Sonntag, 3. Januar 2010

Adenauers Menschenkenntnis, Messfehler, Menschiks Kalendarium, Filzhüte



Es hat geschneit - -3°C/-5°C
- 1960 und der Herr Weizsäcker: < ...In der Literatur waren oder wurden allmählich Wolfgang Koeppen, Heinrich Böll und der junge Günter Grass profilierte alternative Stimmen zur Ära Adenauer. Andere Autoren wandten sich dagegen stärker der neuen Gesellschaft im Ganzen zu. 1960 erschien Martin Walsers Roman "Halbzeit", mit dem er die Figur des Anselm Kristlein schuf, den er nutzte, wie auch in späteren Werken, um den Hang zum Aufsteiger- und Anpassertum zu behandeln. Wolfgang Weyrauch fragte nach moralischer Gesinnung und Erneuerung: "Wir essen statt zu denken." In seiner 1960 herausgegebenen Anthologie "Ich lebe in Deutschland" beklagte er auch die Haltung von Schriftstellerkollegen, die sich kritisch zur Politik stellten und sich zugleich von der Gesellschaft absonderten.
Über die politischen und westdeutschen Grenzen hinaus sei für das Jahr 1960 auf geistigem, kulturellem und politischem Gebiet an Ereignisse erinnert, die lebhafte Aufmerksamkeit auslösten. Es war zunächst der Tod von Boris Pasternak. Mit seinem Roman "Dr. Schiwago", den er in der Sowjetunion nicht hatte herausbringen dürfen, gab er ein unvergessliches Beispiel für den Mut zur künstlerischen Freiheit. In der DDR geriet der große Philosoph Ernst Bloch mit seinem Hauptwerk "Das Prinzip Hoffnung" in massive Kritik. Bloch war nach seinem Exil einem Lehrauftrag an die Universität Leipzig gefolgt, wurde dort alsbald aber wieder zwangsemeritiert. Der SED-Chefideologe Kurt Hager warf ihm vor, die "Arbeiter- und Bauernkinder zu verseuchen". ...> Der Verfasser war von 1981 bis 1984 Regierender Bürgermeister von Berlin (CDU) und von 1984 bis 1994 Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland.Text: F.A.Z., 02.01.2010

/// Bloch kontaminierte dann die Tübinger Studenten. Wenn ich mich da selbst zitieren darf: "... Der Utopist Bloch hat diesem Zusammenhang schöne Wörter gegeben: "etwas" werde entstehen, "das allen in die Kindheit scheint und worin noch keiner war: Heimat." Nur scheint eben umgekehrt das Licht aus der Kindheit in die Welt des Erwachsenen, die dem unsensiblen Realitätsprinzip unterliegt und in der "no such thing as a free lunch" (Friedmans Kurzformel der Volkswirtschaft) existiert.
Indem sich der erwachsene Mensch latent nach einem Zustand der leistungslosen Bedürfnisbefriedigung in warmer und schützender Kleingruppe zurücksehnt, bleibt er wohl auch prinzipiell offen für Utopien. ..." (Wolf Doleys, Enfant perdu, 1994, S. 25) Das Zitat bezieht sich auf die letzten Zeilen des "Prinzips Hoffnung", jener den naiven Jüngling mitreißenden Suada, die ihm den Kopf besetzt und den Verstand raubt. Jahren harter Denkarbeit erst gelingt die Entdeckung der magischen und primitiven Denkvoraussetzungen Blochs und ihre Überwindung. Und da kommt ein ausgedienter Politfunktionär daher und nennt 2010 den Beschwörer marxistischen Unsinns einen "großen Philosophen". Es zeugt von Adenauers Menschenkenntnis, Weizsäcker seinerzeit empfohlen zu haben: "Gründen Sie jetzt Ihre Familie. Fördern Sie Ihre berufliche Erfahrung. Im Übrigen aber: In der Politik brauchen wir Sie nicht."

- Temperaturen-PostSkriptum: Prozentrechnen auf eine Skala? Muß das sein? Nein. Schlitzohr Giss-Hansen mißt mit passend ausgewählten Mittelwerten mehr Erhöhung: +0,52°C, UAH-Spencer nur +0,28°C . Auf 30 Jahre. Aber diese geringen Abweichungen liegen wahrscheinlich ohnehin in der Fehlertoleranz, auch wenn die UAH-Alabama-Satelliten genauer messen:
"Wie viel wärmer?
Ozeanwerte durch Messfehler zu hoch

Die Erwärmung der Weltmeere in den vergangenen fünfzig Jahren um einige zehntel Grad ist zwar unbestritten, aber die vielfach publizierten Werte sind möglicherweise zu hoch. Das hat eine Überprüfung von Viktor Gouretski vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven und Klaus Peter Koltermann von der Ozeanographischen Kommission der Unesco ergeben. Ausschlaggebend für die Messfehler sind die seit den sechziger Jahren mehrheitlich genutzten XBT - dehnbare Bathythermographen -, die von fahrenden Schiffen und von Helikoptern ins Meer geworfen werden und die die Temperaturen bis in große Tiefen registrieren. Wie die Forscher in der Zeitschrift "Geophysical Research Letters" berichten, hat der Vergleich von sieben Millionen Temperaturprofilen mit Daten verschiedener Temperatursonden gezeigt, dass die XBT-Werte im Schnitt um 0,2 bis 0,4 Grad zu hoch liegen. Mit den korrigierten Daten hätten die Weltmeere etwa ein Drittel weniger Wärme aufgenommen als bisher angenommen. " Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.02.2007, S. 32

- Britischer Wetterdienst: “The cold weather comes despite the Met Office’s long range forecast, published in October, of a mild winter. That followed it’s earlier inaccurate prediction of a “barbecue summer”, which then saw heavy rainfall and the wettest July for almost 100 years.” (WUWT)

- "Kat Menschik, Das variable Kalendarium (FAZ 31.12.09)
Tagesaktuelle Geschehnisse, in der Geschichte gefunden: In ihrem Comic „Das variable Kalendarium“ lässt Kat Menschik großartige wie erschreckende Ereignisse als grafisches Feuerwerk erstrahlen ..." FAZ

/// Shine a light on him. Mir gefallen die grafischen Inszenierungen gut! Sie passen hervorragend zwischen zwei Bildergeschichten. Sie übertreffen diese in ihrem Hinweischarakter auf Vergangenes, dem nach-gedacht werden kann, privat und allgemein. Wann liefen einem denn die AC/DC über den Weg, da mußte man zum Wörterbuch greifen, denn der Englischunterricht war literarisch verbildet. Und Edison. Wie hat der Glühfaden den Lebensstil verändert, die Arbeitsbedingungen verbessert. Ohne Edison ständen die AC/DC im Dunkeln, keine Scheinwerfer strahlten sie an. Daher hätte der Glühbirne ein monumentales Denkmal gebührt, ein Doppeldenkmal mit Edison im Zentrum! Stattdessen rutschte Edison in die linke untere Ecke, während der Rocker erstrahlt. Diese beliebige inhaltliche Wichtung fand sich bisher in allen Sequenzen, damit ganz dem Zeitgeist entsprechend, aber doch leider nicht dem Geist. Pardon, Kognition.

- Ja, der Geist. "Keine Bilder für die Revolution
Eine Ausstellung in der Kunsthalle Wien fragt, wie die Kunst auf die Umbrüche von 1989 reagierte - und warum sie die Wende am Ende narzisstisch verschlief ..." Schümer 31.12.09
/// "Narzisstisch verschlief"? So kann man die gesteigerte Geistlosigkeit auch nennen.

- Wie meinte Beuys 1975? "Die Orte sollen alle so gut wie möglich genutzt werden, damit das große Ziel einer veränderten Gesellschaft erreicht wird." (Beuys ausstellen?, M. Ackermann, Kunstsammlung NRW)
/// Der Mann hatte einfach keine Zeit, seine Zeit zu erfassen.

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