Freitag, 28. Oktober 2022

DIE PERSÖNLICHKEIT

Volk und Knecht und Überwinder,

Sie gestehn zu jeder Zeit:

Höchstes Glück der Erdenkinder

Sei nur die Persönlichkeit.


Jedes Leben sei zu führen,

Wenn man sich nicht selbst vermißt;

Alles könne man verlieren,

Wenn man bliebe, was man ist. 


Goethe, WEST-ÖSTLICHER DIVAN, Suleika, Buch Suleika, Gingo biloba (S. 95)

Von Persönlichkeitswahn und Narzißmus hat er nichts gesagt. Die Zugehörigkeit zu einem Stand und einer Familie war in der Goethezeit noch weitaus wichtiger. Wie heute anhaltend in Ländern wie Indien und Pakistan. Daß der Sohn eines Busfahrers dort Bürgermeister einer Weltstadt werden könnte, ist völlig ausgeschlossen. Darauf wies gerade Sadiq Khan hin, Busfahrersohn und Bürgermeister Londons. Bei Sunak verhält es sich ähnlich. In Indien hätte er als weißer Engländer nie Premierminister werden können.

Der Erwartungsdruck auf den Einzelnen in den westlichen Ländern, ‘eine Persönlichkeit’ zu sein, ist allerdings auch eine Last, die sich in allerhand Albernheiten zeigen kann wie Tätowierungen und Ringen durch Nase und Lippen. Oder im Zurschaustellen von körperlichen Vorzügen, Kim Kardashian hat daraus sogar einen Beruf gemacht.


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