Montag, 27. Juni 2011

Marienkäfer auf Abwegen (oder per aspera ad astra?)




Quo vadis?
Irrt sich dieser asiatische Zuwanderer?

Für ihn kann der Mensch schwerlich das Maß aller Dinge sein.

Ein Wort, das Pythagoras zugeschrieben wird, er selbst hat nichts Schriftliches hinterlassen.
Dieser asiatische Marienkäfer hat sich wohl nur verlaufen auf der Suche nach Blattläusen. Für ihn ist das Maß aller Dinge er selbst und seine Energielage, dafür braucht er die Blattläuse. Aber einzelne Individuen kommen gelegentlich vom kollektiven Wege ab, und manchmal belohnt sie dafür großer Erfolg. Liebig zum Beispiel, den Schul- und Lehrabbrecher. Statt sich auf Facebook zu amüsieren, revolutionierte er mit seinem Superphosphat-Dünger die Ernährungslage der Menschheit, weswegen nach rund 150 Jahren die Gesamtzahl der Menschen auf die 7 Mrd. zuläuft. Von solchen Alleingängen fruchtbarer Köpfe können dann alle profitieren, eine Fußballmannschaft hat LIEBIGS FLEISCHEXTRAKT noch nie erfunden.
Aber jetzt zetern manche mit ein paar Pfunden zuviel auf den Rippen, daß die Agrarchemie des Teufels sei, die Natur sei das Maß aller Dinge. Sie basteln sich einen reaktionären romantischen Naturbegriff und fuchteln damit wild herum.
Erfolg bei der landwirtschaftlichen Fruchtbarkeit kann sich dumm auswirken. Bei irrationalen Mehrheiten.

Sonntag, 26. Juni 2011

Bis 3.7.11 Sebald-und-Barthel Beham





Wanderer,
kommst du nach Nürnberg ins Dürer-Haus (sehenswert!), bring mir doch bitte den Beham-Ausstellungs-Katalog mit!

Tausche ich gegen einen verwaschenen Lichtdruck-Mao Gerhard Richters von 1968 (Dartpfeilespuren) und eine zerdepperte Ming-Vase Auweiweias (in gebrauchtem Brillo-Karton).

Samstag, 25. Juni 2011

Lebensspiel











12 h mittags, 12° Celsius, Dauerregen: findet die Nacktschnecke prima; sie kann mit diesem kühlen und nassen Juni zufrieden sein

Die "Nacktschnecke" ist eine Landlungenschnecke, sie braucht also Luft, und dazu ein Loch, das trägt sie auf der linken Seite und ist verschließbar, wie man gut auf dem Bild sieht.
"Auf dem letzten Loch zu pfeifen" ist ihr nicht vergönnt, sie besitzt nur eines.




Von Glenn Gould gibt es Neues, nämlich alte Konzertmitschnitte des Kanadiers mit Kältekomplex, die 50 Jahre nach seinem Tod in Europa frei geworden sind.
Sie zeigen, daß Gould nicht nur die „Goldberg-Variationen stets etwas anders gespielt hat. Wie könnte es anders sein in einem vitalen musikalischen Leben.
Ich wunderte mich früher darüber, daß es Hörer gab, die direkt den Komponisten des gespielten Stücks erkannten. Das Gehör bildet sich eben, es hört feiner mit der Zeit und mit dem ganzen Zeichensystem des bereits Gehörten im Hintergrund immer differenzierter – und auch immer etwas anders, und hört in Altem Neues.
Was gilt da einem Instrumentalisten, dem Hörer, die „authentische Interpretation“? Nur eine Station, eine Spielmöglichkeit unter anderen.
Bernstein sah das, im Streit mit Gould über eine Interpretation, anders, bewahrender. Auch diese Rolle hat ihr Verdienst, wenn sie sich nicht anheischig macht, den Musikpapst zu spielen. Diese Dialektik kann recht fruchtbar sein.

Freitag, 24. Juni 2011

Best Western? Nein, danke!





Dahin nicht!






Wanderer, kommst du nach Freiburg,
Nimm nicht das Best Western!
Dort hängt das Feldzeichen
Der Solarabzocker, der Grünfanatiker
Und der Vogelhäckslerhersteller
Vorn an der Fassade!


Diese Trittbrettfahrer stört es nicht, daß Windmonster die Landschaft verschandeln und Vögel töten, daß häßliche Solarbretter die Dächer verunzieren, daß die Herstellung dieser teuren Hobbyanlagen mehr Material und Energieeinsatz erfordert, als der unzuverlässig erzeugte Strom wert ist, daß chinesische Solaranbieter und tschechische Verkabeler zunehmend die deutschen Subventionen einstreichen,
daß für jede unzuverlässige Kilowattstunde der Windbeutelanlagen im teuren Parrallelbetrieb ein zuverlässiger Stromerzeuger vorgehalten werden muß, daß Solarstrom mit 40 Cent/kWh extrem teuer ist und auch Windstrom mit 9 Cent (Land) und 16,5 Cent (Meer) gegenüber grundlastfähiger, zuverlässiger Braunkohle und Kernkraft mit 3 Cent die Kilowattstunde nicht wettbewerbsfähig ist.

UND : “Brennende Solardächer:
Albtraum für die Feuerwehr
Brennende Solardächer sind nur schwer zu löschen. Denn selbst mit ausgeschalteten Wechselrichtern liegen noch hohe Spannungen an. Das gefährdet die Löschtruppe. Das Absichern einer Photovoltaikanlage ist keineswegs
trivial. ... Doch kann man das meist durch „Schmorstellen“ (Lichtbögen als Folge von Verdrahtungsfehlern) verursachte Problem nicht negieren. ... richtet der Feuerwehrmann seinen Löschstrahl auf ein brennendes, mit einer Solaranlage ausgestattetes Haus, kann er sich einen heftigen Stromschlag einhandeln ... um keinerlei Risiko einzugehen, lässt man die betroffenen Häuser heute lieber kontrolliert abbrennen als einen Feuerwehrmann in Gefahr zu bringen.” Georg Küffner, FAZ 19. Februar 2011

Dazu kommen giftige Dämpfe, z.B. Cadmiumtellurid- und Galliumarsenid-Dämpfe für die Anwohner!
Dieses giftige Zeug wird immer giftig bleiben, genau wie das Quecksilber in den sog. Energiesparlampen.

Also, Wanderer,
kommst du nach Freiburg,
Nimm nicht das Best Western!

Donnerstag, 23. Juni 2011

Katallaktik







Fehlt nicht mehr viel bis zum Japaner - der Bremer Kaufmann Alexander Georg Moslé im Kimono mit Rockhose und Überjacke, Tokyo 1892
(Bild Luca Suzuki / Reimers / JKI)





- „VON DER BRETTERBUDE ZUR VILLA
LEBEN UND AUFSTIEG DEUTSCHER HANDELSPIONIERE IN JAPAN - 

Vortrag von Frau Dr. Reimers.
In der Meiji-Zeit kamen zahlreiche deutsche Kaufleute nach Japan und bauten dort Handelshäuser auf. Sie trugen maßgeblich zum Aufbau der japanischen Wirtschaft und Industrialisierung bei. Der Vortrag befaßt sich mit den Lebensumständen und den Handelsaktivitäten dieser Pioniere.“ (Japan. Kulturinstitut, Köln)

David Landes („Wohlstand und Armut der Nationen“, 1998) hält es für möglich, daß Japan auch eigenständig die Industrialisierung geschafft hätte aufgrund vieler Ähnlichkeiten zu Europa. Wie dem auch sein mag: ist ein politökonomisches Muster erst einmal entwickelt, kann man es kopieren. Jedenfalls, wenn man über eine geeignete kulturelle Disposition verfügt. Das taten die Japaner, die sich Mitte des 19. Jahrhunderts den fremden Kaufleuten öffneten und sich deren Warenangebot präsentieren ließen. Sie waren an allem interessiert, nicht alle an allem, versteht sich – es gab auch gewaltsame Angriffe gegen die Kaufleute, die in Fremdensiedlungen wohnten und diese nur im Umkreis von 40 km verlassen durften. Nur zwei Häfen war ihnen erlaubt anzulaufen, Yokohama und Tokyo.
Der protestantische Bremer Kaufmann Hinrich Ahrens begann sein Geschäft in Yokohama mit deutschen Lehrbüchern der deutschen Sprache, die sein Lehrer-Bruder Georg verfaßte. Auch Geographie und deutsche Landeskunde u.ä. gehörte zum Sortiment, das sich stetig ausweitete. Hinrich Ahrens selbst lernte Japanisch in Wort und Schrift, was auch heute noch von Japanern bei Geschäftspartnern sehr geschätzt wird. Das Kopieren von Deutschlehrbüchern hat sicher nicht sehr viel zur Industrialisierung Japans beigetragen, um so mehr aber der Nachbau von importierten Dampfmaschinen aller Art – ab 1872 begann der japanische Eisenbahnbau, und ab 1892 konnten die Japaner selbst Lokomotiven bauen. Das hatte dann ein Importverbot zur Folge, so daß sich japanische Unternehmen geschützt entwickeln konnten. Auch heute noch arbeiten die Japaner mit allen bürokratischen Tricks gegen ausländische Anbieter, wenn sie sich auch, inzwischen als entwickeltes Exportland, keine totalen Importverbote mehr leisten können.
Die Japanologin Carolin Reimers sollte vielleicht noch ihre ökonomischen Kenntnisse anreichern, aber ihre Präsentation dieses deutsch-japanischen Globalisierungskapitels kann nur verdienstvoll genannt werden.
Zwei Bremer Kaufleute hat Reimers in Monographien porträtiert:
Alexander Georg Moslé 2007 und Hinrich Ahrens 2010.