Sonntag, 7. November 2021
Klimaschau #77: Südpol mit kältestem Winterhalbjahr der gesamten Messges...
Samstag, 6. November 2021
Winckelmann
"Das allgemeine vorzügliche Kennzeichen der griechischen Meisterstücke ist endlich eine edle Einfalt, und eine stille Größe, sowohl in der Stellung als im Ausdrucke."
Winckelmann, Johann Joachim. Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst, 1755, (S.16). Kindle-Version.
Die Idealisierungen Winckelmanns bestätigten sich nicht. Aber sie machten Schule in ganz Westeuropa. Winckelmann, das Wunderkind aus der Schusterwerkstatt, brachte es zum Präsidenten der Altertümer in Rom.
“Ein brennender Bildungshunger ließ ihn keine Anstrengung scheuen, um begehrte Bücher zu erlangen. In jedem Jahre wanderte er zur Messe nach Leipzig; Magdeburg, Halle, Hadmersleben und Braunschweig, Pfarrhäuser und Adelssitze waren seine Ziele, wenn sie nur Bibliotheken hatten oder Bücher zum Verkauf bereithielten.”
(Helmut Holtzhauer, Winckelmanns Werke, Einleitung, S. XIV)
Freitag, 5. November 2021
Isokrates
Sprache als Formkraft des Denkens
“... so haben wir nicht nur aufgehört, nach Art der Tiere zu leben, sondern wir haben auch durch Zusammentreten Städte gegründet, und uns Gesetze gegeben und Künste erfunden, und beinahe alles, was durch uns mit Vernunft und Kunst erfunden wurde, hat uns auch die Sprache zur Vollendung gebracht. Denn sie hat über das, was gerecht und ungerecht, was edel und schimpflich ist, Gesetze gegeben, Bestimmungen, ohne welche wir nicht imstande wären, beisammen zu wohnen”.*
In der Tat, die Sprache ist das Menschliche schlechthin, sie befähigt zu einer kulturellen Evolution ohnegleichen. Sie wird eingesetzt zur Dokumentation, zur Argumentation, zu Hetze und Gehirnwäsche. Multifunktional. Man kann sich nur wundern, daß die Entwicklung im Westen per Saldo ziemlich erfolgreich war.
Isokrates, Vom Vermögenstausch 15, zit. bei Walter Ruegg, Antike Geisteswelt, Bd. II, S. 74
Mittwoch, 3. November 2021
Klimaschau #76: Immer mehr Menschen benötigen immer mehr Energie
Montag, 1. November 2021
RAINER MARIA RILKE - DIE ERSTE DUINESER ELEGIE
Sind sie schon geboostet? In der modernen Mitte ist das jetzt angesagt. Sie wollen doch keinen neuen Lockdown, Sie wollen doch shoppen!
Was derzeit und schon längere Zeit aus den Mündern der Medien quillt, sind Sprachmüll und Phrasen aller Art, garniert mit moralischen Imperativen zur Weltbeglückung und Weltrettung.
Das ist die “gedeutete Welt” Rilkes aus der ersten Duineser Elegie auf der Stufe der Verhunzung. Rilkes Sprache bildet den äußersten Kontrast zu den Sprachhülsen der Politik. Sie steht gegen die “Entzauberung der Welt”, wie sie Max Weber konstatierte. Rilke - 1875 geboren - lebt noch in der religiösen Welt und fühlt sich existenziell unbehaust. Umsomehr, als das große Thema der Elegien der Tod ist, den “keiner ganz aussinnt”.
Man muß Rilkes Besinnungen in den Elegien nicht unbedingt folgen, Rilkes Engel ergreifen den religiös Unmusikalischen nicht, aber sie kommen doch etwas würdiger daher als die stündlich wiederholte Ansage aus dem Robert-Koch-Institut und seinem Anhang. Da haucht uns die Leere an. Aber Leere gehört nicht zum Wortschatz der modernen Mitte.