Dienstag, 7. Mai 2013

Per aspera ad astra









Sie sind doch recht menschlich, diese Maikäfer! Streben auf zum Licht in kühnem Flug - um dann auch nach dem zehnten Versuch strampelnd auf dem Rücken zu landen. Was sie aber nicht entmutigt. Nach minutenlangem Strampeln haben sie es geschafft! Haben sie sich gedreht! Heben erneut ab! Zum Lichte empor! Wer immer strebend sich bemüht …  

Während Schellnhuber wie ein Maikäfer seinen Klimaalarmismus durchhechelt, aber immer weniger Gläubige findet, die dem CO2-Aberglauben huldigen, greifen ihm Altmeier und Merkel unter die Ärmchen und schieben ihn in einen Ministeriumsbeirat. Das Wirtschaftsministerium meldete Bedenken an, denn der Mann propagiert teure Fehlinvestitionen aufgrund seiner Klimaphantasien. Nun ist leider Minister Rösler umgefallen und hat den falschen Klimapropheten akzeptiert. Könnte sein, daß es Rösler und seinen Gesellen im September so ergeht wie dem strampelnden Maikäfer auf dem Rücken.

Montag, 6. Mai 2013

Kopfverderber Morus, Campanella






Keine Kirmes auf der Frühlingswiese - prima





“Doch ich kehre zum Zusammenleben der Bürger zurück.
Der Älteste steht (wie ich gesagt habe) der Familie vor. Die Gattinnen dienen den Ehemännern, die Kinder den Eltern, überhaupt die Jüngeren den Älteren.
Jede Stadt ist in vier gleiche Abteilungen geteilt. In der Mitte jeder Abteilung ist ein allgemeiner Markt. Dorthin werden in gewisse Gebäude die Arbeitsprodukte aller Familien gebracht, dann werden die verschiedenen einzelnen Gattungen in Magazine sortiert gelagert. Von dort holt jeder Familienvater, was er und die Seinen nötig haben, und nimmt es ohne Geld und ohne irgendwelche Gegenleistung an sich.”   Thomas Morus, Utopia, III/9, Die Versorgung der Bevölkerung.

Ist doch ganz einfach. Sozusagen quadratisch, praktisch, gut. Alle traditionalen Gesellschaften sind so organisiert. Der Chef steht an der Spitze und regelt nach Art der Familie alles so, wie ihn gutdünkt. Aber neu ist hier: Alle kriegen umsonst, was sie brauchen. Im Singular: “Soviel du brauchst”.
War das nicht gerade das Motto der evangelischen Kirmes? Aber ja. Der “Garten Eden” hat die Idee geliefert, und das Christentum hat sie ausgebaut, besonders in den Schriften des Ex-Benediktiners Morus und des Dominikaners Tommaso Campanella (“Der Sonnenstaat”). Sie haben den Sozialismus begründet und Marx und die Seinen haben ihn weiter systematisiert. Judentum und Islam haben kein Problem mit den Reichen. Das Gleiche gilt auch für nichtjüdische Religionen.
Luther hat sich in seiner Staatsschrift “Über die Berechtigung weltlicher Obrigkeit” keine sozialistischen Gedanken gemacht, weswegen es bei den amerikanischen Protestanten bis heute fast keine sozialistischen Neigungen gibt. Den deutschen Lutheranern ist dagegen im 21. Jahrhundert fast nur das sozialistische Gedankengut geblieben. Das wird sie wohl vor der weiteren Schrumpfung nicht retten, aber dem realistischen Denken in Deutschland weiter schaden.  
Realismus fragt nach den Ergebnissen von Handeln und geilt sich nicht an Dogmen und Neidpropaganda auf.  

Sonntag, 5. Mai 2013

Aus Nacht zum Licht







Mit nur geringer Verspätung sind sie da, fünf Tage später nur, die possierlichen Schwarzbraunen! Unter der Erde ist die Freiheit zwar nicht grenzenlos, aber dafür ist es dort wärmer im kalten Winter, wenn es oberirdisch Stein und Bein friert.
Ganz unten ist es ganz warm, man hat jetzt endlich einmal ordentlich nachgemessen und festgestellt, daß es sogar 1000° C wärmer ist, als bei der letzten Schlampmessung festgestellt: ganze 6000°C sind es, statt 5000°. Mal sehen, was die dritte Messung erbringt.
Aber jedenfalls, es ist warm da unten, weswegen der Bergmann schon bei 500m Tiefe das Hemd auszieht. Es sind aber keine Briketts, die unten einheizen, es ist der radioaktive Zerfall im Erdinneren, der den Fußboden heizt. Und als ich neulich las, daß man früher, als es die schönen Lithium-Ionen-Akkus noch nicht gab, die Tiefseetauchanzüge mit Plutonium gewärmt hat, habe ich bei der Agentur für die immerwährende Endlagersuche für nukleare Wertstoffe ein paar Castoren für die nachhaltige Hausheizung angefordert. Denn:
“Eingeschlossen in einen Stahlbehälter oder selbst in eine Plastiktüte ist ein kleines Stückchen Plutonium relativ ungefährlich; faßt man ein solches Päckchen an, kann man die durch den radioaktiven Zerfall bedingte Wärme des Metalls fühlen. Diese Wärme kann man in Elektroenergie umwandeln. Plutoniumbatterien wurden zB bei den Apollo-Missionen eingesetzt, sie lieferten Energie für Tiefsee-Taucheranzüge und Herzschrittmacher.”
(John Emsley, Chemie im Alltag II, S. 264) Also her mit den Heizkörpern, den Maikäfern wird es auch gefallen. Die Hauswärme strahlt ja auch in den Engerlingbereich ab.

Samstag, 4. Mai 2013

Und dann kommt der Draghi mit dem Hämmerchen










Die Europäische ZentralBank EZB hat am Donnerstag den Leitzins auf 0,5% gesenkt. Er war mit 0,75% bereits niedrig. Der niedrige Zins macht das Verschulden leichter. Wird dadurch die Berufschulausbildung in den Südländern auf den Weg gebracht? Werden die Einstellungsbedingungen in Portugal auf diese Weise verbessert? Wird damit der aufgeblähte Bürokratieapparat in Griechenland reformiert? Nein, von alledem nichts. Zeit wird so herausgeschunden. Wie in Japan seit 15 Jahren.

Aber auch das einfache Sparen wird zerstört. Wenn der Sparzins unter der jährlichen Geldentwertung liegt, dann werden vor allem einfache Leute geschädigt, die ihr Geld auf dem Sparbuch deponiert haben. Und die Versicherungen, speziell Renten- und Lebensversicherungen, bekommen ein großes Problem. Sie müssen das Geld sicher und profitabel anlegen. Mit dieser staatlichen Zinsschweinerei geht das nur noch schwer. Und welche “mündelsicheren” Anlagen sollen die Banken ihren Kunden vermitteln, bei denen kein Geld verloren geht? Der EZB-Präsident Draghi betreibt auf Druck der Hollande, Merkel und Co. ein verderbliches Spiel.  







Freitag, 3. Mai 2013

Braver Junge







“Die Plebejer proben den Aufstand” will die ARD nicht senden? Unerhört. Günter Grass ist empört. Das könne die Beziehungen zu Moskau und Ost-Berlin stören, begründete die ARD. Grass beschwert sich im Februar 1970 in einem Brief an Willy Brandt:

“Die neue Ost- und Deutschlandpolitik der sozial-liberalen Koalition bringt es mit sich, daß der Stalinismus innerhalb der DDR nicht mehr kritisch angesprochen wird … kann allerdings innerhalb der SPD den Trugschluß fördern, es könne sich demnächst eine Aussöhnung mit der SED anbahnen (siehe Bruderparteien).”

Timothy Garton Ash teilt das dem Leser seines Buches IM NAMEN EUROPAS mit (S. 310). SPD-Mitglied und Brandt-Freund Grass setzte sich in seinem “Plebejer”-Stück mit der dubiosen Rolle Bertolt Brechts im Aufstand von 1953 gegen die SED-Diktatur auseinander. Das war der ARD zuviel. Man berichtete lieber über die “Errungenschaften” der Ost-Berliner Diktatur. Und die Brandt-Scheel-Regierung verhielt sich ähnlich gegenüber der Opposition in Polen und der Tschechoslowakei. Garton Ash dazu: “Es waren die Vereinigten Staaten unter Carter, die die Wahrung der Menschenrechte unmittelbar mit der Vergabe von neuen Krediten verknüpften. Ganz eindeutig beeinflußten sie damit Giereks Toleranz gegenüber der gerade flügge werdenden demokratischen Opposition. Es waren Regierung, Kongreß, Gewerkschaften und Menschenrechtsorganisationen der Vereinigten Staaten, die den Vorgängern von Solidarnosz und schließlich Solidarnosz selbst die größte politische, moralische und vor allem finanzielle Unterstützung gewährten. … Aber im allgemeinen ist richtig, daß - wie Havel in seiner Frankfurter Rede andeutete - die Bundesrepublik hier das andere Extrem verkörperte. (Ebd., S. 421) Wir erinnern uns, Helmut Schmidt ging mit Gierek lieber segeln.-

Garton Ash zu lesen ist zweifellos interessant. Er hat gestern den Medienpreis KARLSMEDAILLE für sein EU- und Euro-Engagement bekommen, just am gleichen Tag, an dem in englischen Regionalwahlen die UNITED KINGDOM INDEPENDENCE PARTY (Ukip) sehr erfolgreich war. Garton Ash denkt als Historiker der Zeitgeschichte vor allem in politischen Zusammenhängen, Wirtschaftsgeschichte ist ihm fremd. Ihn, obwohl Engländer, leitet der Wunsch zu einem großen, einheitlichen Europa, daher seine Vorliebe für den Brüsselkratismus. Dafür bekommt er die KARLSMEDAILLE. Er unterschätzt leider die langen Traditionen der europäischen Nationen, die sich in unterschiedlichen Mentalitäten niedergeschlagen hat. Deren Konvergenz, wenn sie denn kommt, wird nur sehr langsam vonstatten gehen. Und er übersieht ebenfalls das Sprachenproblem, das Amerika und Rußland nicht haben. Es wird noch geraume Zeit dauern, bis die meisten Europäer ein kultur- und politikfähiges Englisch beherrschen werden, das mehr sprachlichen Austausch und kulturelle Nähe zuläßt. Daran läßt sich in Ruhe und Geduld arbeiten. Brüssel und der Euro säen stattdessen Zwietracht.