Samstag, 13. August 2016

Von Fasern zu Gefühlen



Serotoninspiegel zu niedrig? 
Dürers Stich von 1514 Melencholia I (aus Wikip.)




Simon Eickhoff vom Jülicher Institut für Neurowiss. und Medizin sprach an der TU Dortmund (Koll. “Biologie und Gesellschaft” 10.6.13 ) über “Von Fasern zu Gefühlen”. Aus seiner Inhaltsangabe: “... So selbstverständlich beide Aspekte, biologische Struktur und mentale Leistungen erscheinen, so waren sie doch in der gesellschaftlichen wie wissenschaftlichen Betrachtung der letzten Jahrzehnte oft getrennt. Das Denken und Fühlen lag vor allem in der Domäne der Psychologie, während sich die Anatomie mit dem Feinbau des Gehirns beschäftigte. Gerade über die neuen Möglichkeiten der funktionellen Bildgebung haben sich beide Perspektiven in den letzten Jahren wieder stark aufeinander zu bewegt. Und so ist es ein zentrales Anliegen der heutigen neurowissenschaftlichen Forschung, den Zusammenhang zwischen Struktur und Funktion des Gehirns besser zu verstehen. … Dieser Vortrag bietet einen Einblick in die moderne Hirnforschung und soll dabei Antworten auf folgende Fragen liefern: Wie lassen sich die Struktur, Funktion und Interaktion im menschlichen Gehirn untersuchen? Worüber lassen sich heute schon Aussagen treffen? Wo liegen weitere Perspektiven einer integrierten Betrachtung des Organs Gehirn und seiner Leistungen?” Zur Bedeutung seiner Arbeitsrichtung präsentierte Eickhoff eine eindrucksvolle Statistik über die Krankheiten, die die Lebenszeit beschweren und verkürzen: 1. Depression 2. Alhoholabhängigkeit 3. Osteoarthritis 4. Demenz 5. Schizophrenie 6. Bipolare Erkrankungen 7. Schlaganfall 8. Lungenleiden 9. Unfälle 10. Diabetes
Mag es so sein, daß die Depression heute öfters diagnostiziert wird, während die vor hundert Jahren populäre Diagnose “Hysterie” völlig verschwunden ist, so ist doch beachtlich, welche Bedeutung sie bei den Krankschreibungen erlangt hat. Gut verstanden ist die Depression aber immer noch nicht und es gibt verschiedene Modellvorstellungen (Beck/Ellis, Seligman u.a.) Bei schweren Formen spielen die Botenstoffe eine besondere Rolle, zuvörderst Dopamin, Adrenalin, Noradrenalin und Serotonin (Monoamine). Insbesondere das Serotonin steigert nicht nur die Kontraktionskraft des Herzens und seine Schlagfrequenz, auch die Darmmotorik beeinflußt es und - die Stimmungslage. Antidepressiva suchen entsprechend den Serotoninspiegel zu beeinflussen.

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