Sonntag, 27. Juni 2021

Die Macht geht vom Volke aus - aber wo geht sie hin?

“Nach der offiziellen Darstellung müßte es so sein, daß die Macht von ihrer ‘Quelle’, dem Volke ausgeht, von dort über die politisch verantwortlichen (gewählten) ‘Repräsentanten’ des Volkes dem Verwaltungsstab zufließt, der dann das Volk nicht mehr als Einheit, sondern nur noch als Summe von Individuen oder Gruppen sieht und weisungsgemäß auf diejenigen, die ihm unterworfen sind Macht anwendet. Die Einheit des Systems kommt dann in der Paradoxie zum Ausdruck, daß das Volk zugleich Souverän und sein eigener Untertan ist. Durch Aufteilung in Volk, Politik, Verwaltung und Publikum = Volk wird diese Paradoxie dann über Unterscheidungen in ein Kreislaufmodell aufgelöst, das zur Schließung des Kreislaufs vorsieht, das Publikum Volk könne in der politischen Wahl auf die Art reagieren, wie es durch die Verwaltung behandelt wird.”*

So also ist das. Man sieht, daß Modelle so weit abstrahieren, daß fast die ganze Realität - wie bei den Klimamodellen - durch ihre Koordinaten hindurchfällt. 

* Luhmann, Die Politik der Gesellschaft, S. 256f.


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