Dienstag, 30. April 2019

Drakon


Das 8. Gebot lautet: “Du sollst nicht töten.” Wolffsohn hat darauf aufmerksam gemacht, daß die Übersetzung falsch sei, korrekt müsse es lauten: morden. Solche Gebote existieren überall zum Schutz der Eigengruppe. Die Rechtsgeschichte beginnt erst, wenn zwischen unbeabsichtigtem und beabsichtigtem Totschlag unterschieden wird. Das leisteten Drakons athenische Gesetze, verkündet um 620 vor Seneca. Mit ihnen wurde der erste Schritt zur Eindämmung der Blutrache und der Familienfehden und zum staatlichen Gewaltmonopol getan. Die Blutrache gibt es in der Gegenwart u.a. immer noch bei Arabern, Kurden und Albanern.
(Vgl. Athenische Rechtsgeschichte

Drakonische Gesetze waren besser als ihr Ruf, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.07.2013 )
















Route 66 - John Pizzarelli

Montag, 29. April 2019

Wieder lausig kalt die Tage! //// Friedrich-Karl Ewert: CO2 verringern - das Gegenteil wäre richtig am 24....

Und keine Wasserleitung!


Die Geschichte ereignet sich, aber die Historiker machen Geschichten daraus. Je nachdem, woher der Zeitgeist weht. Dazu Goethe:
"Mein Freund, die Zeiten der Vergangenheit
Sind uns ein Buch mit sieben Siegeln;
Was ihr den Geist der Zeiten heißt,
Das ist im Grund der Herren eigner Geist,
In dem die Zeiten sich bespiegeln." –
Goethe, Faust I, Vers 575 ff.

Meist wird ein Gesichtspunkt stark übergewichtet zugunsten der gewünschten Perspektive. Bei Karl d. Gr. zum Beispiel ist es die tragende Rolle, die er dem Klerus und seiner Ausbildung zuwies. Bis heute wirkt diese Politik nach, obwohl der Klerus längst nicht mehr aus Adel und Hochadel stammt. In allen möglichen Bereichen und Gremien übt der Klerus auch im 21. Jahrhundert Macht aus. Ob das aber zu der besonderen Würdigung seiner christlichen Lebensführung ausreicht, ist zu bezweifeln. 1165 wurde er von der katholischen Kirche heiliggesprochen, ganz im Sinne des Karlsoffiziums, das noch heute gesungen wird:

“Aus königlichem Stamm geboren,
von Gott geprüft,
verschmähte Karl
die Berührung mit unerlaubtem Leben.
Der starke Held,
mit der Lieblichkeit der Engel geschmückt,
wird emporgetragen und
mit Himmelsbrot gepeist.”

Hermann Löns setzte mit seinem “Sachsenschlächter” einen ganz anderen Akzent des Kriegerkönigs, der praktisch jedes Jahr zum Kriegszug ausrückte und damit die Bauernbevölkerung schwer belastete, so daß oft Hungersnöte herrschten.


















Lo Shu III for solo flute by Hans Zender, excerpt.