Donnerstag, 26. November 2009

Religionsförmige Neomythen, Hide The Decline - Climategate



Die letzten Blätter an der Birne - aber schön bunt
7-10°C

- " TemperaturRückgang verstecken", : Untersuchen, natürlich, und Michael Mann, den Erfinder der Hockeyschlägerkurve zur Herausgabe seiner Daten zwingen, was er seit zehn Jahren verweigert: "Rufe nach Untersuchung der E-Mails von Klimaforschern
Skeptiker sehen sich bestärkt / "Erbärmlicher Versuch"
Lt. LONDON, 24. November. Kurz vor dem Kopenhagener Klimagipfel werden in London Rufe nach einer Untersuchung laut, die klären soll, ob eine ..." FAZ 25.11.09 > s.a. >
GUT IST DAS ! : ! : Hide The Decline - Climategate : www.minnesotansforglobalwarming.com/m4gw/ 25.11.09

- CO2 als Rohstoff .
"Kohlendioxid ist wegen seiner klimaschädlichen Wirkung in Verruf geraten. Doch das Treibhausgas könnte zum Ausgangsstoff vieler nützlicher Chemikalien ... 50 Mio. Tonnen des Gases nutzt man jährlich zur Synthese von Harnstoff, der wiederum als Düngemittel gebraucht oder zu Kunstharzen weiterverarbeitet wird. ... " 25.11.09 FAZ

- "Die neueste Checkliste des Wahnsinns
Man bringe Geduld mit und grimmigen Humor: Linus Hauser untersucht die religionsförmigen Neomythen der modernen Sciencefiction. Nisten sie sich ..." FAZ 26.11.09, Rez. Linus Hauser, KRITIK DER NEOMYTHISCHEN VERNUNFT, 2009, Rez. FAZ 26.11.09
/// Immer wieder die gleichen Denkfiguren des Blödsinns, präsentiert auch von Biologen wie Francis Crick (!), Physikern wie Will. Pierce (TURNER DIARIES), Kosmologen wie Frank J. Tipler: PHYSIK DER UNSTERBLICHKEIT, Panspermie, kosmischer Endkampf ...
- - Das Ganze auf der Kinderzimmerstufe: "das erfolgreichste Computerspiel unserer Tage und vielleicht sogar aller Zeiten ein Kriegsspiel. Es heißt "Call of Duty: Modern Warfare 2", und allein am Tag seiner Veröffentlichung wurden weltweit 4,7 Millionen Exemplare davon verkauft. Um einen vergleichbar blutigen Stoff heranzuziehen: Ernst Jüngers 1920 erschienene "Stahlgewitter" kamen bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs auf gerade einmal 60 000. ..." FAZ 26.11.09 ANDREAS ROSENFELDER

- Immer schlimmer: "Die EU-Kommission fordert eine eigene Steuer
Die Debatte über die Nettobeiträge einzelner Mitgliedstaaten scheint der EU-Kommission auf die Nerven zu gehen - sie greift die umstrittene Idee einer EU-Steuer wieder auf. Auch Rabatte für Staaten soll es nicht mehr geben. ..." 9.11.

Mittwoch, 25. November 2009

"Deutschland? Aber wo liegt es?"



Teutonischer Kulturdepp live (FAZ)

- "Deutschland? Aber wo liegt es? Ich weiß das Land nicht zu finden;
Wo das gelehrte beginnt, hört das politische auf.
Goethe&Schiller, Xenien, Das deutsche Reich


- Denkt Inge Kloepfer (FAZ) an Deutschland, o je!
"Vor allem die Geburt bestimmt" : Bitte ein bißchen genauer: Das Genom formt Haut und Hirn. Dazu Steven Pinker:
" Welche Faktoren prägen Persönlichkeit und Intelligenz? (Steven Pinker, FAZ, 14.01.2002 (edge.org))

Nach der Geburt getrennte eineiige Zwillinge zeigen als Erwachsene eine überraschende Ähnlichkeit in Denken und Persönlichkeit (auch wenn von Identität keine Rede sein kann); gemeinsam aufgewachsene eineiige Zwillinge gleichen einander stärker als gemeinsam aufgezogene zweieiige Zwillinge.
Viele Menschen reagieren auf solche Ergebnisse mit der Feststellung: „Sie wollen also behaupten, daß alles in den Genen angelegt ist.“ Aber die Forschung zeigt, daß die Gene nur für etwa die Hälfte der Variation verantwortlich sind; etwa die Hälfte muß also auf etwas zurückzuführen sein, das nicht genetischer Natur ist.
Die nächste Reaktion lautet dann: „Das heißt also, die andere Hälfte muß aus der Erziehung stammen.“ Doch auch das ist falsch. Bei der Geburt getrennte eineiige Zwillinge sind einander nicht nur ähnlich; sie sind einander „nicht weniger“ ähnlich, als wenn sie gemeinsam aufwachsen. Dasselbe gilt für Geschwister, die keine Zwillinge sind: Gemeinsam aufgewachsen, sind sie einander nicht ähnlicher, als wenn sie getrennt aufwachsen. Gemeinsam aufgewachsene eineiige Zwillinge gleichen einander nur zu fünfzig Prozent, und Adoptivgeschwister sind einander nicht ähnlicher als zwei rein zufällig ausgewählte Menschen. Kinder werden einander also nicht deshalb ähnlich, weil sie im selben Haushalt aufwachsen.

Die Variation in Persönlichkeit und Intelligenz läßt sich also prozentual etwa so zerlegen: Gene fünfzig, Familie null und irgend etwas anderes wieder fünfzig. Vielleicht ist es der Zufall. Im Mutterleib wendet sich der Wachstumskegel eines Axons nicht hierher sondern dorthin; das Gehirn erhält so eine etwas andere Konfiguration. Man kann sich eine Entwicklung vorstellen, bei der sich Millionen kleiner zufälliger Ereignisse gegenseitig aufheben, so daß am Ende dasselbe Ergebnis herauskommt; man kann sich aber auch einen Prozeß vorstellen, bei dem ein zufälliges Ereignis die Entwicklung völlig aus der Bahn wirft, so daß ein Monster entsteht. Doch keins von beidem geschieht. Die Entwicklung der Organismen basiert offenbar auf komplizierten Rückkopplungsschleifen. Zufällige Ereignisse können das Wachstum aus der Bahn bringen, doch die Bahnen bewegen sich im Rahmen funktionierender Entwürfe für die betreffende Spezies, die durch die natürliche Selektion festgelegt wurden.

Was wir mit „Umwelt“ meinen – der Anteil der nicht durch die Gene bedingten Varianz – hat möglicherweise gar nichts mit der Umwelt zu tun. Wenn die nichtgenetische Varianz das Ergebnis zufälliger Ereignisse bei der Entwicklung des Gehirns sein sollte, wäre damit ein weiterer Teil unserer Persönlichkeit und unserer Intelligenz biologisch (wenn auch nicht genetisch) bedingt und damit selbst den besten Absichten der Eltern und der Gesellschaft entzogen.

Steven Pinker ist Professor für Psychologie am Department of Brain and Cognitive Sciences des Massachusetts Institute of Technololgy (MIT) in Cambridge und Autor von „Wörter und Regeln“.

- " Dieses ewige Gejammere...

Bryan Hayes (bhayes)
geht bestimmt nicht nur mir auf den Geist!
In der Tat gibt es eine Reihe von Änderungen seit den 60er und 70er Jahren, die ihren Teil zur aktuellen Situation beitragen:
- Damals war die Steuer-etc.-Last deutlich geringer (z.B. MwSt 1968 10%)
- Damals war der Arbeitswille deutlich größer
- Damals war die das Renteneinstiegsalter nicht so niedrig
- Damals sind die Leute früher arbeiten gegangen
- Damals sind die Leute früher gestorben
- Damals wurden auch für Ungelernte gutbezahlte Jobs angeboten
- Damals waren die relativen Produktivitätsfortschritte größer
- etc.
Dies alles in Kombination mit der schlechten Ausgangsposition in den 40er und 50er Jahren führte dazu, dass im Mittel Jeder pro Jahr spürbar mehr sein Eigen nennen konnte.
Ein Teil dieser Punkte ist heute nicht mehr anwendbar, ein Teil aber sehr wohl: Niedrigere Steuern, Bildungs-, Arbeitsethos und eine richtige Relation von Arbeits- zu Lebensstunden (diese ist über die letzten Jahrzehnte stetig gesunken und hat den größten Teil der Produktivitätsfortschritte absorbiert).
Man muss nur wollen (und nicht jammern etc.). Deutschland insgesamt jedenfalls hat - gerade im Vergleich mit vielen anderen Ländern - sehr gute Voraussetzungen dazu.

- "Alfred Herrhausen und ich sind beide Kinder der Arbeiterstadt Essen.

Dieter Spethmann (dspeth)
Ich wurde mit 17 Lehrling bei Krupp (1943), und das Schicksal führte uns zusammen, weil Herrhausens Vater rechte Hand des damaligen Ruhrgas-Vorstands Fritz Gummert war, mit dessen bei Kriegsende gefallenen Söhnen ich befreundet war. Sie haben die Fragestellung Ihres Artikels ganz im Sinne von Alfred Herrhausen gewählt. Aber: Muss in die Antwort nicht ein monetärerer Befund eingefügt werden? Denn bis 1990 ging es mit dem Netto-Realeinkommen unseres Arbeitnehmers stetig aufwärts und seit 1991 stetig abwärts. Das hat weniger mit „gesellschaftlichen Bewußtseinsveränderungen“ zu tun als mit der Halbierung der jährlichen Zuwachsrate des BIP und auch mit den seit 1999 stetig wachsenden deutschen Lasten innerhalb des Euro. Dieser entzieht uns 10% unseres BIP pa oder mehr. Erstens. Der Euro treibt unsere Zinsen: Mindestens 2% unseres BIP. Zweitens. Unsere Exportüberschüsse verschwinden in der EZB, die damit Importe der Euro-Defizitländer (11 von 16) bezahlt. In 2007 waren es 193 Mrd Euro, in 2008 noch 165, in diesem Jahr noch 101, nächstes Jahr wieder 134, alles Zahlen der Bundesregierung gemäß FAZ. Macht locker 4 – 8% unseres BIP. Und dann noch unser Anteil am Defizit der Eurozone."
(Komm. auf faz.net)

- So ein Klettergurt sagt mehr über die Ursprünge der Moderne als Ludger Honnefelder.

Dienstag, 24. November 2009

Was in der Klimadebatte untergeht



Es ist so trübe und naß, daß man die Kohlmeise kaum sieht (doppelt klicken) - 8-10°C

- "Was in der Klimadebatte untergeht

Zu "EU geht ohne konkrete Hilfszusagen in Kopenhagener Klimakonferenz" (F.A.Z. vom 31. Oktober): Angesichts dramatischer Warnungen vor einer weiteren Zunahme der Kohlendioxidemissionen möchte ich auf einige beweisbare Tatsachen hinweisen.

Um nicht missverstanden zu werden: Auch ich bin selbstverständlich der Ansicht, dass wir mit den Ressourcen der Erde sorgsam umgehen müssen. In der öffentlichen Diskussion indes gilt das Kohlendioxid als der hauptsächliche Klimakiller. Das stimmt nicht: Selbst Klimapessimisten bestreiten nicht, dass der Wasserdampf, der von den Weltmeeren verdunstet, einen mehrfach größeren Treibhauseffekt hat als Kohlendioxid, nur ist er nicht zu beeinflussen.

Aus Messungen an Bohrkernen in Gletschereis und im Meeresboden weiß man, dass auch in geologisch früherer Zeit der atmosphärische Kohlendioxidgehalt geschwankt hat (Gebirgsbildungen, Vulkanismus und anderes). Es besteht kein systematischer Zusammenhang mit der globalen Temperatur, das heißt, manchmal folgte die Temperatur dem Kohlendioxid-Anstieg, mal gab es umgekehrt einen Kohlendioxid-Anstieg als Erwärmungsfolge. Eine Wärmeperiode wie die jetzige ist in den letzten 10000 Jahren, dem Holozän, nicht ungewöhnlich. Im Klimaoptimum vor zirka 7000 Jahren und dem Optimum vor 4500 Jahren war es mindestens so warm wie heute.

Es folgten weitere Optima: Vor zirka 2000 Jahren die Römische Warmzeit und vor etwa 1000 Jahren die Mittelalterliche Warmzeit. Dazwischen lagen kältere Perioden, wie - nach dem Ende der Mittelalterlichen Warmzeit - die Kleine Eiszeit, die erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts endete.

Auch die heutige Alpengletscherschmelze ist nicht einmalig, wie oft dargestellt. In den letzten 10000 Jahren sind acht Zeiten von Eisvorstößen und Rückzug bekannt. Vordringendes Eis verdrängte die Vegetation und hinterließ beim Rückzug datierbares Holz. In der Warmzeit vor 7000 Jahren waren die Alpen bis auf kleine Reste eisfrei.

Seit dem Höhepunkt der letzten Kaltzeit vor dem Holozän stieg mit dem Schmelzen der riesigen Eismassen der Meeresspiegel um ungefähr 120 Meter an, anfangs schneller, jetzt langsamer. Auch Klimapessimisten rechnen derzeit nur noch mit etwa 30 Zentimeter Anstieg pro Jahrhundert. Gelegentliche Horrormeldungen vom Untergang der Küstenregionen sind Phantasie.

Von Presse und Funk wird immer wieder von der drohenden Überschwemmung von Inselgruppen wie Tuvalu (Ellis Islands) und den Malediven im Pazifik berichtet. Die eigens zur Prüfung eingesetzte INAQUA Commission on Sea Level Changes and Coastal Evolution fand, dass der Meeresspiegel dort seit dreißig Jahren stabil steht. Die Inselbewohner propagieren jedoch die Gefahr weiter, denn sie befürchten Einbußen an Entwicklungshilfe und verlangen Beihilfe zu eventueller Umsiedelung nach Australien.

Der Einfluss der Sonnenaktivität auf das Erdklima wird gewöhnlich verschwiegen. Seit mindestens dreihundert Jahren ist die sehr hohe Korrelation zwischen der ständig schwankenden Sonnenfleckenaktivität und dem Klima bekannt. Bei größerer Aktivität wird es auf der Erde wärmer, bei geringerer kälter. Auf dem Höhepunkt der Kleinen Eiszeit gab es viele Jahre gar keine Sonnenflecken. Die Korrelation ist so hoch und die Beobachtungszeit so lang, dass es nicht leichtfällt, einen ursächlichen Zusammenhang auszuschließen. Man nimmt an, dass es sich um Zusammenwirken von Sonnenwind, Erdmagnetfeld und kosmischer Strahlung (Höhenstrahlung) handelt, mit dem die Wolkenbildung beeinflusst wird. Einen weiteren wesentlichen Klimaeinfluss haben periodische Veränderungen der Erdbahn um die Sonne (Milankovic-Effekt).

Der deutsche Anteil am Primärenergieverbrauch der Welt beträgt zurzeit weniger als vier Prozent, Tendenz fallend, wir sollen ja Energie sparen. Die Kohlendioxidmenge, die Deutschland einspart, wenn es seiner Verpflichtung von Kyoto folgt, beträgt 2020 zirka 396 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Hinsichtlich einer zu erwartenden Kohlendioxid-Weltemission von 55 Milliarden Tonnen für 2020 beziehungsweise 61 Milliarden Tonnen für 2030 beläuft sich der deutsche Sparanteil auf 0,7 bis 0,8 Prozent der Weltemission, also auf einen bedeutungslosen Wert.

Diese überprüfbaren Wahrheiten über das Klima sind von einer Mauer des Schweigens umgeben, abweichende Meinungen werden als Sakrileg angesehen. Die öffentliche Diskussion ist anscheinend unerwünscht.

DR. RER. NAT. HORST HERMANN, ESSEN

- " Der besorgte Draufgänger
Die Krise ist für den modernen Menschen das Normale – Vortrag des Soziologen Gerhard Schulze in Zürich.
Andreas Breitenstein ⋅ Der Bamberger Professor Gerhard Schulze gilt als menschenfreundlich-skeptischer Soziologe – ein Ruf, den er am vergangenen Donnerstag auf Einladung des Schweizerischen Instituts für Auslandforschung in Zürich mit seinen antiapokalyptischen Ausführungen über die Komplexität von Krisen unter Beweis stellte. «5 vor 12 – ein soziologischer Bewusstseinstrip» lautete der Titel seines Vortrags, in dem er sich als unbequemer Beobachter derer hervortat, die sich in Bezug auf die Zeitläufte als Verkünder «unbequemer Wahrheiten» geben und dabei doch nur den Weg des geringsten Widerstands einschlagen. Das Ideal der Wissenschaft bestehe darin, anderen am Zeug zu flicken und sich selbst am Zeug flicken zu lassen, der Kern ihrer Moral sei die organisierte Skepsis, so Schulze. De facto aber herrsche, der Moral der Affirmation folgend, auf die der Mensch gepolt sei, das Umgekehrte, nämlich ritualisierter Konsens. Schulze rekurrierte auf die Klimadebatte, bei der es nach einschlägigem politischem Befinden um nicht weniger als um «Leben und Tod unseres Planeten» (EU-Kommissar László Kovács) geht. Er selber sei lange naiver Anhänger dieser Katastrophen-Theorie gewesen, bis er eines Tages festgestellt habe, dass es im Klimadiskurs absolute Wahrheitsansprüche und massive Ausgrenzungen Andersdenkender gebe. Klimaexperten neigten dazu, ihren Konsens für den Beweis zu halten. Statt anekdotische Bestätigungen ohne Beweiskraft für die Theorie der Klimakatastrophe anzuhäufen, sollten sie eher nach deren Widerlegung suchen. Nur dies könne die Theorie stärken.

Ob Finanzkollaps, Klimakatastrophe, Überalterung, Pandemien – Krise, so Schulze, sei eines der geläufigsten Wörter unserer Zeit, ohne dass man sich darüber einig sei, was eine solche denn genau ausmache. Krise definiere sich von dem her, was als normal empfunden werde, und das Normale erfülle sich vor allem in der Wiederholung, im Stabilen, Austarierten, Vorhersehbaren. Krise bedeute demnach die Störung wiederholter ineinandergreifender Abläufe und berge die Hoffnung auf Rückkehr zur Stabilität. Das Basiswissen darum, was Normalität ausmache, entwachse dem Wohlbefinden im eigenen Körper, doch lasse sich dieses nur schwer auf die Bereiche Staat, Wirtschaft, Geschlecht übertragen. Die Frage etwa, so Schulze, was denn die «normale» Weltwirtschaft ausmache, trenne ökonomischen Mainstream (Wachstum, Kapitalverkehr, Handelsgleichgewicht) und ewigen Rousseau (Autarkie). Auch sei Normalität stets eine Frage des Zeithorizonts, was an den Debatten um das «normale» Klima sichtbar werde. Die Veränderung des Klimas war immer auch normal.

Schulze sieht ein generelles Problem darin, dass Beschreibung von Normalität in Wertung kippt und Fakten zu Nomen werden. Das Körpermodell von Krise indes sei nur eine mögliche Sichtweise, und kindlich denke der, der die Welt als Organismus betrachte, der sich selbst reguliert. Dass die Welt durch Handlungen des Menschen aus den Fugen oder gar ans Ende gerate, sei eine uralte mythologische Erzählung, die zwar Sinn stifte, indem sie Schuld und Verantwortung zuweise, aber nichts kläre. Viele Deutungsmuster seien gefragt und das Aushalten des Uneindeutigen. Der moderne Mensch habe sich von Anfang an – draufgängerisch und doch stets besorgt – im grenzenlosen Raum noch nicht erschlossener Möglichkeiten bewegt. Er sei dazu verdammt, die permanente Umwälzung des Bestehenden, sprich das Krisenhafte, auszuhalten. Krise sei Heil und Verhängnis, sei das, was wir wollen und zugleich hassen. – Was dies für die Zukunft genau bedeutet, ist nicht ausgemacht. " NZZ 21.11.09

- Denkfigur des Verderbens und der Wagner-)Oper: Heidegger: "In «Wozu Dichter?» wird diese Denkbewegung als der Mut beschrieben, sich der Erfahrung des Abgrunds auszusetzen. Genau in der Erfahrung des Abgrunds liege die einzige Hoffnung auf einen Wendepunkt." Gumbrecht in NZZ 31. Oktober 2009

- Weitreichende Eitelkeit schafft weitreichende Handelsverbindungen: "Zierrat, Zinn und Zedern
Bernstein von der Ostsee wird in einer frühgeschichtlichen orientalischen Stadt gefunden. Auch aus Zypern importierte man schon damals. Wie ..." FAZ 11.11.09

Montag, 23. November 2009

Die einen sehen voraus, was nicht kommen wird, die anderen sahen nicht, was kam



7-9°C Regen, Wind, Dunkelheit - da braucht man ein stimmungsaufhellendes Bild aus den helleren Tagen Ende Oktober!

Links: Reiche, FAZ

- Schellnhuber hat aufs Thermometer gesehen und räumt erstmals ein, daß die Temperaturen nicht mehr steigen; das liege an kosmischen Einflüssen sowie Luftverschmutzung und sei nur vorübergehend, FAZ 21.11.09

- " Die Ratlosigkeit des Moments.
Geisteswissenschaften heute, in dürftiger Zeit.
Was tun zur Lösung der Probleme? – Dem Druck dieser Frage sehen sich in der Krise auch Geisteswissenschafter ausgesetzt. Es ist jedoch nicht empfehlenswert, diesem Druck blindlings nachzugeben. ..." Hans Ulrich Gumbrecht, NZZ 31.11.09
/// Kopf hoch! So dürftig ist die Zeit nicht, nur haben die Großschwafler wie Marx, Heidegger, Sartre und Jaspers keine Konjunktur mehr und ein Habermas hat nur noch das Gähnen bei sich. Ich wurde 1948 in tatsächlich dürftiger Zeit geboren, die Rote Armee und der KGB standen drohend an Elbe und Donau und verhafteten und erschossen, wen sie wollten:
"Aus den Archiven des Grauens.
Verschleppte und hingerichtete Österreicher in Moskau 1950 bis 1953.
"Ein von Schmerz und Kummer gezeichneter junger, arbeitsfroher Mensch bittet Sie um Gnade und Vergebung seiner vom Hohen Militärgericht ausgesprochenen Todesstrafe." Wilhelm Eichele war 25 Jahre alt, als er diese flehentlichen Worte an das Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR richtete. ... In Moskau war Wassilij Michailowitsch Blochin zwischen 1924 und 1953, mithin in der gesamten Periode von Lenins bis Stalins Tod, für die Erschießung von "Staatsfeinden" zuständig. Viele der Exekutionen nahm der mit Stalin persönlich bekannte Generalmajor des NKWD (Vorläufer des KGB) persönlich vor. Dabei trat er bisweilen auf, als wollte er die Delinquenten eher köpfen, als ihnen den Genickschuss verpassen. Er legte oft die Montur eines Schlächters an: braune Schirmmütze, lange Lederschürze und Handschuhe, die bis über die Ellbogen reichten. ..." Rez. Olt : Stafn Karner/Barbara Stelzl-Marx (Herausgeber): Stalins letzte Opfer. Verschleppte und erschossene Österreicher in Moskau 1950-1953, 2009; FAZ 23.11.09.- Also Kopf hoch, Herr Gumbrecht, das gibt es heute nur noch in Teheran, Nordkorea und auf Kuba (von Afrika einmal abgesehen). Und in Heidelberg hält kein Heidegger mehr braune Rektoratsreden, in Paris verteilt kein Sartre mehr die Maoistenzeitung, kein Jaspers zetert mehr ohne Verstand über die Entwicklung der Bundesrepublik und Habermas hat schon länger niemanden mehr denunziert. Gut geht's insgesamt.

- Die einen sehen voraus, was nicht kommen wird, die anderen sahen nicht, was kam: "... Wieder einen konkret wirtschaftswissenschaftlichen Fokus hat ein dritter Brief, der Mitte August an die Königin ging, unterzeichnet von zehn britischen und australischen Ökonomen um Geoffrey Hodgson, Professor an der Universität von Hetfordshire. Sie stimmen Besley und Hennessy in der Analyse zu. Allerdings gehen sie weiter und formulieren eine vernichtende Kritik der modernen Ökonomik. Ihre Kronzeugen sind dabei Nobelpreisträger wie Ronald Coase, Milton Friedman und Wassily Leontief. Schon diese hätten beklagt, dass die Wirtschaftswissenschaften praktisch zum Zweig der angewandten Mathematik verkommen seien. Eine ganze Generation von Ökonomen sei zu Fachidioten ausgebildet worden.
Durch die hauptsächliche Beschäftigung mit mathematisch-formalen Modellen gehe die nötige Gesamtsicht auf die Welt verloren. "Modelle und Techniken sind wichtig", schreiben die zehn Ökonomen um Hodgson. Aber angesichts der Komplexität der globalen Wirtschaft müsse in der Ausbildung von Ökonomen viel mehr Aufmerksamkeit auf institutionelle, historische und psychologische Faktoren gelegt werden." Krisenbriefe an die Queen, FAZ 31.8.09 Plick.

- Seltsam, im Nebel zu wandern: "Eine Geldpolitik gegen den Wind achtet auf Vermögenspreise.
Die Finanzkrise hat die bisherige Geldpolitik diskreditiert, die eine Bildung von Spekulationsblasen an Vermögensmärkten tolerierte. Die Alternative ist aus praktischer Sicht kompliziert.
Von Gerald Braunberger
FRANKFURT, 19. November. In der Wahrnehmung der meisten Fachleute hat die Geldpolitik in den Vereinigten Staaten die jüngste Krise zumindest begünstigt, indem sie durch eine Politik sehr niedriger Leitzinsen viel billiges Geld produzierte, das die Spekulationen an den Finanzmärkten befeuerte. Daher gibt es Forderungen, die Geldpolitik solle künftig rechtzeitig gegen Spekulationen an den Finanzmärkten vorgehen. Der Fachbegriff lautet: Die Geldpolitik soll sich gegen den Wind lehnen.

- ' "Der Hass nimmt ständig zu"
Alarmierende Gewaltexzesse rings um Fußballspiele: Alte Konzepte greifen nicht mehr, die Polizei wird zum Feindbild einer aggressiven Szene. ... 1,4 Mio. Arbeitsstd. der Polizei ...' FAZ 19.11.09

- Ankündigung auf Plakat: Powersopran singt Weihnachtslieder

Sonntag, 22. November 2009

Religion oder Wahnsinn? Ökoreligion, Nationalreligion, Jesuitenlied



Gottfried Keller als Freischärler, aquarellierte Bleistiftzeichnung von Johannes Ruff, 1845

- Religion oder Wahnsinn? Muß meist heißen: Religion und Wahnsinn: " The Gadhimai festival, celebrated every five years, is attended by many Hindus from India as well as Nepal. More than 200,000 buffaloes, pigs, goats, chickens and pigeons are expected to be slaughtered this year on Nov. 24 and 25. ... Participants believe that animal sacrifices for the Hindu goddess Gadhimai will end evil and bring prosperity. ..."
huffingtonpost.com/2009/11/20/gadhimai-festival-nepal . Vgl. auch NZZ 21.11.09

- CERN: der 3,5 Mrd. teure Teilchenbeschleuniger ist repariert - Fortsetzung des Eisenbahnspiels für ältere Knaben oder Physikreligion auf der Suche nach der Lautstärke des sog. Urknalls?

- Ökoreligion: Klimagate: Der Stoff aus dem die Krimis sind

Der Zeitpunkt hätte kaum besser sein können: Kurz vor dem Kopenhagener
Klimagipfel, die Medien berichten nun fast täglich vom drohenden
Weltuntergang, brechen Hacker in die Computer der “Climate Research
Unit” der britischen East Anglia Universität ein und stehlen über 120
Megabyte mit teilweise brisantem Datenmaterial. Darunter auch über
1000 E-Mails mit der privaten Korrespondenz der Klimaforscher. Das
Pikante: In den teilweise über zehn Jahre alten Mails ist von
Tricksereien und Datenmanipulation die Rede, werden Taktiken erörtert,
kritische Stimmen zum menschgemachten Klimawandel unglaubwürdig zu
machen oder unliebsame Magazine nicht mehr mit Artikeln zu versorgen
und in Misskredit zu bringen. Der Datenklau wurde von offizieller
Seite bereits bestätigt. Die bloßgestellten Wissenschaftler sehen ihre
E-Mails aus dem Kontext gezogen und fühlen sich mißverstanden."
www.dennis-knake.de/2009/11/21/klimagate-der-stoff-aus-dem-die-krimis-sind/

- Nationalreligion, Józef Piłsudski (1867-1935): " Er verfolgte das Ziel der Wiederherstellung der polnischen Grenzen aus der Zeit vor den Polnischen Teilungen, auch weit über die Grenzen des polnischen Siedlungsgebietes hinaus. Durch diese Politik kam es zunächst zur durch den Versailler Vertrag festgelegten Integration von Großpolen sowie zum Krieg mit Sowjetrussland, und mit Litauen wegen des von beiden Seiten beanspruchten Gebietes um Wilna/Vilnius (Mittellitauen).
Nach anfänglichen Erfolgen im Bündnis mit dem ukrainischen Präsidenten Symon Petljura musste die von Piłsudski im Krieg gegen die Sowjetunion 1920 befehligte Armee starke Verluste hinnehmen. Die Sowjettruppen wurden erst vor Warschau aufgehalten und durch ein riskantes Zangenmanöver gelang der polnischen Armee unter Piłsudskis Kommando der Durchbruch und eine nahezu vollständige Vernichtung der sowjetischen Einheiten („Wunder an der Weichsel“). Am 18. März 1921 unterzeichnete Polen den Friedensvertrag von Riga, in dem die Ostgrenze so definiert wurde, dass auch eine Reihe von Gebieten, die nicht mehrheitlich von Polen bewohnt waren, Teil des neuen polnischen Staates wurden. Trotzdem verblieb eine größere Zahl von Polen außerhalb des neuen Staates. Auch gegenüber Litauen setzte sich Piłsudskis Politik vorläufig durch. Obwohl Polen im Vertrag von Suwałki (7. Oktober 1920) auf den größten Teil des strittigen Gebiets von Wilna (Vilnius) mit seiner polnischen Bevölkerungsmehrheit verzichtet hatte, eroberten schon zwei Tage später polnische Truppen unter General Lucjan Żeligowski in einem Handstreich die Stadt. Nachdem die Stadtverordnetenversammlung den Anschluss an Polen am 20. Februar 1922 gebilligt hatte, wurde er am 20. April 1922 endgültig vollzogen. " Wiki.

/// Rußland holte sich dann 1938 die von Polen 1920 eroberten russischen Westgebiete zurück. Das war in Mitteleuropa von allen Seiten gepflegter, tausendjähriger kriegerischer Brauch. Es blieb aber dem 20. Jt. vorbehalten, Massenvertreibungen durchzuführen; die Türkei machte mit der Vertreibung der Armenier den Anfang.-
Auch die Schweizer Männerbanden juckte es in den Fingern und den Gewehrläufen, mit dabei war auch Gottfried Keller. Er nahm 1844 und 1845 an den beiden Zürcher Freischarenzügen nach Luzern teil, von denen er mangels Feindberührung aber heil zurückkehrte. In "Frau Regel Amrain" schreibt er darüber: " Denn nichts dünkte sie so ergötzlich, als bei schönem Wetter einige Tage im Lande herumzustreichen, zu sechzig oder siebenzig, wohlbewaffnet mit feinen Zielgewehren, versehen mit gewichtigen drohenden Bleikugeln und silbernen Talern, mittelst letzterer sich in den besetzten Wirtshäusern gütlich zu tun und mit tüchtigem Hallo, das Glas in der Hand, auf andere Zuzüge zu stoßen, denen es ebenfalls mehr oder minder Ernst war." Das Männerbandenwesen verband sich in der Schweiz nicht mit giftigem Nationalismus, es ging eher gegen die Jesuiten:

Jesuitenlied (Gottfried Keller 1844)

Hussa! Hussa! die Hatz geht los!
Es kommt geritten klein und groß;
Das springt und purzelt gar behend,
Das kreischt und zetert ohne End –
Sie kommen, die Jesuiten!

Da reiten sie auf Schlängelein
Und hintennach auf Drach und Schwein;
Was das für muntre Bursche sind!
Wohl graut im Mutterleib dem Kind:
Sie kommen, die Jesuiten!

Huh! wie das krabbelt, kneipt und kriecht!
Und wie's so infernalisch riecht!
Jetzt fahre hin, du gute Ruh!
Geh, Grete, mach das Fenster zu!
Sie kommen, die Jesuiten!

Von Kreuz und Fahne angeführt,
Den Giftsack hinten aufgeschnürt,
Der Fanatismus als Profoß,
Die Dummheit folgt als Betteltroß:
So kommen die Jesuiten!

O Schweizerland, du schöne Braut,
Du bist dem Teufel angetraut!
Ja, weine nur, du armes Kind!
Vom Gotthard weht ein schlimmer Wind –
Sie kommen, die Jesuiten!

Die Leute von Seldwyla zwischen Ascona und Zürich waren insgesamt dann doch zu uninteressiert an Schweizer Glanz und Größe, aus den schlimmsten Testosteron- und Rüpeljahren herausgewachsen widmeten sie sich lieber dem Glanz des Goldes und der Größe der Geldanlage - damit sind sie gut gefahren. Glückliche Schweiz - grüezi!