Freitag, 20. Februar 2015

Geschrumpfte Heimat










Aus der FAZ v. 21.8.14



“Heimat ist dort, wo die Seele sich öffnet”, überschrieb Hans Puttnies einen Artikel über die Kunstpostkartensammlung der Kunsthandlung Nenke & Ostermaier aus der Kaiserzeit. Die abgebildeten Reproduktionen zeigen sechs Lithographien mit viel Himmel und Landschaft, aber fast keinen Menschen darin. Das erinnert an Konrad Lorenz, der in der Siedlungsdichte der modernen Städte einen Faktor für stärkere Aggressivität sieht. Das ist sicher nicht ganz falsch, in der Stadt ist der Mensch stärker auf Abgrenzung bedacht als in Ohio auf dem Land. Zugleich zieht es aber Tausende in Stadien, wo sie Stunden hindurch dichtgedrängt wie Sardinen verbringen.
Mit Heimat hat aber weder das volle Stadion noch die menschenleere Landschaft zu tun, wiewohl die Landschaft der Kindheit einen gewissen, geringen Einfluß besitzen mag. Wo “öffnet” sich aber “die Seele”?
Bei Bach-Partiten, würde ich sagen, aber natürlich führt das nur dazu, den blumigen Kunstpostkartensatz in toto zu verwerfen.
Heimat ist dort, wo Wiedererkennen und Berechenbarkeit eine Stimmung angenehmen Vertrauens hervorbringen. Daher bedeutet “Heimat” der Jugend wenig, denn diese Phase ist auf Heimatverlassen gestimmt, auf Sex und Abenteuer, auf Remmidemmi und Revolution. Nach den Irrungen und Wirrungen der Jugend kehren die meisten jedoch gern dorthin zurück, wo sie die altbekannten Umstände, ehedem eher verachtet, erneut antreffen können.
Natürlich hat sich dann manches gewandelt, aber die Grundlinien bleiben. So war das bisher.
Die Masseneinwanderung unqualifizierter Orientalen und Afrikaner könnte das aber entscheidend verändern. Die Parallelgesellschaften mit andersartigen Regeln sind bereits etabliert. Verstärkt wird die Entwicklung durch illegale Eindringlinge, die von den Spezialmedien “Flüchtlinge” genannt werden, und die oft von Schleuserorganisationen für 2000 bis 10.000 USD (DLF) gelenkt werden. Das waren allein im letzten Jahr 202.000 Personen, 60% mehr als im Vorjahr.
Da wird die Heimat reduziert.







Donnerstag, 19. Februar 2015

Ecce homo





Religiös gespickt zum Thaipusam (Foto: en.Wiki.)







Wer in den Weltraum schaut, in die Milchstraße, oder zum Andromeda-Nebel, wird nicht auf die Idee kommen, diese Welten hätten irgendetwas mit den Weltentstehungsmythen der vielen Religionen zu tun, die es auf der Welt gibt. 
Sieht er in den Mikrokosmos, auf die vielen Viren etwa, Grippeviren, Ebolaviren, HIV-Viren, so wird er ebenfalls nicht vermuten, diese Halblebewesen wären von einem “Schöpfergott” geschaffen worden. 
Alle Religion ist eben nur Fiktion. Kant hat sie für seinen Diener Lampe gelten lassen, und der war ein braver Protestant. So kann man es halten. Was aber ist mit den vielen anderen Religionen, die die Gläubigen Geld, Zeit und gar das Leben kosten? Gerade war das Hindu-Fest Thaipusam mit Paradekosten und gespickten Leibern. Eine Art religiöse Folklore, derweil in Delhi christliche Kirchen überfallen werden. Oder die verstümmelten Kinderleichen, die derzeit verstärkt in der westafrikanischen Elfenbeinküste gefunden werden und offenbar von Ritualmorden stammen (WELT 11.2.15). Die Liste der religiösen Unsinnigkeiten und Abscheulichkeiten ist endlos.

Nur das von der Aufklärung gezähmte Christentum besitzt heute sublime Theologien. Aber sie sind doch recht defekt, weil sie stets das körperliche Fundament des Menschen mißachten. So fußt die gegen Homosexualität gerichtete staatliche Gesetzgebung auf dem unaufgeklärten Bilderbuchdenken der Mose-Bücher. Alan Turing wurde noch danach verurteilt und in bösartige Probleme gestürzt. Inzwischen wurde Turing zwar “begnadigt”, aber das platonische Vorbeidenken an den körperlichen Grundbefindlichkeiten des Menschen bleibt. In diesem Sinne lenkt jede Art von Religionsunterricht von der realen Wissensvermittlung ab zugunsten von bodenlosen Denkblasen, wie sie in der Theologie- und Philosophiegeschichte üblich sind. 


Soweit die “Lampes” dieser Welt gar nicht an Wissenserwerb interessiert sind, mag das angehen, aber auch die “Kants” stecken im platonisch-aristotelischen Denken fest und können nicht zu einer Philosophie der Lebensgestaltung und Lebenskunst vorstoßen.

Mittwoch, 18. Februar 2015

Angriffe von links und rechts



Der von Tucholsky bekämpfte Reichspräsident Friedrich Ebert (1871-1925) hätte als Stabilitätsanker der Weimarer Demokratie länger leben müssen, Paul Hindenburg (1847-1943) dagegen früher sterben sollen - Fatalismus der Geschichte. 

(Bild: Bundesarchiv/Wiki.)






Die Intelligenz steht links, lautet(e) ein Sprüchlein, nicht ohne Berechtigung. Der vor 125 Jahren geborene und vor 80 Jahren an einer Überdosierung von Schlafmitteln gestorbene Tucholsky gehörte zweifellos zur Intelligenz der Weimarer Republik. Wie der ebenfalls aus einer reichen Bankiersfamilie stammende Bertolt Brecht war er ein linksradikaler Gegner der Weimarer Demokratie, der stattdessen für den Klassenkampf plädierte. Auch in seiner schlimmstmöglichen Form:
„Möge das Gas in die Spielstuben eurer Kinder schleichen. Mögen sie langsam umsinken, die Püppchen. Ich wünsche der Frau des Kirchen­rats und des Chefredakteurs und der Mutter des Bildhauers und der Schwester des Bankiers, daß sie einen bitteren, qualvollen Tod finden, alle zusammen. Weil sie es so wollen, ohne es zu wollen.“
Kurt Tucholsky, Werke Bd. 5, (Dänische Felder, Weltbühne 1927)

In der rororo Tucholsky-Ausgabe, die von Mary Gerold-Tucholsky zusammengestellt wurde, hat sie als stoisches Motto vorangestellt:
„Erwarte nichts.
Heute: das ist dein Leben.“

Das bezeichnet den Gegenpol zum Lebensgefühl der linken Intelligenz, wie es auch Tucholsky geplagt hat. Geboren mit einem goldenen Löffel im Mund, genügte ihm nichts, überzog er alles mit Kritik und widmete sich Frauengeschichten. 
Zwei Faktoren spielen dabei eine Rolle, spielen sich gegenseitig in die Hand. Einmal die verwöhnende Prinzenerziehung in einem reichen Hause, die die Erwartungen an das Leben in unerreichbare Höhen treibt und das Erwachsenenleben belastet. Und zum anderen die säkulare Heilserwartung des radikalen Sozialisten, die Arbeiterklasse werde  die Gesellschaft erlösen und befrieden.

Bei einer so problematischen Konstellation - man kennt sie auch von anderen linksradikalen Literaten - verhilft auch keine Intelligenz zur Klugheit. 



Dienstag, 17. Februar 2015

Aber, aber!















Schlagen ist ok, sagt er in der Generalaudienz, aber nicht ins Gesicht. Und wenn jemand seine Mutter beleidigte, müßte er mit einem Faustschlag rechnen. Der Papst aus Argentinien hat ein lockeres Mundwerk. Das ist nicht gut für den größten Teil der Erde, wo Kinder ohnehin nicht fürsorglich behandelt werden. Das Schlagen braucht man den Menschen nicht zu empfehlen, das tun sie von selbst, je primitiver, desto mehr. Die Ziele dürfen nicht zu unerreichbar sein für das Publikum, denn dann werden sie nicht ernstgenommen, aber sie müssen doch eine Anforderung darstellen, sinnvoller zu handeln.


Man sollte keinen Papst aus einem Entwicklungsland küren, der noch nie etwas von Psychologie und Entwicklungspsychologie gehört hat. 

Montag, 16. Februar 2015

So macht man das







Sieht ein bißchen karnevalistisch aus, aber das war der Stil des Barocks: Friedrich Wilhelm (1620-1688), Calvinist und Kurfürst in Brandenburg

(Bild: Wiki.)



Das war ein Paukenschlag: 1613 konvertierte Kurfürst Georg Wilhelm zum Calvinismus! 
Das sahen seine Lutheraner gar nicht gern. 1620 - der Dreißigjährige Krieg währte schon 2 Jahre - kam der kleine Kurfürst Friedrich Wilhelm an, der dann der „Große Kurfürst wurde. Nach Erziehung bei den calvinistischen Verwandten in den Niederlanden übernahm er 1640 die Regierung Brandenburgs, in der Endphase des Kriegs, die deutschen Länder waren zerstört und entvölkert. Es gab viel zu tun. 
1685 hob Ludwig der Aggressor, von den Franzosen auch Louis Le Grand genannt, das Edikt von Nantes auf und eröffnete die Jagd auf die französischen Calvinisten, auch Hugenotten genannt. 
Da griff Friedrich Wilhelm zu: alle nach Brandenburg! Etwa 20.000 der hochqualifiziertesten Handwerker und Unternehmer, das Beste vom Besten in Europa, kam zum calvinistischen Kurfürsten. 
Das war den Lutheranern gar nicht recht. Aber Friedrich Wilhelm boxte das durch. Und Preußens Aufstieg begann. So macht man Einwanderung.