Begeisterungsstürme soll es gestern abend in Wuppertal, Marl, Duisburg etc. gegeben haben, als riskante Experimente nachgestellt wurden. Leider gab es dabei zahlreiche Verletzte. Das ist tief zu bedauern. Aber festzuhalten ist doch, daß sich unsere Jugend für die Wissenschaft engagiert, daß Eltern und Schule die Liebe zur Chemie wußten zu wecken und daß von diesen Chemie-Junioren noch viel zu erwarten ist!   

Donnerstag, 28. Juni 2012

I’m the greatest


"Es ist wohlbekannt, daß Rousseau von Platon direkt beeinflußt wurde. Rousseau kannte auch Platons "Staatsmann" mit seiner Verherrlichung der primitiven Berghirten. … Es ist interessant, wie schnell Voltaire die Gefahren von Rousseaus romantischem Obskurantismus erkannte." 
Karl Popper, Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, S. 404   





Der Größte war er, der größte Bewunderer seiner selbst. Das macht zweifellos sein stärkstes Talent aus. Bücher wie seine “Bekenntnisse” und die “Träumereien” fielen deswegen radikal subjektiv und ehrlich aus, wo andere vertuscht und verschwiegen hätten. Seine Schilderung, wie er auf der Straße hinter dem Baum onaniert, hätten andere weggelassen. Aber ein Halbgott braucht das nicht, so war seine Überzeugung. 

Auch sonst war er sehr ungeniert. Ein Erziehungsbuch zu schreiben und seine fünf Kinder direkt als Säuglinge ins Waisenhaus zu geben, das hat ihm bisher in der bunten Zunft der Erziehungswissenschaftler niemand nachgemacht.  
Auch ansonsten sieht alles sehr zwiespältig bei ihm aus: "Das Vaterland sehen und bis zum Tode nichts anderes sehen als das Vaterland" soll schon das Kleinkind - na, na, na.  
Stichwortgeber war er nicht nur für Nationalisten, sondern auch für Kommunisten (Eigentum ist pöse), Antimonarchisten (republikanische Mehrheitsdiktatur), Milieutheoretiker (der Mensch kommt als Engelchen auf die Welt und wird dann von der pösen Gesellschaft verdorben) und Grünfanatiker (zurück zur Natur).  
Was bei Rousseau selbst noch im Bereich der dichterischen und philosophischen Spinnerei bleibt, wird bei seinem Anhänger Robespierre in Ströme von Guillotinenblut getaucht.

Mittwoch, 27. Juni 2012

Das Trübe in einen Topf und umrühren

(Bild: Uni Mannheim / Lehrstuhl Vaubel)





“ Die Tücken einer EU-Bankenunion

Von Roland Vaubel am 18. Juni 2012
Es mehren sich die Stimmen, die eine europäische „Bankenunion“ fordern. Die Länder, die vergleichsweise gut gewirtschaftet haben, sollen für die Banken der Länder aufkommen, die schlecht gewirtschaftet haben. Die Anreizwirkungen eines solchen Arrangements sind fatal. Der Hilfsbereitschaft müssen deshalb enge Grenzen gesetzt sein. Deutschland kann und darf sich nicht für alle maroden Banken Europas oder des Eurogebiets verbürgen. Es ist sinnvoll, die Hilfe auf diejenigen Länder zu beschränken, die sich nicht mehr selbst helfen können, weil sie zahlungsunfähig sind. Ein Staat ist zahlungsunfähig, wenn er seinen Schuldendienst nicht mehr leisten kann. Er ist nicht schon deshalb zahlungsunfähig, weil er am Kapitalmarkt erhebliche Risikoprämien zahlen muss.
Griechenland ist bankrott. Es hat die Hälfte seiner Schulden gestrichen. Es erhält von der EFSF einen Kredit, um seine Banken zu rekapitalisieren, die als Folge der Staatsschuldenkrise vor dem Konkurs stehen. …”  
Vaubel lehrt VWL an der Uni Mannheim.  

- 2011 kamen so viele Steuern ein wie noch nie in Deutschland - trotzdem stiegen die Schulden von Gemeinden, Ländern und Bund weiter um 2,1% auf 2 Billionen und 42 Milliarden - großartig, diese Politiker.
Bei den Euro-Manövern zur Stützung unsolider Schuldenregierungen haftet Deutschland jetzt mit rund 310 Milliarden. Auf diese höheren Risiken reagierte die kleine amerikanische Ratingagentur Egan-Jones mit einer Herabstufung der Bonität Deutschlands. Prima, die Politik der Bundestagsblockparteien.