Mittwoch, 16. September 2009

Integration des Westens in die Welt des Islam: Tariq Ramadan



Greser&Lenz, FAZ /// Die Suche nach dem kleinsten Übel wird immer schwieriger.

- Eine windige Opportunistin namens Merkel besuchte als Wahlkampfveranstaltung das Grab der überragenden Führungsfigur Adenauer, der vor 60 Jahren Kanzler wurde und mit dem unglaublich mutigen Marktwirtschaftler Erhard (nicht mit einem pol. Gartenzwerg wie Rüttgers) das Land überwältigend erfolgreich wiederaufbaute. Ein seltener politischer Glücksfall für Deutschland.

- Deutschland nach Adenauer: "
Essen: Unbekannter wirft Neunjährige in Kanalschacht
Ein Unbekannter hat in Velbert bei Essen ein neunjähriges Mädchen lebensgefährlich verletzt, in einen Kanalschacht geworfen und den Gully mit dem schweren Deckel verschlossen. Die Eltern hatten das Kind als vermisst gemeldet, nachdem es von der Hausaufgabenbetreuung nicht nach Hause zurückgekehrt war. ... " 15.9. FAZ

- „Es gibt keine islamische Theologie“ oder Auge in Auge mit der Steinzeit:
" Tariq Ramadans Islamismus. Ein Dozent des unfreien Denkens
Von Ralph Ghadban (Der Autor ist Islamwissenschaftler und Politologe. Von ihm erschienen: „Tariq Ramadan und die Islamisierung Europas“ (2006).)
FAZ 09. September 2009 Die Universität Rotterdam hat den Sozialphilosophen Tariq Ramadan vor kurzem fristlos entlassen. Seit 2007 lehrte er, der auch Gaststipendiat des Oxforder St. Anthony's College ist, in den Niederlanden als Gastdozent. Der Entlassungsgrund war Ramadans Arbeit als Moderator für einen weitgehend von der iranischen Regierung finanzierten Londoner Fernsehsender.
Wer ist, genauer: wofür steht Tariq Ramadan, der auch hierzulande von manchen als besonders elegante Erscheinung muslimischer Intellektualität diesseits der Unterscheidung von Fundamentalismus und Säkularität angeschwärmt wird? Der Ansatz der muslimischen Liberalreformer, der zur Akzeptanz des modernen Säkularstaates führen soll, erlebt in den letzten zwanzig Jahren eine starke Konkurrenz von Seiten der Islamisten. Sie erheben den Anspruch, ein islamisches Recht für die Muslime im Westen, zu entwickeln - mit der Konsequenz, dass der Begriff „Euro-Islam“ von Bassam Tibi heute undifferenziert sowohl für den säkularen Ansatz der Liberalreformer, der einen theologischen Charakter hat, verwendet wird und genauso für den islamistischen Ansatz der Salafi-Reformer, der aber einen islamjuristischen Charakter hat. Die Hauptvertreter dieses islamjuristischen Ansatzes sind die Fiqh-Räte von Europa und Nordamerika und Tariq Ramadan.
Eine opportunistische Haltung, um den Westen zu missionieren
Ihre Grundposition besagt, dass die Muslime die Integration in die westlichen Gesellschaften vermeiden und ihre eigenen Gemeinschaften auf der Basis der Scharia bilden sollen. Ausgehend von der religiösen Freiheit im Westen fordern sie ihr Recht auf eine islamische Lebensweise und hoffen langfristig, die schariakonforme Änderung unserer säkularen Gesetze zu erreichen. Für die Begründung der islamischen Lebensweise stützen sie sich auf einen Zweig des islamischen Rechtes, der als fiqh al-nawazel bekannt ist.
Dieser Fiqh war historisch ein Ausnahmerecht und behandelte Ereignisse, die im klassischen Recht nicht vorgesehen waren. Das trifft für die Niederlassung der Muslime im Westen zu, die entgegen den früheren Verboten nun dauerhaft unter der Herrschaft der Ungläubigen leben. Scheich Yusuf al-Qaradawi, der Vorsitzende des Europäischen Fiqh-Rates, hat dieses Ausnahmerecht übernommen und versucht es für das Leben im Westen zu systematisieren.

Das Gemeinwohl der MuslimeDie entwickelten Prinzipien für dieses Recht gelten nur für den Westen und haben nach al-Qaradawi einen vorübergehenden Charakter. Sie sollen nichtkonformes Schariaverhalten rechtfertigen. Eine westliche Ehefrau etwa, die zum Islam konvertiert, darf danach bei ihrem nichtmuslimischen Mann bleiben, in der Hoffnung, er konvertiert auch. Im Orient müsste sie sich nach wie vor scheiden lassen. Das ist in der Tat eine opportunistische Haltung, um den Westen zu missionieren. Die Mission ist übrigens die Hauptrechtfertigung für den Verbleib der Muslime im Westen.
Al-Alwani, Exvorsitzender des „Fiqh Council of North America“, vertritt eine ähnliche Grundposition, unterscheidet sich von al-Qaradawi jedoch in seiner Betrachtung dieses Ausnahmerechtes: Es soll als Erweiterung des klassischen Rechtes dauerhaft bestehen. Er nennt diesen Fiqh-Zweig „fiqh al aqalliyyat“, Scharia im Westen (islamisches Recht für muslimische Minderheiten im Westen).
Eine schillernde Figur des islamistischen Euro-Islam ist Tariq Ramadan. Er lehnt wie die Fiqh-Räte die Theologie kategorisch ab: „Es gibt keine islamische Theologie“, schreibt er in seinem Buch „Western Muslims and The Future of Islam“. Die islamische Glaubenslehre, die Aqida, sei klar und unmissverständlich. Der Begriff tawhid drücke am besten die absolute Einsheit Gottes aus und brauche keine Theologie, so Ramadan weiter, Gott habe im Koran dem Menschen seine Namen offenbart, damit sie ihn kennenlernen und niemals, damit sie ihn definieren.
Deshalb ist Ramadan gegen das freie Denken, das er als das größte Risiko für den freien, selbstverantwortlichen Menschen betrachtet, wenn dieser „denkt, mit seinem Intellekt allein die Welt lesen und verstehen zu können“. In Ramadans Vorstellung, die auf dem Glauben beruht, ist der Analogieschluss der muslimischen Gelehrten anstatt des deduktiven Syllogismus der Freidenker die einzig gültige Denkart. Für die Anpassung an die Moderne bleibt Ramadan nur der Fiqh. Wie al-Qaradawi geht er vom islamischen Prinzip des Gemeinwohls der Muslime aus - maslaha - wie es von al-Ghazali im 11. Jahrhundert definiert wurde. Danach bedeutet maslaha Schutz der Religion, des Lebens, des Intellekts, der Nachkommenschaft und des Eigentums der Muslime. Und wie al-Qaradawi spricht er von Mission, fiqh al-da'wa.
Integration der Muslime: überflüssig
Anders als al-Qaradawi und al-Alwani, die zwischen einem Fiqh für die islamische Welt und einem für den Westen unterscheiden, spricht Ramadan von einem einheitlichen Fiqh für die ganze Menschheit und lehnt den Fiqh der Minderheiten (fiqh al-aqalliyyat) ab. Die Muslime seien zwar zahlenmäßig eine Minderheit im Westen, sagt Ramadan, mit ihren universellen Werten aber eine Mehrheit in der Welt. Die Universalität des Islam bestehe, so seine Überzeugung, in der Fähigkeit, alle Gesellschaften integrieren zu können.
Ausgehend davon, ruft Ramadan zu einer intellektuellen Revolution auf, die den Muslimen diese Dimension ihrer Religion bewusst machen soll: „Der Weg des Glaubens, der Pfad zur Quelle, die Scharia, lehrt uns alles zu integrieren, was nicht gegen ein etabliertes Prinzip unserer Religion verstößt, und es als eigenes zu betrachten. Es ist schließlich die wahre Universalität des Islam“ (aus „Western Muslims“).
Ramadan meint deshalb, dass die meisten Dinge schon islamisch sind und die Muslime daher im Westen schon zu Hause sind und keine Integration brauchen. Die strittigen Fragen sollten islamjuristisch mit ijtihad und fatwas geregelt werden, deren Funktion sehr weitreichend gemeint ist. Tariq Ramadan: „Die Anwendung dieser juristischen Instrumente soll sich nicht auf die gefährlichen Grenzbereiche beschränken, sondern im Zentrum einer globalen Vision stehen, die den Westen integriert und in ein angeeignetes Territorium umwandelt, ein Land für Muslime.“ ... ' FAZ 10.9.09

Dienstag, 15. September 2009

Arktis, Global warming has stopped and cooling is beginning




Arktiseis (http://iup.physik.uni-bremen.de:8084/amsr/amsre.html)
Henrik Svensmark

10-16°C, Schauer, ganz schön kühl; es war diesen Sommer nicht nötig, zur Sommerdecke und den ganz leichten Schlafanzügen zu wechseln; jetzt 19°C im Schlafzimmer (abgesunken von 20°C) .

- "Global warming has stopped and cooling is beginning. One consequence may be that the sun itself will show its importance for climate. No climate model has predicted a cooling of the Earth, on the contrary. This means that projections of future climate are unpredictable. A forecast [that] says it may be warmer or colder for 50 years, is not very useful, for science is not able to predict solar activity. So in many ways, we stand at a crossroads. Will the Greenhouse theory survive a significant cooling of the Earth? Not in its current dominant form. Unfortunately, tomorrow’s climate challenges will be quite different than greenhouse theory’s predictions, and perhaps it becomes again popular to investigate the sun’s impact on climate."
Henrik Svensmark, Danish National Space Center, 9 September 2009 (cc-net, Peiser) 2007 veröffentlichte er zusammen mit dem englischen Wissenschaftsautor Nigel Calder das Buch The Chilling Stars - A New Theory of Climate Change (dt. Sterne steuern unser Klima. )

- Opel: Beide deutschen Vertreter in der Opel-Treuhand haben gegen den Verkauf an MAGNA gestimmt, weil sie darin keine sinnvolle Perspektive sahen. Pfeil hat sich dann auf Druck der MerkelSteinmeier & IG Metall der Stimme enthalten. Nun hat er sich erneut zu Wort gemeldet: "Opel-Treuhänder Dirk Pfeil: „Staatskredit dient der russischen Autoindustrie“
Die schärfste Kritik am Verkauf von Opel kommt ausgerechnet vom Vertreter der Bundesländer in der Treuhand: Dirk Pfeil erwartet, dass Opel Fachwissen an Russlands Autoindustrie verliert und Magna selbst bald in wirtschaftliche Nöte gerät. ... " FAZ 14.9.

- "
Geldpolitik:
Eine provozierende Sicht der Finanzkrise.
FAZ 27.8.09, Von Gerald Braunberger

Die Notenbanken könnten es richten: Krisengespräche in Jackson Hole
26. August 2009 Die gängigen Begründungen für die Finanzkrise wie die Spekulationsblase auf dem amerikanischen Subprime-Immobilienmarkt, eine zu laxe Geldpolitik, schlechte Regulierungen oder eine zu hohe Verschuldung von Finanzhäusern sind unzureichend. Sie können vielleicht erklären, warum ein Teil des amerikanischen Immobilienmarkts in eine - übrigens keineswegs außergewöhnliche - Krise geriet. Aber sie erklären nicht, wie aus einer Krise auf einem Teil des amerikanischen Immobilienmarktes eine weltumspannende Finanz- und Wirtschaftskrise werden konnte. Diese Weltkrise besitzt ganz andere Ursachen als die üblicherweise genannten.
Das ist das provozierende Fazit einer Untersuchung der beiden MIT-Ökonomen Ricardo J. Caballero und Pablo Kurlat, die dieser Tage auf der geldpolitischen Konferenz in Jackson Hole vorgestellt wurde.

Sie nennen drei Einflüsse, die aus einer Immobilienmarktkrise eine schwere Finanzkrise werden ließen. Das sind zum einen wichtige negative Überraschungen, die viel mit der kaum durchschaubaren Komplexität des Finanzsystems zu tun hatten, zum zweiten eine exzessive Konzentration von Risiken in hochverschuldeten Finanzhäusern sowie eine verspätete und unangemessene Reaktion der Politik auf diese spezifischen Krisenverstärker. Das Ergebnis war erst Verunsicherung und dann eine Panik an den Märkten, verbunden mit erheblichen Vermögensverlusten. Wie die nebenstehende Grafik zeigt, gehen die Schäden der Finanzkrise, hier gemessen an den Wertverlusten der Banken, deutlich über die Schäden der Immobilienkrise hinaus. ..." FAZ 27.8.09

- - "Wir sind in einer dicken Krise", sagte die Moderatorin. Ja, wo denn? Die IFA (Int. Funk- u. Fern.-Ausst.) meldete gerade guten Erfolg. Dort ging es nicht um Brot- und Butter-Produkte, sondern um Luxusgüter. Die Leute haben nicht nur Geld in der Tasche, sie geben es auch aus. An jeder Bushaltestelle telefonieren kleine Kinder im teuren Mobilfunk. Das ist die Krise. Weitgehend eine Buchgeldkrise. Dort, wo Anleger in Lehman-Zertifikaten reale Verluste erlitten haben, die auch durch steigende Bewertungen in Zukunft nicht ausgeglichen werden können, handelt es sich um eine Spielgeldkrise, denn jedermann konnte wissen, daß diese Sorte synthetische Wertpapiere keine echte Kapitalanlage sind (wie Aktien, Anleihen oder Genußscheine) , sondern eine Art Wettprodukt mit Totalausfallrisiko. Auf's falsche Pferd gewettet ist das Geld eben futsch. Selawi. Nach meiner Auffassung sind Derivate für die Geldanlage überflüssig, aber man kann damit, wenn man etwas davon versteht, bestimmte Zeiträume absichern. Und für Unternehmen ist das wichtig. Für Privatanleger nicht unbedingt. Die Privatanleger, die bei Lehman-Wettprodukten Einbußen zu beklagen haben, konnten lernen, daß ihnen niemand Wettrisiken abnehmen kann. So etwas kann man natürlich auch vorher wissen. Es hätte natürlich gut gehen können, es ist ja auch länger gut gegangen. Die Vielzahl von angebotenen Derivaten aller Art, bedeutet allerdings, daß bei vielen Leuten eine Wettmentalität eingerissen sein muß. Und daß die von den Notenbanken ausgegebenen Geldmengen zu hoch waren. Beides ist nun einmal krisenträchtig. Wenn die Krise so ausfällt wie die gegenwärtige, so kann man damit gut leben. Aber man muß auch Impulse begrüßen, die die Wettmentalität und die Zentralbankgeldmengen begrenzen. Das besorgt eine solche Krise ja auch. Wobei man bei den Geldmengen skeptisch sein darf. Die Politik betrachtet steigende Geldausgabe als Wohlfahrtspolitik. So wie bei Opel. Solche alten Industrien kranken an den zu hohen Löhnen. Die Koreaner etc. machen es billiger. Aber die Politik verhindert Lohnanpassungen nach unten, außerdem besteuert sie die Löhne noch sehr hoch, so daß Autofirmen u.a. seit langen Jahren Probleme haben. In einer Insovenzkrise wird dann wettbewerbsverzerrend Steuergeld eingesetzt, also die Geldmenge im kleinen erhöht. Als Wohlfahrts- und als Wahlkampfpolitik. So sind die Politiker. Wir werden wohl in Zukunft die alten Krisen und Probleme behalten.

Montag, 14. September 2009

Konrad Lorenz, Jugendgewalt




Konrad Lorenz auf einem Foto aus dem Jahr 1975 (links, rechts im Kreise seiner Lieben)

- Wie kam Carl Barks eigentlich nach Entenhausen?
Konrad Lorenz
hat sich auch geirrt, da hat Kaube sicher recht. Auch Bowlby, Spitz, Erikson irrten: wer irrt nicht? Lorenz war in manchem zu sehr Philosoph, hat tierische Verhaltensbefunde zu stark verallgemeinert. Aber er hat in der Hauptsache doch recht, nämlich daß der Mensch nicht vom Himmel gefallen ist, sondern eine tierische Entwicklung als Menschenaffe hinter sich hat, und ein Primat, der sich über sein Genom fortpflanzt, ist er heute immer noch mit den zugehörigen "animal spirits". Die wirken auch auf die enorme Vielfalt der kulturellen und gesellschaftlichen Phänomene ein, die den homo sapiens sapiens eben nie zu einem solchen werden lassen. Und auch die Bowlby, Erikson und Spitz, die manches psychoanalytisch überinterpretiert und da und dort verbogen haben, erkannten doch etwas sehr Wichtiges: daß die Mutter-Kind-Beziehung bei dem "frühgeborenen", zunächst völlig hilflosen Kind eine ganz besondere Rolle spielt, und daß diese Abhängigkeit, anders als bei allen anderen Säugetieren, sehr lange dauert und Kindheit und Jugend viele Jahre andauern bis zur endlichen Reifung. Diese Autoren haben Grundlegendes, nicht Letztgültiges vorgelegt, wo andere, wie zum Beispiel Margaret Mead, nur herumgeschwafelt haben (vgl. Derek Freeman u.a.).

- Jugendgewalt München: ' S-Bahn-Mord in München. „Rache für die Zivilcourage“. Ein 50 Jahre alter Mann, der sich in der S-Bahn schützend vor andere gestellt hatte, ist von zwei jungen Männern brutal niedergeschlagen worden und starb an den Folgen. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht von Mord aus. ..." FAZ /// Habermas hätte das durch herrschaftsfreien Diskurs verhindert!

- Jugendgewalt Hamburg: " In der Nacht zum Sonntag flogen im Schanzenviertel Steine und Flaschen, wobei die Gewalttäter zunächst aus der friedlichen Menge heraus agierten. Die Gewalt hatte sich schon Tage vorher angekündigt, als in der Stadt an verschiedenen Stellen immer wieder Autos brannten. Gegen zwei Uhr griffen etwa 200 Personen eine Polizeiwache mit Steinen an, hebelten mit einem Straßenschild ein Fenster in dem Gebäude auf und warfen Knallkörper hinein. Die Beamten in der Wache seien dabei nicht verletzt worden, sagte der Einsatzleiter. Danach flüchteten die Angreifer zum Ausgangspunkt des Straßenfestes im Schanzenviertel, schlugen die Scheiben mehrerer Geschäfte ein und plünderten die Auslagen. Später lieferten sie sich weitere Auseinandersetzungen mit der Polizei. Neu war, dass es diesmal nach Auskunft des Einsatzleiters massive Angriffe von Gewalttätern auf unbeteiligte Passanten gegeben hatte. Auf Kreuzungen hätten Störer "wahllos" Steine auf vorbeifahrende Autos geworfen und damit Zivilisten gefährdet. Zudem seien rund um das Schanzenviertel willkürlich sechs Autos und ein Carport angezündet worden. ..." Sechzig Verletzte nach Krawallen in Hamburg, FAZ 13.9.
/// Seit wann gibt es solche mörderische Brutalität im öffentlichen Raum? Seit wann wächst die Jugendkriminalität dieser Art?

- Reichlich früh, das Novemberwetter: 11-13°C, Schauer

Sonntag, 13. September 2009

Der Unternehmer machts, KOSMOS GEHIRN, Epiktet, ELEKTROAUTO



11-16°C, Schauerwetter

- Der Unternehmer machts: Drei Generationen dauerte es bei den Buddenbrooks, Madeleine Schickendanz, Quelle-Erbin, zeigt mit der Insolvenz von Karstadt-Quelle bzw. Arcandor, daß es auch schneller gehen kann.
- - Was mag die Privatbank Sal. Oppenheim bewogen haben, sich bei Arcandor in hohem Maße zu engagieren? Krockow hat wahrscheinlich noch nie bei Karstadt D'dorf eingekauft (Köln ist erfreulicher).
- - "Marc Andreessen: Internet-Avantgarde.
Der Mann ist jung und doch schon das, was man eine Legende nennt: Marc Andreessen hat das Internet dem Massenpublikum erschlossen - und ist seither immer da, wo es gerade spannend ist. Gerade ist er Eigentümer des Internet-Telefondienstes Skype geworden. ..." 2.9. FAZ

- Neurowissenschaft im Netz bei der Neurowissenschaftlichen Gesellschaft: KOSMOS GEHIRN zB: http://nwg.glia.mdc-berlin.de/de/info/cosmos/html

- Was kostet Gemütsruhe.
Fange also mit geringfügigen Dingen an: man verschüttet dir dein bisschen Öl, man stiehlt dir dein Restchen Wein. Denke dabei: So teuer kauft man Gelassenheit! So teuer Gemütsruhe! Umsonst bekommt man nichts! Epiktet, "Das Buch vom geglücken Leben"

- ELEKTROAUTO: " Dieses Traumpaar ist unbezahlbar

Zu den Artikeln "Elektroautos ohne Starthilfe aus Deutschland" und "Stromstoß für die Autobranche" (F.A.Z.-Wirtschaft vom 21. August): Erneuerbare Energien und Elektromobilität wären ein Traumpaar, wenn der Ladestrom aus erneuerbare Energien für die Autofahrer bezahlbar wäre. Eine Kilowattstunde Energie aus Diesel oder Benzin kostet derzeit rund 10 Cent inklusive rund 40 Prozent Mineralöl-Steueranteil und Mehrwertsteuer, also ohne Steueranteile rund 4 Cent pro Kilowattstunde. Strom aus Sonnenenergie kostet ohne Steueranteile etwa 43 Cent pro Kilowattstunde, Strom aus Windenergie im Onshore/Offshoremix rund 12 Cent pro Kilowattstunde. Berücksichtigt man, dass der Wirkungsgrad des Elektroantriebs ohne Fahrzeugklimatisierung etwa um den Faktor 3 günstiger ist als der Brennstoffantrieb, so wäre bei Windstrom so etwa Gleichpreisigkeit gegeben, bei Strom aus Sonnenenergie wäre dieser jedoch noch immer um den Faktor drei teurer, also einem Benzinpreis von rund 4 Euro pro Liter entsprechend.

Wegen der begrenzten Stromspeicherfähigkeit heutiger Batterien müsste man im Winter auf die Autoheizung und im Sommer auf die Klimatisierung aus Energiespargründen wohl komplett verzichten, ältere VW-Käfer-Fahrer sind das aber von früher her gewohnt. Wenn das Elektroauto an den E-Ladestationen scheitern würde, wäre das ein Armutszeugnis der deutschen Stromversorger. Darin liegt auch überhaupt kein Problem: Eine normale 230-V-Steckdose, um mit 3 Kilowatt über 10 Stunden in der Nacht aufzuladen, wäre allemal hinreichend für 150 Kilometer am nächsten Tag. Das eigentliche Problem ist nach wie vor: Es fehlt eine leistungsfähige Batterie. Ob der Staatszuschuss von 5000 Euro für die ersten 100 000 E-Autos den Verdruss über die geringe Reichweite und fehlende Klimatisierung ausreichend kompensieren kann, wird die Zukunft erweisen. Möglicherweise ebbt das Interesse bei 10 Prozent Zielerreichung der einen Million bis 2020 bereits deutlich ab, da der Zweitwagenmarkt gut betuchter Käufer dann bereits erschöpft ist.

Die Prognose von Verkehrsminister Tiefensee, dass das E-Auto von 2017 an Normalität im Straßenbild sei, ist höchst unwahrscheinlich, da die soeben per Abwrackprämie gekauften Neuwagen dann erst gut sieben Jahre alt sind. Warum das bisher mit der Markteinführung von Elektroautos nicht funktionierte, kann man am Hockenheimring erfahren, dort ist zu lesen: "Dr. Georg von Opel stellte mit einem elektrogetriebenen Opel GT am 17./18. Mai 1971 sechs neue Weltrekorde auf. Im Fond des Wagens hatte man die 360-Volt-Batterien in vier Trögen untergebracht. Den Kilometer mit fliegendem Start legte er mit 188,86 Kilometern pro Stunde zurück, die 10-Meilen-Distanz mit 127,16 Kilometern pro Stunde." Das war vor 38 Jahren. Am Institut für Stromrichtertechnik der RWTH Aachen war zu dieser Zeit der Ford 12 M mit Elektroantrieb auch bereits vielfach erfolgreich erprobt und durch Diplom- und Promotionsarbeiten gut und reichhaltig dokumentiert. Wenn Opel das Weltmeisterauto serienmäßig gebaut hätte, wären sie damals schon pleite gewesen, weil keiner es gekauft hätte.

Die Spinnerei über Netzstützfunktionen und gewinnbringende Rücklieferung der elektrischen Energie ist in Kenntnis des Energiemarktgeschehens und der energietechnischen Erfordernisse im UCTE-Verbundnetz ohnehin absurd. So genannte intelligente Netze mit Zugriff für jedermann ist da wohl ein verführerisches Stichwort, für Politiker, Journalisten und einige praxisferne Theoretiker ebenso wie die derzeit - bezeichnenderweise von der Münchener Rück vermarktete - medienfüllende Idee vom Strom aus der Sahara, von dem Herr Großmann, CEO bei RWE, treffend sagte: "Es ist eine prima Idee. Mehr aber auch nicht." Dem ist nichts hinzuzufügen, außer dass die schöne Braut des Traumpaars Erneuerbare Energie und Auto für die meisten Autofahrer unbezahlbar wäre."

PROFESSOR DR. HELMUT ALT, AACHEN, LB FAZ 1.9.09

Samstag, 12. September 2009

Amokläufer Tim K., Hirnreifung, Turing, Ballade von der sexuellen Hörigkeit



Sieht doch ganz nett aus, der Massenmörder Tim K.

Der Amokläufer von Winnenden:
- " Die Aussage einer Therapeutin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Weinsberg dürfte dies wahrscheinlicher machen: Die Therapeutin, die Tim K. im Frühjahr 2008 zu mehreren ambulanten Beratungsgespräch aufgesucht hatte, hat nämlich in einem polizeilichen Verhör zwei Mal ausgesagt, die Eltern über die Mordphantasien ihres Sohnes informiert zu haben. Die Eltern bestreiten das. Tim habe in der Ambulanz von heftigen Stimmungsschwankungen, Hassgefühlen und der „Idee“ berichtet, die gesamte Menschheit zu töten.
Über Tims Waffenvorliebe informierten Tims Eltern die Therapeutin in Weinsberg offenbar nicht. ..." Gutachter nach Amoklauf von Winnenden: „Die Eltern sind mitverantwortlich“, FAZ 9.9.09
/// Es fällt immer wieder bei Psychotizisten auf, daß sie schlecht als solche erkannt werden, vor allem wohl, weil eine gewisse Intelligenz und Kreativität von ihren merkwürdigen Zügen (Unsozialität, Aggressivität, Hartherzigkeit, Egozentrizität, Unpersönlichkeit und Impulsivität) ablenken. Sie fallen aber empirischen Pychologen (das sind keine Freudianer!) über entsprechende Tests durchaus auf (vgl. H. J. Eysenck, Kriminalität u. Persönlichkeit)(vgl. auch die Einträge vom 14.-16.3.09.
- - Hirnreifung: " FAZ 28. August 2009 Die Jugend hat viele Privilegien. Wenn es allerdings um die Entwicklung des Gehirns geht, ist das Erwachsenwerden ein geradezu erbarmungswürdiger Zustand. Die Seele schwankt zwischen den Extremen, und der Kopf wird buchstäblich zum Hexenkessel. Nimmt man die jüngsten Befunde der Hirnforschung, kann man sogar mit Fug und Recht behaupten, dass wohl niemals mehr im Leben Anspruch und Auftreten so weit entfernt von den tatsächlichen kognitiven Verhältnissen sind wie bei den Herwanwachsenden. Nach außen geben sie sich gerne gereift, selbstbewusst und aggressiv, drinnen im Kopf aber bricht sich das Chaos scheinbar Bahn, werden sie sensibler und schwankender - ist der neuronale Kuddelmuddel zumindest für die letzten Jahre vor dem Erwachsenwerden der vorherrschende Zustand.
Seitdem die Hirnforschung aufgehört hat, sich fast ausschließlich Kindern, Babys und Ungeborenen zuzuwenden und ihre bildungspolitischen Schlüsse daraus zu ziehen, geraten nun zunehmend Pubertät und Adoleszenz als wegweisende Phasen der Hirnentwicklung in den Blick. Tatsächlich hatte man schon vor Jahren Anhaltspunkte gefunden, dass der Reifeprozess keineswegs linear verläuft. ..." jom.
/// Was jom. hier so dramatisch formuliert, übertreibt doch wenig. Jugendliche bedürfen in dieser Zeit der Reifung starker Orientierungen und strikter Grenzziehungen, sie brauchen keine Reizüberflutungen, keine Eltern, die sie verwöhnen und ihnen mediales Ablenkungs- und Aufregungsmaterial zur Verfügung stellen. "Fordern statt fördern" meinen Felix von Cube und Dietger Alshuth (Piper 1989).

- Alan Turing: "Browns Bedauern
Postume Entschuldigung bei Turing
Premierminister Gordon Brown hat im Namen der britischen Regierung eine eindeutige Entschuldigung für die "gänzlich unfaire" Behandlung ausgesprochen, die der Mathematiker und Kryptoanalytiker Alan Turing aufgrund seiner Homosexualität erfahren musste. Turing, der im Zweiten Weltkrieg wesentlich zur Entzifferung der durch die Enigma-Maschine verschlüsselten Texte des deutschen Militärs beitrug und später bei der Entwicklung der Computertechnologie Pionierarbeit leistete, war 1952 wegen grob unsittlichen Verhaltens verurteilt worden, nachdem er sich zu einer homosexuellen Beziehung bekannt hatte. Er hatte damals die Wahl zwischen einer Gefängnisstrafe und hormoneller Behandlung. Turing wählte die sogenannte "chemische Kastration". Brown würdigte die Leistung des Mathematikers, ohne die der Zweite Weltkrieg anders hätte ausgehen können. Die Schuld der Dankbarkeit mache die inhumane Behandlung umso schrecklicher. G.T. 12.9.09 FAZ
/// Einmal abgesehen davon, daß es ziemlich lächerlich ist, daß sich ein Heutiger bei einem längst Verstorbenen entschuldigt, so gibt es doch etwas nachzutragen: die damalige Gesetzgebung (sie gilt in traditionalen Gesellschaften immer noch) beruht auf der Fiktion, es gebe so etwas wie einen Gesamtcharakter eines Menschen, und die Sexualität sei ein Teil davon. Tatsächlich arbeiten viele Systeme weitgehend selbständig nebeneinander, das gilt insbesondere für elementare Systeme wie die Sexualität. Sie stehen in keinem Zusammenhang mit anderen Eigenschaften des Menschen. Die völlige Überschätzung der Sexualität seit 1968 leidet in umgekehrter Weise, aber gleichsinnig wie die Gesetzgebung von 1950, an der Fiktion einer allgemeinen Bedeutung des eng ausgelegten Sexsystems und schreibt ihm sogar eine befreiende Wirkung zu mit weitreichender gesellschaftlicher Ausstrahlung. Das ist purer Unsinn. Den sexuellen Strebungen in all ihren Variationen haftet leicht ein Zwangscharakter an, der labile Menschen versklaven kann.

- Dazu auch Bertolt Brecht :
Die Ballade von der sexuellen Hörigkeit
1
Da ist nun einer schon der Satan selber
Der Metzger: er! Und alle andern: Kälber!
Der frechste Hund! Der schlimmste Hurentreiber!
Wer kocht ihn ab, der alle abkocht? Weiber.
Ob er will oder nicht - er ist bereit.
Das ist die sexuelle Hörigkeit.
Er hält sich nicht an die Bibel. Er lacht übers BGB.
Er meint, er ist der größte Egoist
Weiß, daß wer'n Weib sieht, schon verschoben ist.
Drum duldet er kein Weib in seiner Näh:
Er soll den Tag nicht vor dem Abend loben
Denn vor es Nacht wird, liegt er wieder droben.

2
So mancher Mann sah manchen Mann verrecken:
Ein großer Geist blieb in 'ner Hure stecken!
Und die's mit ansahn, was sie sich auch schwuren -
Als sie verreckten, wer begrub sie? Huren.
Ob sie wollen oder nicht - sie sind bereit.
Das ist die sexuelle Hörigkeit.
Der klammert sich an die Bibel. Der verbessert das BGB.
Der wird ein Christ! Der wird ein Anachist!
Am Mittag zwingt man sich, daß man nicht Sellerie frißt.
Nachmittags weiht man sich noch eilig 'ner Idee.
Am Abend sagt man: mit mir geht's nach oben
Und vor es Nacht wird, liegt man wieder droben.

... aus der "Dreigroschenoper" von 1928

- - " Versuchung und Widerstand
Vergiss nicht, bei jedem Vorfall in dich zu gehen und zu untersuchen, welches Mittel du besitzt, um daraus Nutzen zu ziehen:
Erblickst du einen Schönen oder eine Schöne, so wirst du ein Mittel dagegen finden – die Selbstbeherrschung, kommt Anstrengung, so findest du Ausdauer, kommt Schmach so findest du Kraft zum Erdulden des Bösen. Und wenn du dir das zur Gewohnheit machst, wird dich die Versuchung nicht hinreißen." Epiktet, "Das Buch vom geglücken Leben"

- Erfreulich: "Karl-Heinz Paqué
Blick zurück ohne Zorn
Die Deutsche Einheit ist nicht gescheitert. Ein Blick auf die mitteleuropäischen Nachbarn hilft, die Leistung des Aufbaus Ost zu ermessen. Der ..." FAZ 11.9.

- Erfreulich: Acht US-Banken haben ihre Staatshilfe bisher zurückgezahlt zusätzlich der Gebühren hat der US-Finanzminister 4 Mrd. Reingewinn gemacht - eine Rendite von 16% p.a.

- Erfreulich: trocken und sonnig, 11-19°h