Donnerstag, 8. September 2011

Haie vor der Haustür





Wenn das mal gut geht!
Das Risiko ist immer und überall!



- Der “genvergiftete Honig” des gestrigen Urteils des Europäischen Gerichtshofs ist natürlich noch nicht dabei, aber sonst hat Walter Krämer in seinem neuen Buch DIE ANGST DER WOCHE von Asbest über Rinderwahnsinn bis Schweinegrippe fast alle furchterregenden und medienmarktgängigen Stoffe und Phänomene einer angstfreien Betrachtung unterzogen.
Sein Fazit fällt bei allen angeblichen Bedrohungen ähnlich aus: entweder gab es viel Lärm um Nichts, oder, wie im Falle des Insektenmittels DDT, eine erschreckende Zunahme der Malaria nach dem Verbot des Mittels (Beispiel Sri Lanka, S. 166) Nur ausnahmsweise paßten Alarm und tatsächlicher Befund zusammen, etwa bei Lungenkrebs, Herzinfakt und Rauchen.
Beim Rauchen? Wirklich? Da hatten wir doch den Dauerraucher Frank Zappa. Daß sein früher Tod nur ein Lungenkrebsfall sein könnte, davon war der Rezensent überzeugt. Zappa starb jedoch an - Prostatakrebs. Und die beiden Kettenraucher Keith Richards und Helmut Schmidt rauchen immer noch, Schmidt hat inzwischen sogar biblisches Alter erreicht. Ich habe das Büchlein RAUCHEN UND GESUNDHEIT (1986) des empirischen Psychologen H.J. Eysenck im Regal stehen, in dem dieser epidemiologisch-statistische Untersuchungen durchmustert und Zweifel an den gängigen Kausalitäten ausdrückt zugunsten einer stärkeren genetischen und konstitutionellen Beteiligung am Krankheitsgeschehen.

Krämer ist studierter Mathematiker und lehrt Statistik an der TU Dortmund, sein Augenmerk gilt daher immer besonders der statistischen Sauberkeit und Wahrscheinlichkeitshygiene, denn er weiß, wie man mit Statistik lügt, so der Titel seines einschlägigen Buches von 1991.
Daß statistische Tricks bei Untersuchungen stets zu vermuten sind, wissen wir eigentlich schon seit Churchill, der bekanntlich empfahl, nur den Statistiken Glauben zu schenken, die man selber gefälscht habe.
Wie kommt es dann zu den vielen Aufgeregtheiten, denen das große Publikum regelmäßig anheimfällt und die unheilvoll in die Politik hineinwirken?
Krämer sieht drei wesentliche Ursachenkomplexe: die Angstbereitschaft und den Herdentrieb als alte, evolutionsbedingte Erbteile der Menschheit, die angstverstärkende Rolle der Medien sowie “ein gewisses ‘Innumeratentum’, wie es sich in einem Zeitungszitat darstellt:
“Fuhr vor einigen Jahren noch jeder 10. Autofahrer zu schnell, so ist es heute schon jeder 5. Doch auch 5% sind zu viele …” (S. 278)
Wie wäre diesem Dreier-Syndrom abzuhelfen? Krämer setzt auf Auklärung, gegen den Aufklärer Kant, den er eingangs zitiert:
“Dummheit ist der Mangel an Urteilskraft, und einem solchen Gebrechen ist nicht abzuhelfen.”
Walter Krämer versucht es trotzdem und scheut dafür keinen Aufwand an Darstellung und Untersuchung, an Kommentar und flotter Schreibe. Da kann man nur Erfolg wünschen.

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