Donnerstag, 24. Juni 2021

Zauberhaftes Wetter

“Wenige Jahre nach 816 schrieb Erzbischof Agobard von Lyon ein kleines lateinisches Buch ‘Über Hagel und Donner’. Darin heißt es: 

‘Hierzulande glauben fast alle Menschen, Adel und Volk, Stadt und Land, Alt und Jung, daß Hagel und Donner von Menschen gemacht werden können. … der Sturm habe sich erhoben aufgrund der Zaubersprüche von Leuten, die Wettermacher heißen … daß sich derjenige einer ganz großen Lüge schuldig macht, der Gottes Werk einem Menschen zuschreibt.” *


Wem fiele da nicht “Lari-Fari”-Latif ein, der prophezeite, es werde “keinen Schnee” mehr geben? Wer dächte da nicht an den “Selbstverbrennung”sphysiker Schellnhuber? 

Sind einige Physiker der Gegenwart dem Klima-Aberglauben verfallen? Beim Klima gibt es jedenfalls nichts zu meckern. 


* Arno Borst, Lebensformen im Mittelalter, S. 372f. 


Mittwoch, 23. Juni 2021

Land und Stadt

“In ihrem (der Bauern, WD) eigenen Kreis gelten starre Sitten der Rechtlichkeit, Gewissenhaftigkeit und Gastfreundschaft; es sind formale Konventionen, von der Öffentlichkeit kontrolliert, nicht sittliche Normen, die eine persönliche Entscheidung erfordern würden. Vielmehr dient alle Gemeinschaft der Aufrechterhaltung und Sicherung des eingezäunten Horizonts. Durch das ortsgebundene Verhalten werden persönliche Beziehungen auch innerhalb der Gemeinde stark eingeschränkt; man hält sich die Nachbarn möglichst vom Leib. Die Vielzahl knorriger Charaktere auf dem Land widerspricht der Konformität der Lebensformen keineswegs, denn diese ordnen nur begrenzte Bereiche. Zum Beispiel kümmert sich das Dorf nicht um Familienangelegenheiten”.* 

Was Arno Borst für das mittelalterliche Dorf ausführt, hätten wir eher schon für eine städtische Konstellation gehalten, suggerieren doch die Erzählungen vom solidarischen Dorfleben etwas anderes. Aber es ist wohl so, daß die Vorstellung vom “Zusammenhalt der Gesellschaft” stets eine Chimäre war. Tatsächlich könnte es eine totalitäre Vorstellung sein, die zusammenzwingen will, was nicht zusammengehört oder nicht zusammenpaßt; Herrschaften aller Art verfuhren so, zuletzt in großer Dimension Kommunismus und Nationalsozialismus. Was ist von dem regierungspolitischen Forschungsprojekt “Gesellschaftliche Zusammenhalt” zu halten?


*Arno Borst, Lebensformen im Mittelalter, S. 381

Dienstag, 22. Juni 2021

Klimaschau #45: Wer profitiert mehr von NordLink? Deutschland oder Norwe...

Bei guten Ernten spielt die Luftdüngung durch CO2 eine positive Rolle. 

Gesellschaftlicher Zusammenhalt im Mittelalter. Bäuerliches Mißtrauen. Eine Frage der Sicherheit.

Das Außenverhalten der Bauern ist so stereotyp, weil sie nur in ihrem Kreis halbwegs sicher sein können. Der Bologneser Jurist Odofredus hat das im frühen 13. Jahrhundert genau gesehen: ‘Das ist die Art der Bauern: Wenn sie beisammen sind, tun sie alles Böse und würden sogar Karl (den Großen) in Verwirrung bringen. Aber wenn sie einzeln auftreten, sind sie keine Henne wert und verbeugen sich vor jedem Ritter.’”

Arno Borst, Lebensformen im Mittelalter, S. 381











Samstag, 19. Juni 2021

Schutzbedürftigkeit der Gewerbe im Mittelalter



Abb.: Bolognas mittelalterliche Wehrwohnstätten im 11. Jahrhundert, genannt 'Gechlechtertürme' - eine Rekonstruktion von Toni Pecoraro bei Wikip.

Wer im Mittelalter ortsgebunden einer Berufsarbeit nachgehen mußte, brauchte den Schutz eines fürstlichen Haudraufs, um die Früchte seiner Arbeit genießen zu können. Gewalt war stets gegenwärtig. Dies betraf vor allem Handwerker, deren Produkte leicht geraubt werden konnten im Vergleich zu bäuerlichen Immobilien. Der König oder sonstige Fürst gewährte diesen Schutz gern und kassierte dafür Abgaben und Pacht. Die Behörde ‘Königskammer’ verwaltete und überwachte die Dienstgewerbe, denen sie auch Vorschriften aller Art machte, wie dies auch heute noch der Fall ist, ‘Regulierungen’ genannt. Dazu gehörten auch Monopole, die streng gehütet wurden und für eine gewisse Erstarrung sorgten, weil der Wettbewerb unterdrückt wurde. Wo sich aber etwas regte und die mittelalterliche Starre durchbrochen wurde, erregte das schnell überregionale Aufmerksamkeit und Landesherren luden agile Ausländer gern an ihren Hof oder Bauern zu speziellen Aufgaben ins Land. So kamen die Siebenbürger Sachsen nach Rumänien. Im Reformationszeitalter erfolgte das in großem Stil mit calvinistischen Handwerkern, etwa in Brandenburg.