Mittwoch, 10. Juli 2013
Prima Schein
Ja, im Sommer leben wir doch immer in der besten aller Welten, das macht schon der Schein des Fusionsreaktors steil oben im Himmel, der für so viele Schattierungen des Grüns sorgt, daß man darin versinken könnte.
Dienstag, 9. Juli 2013
Pichts Bildungskatastrophe
So geht’s:
Die richtigen Leute kennen, Hellmut Becker, Hartmut von Hentig, die auch wieder die richtigen Leute kennen ...
Dann kann man wirklich jeden Blödsinn zusammenschreiben.
“Erziehung und Bildung sind das Feld, auf dem wir heute schon über die Zukunft verfügen, denn durch die gegenwärtige Einrichtung der Schulen und der Universitäten wird quantitativ und qualitativ der Horizont der Möglichkeiten festgelegt, die der Menschheit in zwanzig Jahren offenstehen.”
So der Herr Georg Picht 1968, an den heute im DLF erinnert wurde. (Georg Picht, Mut zur Utopie, 12 Vorträge, S. 71) 1964 hatte der Mann die “deutsche Bildungskatastrophe” in allen Kanälen ausgerufen. Er hatte große Resonanz, Unsummen flossen und fließen seitdem in Schul- und Universitätsbauten.
Wo stehen wir denn heute? Die leo.-Studie von Grotlüschen will für 2011 eine Zahl von 7,5 Millionen funktionalen Analphabeten festgestellt haben. Also ein Vielfaches an Analphabeten durch hohen Mitteleinsatz? Wie kann das sein? Man kann das einfach erklären: durch die von Picht und Konsorten angestoßenen Reformen wurden die Schulen durch Zerstörung des Lernklimas schwer und nachhaltig geschädigt. Der berühmte Lehrer des Internats BIRKLEHOF und Posaunenphilosoph in allen Massenmedien erweist sich im Nachhinein als armseliger Tonnenideologe und kurzsichtiger Wicht. Schande seiner Asche.
Montag, 8. Juli 2013
Savoir vivre
Sommermorgenlust
Die moderne Medizin hat tatsächlich viel zur Lebensverlängerung beigetragen, Hans Blumenberg hat recht. „Ihr Potential zum Wachstum ist unabsehbar. Aber die Lebenden leben mit den Leben, die sie kunstvoll erhalten und zur Proliferation kommen lassen, zu Lasten der Zukunft. Eines Tages werden die verlängerten Leben die Lebenden ersticken. Es gibt keinen Halt. Niemand könnte darüber entscheiden, wo und wie es zu setzen wäre. Das Alter wird zum Albtraum werden, wenn die Jüngeren sich dagegen auflehnen, es zu ertragen.“ Blumenberg plädiert aber nicht für eine Rückkehr zur menschenmordenden alten Medizin vor 1850. Als er dies schrieb, vor etwa dreißig Jahren, war er auch nicht mehr der Jüngste. Warum aber dieser elende Pessimismus? Die Geisteswissenschaften sind auf dieser Schiene recht weitgehend zur Pessimismühle geworden, und Kaffeesatzwissenschaften wie die Zukunfts- und Klimawissenschaften haben sich angeschlossen nach dem Motto: Mehr Alarmismus, mehr Aufmerksamkeit, mehr Geld.
Ach, Jungs, Trübgedankenkacker, lehnt euch doch einfach mal zurück und genießt euer Leben. Es läuft ab. Verlaßt euch darauf. Allesamt seid ihr zu unklug, auch nur die Gegenwart zu begreifen.
Sonntag, 7. Juli 2013
Alte Albernheiten
Die immerwährende Suche - allerdings wird es mit der Überwindung der aggressiven Religionen und Säkular-Religionen etwas besser. Die menschliche Sucht nach fixen Ideen bleibt bestehen.
Möchten Sie noch mal zwanzig sein, fragte mich der Zahnarzt im Gespräch über den Fortschritt in der Zahnmedizin auch in biographischer Perspektive. Da waren wir uns einig:
so unwissend wie mit zwanzig nicht noch einmal!
Ganz anders sieht das Kurt Lenk, der pensionierte Politologe, der für den linken Kanal des DLF den Horkheimer präsentierte. Wohlwollend und zustimmend. Den alten Hammeln zuwinkend. Man kann also ein ganzes Leben mit den Albernheiten des Jugendalters verbringen. Die Menschen sind eben verschieden.
„Die Krise der Vernunft manifestiert sich in der Krise des Individuums, als dessen Agens sich Vernunft entwickelt hat“, heißt es in Horkheimers ‚Kritik der instrumentellen Vernunft’. Die Krise des Glaubens entdeckt sich in der Krise des modernen Menschen, für den der Glauben erschüttert ist, würde Benedikt Ratzinger sagen. So sprechen eben Päpste ihre Dogmen aus.
Ich aber sage euch: mit dem menschlichen Verstand ist es nicht so weit her, das sieht man an den alten Gläubigen, die ihr Gehirn mit Leerformeln füttern und noch mit achtzig nicht geistig über den Horizont von zwanzig hinausgekommen sind.
Ihre Asche wird wohl auch nicht mehr klüger werden.
Samstag, 6. Juli 2013
Viva Helvetia - hält auch Fahnenschwenker, Frischs und Zieglers aus
Wo die wilden Wasser rauschen und die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH Zürich) steht
Die Sozialwissenschaften transportieren nur Vermutungswissen und Interpretationen der Wirklichkeit. Dabei wird viel Blödsinn produziert. Die Soziologie steht da vielleicht an der Spitze. Gelegentlich fällt aber Interessantes ab. So berichtet Kaube in der FAZ von einem Bielefelder Vortrag des Bonner Soziologen Rudolf Stichweh über kleine Republiken.(3.07.2013 "Unumwerfbare Schweiz")
Der Titel bezieht sich auf den Ausdruck “bottom-heavy”, den der US-Historiker Jonathan Steinberg auf die Schweiz münzte. Den Vortrag hielt Rudolf Stichweh zur Verabschiedung von Bettina Heintz, die einen Ruf in ihre Schweizer Heimat nach Luzern angenommen hat, obwohl sie noch gar nicht lange in Bielefeld gelehrt hat und erst vor zwei Jahren, auf Vorschlag ihres Schweizer Landsmanns und emeritierten Bielefelder Kollegen Franz-Xaver Kaufmann, Mitglied der NRW-Akademie der Wiss. wurde.
Schweizer halten halt mehr zusammen als, sagen wir, Deutsche. Ist der Schweizer “Geimeinschaftsglaube” (Max Weber) stärker? Das wird aus vielen Gründen so sein, Stichweh lenkte die Aufmerksamkeit u.a. auf die ungewöhnlich kleine Durchschnittseinwohnerzahl. Die kleine Einwohnerzahl stellt den “bottom”, den schweren Boden dar, denn dadurch wird das Gewicht der Gemeinde größer, es wird weniger von oben, gar von einer Superbürokratie wie Brüssel in das Gemeindeleben hineingedrückt. Die Machtpyramide steht auf der Grundfläche, nicht auf der Spitze wie in Deutschland und Frankreich. Damit dürften eine Reihe von Folgen verbunden sein. Zunächst die Repräsentativregierung aus allen Parteien, die die Gräben zwischen den Parteien nicht zu tief werden läßt. Und eine gewisse Verlangsamung scheint dieser Regierungsform inhärent zu sein. Auch in großen Gemeinden wie Zürich hält sich der Wandel in Grenzen. Seit seiner Jugend habe sich auf der Bahnhofsstraße nicht sehr viel geändert, sagte der emeritierte Zürcher Kaufmann. Darin liegt ein Versicherungs- und Beruhigungspotential für den Bürger angesichts vieler Neuerungen ansonsten. Die Grundschule am Ort unterstützt das. Soviel Luxus muß sein. Sparen kann man an unqualifizierten Einwanderern. Und auch die Steuerlast wird mehr von unten als von oben gesteuert. Ab Montag, so der Steuerzahlerbund heute, dürfen die Deutschen, rein rechnerisch, für ihre private Haushaltskasse arbeiten. Wer alle Steuern und Abgaben berücksichtigt, bekommt jeden Monat rund 60% vom Staat abgezogen. Da sind in der Schweiz die Gemeinden und Kantone vor. Diese Basisrechte bedeuten aber auch im wichtigsten Punkt eine große Hürde für die Zentrale: Polit-Schurken und Ganoven haben es schwerer, die Staatsmaschine zu kapern und für ihre Zwecke einzusetzen. Das ist nicht in Gold aufzuwiegen.
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