Donnerstag, 24. Dezember 2015

Gewählt wie genagelt



Günter hat wieder genagelt, so festlich wie nie. 
Allen Nägeln festliche Momente!





Peter Müller? Kennen Sie den? Den Boxer? Nein, den Verfassungsrichter, seit 2011. Ach, der! War saarländischer Ministerpräsident. Wurde vom Bundesrat einstimmig gewählt. Weil er besonders wenig Qualifikation für die Verfassungsgerichtsbarkeit mitbrachte. Am liebsten läßt das Parteienkartell halt Politiker wählen, die der Politik passen und keine Probleme erwarten lassen. Müller war nicht der erste Politprofi als Verfassungsrichter, sogar einen Politiker Müller gab es schon, Gebhard Müller, und der war ebenfalls Ministerpräsident. Für die Parteien sind Ministerpräsidenten die beste Wahl. Die wissen einfach besser, was die Politik vom Bundesverfassungsgericht erwartet.






















Mittwoch, 23. Dezember 2015

Man muß nur dran glauben



Abwehrzauber im 21. Jahrhundert! 
Gegen Wühlmäuse.



“Was aber soll man davon halten, dass selbst ein freier Geist und großer Gelehrter wie Gottfried Wilhelm Leibniz geweihte Gegenstände des katholischen Kults im Abwehrzauber instrumentalisierte? Wie er seinem Adlatus berichtete, habe er bei einer Seefahrt auf dem Mittelmeer 1689/90 mit Erfolg einen Rosenkranz räuberischen Mördern entgegengehalten. Doch, so grübelte noch vor einiger Zeit Hans Blumenberg, wieso führte Leibniz die geweihten Perlen überhaupt mit sich?
Dem vielbehandelten Thema "Magie im Mittelalter" widmet der Wiener Germanist Helmut Birkhan eine Darstellung mit weitgestreuten Beispielen.”
S. Rezension Borgolte, “Der Abwehrzauber hat nichts von seinem Reiz verloren
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.09.2010 Helmut Birkhans Darstellung der Magie im Mittelalter zeigt auch, wie lebendig deren Denkmuster blieben.”
Der Mensch ist nicht besonders rational, und viele Menschen lieben das Irrationale in vielen Formen. Ob der Franzl, der Linksaußen aus Argentinien, oder der Leibniz aus Hannover. Letzterer besitzt allerdings nur als Mathematiker Format, hat er doch u.a. die Infinitesimalrechnung gefunden, zeitgleich mit Newton. Und die Mathematik als eine besondere, realitätsferne Geisteswissenschaft verträgt sich gut mit Aberglauben aller Art.

















Montag, 21. Dezember 2015

Frans de Waal und die Gesellschaft


“Alle Primaten sind Konformisten. Sie ahmen andere nicht nur nach, sondern mögen es auch, wenn andere sie imitieren.”

Frans de Waal hat recht. Allerdings ist das keine neue Erkenntnis. Für den Primaten Mensch hat das schon der französische Soziologe Gabriel de Tarde in seinem Buch “Gesetze der Nachahmung” beschrieben, das 1890 erschien. Diese stammesgeschichtliche Anlage dient dem Zusammenhalt und der Eitelkeit von Vorbildern.  

“...Was die Empathie betrifft, so verdanken wir der Neurowissenschaft zwei grundlegende Erkenntnisse: Sie hat uns gelehrt, dass es zwischen den Emotionen von Menschen und Tieren keine klare Trennlinie gibt. Und sie hat nachgewiesen, dass Empathie von Körper zu Körper stattfindet...Da Empathie auf der körperlichen Schiene völlig unbewusst abläuft, neigen wir dazu, sie zu unterschätzen.” Frans de Waal, Der Mensch, der Bonobo und die 10 Gebote, S. 188/191

Die Hirnforschung hat einen uralten Befund bestätigt: Menschen verhalten sich unterschiedlich empathisch. Bei Mördern stellte man hirnliche Spezifika fest, u.a. James H. Fallon, Niels Birbaumer. 3 Promille von türkisch-arabischen Intensivtätern verüben 20% aller Straftaten in Berlin. Nur Männer. Diese Unterschiede ignoriert Waal, um seine Bonobo-Beobachtungen des Nahbereichs, der Gemeinschaft, auf die Gesellschaft zu übertragen.

In der großen Gesellschaft geht es aber anders zu als in der kleinen Gemeinschaft (vgl. F. Tönnies, Gemeinschaft und Gesellschaft). Poppers WELT 3 der Theorien und Ideen spielt hier eine Rolle, es wird gekämpft um Macht und Ideen gesellschaftsweit, Parteiapparate werden dafür positioniert. Für Ideologien werden auch Kriege geführt. Die Empathie des Nahbereichs kann hier völlig ausfallen. Sogar in den Unterkünften für Asylbewerber in Deutschland werden viele Angriffe auf Christen von mohammedanischer Seite verübt - also selbst in en-face-Beziehungen obsiegt die Tradition einer Ideologie.

Waal sieht die Bedeutung von gesellschaftlichen Traditionen und Ideologien nicht.











Samstag, 19. Dezember 2015

Geburtenrate und Entwicklung



Wie hoch ist die Traglast eines Landes? Die chinesische Diktatur bestimmte diktatorisch die Geburtenrate. Und verursachte die hohe Altenlast der Gegenwart und Zukunft. Vermied aber das Elend der weit überschrittenen Traglast in Indien, Arabien und Afrika. Die Bevölkerungsexplosionen dort zehren sofort jeden Fortschritt auf. Dem ist Rotchina entgangen. 

Jetzt schaltet Peking auf die 2-Kind-Familie um, und die etwa 13 Millionen "Schwarzchinesen" aus Zeugungsübertretungen der Vergangenheit sollen legalisiert werden.

(Vgl. Kleine sozialpolitische Reform in China

Jedem sein Hukou

Der Status von 13 Millionen Chinesen, die nicht im Hukou-System registriert sind, soll legalisiert werden. Den Wanderarbeitern nützt das aber wenig." NZZ 10.12.15, Beat Wieser)


















Freitag, 18. Dezember 2015

“Wir sind vielleicht zu antik gewesen - / Nun wollen wir es moderner lesen.” Goethe, Satyros







Bei Kahneman erfährt man viel über menschliches Erkennen


Es ist ein eigener Umstand, daß die Fichtesche Philosophie immer viel von der Satire auszustehen hatte. Ich sah mal eine Karikatur, die eine Fichtesche Gans vorstellt. Sie hat eine so große Leber, daß sie nicht mehr weiß, ob sie die Gans oder ob sie die Leber ist. Auf ihrem Bauch steht: Ich = Ich. Jean Paul hat die Fichtesche Philosophie aufs heilloseste persifliert in einem Buche, betitelt »Clavis Fichteana«. Daß der Idealismus in seiner konsequenten Durchführung am Ende gar die Realität der Materie leugnete, das erschien dem großen Publikum als ein Spaß, der zu weit getrieben.”
So Heine im 3. Buch seiner “Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland”.
Der arme Fichte. Sein ICH auf dem Bauch der Gans. Mit Fichte’scher Säuferleber. Man sieht, der alte Spottvogel Heine ist dem Fichte nicht sein Freund. Immerhin geht er ausführlich auf ihn ein, er beläßt es nicht bei der Gänserei. Seinem Düsseldorfer Kollegen Friedrich Heinrich Jacobi war das nicht beschieden. Der fiel glatt durch. Nicht so bei Birgit Sandkaulen:

„Ich bin Realist, wie es vor mir noch kein Mensch gewesen ist“ – Der philosophische Provokateur Friedrich Heinrich Jacobi
Bisweilen schlägt die Philosophiegeschichte Kapriolen. Über lange Zeit war die überragende Bedeutung des Düsseldorfer Philosophen und Romanautors Friedrich Heinrich Jacobi (1743–1819) völlig überdeckt. Nicht zuletzt hat der andere große Sohn der Stadt, nämlich Heinrich Heine, das Gerücht befördert, dass Jacobi ein irrationaler Fideist gewesen sei, dem wir keinerlei wichtigen Impuls verdanken. Inzwischen gehört diese kuriose, aber wirkmächtige Fehleinschätzung der Vergangenheit an und Jacobi wird neue Aufmerksamkeit zuteil. Als großbürgerlich situierter homme de lettres und „graue Eminenz“ der ganzen klassischen deutschen Philosophie hat er in seinen Schriften und in seiner ausgedehnten Korrespondenz, die alle illustren Geister der Epoche umfasst, nicht nur neben Kant die maßgeblichen Anstöße für die intellektuellen Debatten der beginnenden jüngeren Moderne gegeben. Die provokative Kraft, mit der Jacobi diese Debatten streitbar und sprachgewaltig vorangetrieben hat, weist darüber hinaus auch in gegenwärtige Diskussionen voraus. Der Vortrag zeigt dies am Fall des „Realismus“ – denn was heißt es, Realist zu sein, wie es noch kein Mensch gewesen ist?.” (Inhaltsangabe ihres Vortrags in Düsseldorf 16.12.15)
Sandkaulen kann allerdings nicht so recht verdeutlichen, was denn an der Westentaschenausgabe der variierten Fichte'schen Philosophie der besonderen Aufmerksamkeit würdig sein soll. Jacobi ist eine Fußnote der Philosophiegeschichte, gerade geeignet, daraus ein akademisches Hobby zu machen. Mit Abstrichen gilt das für den gesamten deutschen Idealismus, wobei Hegel natürlich philosophiegeschichtlich aus der Schar der Ganter herausragt. Der Klage des Fichte-Freundes Manfred Frank, der unlängst beklagte, daß der deutsche Idealismus in Deutschland nicht mehr gelehrt werde, vermag man sich kaum anzuschließen, zumal ja Sandkaulen auf diesem Gebiet sehr rührig ist.

In zivilisationsübergreifender Perspektive fällt allerdings auf, daß nur im europäischen Raum das Problem der Erkenntnistheorie bearbeitet wurde, eben auch von Fichte und Jacobi. Im mohammedanischen Raum geschah das nicht, weswegen es im Orient bis heute auch keine Psychologie gibt - im Westen dagegen erforscht sie die menschlichen Erkenntnisbedingungen heute mit weit besseren Ergebnissen, als der deutsche Idealismus es vermochte.
So bleibt dem traditionellen Geisteswissenschaftler weiterhin nur festzustellen:
“Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh ich nun, ich armer Tor,
Und bin so klug als wie zuvor!”
Faust I, V. 354ff.