Mittwoch, 1. Juli 2009

Faust: Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben ... Finanzkrise.



-" Die Lösung als Teil des Problems.
Die Hayek-Gesellschaft diskutiert das richtige Maß der Regulierung nach der Finanzkrise.
wmu. JENA, 29. Juni. Wo waren all die klugen Ökonomen in der Finanzkrise? Die von der früheren lettischen Staatspräsidentin Vaira Vike-Freiberga ..." FAZ //
Viele Faktoren der Finanzkrise wurden bereits benannt, auf Parallelen hingewiesen (vgl. auch " Die vergessene Finanzkrise des Jahres 1763
Banken in Hamburg und Amsterdam verspekulierten sich im Boom während des Siebenjährigen Krieges mit Anlagen in Preußen. Mehr als 100 Geldhäuser ..." FAZ 27.6.09). Es sei noch das Multitasking erwähnt und die Überforderung durch eine globale Informationflut und eine Überforderung durch Komplexität. Wenn der Finanzmarktangestellte ins Büro kommt, prüft und liest er seine Mails, beobachtet die für ihn relevanten Monitore, tauscht sich mit den Kollegen aus, ruft die für ihn relevanten Netzseiten auf - für Entscheidungen hat er nicht viel Zeit - gleich kommt die Mittagspause - da wird er nicht darüber nachdenken, gar nachfragen, wie die Bewertungsagenturen zu ihren Bewertungen gekommen sind, genau so wenig, wie er die Konstruktion bestimmter Formeln, die er benützt, auf ihre Konstruktionsbedingungen überprüfen kann. Er folgt den täglichen Routinen, selten hat er die Zeit (wie oft hat er nach gefülltem Tag Lust?), sich Metabetrachtungen hinzugeben und Nachforschungen zu betreiben.
Hier hätte Christoph Sprich den Erkenntnistheoretiker Hayek weiterdenken können hin zu Luhmanns Theorie Sozialer Systeme. Nicht nur ist die Rationalität des Einzelnen vielfältig beschränkt und feldweise defekt, seine Erfahrungen sind Interpretationen, in diesem Sinne Konstruktionen, und sie sind selbstreferentiell: Jede Institution, jede Abteilung ist ein kleines System für sich, das im kommunikativen Austausch mit anderen steht und diese Kommunikationen können jederzeit defekt sein.

-

Das alles liegt im Boden still begraben,
Der Boden ist des Kaisers, der soll's haben. (Faust II, V. 4937f.)

Es handelt sich offenbar um ein Schürfrecht, auf das Optionsscheine begeben werden - wobei der Staat (Kaiser) eine Euphorie auslöst, die aller Grabungsarbeit vorauseilt und die in der Realität nicht durch Arbeit eingelöst wird.
Faust hingegen bei seinem Eindeichungsprojekt gewinnt Land, "nicht sicher zwar, doch tätig frei zu wohnen" (V. 11564) . Hier wird zuerst Arbeit geleistet, bevor dann ein landwirtschaftlicher Nutzen erzielt werden kann. Faust gibt keine Derivate aus. Wer bei diesem Immobilienprojekt Arbeit investiert, bekommt ein Grundstücksanrecht. Mephisto erscheint hier als Verführer zur leichtsinnigen Spekulation, während Fausts Trachten im Kontrast bodenständig genannt werden kann. Daher seine nicht-alchemistische Vision:
Ja! diesem Sinne bin ich ganz ergeben,
Das ist der Weisheit letzter Schluß:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muß.
Und so verbringt, umrungen von Gefahr,
Hier Kindheit, Mann und Greis sein tüchtig Jahr.
Solch ein Gewimmel möcht' ich sehn,
Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn.

(Faust II, V. 11563ff.)

Für Binswangers Altherrengemurmel hätte Goethe wohl nicht viel gegeben.
Kommentar zu: " Josef Ackermann und Hans Christoph Binswanger.
„Es fehlt das Geld. Nun gut, so schaff es denn!“
In Goethes „Faust“ gibt diese Aufforderung des Kaisers den Anstoß, Papiergeld zu schaffen. Der Chef der Deutschen Bank und sein Doktorvater Hans Christoph Binswanger loten im F.A.Z.-Gespräch aus, was uns der „Faust“ in der Krise zu sagen hat. ..." 30.6.

- Konsum steigt im Mai um 0,5%; Gerry Weber steigert Umsatz u. G; Strombörse verlagert teilweise nach Luxemburg wg. Mst.; BASF arbeitet in Ludwigshafen praktisch normal.

Keine Kommentare: