Donnerstag, 16. Mai 2013

Wege und Holzwege


Er sei nicht der Regierungssprecher, sagte der ehemalige Verfassungsrichter Udo Di Fabio auf der Jahresfeier der NRW-Akademie der Wissenschaften, aber er sehe die Berliner Regierung auf dem richtigen Weg, wenn sie eine Politik des Zurück zu den Verträgen verfolge.
Man hätte aber diese Rede durchaus als Bewerbung verstehen können. Zurück zu den Verträgen, die in Serie gebrochen wurden? Das ist nicht mehr als die Formulierung eines frommen Wunsches. Wird nicht seit einem Jahr die EZB konsequent zu einer Zentralbank mit Doppelmandat nach US-Muster umgebaut? Gegen alle Verträge. Die EZB soll nicht mehr nur für Geldwertstabilität sorgen, so der Gründungsauftrag, sondern auch für die Staatsfinanzierung und für Wirtschaftswachstum bereitstehen. Aber ohne den Grundsatz der Eigenverantwortung, wie er die amerikanischen Einzelstaaten verpflichtet. Auf diesen Umbau ging Di Fabio gar nicht erst ein.   
Allerdings benannte er einen Punkt, der in den (Blockflöteneinheits-) Medien weithin unterschlagen wurde: die Bankenregulierung Basel II, die Staatsanleihen “risikolos” stellte, die damit also nicht mit Eigenkapital besichert werden mußten. Die Regierungen fanden sich so seriös, daß sie diese Regelung trafen. Während sie dieses Bonitätsversprechen abgaben, verschuldeten sie sich weiter maliziös und munter und erwiesen sich damit als außerordentlich unseriös. Was die nachhaltige Staatsschuldenkrise auslöste.
Statt di Fabio hätte man doch besser Bernd Lucke von der AfD eingeladen. Zusammen mit dem früheren Akademie-Präsidenten und Bonner Geldtheoretiker Manfred J.M. Neumann, der mit Lucke im vergangenen Jahr ein Konzept für den Austritt Griechenlands über eine Parallelwährung vorstellte.  

Mittwoch, 15. Mai 2013

Wie hieß noch mal dieser Buchtitel? Deutschland baut sich auf? Irgendsowas war’s








Empfang im Orient, Foto retuschiert. Die Perser fanden Ashtons Pullover nicht genügend hochgeschlossen und verlängerten ihn auf dem Pressefoto bis zum Hals. 



Der Orient ist anders. Was unter Erwachsenen hierzulande als skurril und albern erscheint, ist in deutschen Schulklassen ein schlimmer Störfaktor. Die nuttenartige Bekleidung vieler Schülerinnen lenkt vom Unterricht ab. Daß Orientalen aus Anatolien diese Nacktmode kulturell entsetzlich finden, läßt sie ebenfalls an Privatschulen mit Schuluniform denken. Schuluniformen gibt es nicht nur in Eton, sondern auch an türkischen Privatschulen in Köln und Berlin. 



(Foto: Daniel Pipes)  



Türkische Schüler werden nach meinen Erfahrungen und Informationen in NRW eher besonders gefördert und besser benotet als deutsche Schüler. Das dürfte in anderen Bundesländern ganz ähnlich sein. Die Behauptung, “Migrantenkinder (hätten) es häufig schwer in der Schule” (DLF, Wiebecke), gilt für Türkenkinder, die kein Deutsch können, weil das ihre Eltern für unnötig halten. 

Für den Besuch türkischer Privatschulen gibt es andere, teilweise sehr gute Gründe. Das beginnt natürlich bei der Vorliebe für die Eigengruppe, das Hemd sitzt näher als der Rock, insbesondere gilt das für türkische Eltern mit islamischer und / oder nationalistischer Bindung. 

Die Vorliebe für die Eigengruppe gibt es bei allen Ethnien weltweit und ist stammesgeschichtlich kodiert. Weiterhin werden die deutschen Schulen immer schlechter, weil die Lernatmosphäre seit 1968 fortlaufend destruiert wird. Da den Lehrern inzwischen fast alle Strafen verboten sind, auch der Erziehungsgedanke gestrichen wurde, herrscht in vielen Schulklassen eine große Disziplinlosigkeit. Dies ist auch für säkulare Eltern ein sehr wichtiger Grund für den Besuch von Privatschulen, denn ohne Disziplin gedeihen Lernen und Leistung nicht. 

Daß die Gülen-Bewegung ihr Schulangebot auch für ihre verdeckten islamistischen Zwecke nutzt, kann nicht erstaunen. Erstaunlich ist eher, wie das deutsche Bildungssystem bei stark vermehrten Ausgaben seit 1968 immer schlechtere Ergebnisse liefert, so daß immer mehr Firmen für ihre Lehrlinge Nachhilfeunterricht anbieten müssen:

“ Erste Stunde Benimmunterricht
Fraport gibt zwölf Jugendlichen Nachhilfe in Mathe, Deutsch, Pünktlichkeit und Umgangston. …” F.A.Z., 14.05.2013

(Vgl. zu Gülen: Die Anhänger des Fethullah Gülen. Von Necla Kelek

FAZ 21. Juli 2008 )

Dienstag, 14. Mai 2013

Am Rande vermerkt


Am Rande des Steilhangs, aber standfest








Askese für die Ethik
Fortschritt und Ethik bemessen sich im Pluralismus nach unterschiedlichen Maßstäben. Die Gouvernante “Ethik” sollte man allerdings zum Tugendbold Robespierre ins Jakobinerkloster setzen bei Wasser und Brot. Das bekommt ihr und der Gesellschaft am besten.

Well, it's cheaper, when the windmonsters don't spin. For every kWh they produce into the net, they get a certain amount according to the German EEG-Law, which is paid by the ordinary electricity consumers. So those windmonsters are the cheapest for the country, which stand still. It's like a play of Ionesco.

Montag, 13. Mai 2013

Konfuzius und die Schrift










Konfuzius-Grab in Qfu

(Bild: Rolf Müller / Wiki.)






In Südostasien ist der Konfuzianismus verbreitet. Er beinhaltet die Verehrung der Schriftsprache, der klassischen literarischen Bildung, der Lehrer als Vermittler des Wissens und des Schulwesens überhaupt.
In Südkorea wurde schon früh, im 6. Jahrhundert, die Rekrutierung des Beamtentums nach literarischen Leistungskriterien anstelle der Adelsauswahl eingeführt. 

Davon hat sich viel erhalten, Schüler und Studenten wenden ein Vielfaches der Zeit auf im Vergleich mit Deutschen. Es kann also nicht verwundern, wenn Südostasiaten in europäischen Ländern gute Studienergebnisse erzielen und Südostasien technisch arriviert ist. Man mag sich darüber streiten, wie die Produkte im einzelnen zu bewerten sind, ob das iPhone etwa dem Galaxy überlegen ist oder umgekehrt, klar ist jedenfalls, daß alle Internetneuerungen aus den USA kamen und die Koreaner die Apparate schnell kopiert und einen Gleichstand hergestellt haben. Wenn man diese Fähigkeiten mit Pakistan, Bangladesch und Ägypten vergleicht, so fällt der Unterschied riesenhaft aus. Auch gegenüber Indien ist er noch sehr groß.

Bei der konfuzianischen Lernorientierung spielt die Tradition eine positive, aber auch zweischneidige Rolle. Die unbedingte Anerkennung der Lehrerautorität und die Betonung klassischer Stoffe ist vermutlich nicht Innovation fördernd. Ein Beispiel: Ein großer Innovator war und ist der Bayer Bechtolsheim, der die Autorität der Lehrer und ihre Studienordnung an der Uni München für sich ablehnte und in die USA ging, wo er großen Nutzen stiftete. Weitere Beispiele ließen sich anführen und zeigen auf, daß eine individualistischere Gesellschaft zwar anstrengender ist und auch eine höhere Kriminalitätsrate aufweist, aber eben auch vitaler und innovativer. Man kann nicht alles haben. In Korea und Japan ist die soziale Kontrolle sehr stark und die Kriminalität sehr gering; der Konfuzianismus begreift sich als einigendes Band, euphemistisch ausgedrückt. Er ist natürlich auch eine Fessel, die den Einzelnen bindet.

Sonntag, 12. Mai 2013

Wir wollen mal was lernen








Leben ist Lernen und Problemlösen, meinten Konrad Lorenz und Karl Popper, und das gilt besonders für den Menschen. Für Tiere wie Hai und Igel, die auf eine lange, stabile Stammesgeschichte zurückblicken könnten, wenn sie denn das Gehirn dazu besäßen, gilt das weit weniger als für Primaten, deren jüngster Sproß, der Mensch, sich in unglaublich kurzer Zeit sehr schnell von den anderen Affen wegentwickelt und sie kognitiv milchstraßenweit zurückgelassen hat. Durch begriffliches Denken und die Sprache, die durch eine merkwürdige Entwicklung des menschlichen Gehirns möglich wurden, bei anderen Primaten und bei intelligenten Rabenvögeln aber nicht. Der Säugling kommt mit der Befähigung zur Sprache auf die Welt, welche Einzelsprache er jedoch erlernt, hängt vom Ort seines Aufwachsens ab und ist beliebig. 

Ähnlich verhält es sich mit allen anderen Fähigkeiten, für die es bestimmte Zeitfenster gibt. Die angeborene Fähigkeit, auf zwei Beinen laufen zu können, kommt erst nach einem Jahr, die Geschlechtsreife erst nach zehn Jahren. Zur Intelligenz- und Sprachentwicklung haben Piaget, Lenneberg, Kohlberg u.v.a. Arbeiten vorgelegt. Lernen steht dort im Zentrum. Ob der Umgang mit den eigenen Beinen, der Sexualität, den anderen Menschen - das hat alles seine Zeit und auch seine individuelle Begrenzung. Lernen erfolgt auch individuell etwas verschieden, so lernen Introvertierte und Extrovertierte etwas unterschiedlich (vgl. Eysenck, Ungleichheit der Menschen). Der individuelle Lerner muß sich dessen bewußt werden und sein Lernverhalten danach ausrichten. Das gleiche gilt für seine Lehrer (die dafür allerdings meist zu kenntnislos sind). Lernen bleibt, solange das Gehirn mitmacht, die zentrale Kategorie im menschlichen Leben, ob (Selbst-)Beherrschung, Lerndisziplin oder Autofahren; Lesen, Schreiben, Wissenschaft treiben; Körperpflege, Lebensplanung, Lebensgestaltung; Selbstbild, Gelassenheit, Diplomatie. Die Begabung für die verschiedenen Bereiche ist genetisch unterschiedlich prädisponiert, entsprechend müssen, wie bei Sportarten, die Bereiche verschieden stark trainiert werden. 

Phantasieeinteilungen wie das ES, ICH und ÜBER-ICH verstellen die Sicht auf die Faktoren und Segmente, und überhaupt die Sicht auf die lebenslange Zentralaufgabe des Lernens in den verschiedensten Bereichen.