Freitag, 9. August 2013

Ein origineller Kopf







Was Wunder denn, daß es mit der Welt nicht vorwärts will, und das Böse mehr und mehr um sich greift, da es ja immer langweiliger auf Erden wird und die Langeweile eine Wurzel alles Übels ist. Das kann man von Anfang der Welt her verfolgen. Adam langweilte sich, weil er allein war, deshalb wurde ihm Eva gegeben; darauf langweilten sich Adam und Eva, und Kain und Abel en famille; dann mehrten sich die Menschen, und die Menschen langweilten sich en masse. Um sich zu zerstreuen, wollten sie einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reichte. Dieser Gedanke ist gerade so langweilig wie der Turm hoch war, und ein schrecklicher Beweis dafür, daß die Langeweile schon eine große Macht geworden war. Dann wurden die Menschen über die ganze Erde zerstreut – man reist ja auch heute noch ins Ausland, um sich zu zerstreuen - , aber sie hörten nicht auf, sich zu langweilen. Und welche traurigen Folgen hatte nicht diese Langeweile.” Kierkegaard, Entweder/Oder, Die Wechsel-Wirtschaft, S. 305



Den Frauen der Mauer ein Bein gestellt: Orthodoxe Schwarzhüte wiesen ihre Frauen an, den Klagemauerabschnitt für Frauen zu besetzen, den monatlich die sog. “Frauen der Mauer” aufsuchen, um dort laut und mit Schal zu beten, was nach fanatisch-orthodoxer Auffassung verboten sei. Die Polizei wies die nicht-orthodoxen Jüdinnen ab.

Daran kann man ersehen, welches Kriegs- und Streitpotential Religion beinhalten kann. Es hat lange gedauert, die religiösen Organisationen zu zivilisieren, im großen und ganzen ist das nur bei den christlichen Kirchen gelungen. Während die katholische Kirche immer noch weitgehend in geistiger Finsternis und in Aberglauben verharrt, überwanden Luther und nach ihm Kierkegaard die geistige Finsternis. Kierkegaard, der vor hundert Jahren geboren wurde, vollendete die reformatorische Wendung zur Subjektivität durch seine Existenztheologie. Während Luther schnell, nachdem er selbst der katholischen Nachstellung entkommen war, selbst verfolgerisch wurde und die Lutheraner mit ihrer Staatsgläubigkeit in Preußen (Hofprediger Stocker) und in dem von Hitler gekaperten Deutschland (Deutsche Christen) keine konstruktive Rolle spielten, kann man sich das bei dem “Existenzchristentum” Kierkegaards nicht recht vorstellen. Kierkegaards Innerlichkeitsreligion lehnt das Christentum als Lehre und Organisation ab. Mir scheint, daß erst diese religiöse Reifeform die Gewähr bietet, friedlich zu sein und zu bleiben.

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