Sonntag, 29. Mai 2011

Magisch







Dürers "Melencolia" von 1514 mit dem magischen Quadrat





Der Alte (Gott) würfelt nicht, soll Einstein im Zusammenhang mit der Quantentheorie gesagt haben. Ob er denn solche Quadrate mit den Quersummen 34 ausknobelt?

Mit Zahlen kann man prima rechnen, besonders, wenn man auch noch schöne Gleichungen zur Verfügung hat, mit denen man das nichtmathematische Publikum beeindrucken kann. Und lange Gleichungssysteme, mit denen man die Temperatur in hundert Jahren berechnen kann, einschließlich der "Kipp"-Punkte für Sintfluten und Weltuntergänge. Die hat schon etwas Göttliches.

Kein Wunder, daß die Ökonomie mit Hilfe der Mathematik und ihrer Modelle endlich eine ordentliche Wissenschaft werden will und immer mehr Mathematiker Volkswirtschaft studiert haben. So konnte man mit der Mathematik schöne Hypothekenkörbe zusammenrechnen und damit wirklich weltbewegend werden. Die Finanzkrise hätten selbst die abstrusesten Geisteswissenschaftler nicht so bewegend hingekriegt. Weil sie nicht rechnen können.

Samstag, 28. Mai 2011

Junge Meisen und alte Narren






Erdbeeren, Pfingstrosen, junge Meisen auf allen Bäumen - alles da bei angestiegenen Temperaturen (20°C).






- "Narren sind alle, die es scheinen, und die Hälfte derer, die es nicht scheinen.
Die Narrheit ist mit der Welt davongelaufen ... Und obschon die Welt voll Narren ist, so ist keine darunter, der es von sich selbst dächte, ja nur argwöhnte."

Gracian, Kunst der Weltklugheit, 201

- " Die nächste Generation der Nukleartechnologie erlaubt es uns, schnelle Reaktoren mit natürlichen Sicherheitsvorkehrungen zu bauen, die keine unzähligen Sicherheitssysteme erfordern, weil die physische Möglichkeit einer Kernschmelze mit anschließender Freisetzung der Radioaktivität ausgeschlossen ist. Diese Reaktoren können zudem mit natürlichem Uran betrieben werden, so dass die Notwendigkeit einer Anreicherung entfällt. Dadurch leistet die neue Technologie auch einen Beitrag zum Kampf gegen die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen. Schnelle Reaktoren können zudem mit bestrahltem Uran und Plutonium aus Reaktoren der heutigen Generation betrieben werden und dadurch auch die Anhäufung von abgebrannten Kernbrennstoffen mindern.

Es gibt eine breite Übereinstimmung in Kernfragen. Dabei bleibt es wichtig, in internationaler Zusammenarbeit mit den aktuellen Entwicklungen - bei denen Frankreich und Russland führend sind - Schritt zu halten. ... " Sergej Kirijenko, Direktor der russischen Atomenergiebehörde Rosatom, Gemeinsame nukleare Sicherheit, FAZ 27.5.11

- Ein Land aber ist, nur ein einziges weltweit, in dem das Argument der Straße sich mit grünem Fanatismus und Nichtwissen zur Belästigung von bewährten Stromerzeugern zusammenfindet zu finsterer Aktion.

Freitag, 27. Mai 2011

Benzingeld in der Bundeskasse




Befriedigtes Lächeln?

Dom. Strauss-Kahn, hier wohl noch als sozialistischer Kandidat für die franz. Präsidentschaft (Bild Wiki.)


- Benzingeld in der Bundeskasse
Ich tanke seit Jahrzehnten, und noch nie habe ich an der Tankstelle kein Benzin bekommen. Dafür kann ich mich bei den zuverlässigen Lieferanten nur bedanken. Kein Beamtenapparat hätte das hinbekommen. Die Finanzbeamten haben für ihre dubiosen Leistungen aber den Steuer- und Abgabenanteil am Benzinpreis beständig schamlos in die Höhe getrieben. Zwei Drittel stecken sie ein, ohne etwas dafür zu leisten. Nur ein Bruchteil geht in den Straßenbau.
Wo bleibt denn da das Kartellamt?

- Benzinspuren beim Ex-Finanzminister? Nein.
"Dominique Strauss-Kahn, zurückgetretener Chef des Internationalen Währungsfonds, hat Spermaspuren auf der Kleidung des New Yorker Zimmermädchens ..." hinterlassen. FAZ 26.5.11

- Lagarde, eine Nachfolgerin des DSK im französischen Finanzministerium, will nun auch DSK-Nachfolgerin beim IWF werden. Spermaspuren bei Mitarbeitern wie DSK wird sie da wohl nicht hinterlassen, aber ungute Finanzgeschichten sind zu erwarten. Die Juristin rügte die deutsche Wirtschaft, weil sie zuviel exportiere, das ginge zu Lasten der französischen Wirtschaft. Dreiste Dame.

Donnerstag, 26. Mai 2011

Britannia rules the waves?






Zwei echte Volkswagen:
Wo Bentley draufsteht, ist VW drin, bei Rolls Royce (Motor Cars) ist es BMW

(Bild: Brit Driver / Wiki.)



Englands Geschichte sei glücklicher verlaufen, man müsse das zugeben, meinte Golo Mann in seiner Dt. Geschichte. Zweifellos hat er recht, wer wollte das in Frage stellen, auch wenn England von der Weltmacht absank zu einer Mittelmacht, die sich anstrengen muß, nicht weiter abzusteigen. Die Impulse aus Brüssel wollen Großbritannien in seinen Fähigkeiten weiter schwächen, doch bleibt die Verbindung zum größer gewordenen Enkel Amerika eng. Es handelt sich dabei um eine strategische Allianz, die den geschrumpften Großvater gegen die gefährlichsten europäischen Abenteuer stärkt, etwa gegen die Währungsgemeinschaft Euro-Zone. Im Hinblick auf das gefährliche Pakistan erscheint diese Allianz als besonders wichtig.
In seinen Rezensionen zweier England-Bücher (NZZ 29.04.2011, Vom ewigen Niedergang, Franz-Josef Brüggemeier, Geschichte Großbritanniens im 20. Jahrh. und Thomas Kielinger, Großbritannien) spricht Speckmann im Untertitel vom "Quicklebendigen Großbritannien", aufzählend Kontinuitäten wie die Monarchie und die Elitebildung in Oxbridge. Solche Traditionen stabilisieren das Leben eines Landes tatsächlich, und Deutschland fehlen solche Anker leider.
Doch befindet sich die Monarchie in der Umbildung zum Pop-Königtum und bedient in dieser Eigenschaft das Schaubedürfnis der einfachen Unterhaltungsnachfrager, während Oxbridge versucht, den Wissenschaftsstandard nicht weiter abgleiten zu lassen gegenüber den führenden Universitäten der USA.

Weniger "quicklebendige" Erscheinungen spricht Speckmann aber nicht an: Die einst stolze britische Autoindustrie gibt es nur noch in Restbeständen, ruiniert von den zahllosen Gewerkschaften.
Die großen Werften sind nicht mehr.
Und wo ist denn die Stahlindustrie geblieben? Die Aluminiumhütten? Die Industrie, die im England Abraham Darbys aus dem Boden gestampft wurde? Quicklebendig?
Ach, der Rezensent Thomas Speckmann hat Politik studiert.

Mittwoch, 25. Mai 2011

Sonderbar, sonderbar






LOBGESANG


Büchern bin ich zugeschworen,
Bücher bilden meine Welt.
Bin an Bücher ganz verloren,
Bin von Büchern rings umstellt.

Zarter noch als Mädchenwangen
Streichl' ich ein geliebtes Buch,
Atme bebend vor Verlangen
Echten Pergamentgeruch.

Inkunabeln, Erstausgaben,
Sonder-, Luxus-, Einzeldruck:
Alles, alles möcht ich haben –
Nicht zum Lesen, bloss zum Guck!

Bücher sprechen ungelesen –
Seit ich gut mit Büchern stand,
Weiss ich ihr geheimstes Wesen:
Welch ein Band knüpft mancher Band!

Bücher, Bücher, Bücher, Bücher
Meines Lebens Brot und Wein!
Hüllt einst nicht in Leichentücher _
Schlagt mich in van Geldern ein!

Karl Wolfskehl, 1932