Sonntag, 9. November 2008

Hoher Herbst, Shakespeare, Nietzsche, Spiegelneuronen, Berliner Mauer

Die Bucheckern fallen, das Laub haftet. 8-10° regn.

- Herr O. soll heute auf dem Michigan-See gewandelt sein, Donnerwetter, he can.

- Wir sind solcher Stoff
Als wie zu Träumen
Und dies kleine Leben
Umfaßt ein Schlaf.

Shakespeare, Sturm IV,I

- Bayer bestätigt Prognose für 08 und erhöht für 09. Wincor N. erwartet stagnierendes Geschäft. HR Jan.-Sept. mit Verlust, streicht D.

- Nietzsche Die fröhliche Wissenschaft Anhang. Lieder des Prinzen Vogelfrei
Nach neuen Meeren

Dorthin — will ich; und ich traue
Mir fortan und meinem Griff.
Offen liegt das Meer, in's Blaue
Treibt mein Genueser Schiff.

Alles glänzt mir neu und neuer,
Mittag schläft auf Raum und Zeit
Nur dein Auge — ungeheuer
Blickt mich's an, Unendlichkeit!

- Auch erfreulich: Ludwig Jäger kramt nicht mehr in der Soziolinguistik alter Kiste wie seinerzeit in Duisburg:
'07. November 2008 Den Verächtern der visuellen Kultur wird momentan das Leben schwer gemacht. Denn auch von akademischer Seite springt man ihr längst bei. Am verblüffendsten vielleicht der Aachener Philologe Ludwig Jäger im Zürcher Jahrbuch für Wissensgeschichte „Nach Feierabend“. Unter Rückgriff auf evolutionsbiologische und neurowissenschaftliche Erkenntnisse rollt er die Frage nach Herkunft und Natur der Sprache auf. Allgemein anerkannt ist längst die These, dass die Aufrichtung des Gangs ein entscheidender Moment für die Entwicklung der menschlichen Spezies war.
Überraschender ist die Einsicht, dass das Freiwerden der Hand nicht nur die technische Entfaltung des Menschen möglich machte, sondern auch die Entwicklung einer vielschichtigen Gebärdensprache. Erst nach vermutlich vielen hunderttausend Jahren „fand dann offenbar mit der Auslagerung der Sprache aus dem gestisch-visuellen in das vokal-auditive System eine zweite Befreiung der Hand statt: Sprachliche Instruktion und technisches Handeln konnten nun in ein neues komplexes Verhältnis treten, das offensichtlich zu einem revolutionären kulturellen Schub führte.“
Wort gegen Bild, ein hegelianisches Erbe
Für die Gestensprache, zu der man Ansätze schon bei Primaten findet, macht Jäger die Spiegelneuronen verantwortlich, jene Hirnzellen, die nicht nur bei Tätigkeiten ihres Besitzers aktiv werden, sondern auch, wenn er Handlungen seiner Artgenossen beobachtet. Hier liegen die Wurzeln für eine „gemeinsame Kodierung von Rezeption und Aktion“ und damit für eine symbolische Darstellung von Handlungszusammenhängen.
Genau dieses Vermögen zur Nachahmung führte zur Gebärdensprache, die als Inszenierung im Ausdrucksbereich der Hand nicht weniger begrifflich und abstrakt war, als die heutige Wortsprache seit jeher an impliziten Bildern reich ist. Jäger erinnert daran, dass das medienkritische Ressentiment gegenüber der „Aufdringlichkeit des Piktoralen“ auf Hegel und den deutschen Idealismus zurückgeht, der das Wort im Namen der befreienden Abstraktion gegen das Bild in Stellung brachte. ..." FAZ

- Da war doch noch was?: Die Berliner Mauer „fiel“ in der Nacht von Donnerstag, dem 9. November, auf Freitag, den 10. November 1989, nach über 28 Jahren ihrer Existenz. Es wird fast totgeschwiegen. Man sollte sich aus diesem psychotischen Land verabschieden.

- Wenigstens das: "Freiheitspreis
Der Bekenner: Frankfurt feiert Mario Vargas Llosa
Vom Geschmack der Freiheit: Mario Vargas Llosa während seiner Dankesrede
09. November 2008 Freiheit ist ein Erfrischungsgetränk. Wer wissen will, wie sie schmeckt, sollte ein Glas Kola Real probieren, wenn er Südamerika bereist. Denn diese Limonade, die vor zwanzig Jahren in einer der ärmsten Gegenden Perus von einem gewissen Jorge Añaño entwickelt und von seiner Familie in der Küche des Hauses in Ayacucho abgefüllt wurde, hat seither den Durst von Millionen Menschen gestillt - nicht nach Zuckerwasser, sondern nach Veränderung. Der Zauber des Tranks lag in der Erkenntnis: Das, was ist, kann anders werden. ..." FAZ

Samstag, 8. November 2008

Anna Jacobson Schwartz zu Bernanke; SUN, Sunstein, Gedächtnisbildung


Anna Jacobson Schwartz

Golden weh'n die Blätter nieder.

Weiter sonnig! 5-11°

- Gut für SUN! : " Bechtolsheim hält Sun die Treue . Andreas von Bechtolsheim wird weiterhin für Sun Microsystems arbeiten. Darüber hinaus ist der deutsche Mitbegründer des amerikanischen Computer- ..." 25.10. FAZ

- " Der geröntgte Patient "strahlt" nicht.
Leser Thomas Springsguth unterliegt in seiner Replik ("Das Röntgen erzeugt auch strahlenden Müll", F.A.Z. vom 22. Oktober) auf Robert Spaemann ..." 6.11.

- Anna Jacobson Schwartz: http://www.boersennotizbuch.de/die-fed-fuehrt-den-falschen-krieg.php
"Die Fed führt den falschen Krieg? 21. Oktober, 2008
Die Generäle führen bekanntlich immer den letzten Krieg… Tut das auch die Fed? Bekämpft die US-Zentralbank die Finanzkrise mit den Mitteln und Strategien, die früher — genauer: zu Zeiten der Großen Depression 1929 — geeignet gewesen wären, heute aber nicht?
So klingt zumindest Anna Schwartz, eine der letzten lebenden Zeugen jener Zeiten, die außerdem (erwiesenermaßen) höchsten Sachverstand mitbringen kann. Die 93-jährige Dame “wurde bekannt, als sie mit ihrem Mentor Milton Friedman das Buch A Monetary History of the United States, 1867–1960 verfasste, in dem der Keynesianismus kritisiert und der Monetarismus begründet wird” (Wikipedia). Heute ist sie Ökonom bei The National Bureau of Economic Research.
Für The Wall Street Journal äußert sie unverhohlen Kritik an die Handlungsweise der Fed in der Krise. Den ganzen Text kann ich nur empfehlen: Bernanke Is Fighting the Last War.
Für die Ungeduldigen:
Wir haben es nicht mit Liquiditätskrise zu tun, sondern mit Krise der (faulen) Bilanzen
Die Krise ist wahrscheinlich am deutlichsten am Interbankenmarkt zu spüren — die Banken leihen sich kaum Geld, die Zinsen dort weisen extreme Aufschläge auf… Das Problem ist jedoch nicht fehlende Liquidität, so Anna Schwartz, das Problem ist Zweifel an der “Gesundheit” bzw. “Glaubhaftigkeit” der Bilanzen. Auch wenn die Fed die Märkte mit Liquidität “flutet” (was sie in der Tat gemacht hat), kommt es zu keiner Entspannung, eben weil die Liquidität wenig Grundsätzliches für die Genesung der Bilanzen beigetragen hat.
In den 30er gab es eine Liquiditätskrise und lehrbuchmäßige Bank Runs. Damals ist die Fed weitestgehend untätig geblieben und hat damit Panik zugelassen, die selbst solvente Finanzinstitute in den Bankrott trieb… Die Große Depression ist eine direkte Folge dieser verfehlten Zentralbankpolitik gewesen. Ben Bernanke kennt die Geschichte der 30er ausgezeichnet. Er habe wiederholt betont, dass die Fed ihre Lektion gelernt habe und ein ähnliches Desaster nie wieder zulassen würde.
Mit den Liquiditätsinjektionen hat die Fed alles nur in die Länge gezogen
Und die Fed unternimmt Vieles, um ein solches Desaster abzuwenden. Aber leider ist das, was uns jetzt bedroht, nicht die gleiche Krise wie in den 30er. Es ist eine andere, die andere Gegenmittel verlangt. Mit ihren massiven Liqiditätsinjektionen habe die Fed die Krise nur verlängert und ungesunde Banken unnötig am Leben erhalten.
Die Fed handelt unstrukturiert, scheinbar willkürlich, was den Markt verwirrt
Die Fed handelt, das stimmt. Doch Anna Schwartz vermisst klare Struktur und Prinzipien in den Handlungen. Sie sieht auch eine viel zu große Angst, Banken fallen zu lassen. Das ständig wiederholte, ja angedrohte “systemic risk” hält sie eigentlich für überzogen. Eine klare Linie, selbst wenn diese mehr Pleiten bedeuten sollte, wäre hilfreicher.
Erst müssen die Bilanzen ausgemistet werden
Ein großer Schritt wäre also, wenn die Banken (irgendwie) die schlechten Papiere los werden könnten. Wenn die Bilanzen bereinigt wären. Das würde echte Entspannung bringen.
Der ursprüngliche Plan von Henry Paulson sah nicht zufällig vor, die “toxischen Papiere” von den Banken aufzukaufen. An sich keine schlechte Sache. Aber mit einem unangenehmen Aspekt — zu welchem Preis soll die Regierung die Papiere kaufen? Sollte man einen aktuellen Marktpreis ansetzen, würde dies bedeuten, die Verluste (die noch nur auf dem Papier stehen) realisieren zu lassen und auf diese Weise mit einem Schlag etliche Institute direkt in die Insolvenz zu schicken. Ganz zu schweigen, dass für die Problempakete praktisch kein Markt existiert.
Deswegen wechselte auch Paulson die Richtung und wird eher (bzw. auch) den “europäischen” Weg gehen und den Staat bei den Banken mit Eigenkapital beteiligen. Es ist ein Umweg, den Anna Schwartz als “Rettungsplan für die Banken” und nicht mehr als “Rettungsplan für das Finanzsystem” bezeichnet. Es bestehe ein Unterschied.
Und, ja, Alan Grenspans zu expansive Geldpolitik ist eine der wichtigsten Ursachen für die Krise…
Das war die Kurzfassung. Besser jedoch unter dem Link unten, den ganzen Text zu lesen…" : http://online.wsj.com/article/SB122428279231046053.html
(Anna Jacobson Schwartz (* 1915) ist eine amerikanische Ökonomin.
Sie wurde bekannt, als sie mit ihrem Mentor Milton Friedman das Buch A Monetary History of the United States, 1867–1960 verfasste, in dem der Keynesianismus kritisiert und der Monetarismus begründet wird.)

- ARD: Öffentlich-rechtlicher Krimi-Dreck zur Familien-Abendunterhaltung: Ohne das Cassius-Clay-Bild wäre mir die Kritik gar nicht aufgefallen, so aber muß ich wahrnehmen, daß die öffentlich-rechtlichen Geschmacklosigkeiten, die ich auch noch mit Zwangsgebühren finanziere, weil ich Bloomberg und arte sehe, inzwischen, zur 20h-Zeit, ins Ungeheuerliche, Unzivilisierte gewuchert sind : "Einer gegen alle. Von grausamsten Verbrechen: Im neuen "Tatort" aus Münster ist nichts, wie es war. ...
Eine Frau, den Mund mit Paketband verklebt, liegt gefesselt auf dem Bett ihrer Wohnung und erwartet - nicht zum ersten Mal -, dass ihr Peiniger wiederkommt. Der macht Pause, fühlt sich im anderen Zimmer wie zu Hause, guckt Fernsehen und benutzt die Toilette im Stehen, bevor er sich seelenruhig seinem Opfer zuwendet. Statt Zeuge einer körperlichen Vergewaltigung allein wird der Zuschauer Zeuge einer bis in Einzelheiten ausgekosteten Erniedrigung. Es ist ein Machtspiel mit dem Ziel der psychischen und physischen Vernichtung der weiblichen Zielscheibe, das sich hier während der nächtlichen Wolfsstunde vor dem Grauen des Morgens abspielt. Das Opfer, eine junge Jurastudentin, wird am nächsten Tag erwürgt aufgefunden. Wer die ersten zwei Minuten schaut, wird zwar sehen, wie Kommissar Thiel (Axel Prahl) um drei Uhr nachts auf dem Sofa schläft, während auf dem Schirm ein Porno läuft ... "

- "Obamas Berater Cass Sunstein. Der Knoten im Netzwerk. ... Was er denkt, wofür er steht? Nicht leicht zu sagen, denn Sunstein steht gar nie. Er schreibt, mit anderen Worten, zu schnell, als dass man zu einem gegebenen Zeitpunkt genau feststellen könnte, ob er gerade konservativ oder liberal oder neoliberal oder wohlfahrtsstaatlich argumentiert. Sein eigenes Wort dafür ist „libertärer Paternalismus“, was wohl so viel heißt wie: mal so, mal anders.
Das passt zu seiner Produktivität, Sunstein hat mehr Bücher publiziert, als er sich merken kann, und über mehr Themen, als alle anderen sich merken können, darunter das genetische Klonen, reaktionäre Richter, den Versicherungsstaat, die Todesstrafe - die er befürwortet, weil auf jeden Hingerichteten siebzehn durch Abschreckung verhinderte Morde kämen -, ..." 7.11. FAZ

- Gedächtnisbildung: "Hippokampale Östrogensynthese und synaptische Plastizität, Lars Fester et al. ... daß nicht das Ovar die Quelle für Östrogen induzierte synaptische Plastizität im Hippocampus ist, sondern dieses aus dem Hippokampus selber stammt ... und haben damit einen Paradigmenwechsel eingeleitet, der Östrogen als Neuromodulator unabhängig vom Geschlecht identifiziert. ... Die Hemmung der Östrogensynthese zieht einen Synapsenverlust nach sich und die Langzeitpotenzierung ist nicht mehr induzierbar. ..." Neuroforum Nov. 2007, S. 127, Organ der Neurowissenschaftlichen Gesellschaft

Freitag, 7. November 2008

Die Erbschaftsteuer vernichtet gezielt Kapital


Der Herbst hat wirklich noch ein paar schöne Tage!

MR warnt erneut für 2008, bestätigt für 09, D bleibt.
SAP setzt die Weihnachtsfeiern ab; " Pfeiffer Vacuum optimistisch für 2009 . ASSLAR, 4. November (dpa). Der Vakuumpumpen-Hersteller Pfeiffer Vacuum ist nach einem Umsatz- und Gewinnplus in den ersten neun Monaten dieses ..." 5.11. FAZ
HENKEL wird von der WestLB (Kz 26) empfohlen, von UBS herabgestuft.

- Interessante Zahl: 23.000 mal atme der Mensch täglich ein, meint die VW-Werbung, deshalb baue VW so schadstoffarme Autos. Da können wir ja mehr Kerzenabgas, halbverbrannte Kohlenwasserstoffe inhalieren!

- Arktis: Eis und Kälte nehmen wieder zu . 400 000 Quadratkilometer nahm 2008 die Arktiseisfläche zu (FAZ 30.8./ "Arctic sea ice continues rebound", s. http://wattsupwiththat.com/2008/10/31/arctic-sea-ice-continues-rebound/) - tut mir leid für die Arktisanrainer! Antarktis:
"Kälterekord lässt Eisdecke wachsen" 21.4.08 FAZ . Churchill würde heute formulieren: Glaube nur den Statistiken und Computersimulationen, die du selbst fabriziert hast.

- Sklaverei ist noch längst keine Vergangenheit. Der Journalist E. Benjamin Skinner folgt den Spuren des Menschenhandels über vier Kontinente. Rez. FAZ 6.11. E. Benjamin Skinner: "Menschenhandel". Sklaverei im 21. Jahrhundert. Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 2008. 412 S., geb., 19,95 [Euro].

- " Islamwissenschaft. Die aus Mekka fuhren nicht zur See . Am Anfang war kein Dogma: Ein Gespräch mit der Historikerin Patricia Crone über das Milieu, aus dem Mohammed kam. / / Von Rainer Hermann / / 'Wir wissen so gut wie nichts über den Ausfstieg des Islam', sagt Patricia Crone, Historikerin und Islamwissenschaftlerin in Princeton ..." 6.11. FAZ

- 'Wirtschaftswissenschaftler van Suntum:
Die Erbschaftsteuer vernichtet gezielt Kapital

Nochmal Steuern aus bereits versteuertem Einkommen zahlen? Ist das gerecht?

„Eine Erbschaft ist ein Geschenk aus voll versteuertem Einkommen“, sagt Wirtschafts-wissenschaftler van Suntum. Deshalb gehört die Erbschaftsteuer abgeschafft - aber nicht ersatzlos, so sein Vorschlag. Statt dessen fordert er höhere Einkommensteuern für Erben wie Nichterben. Ein Interview.

Herr van Suntum, Sie fordern das hierzulande Undenkbare: die Abschaffung der Erbschaftsteuer und deren Umlegung auf die Einkommensteuer. Warum?

Schweden und Österreich erheben auch keine Erbschaftsteuer. So unvorstellbar ist das also nicht. Die Erbschaftsteuer stammt schließlich aus einer Zeit, in der es noch keine richtige Einkommensteuer gab. Heute haben wir aber ein ausgebautes Einkommensteuerrecht mit entsprechend hohen Sätzen. Deshalb erübrigt sich die zusätzliche Besteuerung der Erbschaften, zumal die Erbschaftsteuer in Wirklichkeit die Leistungsfähigkeit der Erben gar nicht berücksichtigt. ...' 10. Oktober 2007 FAZ

- 7. November 1913: Geburtstag des französischen Schriftstellers und Philosophen Albert Camus: er hat nur einen gescheiten Satz geschrieben, und den zu pathetisch formuliert: Man muß sich Sysiphos als glücklichen Menschen vorstellen.

Donnerstag, 6. November 2008

Luhmann, EZB: 3,25% (-0,5%), Erbschaftsteuerreform, staatl. Totenabzocke, Max Weber

Schöner Herbsttag! 8-12° s

- 'Salzburger Nachtstudio. "Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien." Mit diesem Satz beginnt der Soziologe Niklas Luhmann seinen Vortrag "Die Realität der Massenmedien" aus dem Jahr 1994.
Die Funktion der Massenmedien ist seiner Meinung nach die Irritation, sie wollen überraschen und nicht Erkenntnis vermehren. Was meinen Medienwissenschafter heute zu diesem Befund? Luhmann prägte mit seiner "Systemtheorie" die Kommunikationswissenschaften, die Soziologie, aber auch Managementtheorien. ..." (http://oe1.orf.at/programm/200811059201.html) 5.11.
- "Niklas Luhmann (* 8. Dezember 1927 in Lüneburg; † 6. November 1998 in Oerlinghausen bei Bielefeld) war ein deutscher Soziologe und Gesellschaftstheoretiker. Als einer der Begründer der soziologischen Systemtheorie gilt Luhmann als transdisziplinärer Sozialwissenschaftler. Seine zahlreichen Publikationen thematisieren philosophische, linguistische, literatur- und medienwissenschaftliche, juristische, ökonomische, biologische, theologische und pädagogische Probleme. ..." Wiki.

1,2801 Dax 4814 (-7%) Altana 12,90 (+37%, Klatten will ganz übernehmen) Gute Zahlen Telekom, Wal-Mart; BASF und Fuchs verhaltener Ausblick, aber D-konstant
Rezessionsängste(nach der Lektüre von Obamas Energiepolitikverlautbarungen?)(Das wäre ein Knüller: O. übernimmt das Marketing von GE) : Dow 8696 (-5%) WTI 60,81

- EZB: 3,25% (-0,5%) Schweiz: 2% (-0,5%) GB: 3% (-1,5%)

- DIW Berlin, Chr. Dreger (www.diw.de/deutsch) : Deutschland braucht kein Konjunkturprogramm; das billigere Öl sei das Konjunkturprogramm. Lohnpolitik: höhere Löhne bedeuten weniger Beschäftigte; fraglich, ob erhöhte Steuerabzugsfähigkeit bei Handwerker-Aufträgen zusätzliche Nachfrage schafft; die Senkung der Lohnnebenkosten sei wichtig; das KfZ.-Steuer-Programm bewirke, daß dieses Jahr keine Auto mehr gekauft werden. // Was da von Merkelmünte geplant wird, DAS IST DAS BUNDESTAGSWAHLPROGRAMM für 2009! Nachfrage in das nächste Jahr schieben. Die Politbürokraten denken an sich selbst zuerst. Dazu paßt: "Sonderrecht für Polit-Waisen." Ein Minister/Abgeordneter hinterläßt erworbene Pensionsansprüche von rd. 1 Mio., davon zahlt die Witwe 0 € Erbschaftssteuer; die Witwe eines Selbständigen zahlt dafür 151.500 € Erbschaftssteuer. Focus 44/2008
- DIW Berlin : "Erbschaftsteuerreform: Was lange währt, wird endlich schlecht. Aktueller Kommentar von Stefan Bach im Wochenbericht des DIW Berlin Nr. 45/2008

- "Standpunkt: Hermann Otto Solms. Gelegenheit macht Freiheitsdiebe . Die Finanzkrise nährt ein in Deutschland weitverbreitetes Unbehagen an der Marktwirtschaft und damit an einem tragenden Pfeiler unserer Gesellschaftsordnung. ..." FAZ 3.11. // Und an dem Fundament des deutschen Wohlstands!

- Vom Aufräumer zum Strategen . Der Schweizer Paul Voser steht als gekürter Vorstandschef für die "neue Shell". Die Entscheidung für Paul Voser ist nur auf den ersten Blick überraschend gekommen. Die Kür des Finanzvorstands zum neuen Vorstandsvorsitzenden ..." 31.10.08 FAZ

- Schöne Bluesgitarre: The Berkeley Connection. Großformationen von Peter Apfelbaum und Steven Bernstein, WDR3 4.11.

- Begrabt mein Herz unter dem Großen Brockhaus oder: Die Politbürokraten denken an sich selbst zuerst: " Die Kommunen als Trittbrettfahrer im Trauerfall . Es war gut, Ihren Artikel "Beerdigung kostet mehrere tausend Euro" (F.A.Z.-Wirtschaftsteil vom 15. Oktober) zu lesen, zweifelte man doch selber aufgrund eines eigenen Trauerfalles ..." LB FAZ 3.11.08

- Feith, Douglas: US-Sicherheitspolitik : Rez. FAZ 1.11.08 ' ... Feith ging es auch um den "Kampf der Ideen". In Ermangelung von Aktivitäten des eigentlich zuständigen Außenministeriums habe sich die Pentagon-Führung seit Oktober 2001 häufig und ausführlich mit dem Entwurf einer Gesamtstrategie zur Eindämmung des Islamismus befasst, die vor allem nichtmilitärische Elemente wie Bildungsprogramme und die Unterstützung moderater Imame enthalten sollte. Feith ist überzeugt, dass es einen Ansatz gibt, der dazu führt, dass die Menschheit eines Tages mit denselben Gefühlen auf Selbstmordattentäter zurückblicken werde wie heute auf diejenigen, die im neunzehnten Jahrhundert Duellen zum Opfer fielen - und bedauert, dass der diesbezügliche Ansatz unter Bush zu keinem Abschluss gebracht wurde. Die Gründe, die das Pentagon davon abhielten, hier Akzente zu setzen, benennt er allerdings nicht.
Man muss nicht mit jedem Argument des ehemaligen Staatssekretärs übereinstimmen, um die Denkanstöße zu schätzen, die der ungewohnte Blickwinkel von Feith auf die Politik von Präsident Bush ermöglicht. ' TASSILO WANNER
Douglas Feith: War and Decision. Inside the Pentagon at the Dawn of the War on Terrorism. Regan Books, New York 2008. 688 S., 27,95 $.
- Max Weber: »Gesinnungsethik« versus »Verantwortungsethik«.
' ... Da liegt der entscheidende Punkt. Wir müssen uns klarmachen, dass alles ethisch orientierte Handeln unter zwei voneinander grundverschiedenen, unaustragbar gegensätzlichen Maximen stehen kann: es kann »gesinnungsethisch« oder »verantwortungsethisch« orientiert sein. Nicht dass Gesinnungsethik mit Verantwortungslosigkeit und Verantwortungsethik mit Gesinnungslosigkeit identisch wäre. Davon ist natürlich keine Rede. Aber es ist ein abgrundtiefer Gegensatz, ob man unter der gesinnungsethischen Maxime handelt – religiös geredet: »Der Christ tut recht und stellt den Erfolg Gott anheim« –, oder unter der verantwortungsethischen: dass man für die (voraussehbaren) Folgen seines Handelns aufzukommen hat. Sie mögen einem überzeugten gesinnungsethischen Syndikalisten noch so überzeugend darlegen: dass die Folgen seines Tuns die Steigerung der Chancen der Reaktion, gesteigerte Bedrückung seiner Klasse, Hemmung ihres Aufstiegs sein werden, – und es wird auf ihn gar keinen Eindruck machen. Wenn die Folgen einer aus reiner Gesinnung fließenden Handlung üble sind, so gilt ihm nicht der Handelnde, sondern die Welt dafür verantwortlich, die Dummheit der anderen Menschen oder – der Wille des Gottes, der sie so schuf. Der Verantwortungsethiker dagegen rechnet mit eben jenen durchschnittlichen Defekten der Menschen, – er hat, wie FICHTE richtig gesagt hat, gar kein Recht, ihre Güte und Vollkommenheit vorauszusetzen, er fühlt sich nicht in der Lage, die Folgen eigenen Tuns, soweit er sie voraussehen konnte, auf andere abzuwälzen. Er wird sagen: diese Folgen werden meinem Tun zugerechnet. »Verantwortlich« fühlt sich der Gesinnungsethiker nur dafür, dass die Flamme der reinen Gesinnung, die Flamme z.B. des Protestes gegen die Ungerechtigkeit der sozialen Ordnung, nicht erlischt. Sie stets neu anzufachen, ist der Zweck seiner, vom möglichen Erfolg her beurteilt, ganz irrationalen Taten, die nur exemplarischen Wert haben können und sollen.
Aber auch damit ist das Problem noch nicht zu Ende. Keine Ethik der Welt kommt um die Tatsache herum, dass die Erreichung »guter« Zwecke in zahlreichen Fällen daran gebunden ist, dass man sittlich bedenkliche oder mindestens gefährliche Mittel und die Möglichkeit oder auch die Wahrscheinlichkeit übler Nebenerfolge mit in den Kauf nimmt, und keine Ethik der Welt kann ergeben: wann und in welchem Umfang der ethisch gute Zweck die ethisch gefährlichen Mittel und Nebenerfolge »heiligt«. ...'
Max Weber, Politik als Beruf, Vortrag (1919)(s. http://www.textlog.de/2296.html)

Mittwoch, 5. November 2008

OBAMAs Energiepolitik, Magnetschwebebahn, BBC u.a.

Strizz, Reiche, FAZ

CCNet 160/2008 - 5 November 2008 -- Audiatur et altera pars

BARAK OBAMA AND THE FUTURE OF CLIMATE AND ENERGY POLITICS
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Many congratulations to President-elect Barak Obama. May you be a wise and competent leader of the United States of America facing difficult times.
--Benny Peiser, Editor CCNet

Over a two-year campaign, Barack Obama laid out a vision for the nation's future in soaring speeches that enthralled his audiences. With his victory in the presidential election on Tuesday, those goals will collide with daunting realities.
--Jim Drinkard, AP, 5 November 2008

- SGL Carbon gute Zahlen, Ausblick verhalten, Vossloh erhöht Prognose. BMW ruft größte Krise der Unternehmensgeschichte aus.

- " Wir brauchen die Magnetschwebebahn . Zu Ihrer Meldung "Starke Behinderungen im Bahnverkehr" (F.A.Z. vom 22. Oktober): Bei vielen technischen Systemen werden Risikoanalysen für deren Einzelkomponenten durchgeführt ..." 3.11.

- Medienentwicklung oder: wie das Prekariat incl. seiner Kinder immer prekärer wird: "
29. Oktober 2008 FAZ. Elf lange Tage hat es gedauert, bis die Führung der nicht immer zu Recht als ehrwürdig geltenden BBC auf einen unappetitlichen Skandal im eigenen Hause reagierte. Während die Zahl der Einzelbeschwerden bei der öffentlich-rechtlichen Anstalt auf rekordverdächtige 18.000 wuchs, die Medienaufsichtsbehörde Ofcom eine Untersuchung ankündigte, Boulevard- und Qualitätspresse in seltener Eintracht nach Konsequenzen riefen, Premierminister Gordon Brown und der konservative Oppositionsführer David Cameron von „inakzeptablem Verhalten“ sprachen, beschränkte sich der Sender noch am Mittwochmorgen auf den lapidaren Hinweis, der Vorfall werde weiter untersucht.
Da war der Imageschaden längst angerichtet. Bevor der Skandal am Nachmittag das Parlament erreichte und der BBC endgültig über den Kopf zu wachsen drohte, zog der urlaubende Generaldirektor Mark Thompson in letzter Minute doch noch die Reißleine: mit einer „persönlichen und uneingeschränkten Entschuldigung gegenüber Andrew Sachs, seiner Familie und den Gebührenzahlern“ sowie der Suspendierung der Moderatoren Russell Brand und Jonathan Ross. Beide stehen für eine international selten wahrgenommene Seite der BBC: Auf der Jagd nach den Quoten insbesondere unter jüngeren Zuschauern steuert sie ihre Unterhaltungsprogramme immer ungehemmter ins Vulgäre. Russell Brand hat sich inzwischen entschuldigt, er habe sich in die Anrufe und die Situation hineingesteigert („caught up in the moment“), Jonathan Ross hat in einer öffentlichen Erklärung sein „pubertäres und gedankenloses Verhalten“ bedauert.
Geschmacklosigkeiten auf dem Anrufbeantworter
Im Zentrum des Skandals stehen unappetitliche „Telefonscherze“, mit denen Brand und Ross den 78 Jahre alten Andrew Sachs traktierten, einen Schauspieler, der in der Rolle des begriffsstutzigen spanischen Hoteldieners „Manuel“ aus der unübertroffenen Hotelsatire „Fawlty Towers“ von John Cleese in den siebziger Jahren zur nationalen Berühmtheit wurde. Weniger bekannt ist, dass Sachs, Sohn deutscher Juden, sich 1938 als Achtjähriger mit seiner Familie gerade noch aus dem nationalsozialistischen Deutschland nach Großbritannien retten konnte.
In der von Brand moderierten Radioshow, die am 16. Oktober aufgenommen und zwei Tage später auf dem populär ausgerichteten BBC Radio 2 zwischen 21 und 23 Uhr gesendet wurde, hinterließen Brand und Ross vier Nachrichten auf dem Anrufbeantworter von Sachs, der eigentlich als Gast vorgesehen war. Zu den vielen Geschmacklosigkeiten, die beide auf Band sprachen, gehörte der mit ordinärsten Formulierungen gespickte Ausruf von Ross, Brand habe mit Sachs' Enkelin geschlafen.
Mit Usama-Bin-Ladin-Kostüm zur Arbeit
In immer neuen Anrufen, die vorgeblich der Entschuldigung dienten, vergrößerten die Unterhalter genüsslich den Skandal, der bemerkenswerterweise danach eine Woche lang fast unbemerkt blieb. Erst als das Massenblatt „Mail on Sunday“ am vergangenen Wochenende berichtete, der BBC könne eine polizeiliche Untersuchung wegen Obszönität ins Haus stehen, wurde die Öffentlichkeit dann hellhörig.
Allerdings ist der Skandal weder ein Ausrutscher - in den vergangenen Jahren musste die bisweilen auch unfair angegriffene BBC einige peinliche Enthüllungen überstehen - noch sind Brand und Ross unbeschriebene Blätter. Der 33 Jahre alte Brand, der seine Heroin- und Sexsucht jüngst in einer peinlichen, indes prächtig verkauften Autobiographie ausbreitete, verlor seinen ersten Fernsehjob beim Musiksender MTV, als er am 12. September 2001 mit Usama-Bin-Ladin-Kostüm zur Arbeit erschien.
Der beim Publikum populäre, 48 Jahre alte Fernsehmoderator Ross fiel immer durch ordinäre Pointen auf. 2006 etwa fragte er den gerade gewählten Oppositionsführer Cameron, ob dieser sich als Heranwachsender in Gedanken an die damalige Regierungschefin Margaret Thatcher selbst befriedigt habe. Gleichwohl stockte die BBC, die parallel dazu kräftig Stellen abbaute, sein Jahresgehalt auf 7,5 Millionen Euro auf: Er sei „tausend BBC-Journalisten wert“, rühmte sich Ross sogleich. ' FAZ 30.10.08