Sonntag, 23. Mai 2021
Klimaschau #39: Römisches Reich profitierte von natürlicher Wärmephase
Dienst
Du mußt jemandem dienen, wenn du zur Familie der Rudeltiere gehörst (Katzen gehören nicht dazu). Meinte Bob Dylan in seinem Lied "You got to serve somebody". Das ist nicht falsch. Die Hierarchie nach Rangplatz ist das vorherrschende Ordnungsprinzip, sowohl bei den Schafen als auch bei den Menschen, im Orient und im Okzident. Im Orient und der katholischen Kirche steht ein absoluter Monarch an der Spitze, im Okzident ein lehensrechtlicher Monarch, zunächst mit absoluten Zügen, die immer mehr durch die Rechte seiner Vasallen eingeschränkt werden. Dieses Prinzip verdeutlicht sich schon früh u.a. in der Magna Charta Libertatum von 1215, zu deren Unterzeichnung der englische König Johann gezwungen wurde.
Samstag, 22. Mai 2021
Lieber Zinsen als Sklaven
Mit der Lehnswirtschaft und dem Burgenbau wurden Renditen sicherer und es “bestand weniger Veranlassung, Sklaven als Arbeitskräfte zu halten. Denn die Sklavenjagden der Deutschen im 10. Jahrhundert, der Polen im 11., der Schotten im 12. oder der Litauer im 13. Jahrhundert fanden im Kontext von Wirtschaftsordnungen statt, in denen Sklavenarbeit, sei es im Haus, als Handwerker oder auf den Feldern, ein bedeutender Faktor war - noch im Jahre 1170 wurden auf dem Sklavenmarkt in Mecklenburg 700 Dänen zum Verkauf angeboten.”*
Dabei verdoppelten sich die “christianisierten” Landflächen im Norden, Osten und Süden. Eine Rendite der anderen Art.
*Bartlett, “Die Geburt Europas aus dem Geist der Gewalt”, S. 366
Abb.: Ziemlich unübersichtlich: Mecklenburg 1230, Wikip.
Freitag, 21. Mai 2021
Der Bologna-Prozeß
“Um 1300 existierte Europa bereits als identifizierbare kulturelle Einheit. Diese ließe sich auf vielerlei Weise beschreiben, doch gehörten zu den gemeinsamen Zügen im kulturellen Gesicht des mittelalterlichen Europas sicherlich die Heiligen, die Namen, die Münzen, die Urkunden und das Bildungswesen … Im Spätmittelalter waren Europas Namen und Kulte wesentlich einheitlicher als je zuvor; überall prägten die Herrscher Europas Münzen, überall stützten sich sich auf Kanzleien; und Europas Beamte teilten einen gemeinsamen Erfahrungsschatz an höherer Bildung. In all diesen Punkten zeigt sich die Europäisierung Europas.”*
Das ist kaum zu bezweifeln, und diese grundlegende Einheitlichkeit soll im Rahmen der EU bewahrt und vor allem weiterentwickelt werden, wozu der Bologna-Prozeß angeschoben wurde.
Bologna war die juristische Elite-Universität und Paris die theologische; inzwischen sind viele Fächer und viele Unis dazugekommen. Das Kalkül dabei bleibt, daß die im Bologna-Verbund ausgebildeten Führungskräfte auch die politischen Prozesse in einer gewissen Einheitlichkeit gestalten werden. Das ergibt Reibungspotential mit demokratischen Vorstellungen. “We, the people” als Kern der Demokratie sind nicht deckungsgleich mit Akademiker-Schichten, die von den Brüsselkraten heute als Weltverbesserungsagenten gedacht sind. War das große Werk Europas im Mittelalter und danach die effiziente Abwehr von Plünderern und Eroberern, so ist von der seinerzeitigen militärischen Stärke wenig übriggeblieben. Europas Macht liegt hinter China, Rußland und den USA weit zurück. Mit fixen Ideen wie der CO2-Bepreisung schwächt es sich selbst nachhaltig. Man könnte diese Entwicklung einen Bologna-Zerfallsprozeß nennen.
*Bartlett, “Die Geburt Europas aus dem Geist der Gewalt”, S. 350
Donnerstag, 20. Mai 2021
Karls Silberpfennig und Schreibkanzlei machen Karriere
Alles fängt ganz langsam an, aber dann geht es ziemlich schnell weiter. Und dann geben auch die Ranen, ein wendischer Stamm, ihre Leinentücher als Währung auf. Die karolingischen Silberpfennige erwiesen sich als praktischer. Und Urkunden ebenfalls, denn was man schwarz auf Pergament besitzt, kann man getrost nach Hause tragen und dort vererben, bei Bauernstellen ist das sehr wichtig. Auch bei päpstlichen Großbetrügereien wie der “Konstantinischen Schenkung”. Und die Kreuzzüge wiederum sorgten für eine Verbreitung in ganz Europa, ‘Europäisierung Europas’ genannt.
(Vgl. Bartlett, “Die Geburt Europas aus dem Geist der Gewalt”, S. 327ff.)