Montag, 2. Januar 2017

Priesterunterscheidung rein/unrein


"Einmal im Monat aussätzig
Im abgelegenen Westen Nepals werden Frauen während ihrer Menstruation in schmutzige und kalte Hütten verbannt. Aktivisten fordern ein Ende des Brauchs. Von Till Fähnders
     Singapur, 22. Dezember F.A.Z., Freitag den 23.12.2016
Es war wohl die Suche nach etwas Wärme, die Roshani Tiruwa das Leben kostete. Das 15 Jahre alte Mädchen übernachtete in einer kleinen, kalten Hütte, mehrere Meter vom Haus ihrer Eltern entfernt. So will es eine Tradition, die in Nepal „Chhaupadi“ genannt wird. Denn Roshani Tiruwa hatte ihre Tage. Für ihre Familie war sie damit „unrein“. Als die Neuntklässlerin am Vormittag nicht aus ihrer Hütte kam, wurde die Familie misstrauisch, berichtete die nepalesische Presse. „Dann sahen wir ihren toten Körper“, sagte der Vater. Gegen die Kälte der Nacht hatte sich das Mädchen ein kleines Feuer bereitet. „Ein Mangel an Luft dürfte ihren Tod verursacht haben.“
Der vor allem im abgelegenen Westen Nepals verbreitete Brauch, Frauen für die Zeit ihrer Periode in eine Hütte zu verbannen, ist schon im Jahr 2005 durch das Höchste Gericht verboten worden. Doch er wird nach wie vor praktiziert. Todesfälle wie der von Roshani sind keine Ausnahmeerscheinung. Im November wurde die 21 Jahre alte Dambara Upadhyaya von ihrer Familie leblos aufgefunden. Im Jahr davor war es die 17 Jahre alte Bhawana Malla. Noch zwei Jahre früher war es Sharmila Bhul, 16 Jahre alt. Sie alle lagen in „Chhaupadi goth“, den Menstruationshütten, die meist nicht größer sind als ein Toilettenhäuschen. Es kann ein fensterloser Verschlag für Feuerholz sein oder ein Stall, in dem die Frauen und Mädchen neben dem Vieh schlafen.
Die Todesursachen werden nicht immer geklärt. Manche vergifteten sich, weil sie wie Rohsani Feuerrauch einatmeten, andere wurden von Schlangen gebissen oder von Skorpionen gestochen. Wieder andere bekamen wegen mangelnder Hygiene Durchfall oder Infektionen. Die meisten sind durch eingeschränkte Ernährung zusätzlich geschwächt. ..."

Empirisch denken, oder lieber gar nicht. Theoretiker, Priester und Propheten neigen zur Überspannung, zu Phantasmagorien, Utopien und Religionen. Schön am Boden bleiben, ihr Luftikusse, nah an den Körpern, deren Funktionen und Wirkungsketten. Den Aberglauben des unempirischen Denkens abweisen, die Religionen kalt abduschen, auf Zimmertemperatur bringen. Dann können Geschichtsschreiber dereinst notieren, nach jahrhundertelangen Lernprozessen: Der Westen wehrte die Feinde der Zivilisation ab durch Grenzschließung, und selbst im hinduistischen Nepal gibt es heute keine hinduistischen Menstruationshütten mehr. 

















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