Freitag, 3. August 2012

Mahd ahoi





Schon seit etwa zwei Wochen schweigen die Vöglein  im Walde, die Brutsaison ist vorbei, und die Mahd auch. Mit dem Sommer weiß man es nicht so genau, das bleibt abzuwarten; gerade schauert es wieder. 

“Wenn der Kuckuck im August noch schreit, so gibt's im Winter eine teure Zeit.”
Das sind zumindest annehmbare Aussichten für den Winter.
 

Donnerstag, 2. August 2012

Lirarisierung




Brentano, Gockel, Hinkel und Gackeleia, lithographiertes Titelblatt des Erstdrucks von 1838

(Bild: Wikipedia: Foto H.- P. Haack) 





- So eine Revolution ist schon prima. Jetzt gibt es in Ägypten endlich ein gesichtsloses TV-Programm von vollverschleierten Frauen für Frauen. Die Salafisten betreiben ihn.  
DLF 30.7.12   

- Der US-Finanzminister Geithner wünscht sich dem Vernehmen nach niedrigere Zinsen in der Eurozone. Noch niedrigere? Sie liegen derzeit bei 0,75 Prozent. Das hat spanische Politiker bereits in die Verwirrung getrieben. Da haben sie Bauereien veranlaßt ohne Sinn und Verstand. Wegen der niedrigen Zinsen. Jetzt steht Spanien voller Bauruinen. Die Banken haben wohl oder übel mitgespielt im Vertrauen darauf, daß die Politik schon wisse, was sie tue. 
Weiß sie das? Weiß Geithner, was er da will? Was wußte Geithner, als er noch New Yorker Zentralbank-Gouverneur war und Finanzmathematiker diese famosen Hypotheken-Körbe austüftelten, die die Bankenkrise 2008 auslösten? Es gehörte zu seinen Aufgaben, die Rahmenbedingungen der Bankenmärkte zu beobachten und zu sichern. Ihm fiel nichts auf, obwohl es warnende Stimmen gab. Wahrscheinlich ist er noch zu jung, um Gefahren zu bemerken und zu reifem Urteil zu kommen.  
Wie sein Chef Obama, könnte man meinen. Der scheint die sunnitischen Banden in Syrien zu unterstützen, die den halbwegs stabilen Damaszener Staat in islamistisches Chaos stürzen wollen.   

Geithner, Obama und den Euro-Klempnern fehlt einfach der Hahn ALEKTRYO aus Clemens  Brentanos “Gockel, Hinkel und Gackeleia”. Brentano hatte gerade den 170. Todestag 28.7.1842). Der hat einen Wunschring verschluckt, der alle Wünsche erfüllt. Aber Politiker würden mit einem solchen Ring wahrscheinlich nur eine Hyperinflation anrichten. Auch ohne Ring basteln sie daran.   

Mittwoch, 1. August 2012

Vorsicht vor dem Russen








Eugène Delacroix, Die Freiheit führt das Volk ziemlich barbusig,  1830 

(Bild: Wiki./ Louvre)



Barbusig ?!?! Vor dem Hörsaal VI ?! Das war dem Linkshegelianer noch nie passiert! Dabei kam er aus Amorbach. 
Katia Mann, Nachbarin in Santa Monica, hatte so etwas nie gemacht, obwohl sie den eitlen Kerl ekelhaft fand. Barbusiger Pussy-Angriff auf Adorno. In der Frankfurter Uni. Was für eine Dialektik. Da hätte er Hegel fast wieder lieber auf den Kopf gestellt. Aber Marx hatte ihn nun einmal auf die Füße gedreht, wie er meinte, und der SDS und seine Damen bestanden darauf, daß es dabei blieb. Beine wollten sie ihm machen, dem Adorno, der den Neomarxismus so hörsaalhaft und fleischlos betrieb, daß es die SDS-Studentinnen zur nackten Botschaft trieb.   

So kann es kommen. So schlägt das Leben jenseits von Amorbach zu. Da wackeln die Busen. 
Schon Delacroix, der immer ein waches Auge auf das Fleisch in der Geschichte hatte, war das aufgefallen. Seit er das in seinem Revolutionsbild festgehalten hat, gehört der nackte Busen zur Rebellion, nach dem Motto: Fleisch bei die Fische. Das fehlte immer irgendwie in den Adorno-Vorlesungen. Daher der Pussy-Riot. Wenn die SDS-Damen nicht nur Schubert auf dem Klavier gelernt hätten bei ihren musischen Mittelstandseltern, hätten sie vielleicht auch noch zur Punkgitarre greifen können wie ihre Enkelinnen in Moskau. Mit dem Klavier und Schubert geht das nicht. Die Punk-Gitarre hätte Adornos feine Öhrchen zerfetzt, die nächste Hegel-Vorlesung wäre ausgefallen, die Geschichte der Kritischen Theorie hätte eine Wendung genommen. Verpaßte Chancen.   

Aber Putin und sein Goldbrokat-Pfaffe Kiryll sind keine Hegelianer und keine Hörsaalmarxisten. Jede geistige Anwandlung ist ihnen fremd, jede Unbotmäßigkeit verhaßt. Ihr Sensorium ist kalkverstärkt. Sie sind bösartige Figuren der Macht, so völlig ohne Humor wie Wagnermusik und Adorno-Schriften. Daher kann man jungen Protestlerinnen in Moskau nur zur Mäßigung raten. Zur Sublimierung. Zur Lektüre von Brechts Keuner-Geschichte “Maßnahmen gegen die Gewalt”.   

Dienstag, 31. Juli 2012

Hegeleien





Linkshegelianer unter sich: MdB Ströbele, RA Mahler und Ex-Minister Otto Schily. Ströbele und Schily verteidigten Mahler im Baader-Meinhof-Banden-Prozeß ca. 1972  




   

“... ein Staat ist eine Vereinigung von Haushalten und Familienverbänden, die gemeinschaftlich das richtige Leben führen, also eine Gemeinschaft zum Zwecke des vollkommenen und autarken Lebens. … Das Ziel des Staates ist also das richtige Leben … damit ist, wie wir behaupten, ein Leben in Glück und vollendeter menschlicher Qualität gemeint. …” Mit hilfreichen Metöken und Sklaven, wie Aristoteles zuvor in seiner “Politik” ausführte. Denn die Hellenen sieht Aristoteles entschieden als Herrenvolk, dem die anderen zu dienen haben. (Zitat: Aristoteles, Politik, Buch III, Kap. 9 (Werke Bd. 9, S. 65)) 

Aristoteles lädt seinen Staatsbegriff aristokratisch auf, der Staat ermöglicht den Weg der Bürger zum “richtigen Leben”, und dies zieht sich durch die Geschichte des Staatsdenkens. In Hegels Rechtsphilosophie wird der Staat verhängnisvoll idealisiert:  „Die sittliche Welt dagegen, der Staat“ (Meiner, R., S. 7) Die Überhöhung des Staatsbegriffs ist alteuropäisches Erbe und führte zu Mißbräuchen aller Art, in Deutschland besonders bei Rechts- und Linkshegelianern im NS und in der DDR. In ihrem Glauben an den hohen Staat treffen sie sich immer wieder, oft auch in derselben Person nacheinander. 
Horst Mahler und Bernd Rabehl sind hier besonders prominent, beide früher Links-, heute Rechtshegelianer. Der begabte Jurist Mahler war seinerzeit Mitglied der linksradikalen Baader-Meinhof-Bande, heute vertritt er rechtsradikale Positionen und sitzt wegen wiederholter Leugnung des nationalsozialistischen Judenmords im Gefängnis. Verurteilt aufgrund einer hegelianischen Rechtsposition: der Staat und seine Organe wissen, welche Meinungen vertreten werden dürfen und welche nicht. Das Staatsvolk ist nämlich zu dumm dafür und muß vor “Volksverhetzern” geschützt werden. Deswegen wollen die Linkshegelianer die Rechtsradikalen verbieten, und umgekehrt.  
Mit der strafbewehrten “volksverhetzerischen Leugnung des Holocaust” haben sich die deutschen Linkshegelianer eine große Dauerkeule geschaffen und einen ständigen Narrationsstoff. Dessen Dauerbearbeitung in Abertausenden Büchern und Tausenden Filmen sichert nicht nur die linkshegelianische Lufthoheit in Deutschland, sie versorgt auch das Ausland mit immer neuen Produktionen, die dankbar in europäischen Sendern besprochen und gezeigt werden. Die Zeichner und Journalisten zwischen Athen und Lissabon bedienen sich der Zuspiele und versehen Merkel und Schäuble mit Hakenkreuzen und Nazi-Uniformen.   
Und da die Linkshegelianer nur den Staat als solchen anhimmeln, den deutschen Nationalstaat aber fies finden, weil dort die Rechtshegelianer früher an der Macht waren, deswegen wollen sie den deutschen Staat in der Eurozone auflösen.  

Montag, 30. Juli 2012

Die Kultur macht's





Kommt ein Frankfurter, dessen Familie aus Schwaben stammt, auf der Gesellenwanderschaft an den Genfer See nach Vevey, bleibt und wandelt seinen Namen von Heinrich Nestle in Henri Nestlé


(Bild: Hauptverwaltung der Firma Nestlé, Wiki. / Nestlé)








2 Wochen gesetzlichen Urlaub mehr? Her damit. Aber wie? Per Referendum. Wir stimmen ab. Nein, nicht in Deutschland, das sich fest im Griff der repräsentativen Parteienapparatschiks befindet. In Deutschland gibt es keine Abstimmungen zur Sache, nur zum 4-Jahres-Parteienblankoscheck. Die da oben wissen es besser. Das hat Tradition in Deutschland. 

Wir stimmen ab in der Schweiz. Das Ergebnis wird klar sein. Sagten sich die Sozis vorher. Inzwischen ist “nachher”. Es wurde schon abgestimmt. Im März 2012. Ergebnis erstaunlich. Geradezu irritierend. Die Mehrheit ist doch immer faul. Doch am 12.3.12 wunderte sich ganz Europa: Initiative abgelehnt!
Hatten die Leute nicht begriffen, daß es um ihren Urlaub ging? Nur 18% der Innerrhoderner hatten für mehr Ferien gestimmt. Ist vielleicht dort der Analphabetenanteil hoch und die Bürger haben die Beschriftung der Kästchen einfach verwechselt? Wohl nicht. Denn die Ferieninitiative wurde in der Gesamtschweiz mit einer großen Mehrheit von rund 66% abgelehnt. Sagenhaft. Allerdings stimmten die Welschen, die Jurassier in der Westschweiz, mit 49% für mehr Urlaub. 


Der “Röstigraben”, der die französischsprachige Westschweiz von der Deutschschweiz trennt, ist tot, der “Arbeitsgraben” dagegen existiert. Die Romands denken anders als die “Hinterwäldler” im Kanton Innerrhoden. Sie erwarten von sich selbst weniger und vom Staat mehr. Sie zahlen deswegen auch mehr Steuern in ihren Kantonen als die Deutschschweizer.
Sollen sie doch ihren Stil pflegen. Es muß nicht alles gleich sein. Soll jeder seine kulturellen Marotten pflegen. Wenn er dafür selbst zahlt.

(Vgl. https://sites.google.com/site/rafaellalive/research   /    Ferien und Sozialstaat stehen westlich der Saane hoch im Kurs, NZZ 28.7.12 )